11.10. bis 13.10.2008 – Es neigt sich dem Ende zu
Tja die Tage plätschern hier so vor sich hin. Nichts Aufregendes ist passiert und so gibt es eine kleine Zusammenfassung. Den Samstag mussten wir erst einmal Schlaf nachholen und uns von den Durga Puja Feierlichkeiten erholen. In der Organisation waren auch alle etwas K.O. und so ist nichts Erwähnenswertes passiert.
Sonntag hat Tina an ihrem Video gearbeitet, da sie langsam etwas knapp mit der Zeit ist. Ich habe einen Plan zum Reisen aufgestellt. Er besteht daraus am Samstag um 22:05 mit dem Darjeeling Mail nach Siliguri zu fahren, was zehn Stunden dauert. Der Zug ist der Kategorie „Superfast“ zugeordnet, was bedeutet, dass der Zug es schafft in den zehn Stunden ganze 600 Kilometer zu fahren. Gut ein ICE würde das in dreien schaffen, dafür kostet mein Ticket im klimatisierten Schlafwagen nur 10€. In Siliguri muss ich aussteigen und dann noch mal zwei bis vier Stunden mit dem Bus oder einem Jeep nach Darjeeling fahren. Da werde ich wohl drei Nächte bleiben. Ich hoffe das Wetter bleibt so gut, dann fahre ich morgens mit den ganzen anderen Touristen auf den Tiger Hill, 2500m hoch und von da aus kann man den Sonnenaufgang über dem Himalaya beobachten. Vielleicht reise ich noch nach Sikkim weiter, wo der dritthöchste Berg der Welt, der Kanchenjunga und viele buddhistische Klöster liegen. Dann reise ich weiter westlich immer Richtung Delhi und guck mir an, was mir so auf dem Weg begegnet. Auf jeden Fall jedoch werde ich Halt in Varanasi und Agra machen. Eigentlich will, nein muss ich so viel angucken. Vom westlichen Himalaya über die Wüstenstädte Rajasthans runter zu den Stränden Goas. Aber in zwei Wochen ist das wohl nicht zu bewerkstelligen. Wer hat Lust nächstes Jahr mit mir wieder hierher zu kommen?
N achmittags habe ich noch versucht ein wenig zu schlafen. Es hat mal wieder nicht geklappt. Zuerst kam Tina rein und hat mein Klopapier geklaut, dann kam die Putzfrau und hat gefragt ob ich neues Wasser bräuchte und dann kam Depruschan. In meinem Zimmer ist es dunkel, es ist ruhig also denkt sich Depruschan „Dennis schläft wohl. Dann boller ich jetzt mal gegen die Tür, gehe rein und mache erst mal Licht an“. Gedacht, getan. Na Dankeschön. Er meinte dann, ob ich müde wäre. Selten solch eine blöde Frage gehört. Aber als er mir dann einen leckeren Snack brachte war ich halbwegs wieder versöhnt. Dazu legte er auch ganz dezent mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen meinen Nagelknipser, den ich seit vier Tagen vermisst hatte. An Schlaf war aber nicht mehr zu denken also las ich wieder im Reiseführer und schrieb endlich die Postkarten. Mal gucken wie lange sie brauchen.
Montag wurde schon wieder das ganze Dorf mit Musik beschallt. Morgen steht die nächste Puja vor der Tür. Schöner kann die letzte Woche eigentlich nicht sein, als noch einmal mit einem Fest. Außerdem hat Huub angerufen. Er kommt am Mittwoch mit Dhawan her um sich mal ein wenig über Mikrofinanzen zu informieren. Wir besuchen mit den beiden noch mal eine Zweigstelle und abends geht es dann wohl nach Laxmikantapur. Da können wir uns die Haare schneiden lassen, zumindest ich und ein wenig shoppen. Auf dem Dorf macht es mehr Spaß als in Kolkata, vor allem da man hier nicht an jeder Ecke übers Ohr gehauen wird. Apropos shoppen, der Lieblingseinkaufladen von Tinas Mutter ist: ALDI. Huub und Dhawan bleiben über Nacht und dann fahren sie am Donnerstag wieder.
Monsunzeit ist jetzt endgültig vorbei. Seit Tagen strahlt die Sonne bei 33 Grad und kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen. Die Luftfeuchtigkeit ist aber wegen der ganzen Reisfelder immer noch so hoch und morgens bei Sonnenaufgang ist die ganze Welt in dicke Nebelschwaden gepackt. So jetzt ist es doch etwas mehr geworden. Mal gucken was es morgen von der Puja zu erzählen gibt.
14.10.2008 – Feuerwerk
Sie suchen den absoluten Nervenkitzel? Ihnen macht es nichts aus mal einen Finger oder eine ganze Hand zu verlieren? Sie können sich nichts Schöneres vorstellen, als taub und blind zu sein? Europäische Sicherheitsstandards kotzen Sie an?
Dann kommen Sie nach Indien und kaufen sie Feuerwerkskörper. Nicht diese billigen polnischen Teile oder gar chinesisches Panschzeug. Hier bekommen Sie das Letzte vom Letzten. Wir garantieren eine Zündzeit von, aufgepasst! Nicht zwei Sekunden, nicht einer, nein nach nur einer h a l b e n Sekunde explodiert hier alles. Und um die Spannung zu erhöhen haben wir manchmal ein paar nette Spätzünder eingebaut. Also fackeln sie nicht lange, fackeln sie lieber sich selber ab.
Was sich jetzt lustig anhört ist die reine Wahrheit. Wir haben heute Laxmikantapur besucht um ein wenig einzukaufen. Schokolade, indische Snacks, neues Shampoo und Tinas umgenähtes indisches Outfit, es hat jetzt Ärmchen. Da gingen wir an ein paar Ständen mit Feuerwerk vorbei. Tina war gleich hin und weg. In Australien ist privates Feuerwerk nämlich aus unerfindlichen Gründen verboten. Was wäre denn Sylvester bitte ohne Feuerwerk? Ist das eigentlich ein heidnischer Brauch? Und kommt der Name Heiden von der Heidelandschaft???
Aber weiter im Text: Da wir keine Ahnung hatten kauften wir einfach mal von allem etwas. Es war eines gefährlicher als das andere. Raketen flogen in alle Richtungen oder waren zu schwer um abzuheben (Wer konzipiert so etwas?) Böller explodierten fast zeitgleich mit dem Anzünden und Teppichknaller hatten immer ein paar Spätzünder, die noch nach einer halben Minute explodieren konnten. Wir haben uns dezent zurückgezogen und die Inder machen lassen. Vor allem Banani war total begeistert und hat schön mitgefeuert. Zum Glück ist nichts passiert, aber ich würde gerne wissen, wie viele Leute in Indien jedes Jahr verletzt werden.
15.10.2008 – Kricket
Heute Mittag sind Huub und Dhawan angekommen. Eigentlich wollten wir nachmittags eine Zweigstelle besuchen, aber Anustee hatte keine Zeit, so dass das auf morgen verschoben ist. Dafür haben Huub, Dhawan und ich einen Spaziergang durchs Dorf gemacht. Wir trafen auf ein paar Jugendlich, die Kricket gespielt haben und so versuchten auch wir unser Glück. Huub hat den Ball am Anfang zu hart weggeschlagen, so dass zwei Kricketbälle im Teich landeten. Kricket ist gar nicht so leicht, aber es hat Spaß gemacht. Wir wechselten uns mit schlagen und werfen ab und verbrachten wohl eine Stunde dort. Danach sind wir weiter, weil die beiden das Dorf so schön fanden. Dhawan ist in seinen zwanzig Lebensjahren noch nie auf dem Dorf gewesen sondern hat immer in der Stadt gewohnt und ist nie dort herausgekommen. Was für eine Vorstellung, dass es bestimmt viele Menschen gibt die ihr ganzes Leben nichts anderes sehen als diesen Moloch von Stadt.
Abends wollten wir eigentlich nach Laxmikantapur aber wir haben zwei Stunden am Teich gesessen und uns unterhalten. Danach haben die drei das Video angeguckt und ich nach Zügen nach Darjeeling gegeuckt. Mir war nämlich aufgefallen, dass der Darjeeling Mail eine Warteliste von 250 Leuten aufweist. Also schauten wir sämtliche Alternativen durch, doch der einzige Zug der noch eine annehmbare Warteschlange von 12 Leuten hatte wäre um zwei Uhr nachts dort angekommen. Ich war schon am überlegen, ob ich einen Bus dorthin nehme doch dann viel mir eine kleine Einstellung auf, bei der man für Ausländer gucken konnte. Für Samstag sind noch alle Plätze frei, Glück gehabt. Ich fahre jetzt Schlafwagen ohne Klimaanlage, da wir ja nachts fahren und es sich doch schon gut abkühlt. Das kostet mich jetzt noch ganze 4€ für die Fahrt.
Danach rief Samu, ein Kerl aus dem Dorf an und meinte es wäre ein Kricketmatch am Laufen und wir sollten hinkommen. Also gingen wir hin um uns Kricket anzugucken. Das ganze Dorf stand um den Platz herum und mit zwei Stromgeneratoren hatten sie sogar Halogenstrahler zum Laufen gebracht. Kricket ist jetzt nicht wirklich mein Sport und steht auf meiner Erregungsskala zwischen Rhönrad und Hallenhalma. Die Inder waren jedoch total begeistert und haben die lokale Mannschaft frenetisch gefeiert. Nach drei Partien konnte ich die anderen endlich davon überzeugen wieder zurückzugehen, da mir doch sehr langweilig wurde.
Wir haben dann noch bis zwanzig vor eins zusammen mit Banani den neuen Film mit Ben Stiller geguckt, irgendwas mit Z. Er war ganz annehmbar doch Dhawan und Huub sind eingeschlafen und Banani konnte über den Humor nicht lachen. Die einzige, die ihn wirklich gut fand war Tina. Wenigstens waren wir alle müde und können jetzt schön schlafen gehen.
16.10.2008 – Das letzte Mal
Heute haben wir mit Huub und Dhawan das letzte Mal eine Zweigstelle besucht. Wir fuhren morgens nach Krishnachandrapur und besuchten zuerst ein Gruppentreffen, wo wir den Frauen ein paar Fragen stellen konnten. Danach gingen wir noch zu einigen Frauen nach Hause, wo sie uns zeigten, wie sie Saris besticken. Auch bei einem kleinen Familienunternehmen das Kleidung herstellt waren wir. Selbst der 12-jährige Sohn schneidert schon gekonnt an Oberteilen herum. Die beiden waren sehr beeindruckt einmal von der Arbeit der Menschen und dann davon, dass wieder 100 Leute um uns herumstanden. Es ist schon lustig, ich kann sozusagen mich selber bei meinen ersten Besuchen beobachten. Zum Mittagessen waren wir wieder zurück und bald danach verließen die beiden uns auch. Ich verbrachte den Nachmittag damit, Sachen für meine Reise zu organisieren und abends fuhr ich mit Banani nach Laxmikantapur um eine schöne Sari zu kaufen. Ich dachte, dass das bei mir nicht so lange dauern würde, aber bei den ganzen schönen Saris muss selbst ich eine Weile überlegen. Aber mit Bananis Hilfe habe ich dann doch die schönste gefunden. Danach ging es noch zum Friseur. In Deutschland geht das ja recht schnell bei mir, einmal mit der Maschine rüber und gut. Hier wird alles mit einer Schere geschnitten und so dauerte das Ganze dann etwa 20 Minuten. Banani war in der Zwischenzeit einkaufen gegangen und als sie wiederkam bekam ich gerade eine Massage, die jeder bekommt, der lange auf dem Stuhl sitzt. Eine sehr komische Massage war das, mit Finger einrenken, auf den Kopf klopfen und Arm ausschütteln, aber was macht man hier nicht alles mit. Gekostet hat es ganze 25 cent. Jetzt bin ich aber müde und muss schlafen. Morgen ist mein letzter Tag hier und es sind noch einige Sachen zu organisieren.
Freitag, 17. Oktober 2008
Samstag, 11. Oktober 2008
The Kinks - Village Green
05.10. bis 10.10.2008 – Der große Durga Puja Bericht
So endlich gibt es wieder einen neuen Blog. Die letzten Tage war hier Ausnahmezustand, da Durga Puja gefeiert wurde, das größte Fest in West Bengalen geweiht der Göttin Durga. Außerdem war ich drei Tage in Kolkata. Aber der Reihe nach.
Sonntag: Am Sonntag waren wir mit Anustee bei Mr. Mondal zum Mittagessen eingeladen. Er war zwar in Kolkata aber sine Frau und Arpan waren ja noch da. Für uns wurde alles aufgetischt, sogar Lammfleisch gab es. Die anderen haben davon aber nichts gegessen, da am Sonntag vor der Puja traditionell gefastet wird. Danach haben wir mal wieder durchs Fernsehprogramm gezappt. Anhand der Werbung kann man doch sehen, wie weit Indien schon international verzweigt ist. VW macht Werbung für den Jetta, Colgate, Head & Shoulders und die Allianz sind auch vertreten. Sogar Cilit Bang wird beworben. Das Beste war aber ein Hautaufheller. Inder können gar nicht verstehen warum Europäer so gerne braune Haut haben. Für sie ist weiße Haut am erstrebenswertesten. Der Mensch will immer das, was er nicht haben kann.
Den ganzen Tag spielte schon Musik, auch nachts um eins noch. Und am Montagmorgen wurde ich um fünf schon wieder von lauter Musik geweckt. Aber zum Glück kann man die Fenster ja schließen.
Montag: Den Tag über habe ich dann ein sehr interessantes Dokument über Einkommensprogramme in der dritten Welt gelesen und mir Gedanken darüber gemacht, wie man das auf die Region hier anwenden kann, da VSSU solch ein Programm plant.
Abends sind wir mit Mr. Mondal die Durga Puja Tempel angucken gefahren. In jedem noch so kleinen Dorf ist ein Tempel aus Bambus und Stoff aufgebaut und drinnen stehen zwar immer die gleichen Figuren der Gottheiten, jedoch gleicht keiner dem anderen. Am besten schaut ihr euch die Fotos an, dann seht ihr es selber. Mr. Mondal ist dann mit uns zu einem Freund, der Kleidung verkauft und hat uns beiden ein original indisches Outfit geschenkt, das wir in Kolkata tragen sollten. Da ich abends nicht schlafen konnte war ich bis drei unten im Büro. Tina hatte bis halb zwei noch ihre Steuererklärung gemacht und dann war ich im Internet. Mr. Mondal war auch noch in seinem Büro und hat mit seinem Freund geplaudert. Als er ihn um halb drei dann nach Hause fuhr wünschte ich den beiden eine gute Nacht, aber Mr. Mondal meinte, er würde in einer halben Stunde wiederkommen und noch ein wenig arbeiten. Ich weiß schon, warum er meint, dass seine Frau immer Stress machen würde.
Dienstag: Am Dienstag sollten wir dann nach Kolkata starten. Ein ex-Aiesecer, der in der Organisation zu Besuch war und den wir zehn Minuten gesehen hatten, hatte uns eingeladen. Vinay ist sein Name und im Moment arbeitet er mit seiner Freundin Ekta und einem Aiesecer aus Holland, Huub, an einem Klimawandelprojekt. Sie haben eine Website gestaltet (www.switchon.org.in) und gehen demnächst an die Schulen um dort über den Klimawandel zu informieren. Vinays Familie ist sehr reich (Sie besitzen neben dem gesamten sechsstöckigen Haus in Kolkata auch noch einen Palast in Rajasthan), so dass er im Moment nicht arbeiten braucht und das Projekt so finanzieren kann. Außerdem sind sie Vegetarier und doch alle recht beleibt. Wie das möglich ist merkte ich beim Essen, es gibt zu jeder Mahlzeit reichlich Weißbrot mit Butter anstatt dem üblichen Reis. Ich bin mit Tina dann shoppen gegangen. Warum weiß ich auch nicht. Wir sind durch 500 Geschäfte gelaufen und Tina hat sich neue Schuhe und eine Handtasche aus Leder gekauft. Die Schuhe haben ein Euro fünfzig gekostet und die Handtasche sieben Euro. Hat sie wenigstens ein Schnäppchen gemacht, obwohl die Tasche wohl immer noch zu teuer war, denn sie hat noch ein Portemonnaie geschenkt bekommen. Besonders bemerkenswert war das Schuhgeschäft, in dem es eine Rolltreppe gab. An sich nichts besonderes, in Kolkata schon. Zwei Mitarbeiter waren nur damit beschäftigt den Menschen auf die Rolltreppe zu helfen, weil die meisten so etwas nicht kennen.
Ab neun sind wir dann alle zusammen mit Ektas Bruder Dhawan und einem Freund von Vinay losgezogen um die Tempel in der Stadt zu sehen. Es war grandios. Überall hingen bunte Lämpchen und beleuchteten alles, manche wurden mit Solarenergie oder Windkraft betrieben, die Tempel waren sehr beeindruckend und alle in vollkommen unterschiedlichen Stilen erbaut und die ganze Stadt war auf der Straße. Wir sind noch Riesenrad gefahren, haben auf Ballons geschossen (zu gewinnen gab es Plastikkörbe), einen Mitternachtssnack in Form eines Linsengerichtes zu uns genommen und einen Tempel nach dem anderen besucht. Natürlich waren wir auch in Kolkata eine Attraktion, insbesondere da wir unser indisches Outfit anhatten (Huub hatte sich eines von Vinay geliehen) und so waren wir wieder ständig am Händeschütteln. Um vier sind wir dann wieder aufgebrochen, da allen die Füße wehgetan haben. Die Party war aber lange noch nicht vorbei. Bis sieben Uhr geht es meistens. Erstaunlich war für mich, dass selbst die Kinder um vier noch auf den Beinen waren und mit ihren Eltern durch die Gegend liefen.
Mittwoch: Am Mittwoch stand, nach kurzen Schlaf bis halb zehn, tagsüber ein Videodreh für die Website auf dem Plan. Tina konnte da natürlich einige Tipps geben, ich war im Internet und habe über den Zusammenbruch der Finanzwelt gelesen. In Indien ist die Börse von 22.000 Punkten im November 2007 auf 10.500 abgestürzt und in der Zeitung stand, dass ein Börsenmakler erst seine Familie und dann sich umgebracht hat, weil er alles Geld verloren hat. Außerdem begann ich ein sehr interessantes Buch über den Klimawandel zu lesen. Abends sind wir mit Dhawan eine Shisha rauchen gegangen. Die erste Shishabar war geschlossen, da es ein neues Anti-Rauchergesetz in Kolkata gibt. Die zweite Shishabar hat aber die Behörden bestochen und so konnten wir ungestört rauchen. Zurück in Vinays Haus war ein Gast dort, der auch eine Klimawandel-NGO betreibt und interviewt werden sollte. Ich habe mich ein wenig mit ihm unterhalten und er erzählte mir, dass er begeistert von Deutschland sei. Er hat sogar Ende der 80er deutsch gelernt und war 1993 für sechs Wochen in Frankfurt und Stuttgart zum arbeiten bei einem Unternehmen, dass Dämmstoffe für die ESA herstellt. Leider musste er die meiste Zeit arbeiten oder an Konferenzen teilnehmen und hatte so keine Zeit Deutschland zu besichtigen. Was er unbedingt angucken möchte sind Ostsee und Schwarzwald. Ich habe ihn nach Kiel eingeladen, aber ich glaube ihm fehlt das nötige Kleingeld für einen Besuch.
Nach dem Abendbrot fuhren Tina, Huub, Dhawan und ich zu dem Freund von Vinay, da dort eine Party steigen sollte. Wir fuhren für zwei Euro 20 Minuten mit dem Taxi etwas außerhalb der Innenstadt. Dort war ein Wohnkomplex mit modernen, gepflegten Anlagen in denen die Reichen der Stadt wohnen. Diese hatten auch einen bekannten DJ engagiert und so tanzte die Menge draußen zu indischer Musik. Alle waren vollkommen durchgeschwitzt, als wir dazustießen, da sie schon seit acht bei 30 Grad am Tanzen waren. Wir mischten uns unter die Menge und tanzten mit. Am Ausschweifendsten feierte aber nicht die Jugend sondern die Generation um die 40. Nachdem der DJ um halb elf verschwand und ein anderer übernahm lud uns Vinays Freund in seine Wohnung ein. Was für eine Luxushütte. Die Wohnung liegt im achten Stock mit super Blick auf die Stadt und würde in Deutschland wohl um die 200.000€ kosten. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass auch Vinays Freund ehemaliger Aiesecer ist. Er kannte sogar die gleichen Trinkspiele, die wir in Deutschland auch spielen (Zoom und Boat Race). Außerdem erfuhren wir, dass seine Familie dick in der Stahlbranche ist und dass er seit sechs Jahren verheiratet ist, er ist 26, sie etwa 21. Was ist das eigentlich für eine Unsitte, dass alle hübschen Frauen in meinem Alter schon jahrelang verheiratet sind?
Nachdem wir Mangoeis gegessen hatten fuhren wir wieder in die Stadt in einen angesagten Club. Tina ist im Auto eingeschlafen, ihr war nicht mehr so nach Club aber wir konnten ja mal reinschauen. Nachdem wir dann aber erfuhren, dass der Eintritt pro Person 25€ beträgt haben wir uns doch umentschieden. Nur zum reinschauen war das nun doch zu teuer. Der Rest der Gruppe ist dann ohne uns rein gegangen. Einmal kurz die goldene Visacard gezückt und rein ging es. Insgesamt haben sie 15.000 Rupien bezahlt. Viele Familien auf dem Land leben von weniger als 100 Rupien am Tag, die VSSU Kredite beginnen mit 5000 Rupien aber das nur mal am Rande.
Mit Dhawan gingen wir erst in ein chinesisches Restaurant, wo wir ein paar Kleinigkeiten aßen und ein Bierchen tranken. Es war schon halb eins geworden und es kamen noch ganze Familien rein um zu Essen. Das Restaurant war voll belegt.
Danach sind wir noch einen Kaffee trinken gegangen und haben uns unterhalten. Dhawan erzählte uns, dass er das traditionelle indische Leben nicht mag. Bis vor einem Monat hatte er auch noch lange Haare, etwas was die meisten Leute hier mit Drogen verbinden. Seine Eltern sind zwar nicht gerade zufrieden mit seinem Lebensstil, bezahlen im aber trotzdem alles was er haben will. Sein Traum ist es in England zu studieren und dann dort zu bleiben. Wir mussten ihm eine Menge über das westliche Leben erzählen, ganz besonders wie das mit den Beziehungen abläuft. Wir spielten dann noch eine Runde Scrabble auf Englisch, bei der Huub und ich natürlich keine Chance hatten und wiederum um vier kamen wir zu Hause an. Erstaunlich für mich war noch, dass die Bedienstete die im Haushalt arbeitet im Wohnzimmer auf dem Fußboden schläft.
Donnerstag: Am Donnerstag wollten wir eigentlich wieder zurück aber Tina bekam eine Mail, dass sie zu einem telefonischen Bewerbungsgespräch um halb neun abends eingeladen ist. Sie hatte sich bei einigen Unternehmen beworben und ein Unternehmen aus den Staaten hatte sich daraufhin gemeldet. Da es auf dem Land etwas schwierig ist mit telefonieren ins Ausland entschieden wir uns noch zu bleiben und das Gespräch über Skype zu führen. Ich wollte endlich das Museum besuchen, das aber am Donnerstag geschlossen war… So verbrachte ich den Tag mit lesen im Reiseführer um endlich mal einen Überblick zu bekommen, was ich machen möchte. Ich habe mich jetzt entschieden erst einmal nach Darjeeling zu fahren und dann weiter Richtung Delhi. Tina wird wohl gar nicht richtig reisen, denn wenn sie den Job bekommt muss sie Internet haben, da sie irgendetwas online bearbeitet oder so. Ihr Plan ist, erst bei VSSU zu bleiben und dann nach Delhi zu reisen und von dort aus Tagestouren zu unternehmen. Ein wirklich grandioser Plan. Da ist sie schon mal in Indien und dann zieht sie es vor zu arbeiten anstatt sich das Land anzugucken, vor allem da sie das Geld noch nicht einmal wirklich braucht. Ich verstehe das nicht, aber muss ich ja auch nicht.
Mit Dhawan sind wir dann abends wieder losgezogen, Vinay und Ekta hatten noch zu tun. Zuerst waren wir bei einem Laden wo wir Milch mit Cola tranken. Es hört sich schlimmer an, als es ist. Auf den Straßen war jede menge los, denn alle Götter aus den Tempeln wurden auf LKW durch die Straßen gezogen um schließlich im Hoogly baden zu gehen. Überall waren Trommler und die Leute haben auf den Straßen getanzt. Huub und ich wurden einmal von einer Meute umringt und mussten mittanzen bis Dhawan uns dem Getümmel befreien konnte. Wir fuhren mit dem Taxi zum Fluss um dort der Zeremonie beizuwohnen. Es waren so viele Menschen mit ihren Göttern dort und im Minutentakt wurden Statuen im Wasser versengt. Es muss ein toller Anblick sein jetzt durch den Golf von Bengalen zu fahren.
Ein kleiner Exkurs in Sachen Taxifahren in Kolkata. Kaum ein Fahrer kennt sich aus, da die meisten aus den umliegenden Bundesstaaten kommen und so die Stadt kein Stück kennen. So kommt man häufig erst mit Umwegen an sein Ziel, so fern es sich nicht um eine der Hauptattraktionen handelt. Um den Preis zu ermitteln multipliziere man den Betrag des Taximeters mit zwei und addiere noch einmal zwei. Und nachts gelten rote Ampeln nicht. Wenn die Kreuzung frei ist wird einfach drüber gefahren. Die Polizisten, die an jeder großen Kreuzung sitzen stört das auch nicht. Außerdem sind viele Taxen einfach zu klein für mich, so dass ich meinen Kopf schräg halten muss um nicht ständig gegen das Dach zu stoßen.
Freitag: Nach dem frühstück und einer Dusche fuhren wir mit dem Zug wieder nach Laxmikantapur. Es war ungewöhnlich still, da alle Leute müde waren und außerdem eine drückende Hitze bei 100% Luftfeuchte. So konnte ich in VSSU gleich wieder duschen. Den Nachmittag habe ich damit verbracht weiter das Dokument über Einkommensmaßnahmen zu lesen und mich von dem anstrengenden Fest zu erholen. Darpan kam zwischendurch und meinte wir müssten abends unbedingt ins Dorf kommen, da sie die Götter im Dorfteich versenken würden. So gingen wir um acht ins Dorf. Viele waren am Tanzen, Männer und Frauen tanzen getrennt und der Rest stand drum herum. Aus jedem Haus bekamen die Götter etwas zu essen und zu trinken von den Frauen gereicht. Warum die Bengalen eigentlich keinen Alkohol trinken wurde mir beim Tanzen klar. Die Männer waren fast alle betrunken von irgendeinem selbst gebrannten Zeug und rempelten, schubsten und zogen ohne Ende. Ständig fiel einer auf den Boden oder bekam einen Ellenbogen in die Rippen (inklusive mir). In Deutschland wäre bei solchen Sachen schon eine Massenschlägerei ausgebrochen aber hier nehmen die Leute das hin und tanzen einfach weiter. Nach drei Stunden waren alle vollkommen Nass geschwitzt und es ging daran die Götter zu baden. Ich wollte meine Kamera holen, wurde aber von Mr. Mondal aufgehalten um mit Tina und ihm einen Tee zu trinken. Und auf eine Einladung zum Tee gibt es hier nur eine Antwort: Yes, please. So verpasste ich leider die Zeremonie. Nach dem Tee ging ich wieder zum Festplatz wo es nun Essen für das ganze Dorf gab. Ein einfaches Gericht aus Linsen und Kartoffeln aber sehr schmackhaft. Tina und Mr. Mondal kamen kurz darauf auch und setzten sich an einen Tisch. Ich saß mit den Dorfbewohnern im Schneidersitz auf dem Boden und unterhielt mich mit einem Kerl in etwa meinem Alter der Privatunterricht in Englisch gibt. Um halb eins war das Essen vorbei und wir bekamen noch eine kostenlose Sprite. Dann war Durga Puja zu Ende. Ein wunderbares Fest. Wenn ihr vorhabt irgendwann einmal nach West Bengalen zu kommen, kommt zu Durga Puja.
Bezahlt wird das Fest auf dem Dorf übrigens von den Bewohnern. In der Stadt spenden Organisationen oder Unternehmen manchmal Tempel. Der Tempel aus Drahtgeflecht zum Beispiel wurde vom Stahlgeschäft von Vinays Freund bezahlt. Für den Rest wird in Kolkata eine Sondersteuer erhoben. So vier Seiten sind jetzt auch genug. Guckt euch die Fotos an, dann bekommt ihr eine Vorstellung von dem was in den Dörfern und Kolkata los ist.
So endlich gibt es wieder einen neuen Blog. Die letzten Tage war hier Ausnahmezustand, da Durga Puja gefeiert wurde, das größte Fest in West Bengalen geweiht der Göttin Durga. Außerdem war ich drei Tage in Kolkata. Aber der Reihe nach.
Sonntag: Am Sonntag waren wir mit Anustee bei Mr. Mondal zum Mittagessen eingeladen. Er war zwar in Kolkata aber sine Frau und Arpan waren ja noch da. Für uns wurde alles aufgetischt, sogar Lammfleisch gab es. Die anderen haben davon aber nichts gegessen, da am Sonntag vor der Puja traditionell gefastet wird. Danach haben wir mal wieder durchs Fernsehprogramm gezappt. Anhand der Werbung kann man doch sehen, wie weit Indien schon international verzweigt ist. VW macht Werbung für den Jetta, Colgate, Head & Shoulders und die Allianz sind auch vertreten. Sogar Cilit Bang wird beworben. Das Beste war aber ein Hautaufheller. Inder können gar nicht verstehen warum Europäer so gerne braune Haut haben. Für sie ist weiße Haut am erstrebenswertesten. Der Mensch will immer das, was er nicht haben kann.
Den ganzen Tag spielte schon Musik, auch nachts um eins noch. Und am Montagmorgen wurde ich um fünf schon wieder von lauter Musik geweckt. Aber zum Glück kann man die Fenster ja schließen.
Montag: Den Tag über habe ich dann ein sehr interessantes Dokument über Einkommensprogramme in der dritten Welt gelesen und mir Gedanken darüber gemacht, wie man das auf die Region hier anwenden kann, da VSSU solch ein Programm plant.
Abends sind wir mit Mr. Mondal die Durga Puja Tempel angucken gefahren. In jedem noch so kleinen Dorf ist ein Tempel aus Bambus und Stoff aufgebaut und drinnen stehen zwar immer die gleichen Figuren der Gottheiten, jedoch gleicht keiner dem anderen. Am besten schaut ihr euch die Fotos an, dann seht ihr es selber. Mr. Mondal ist dann mit uns zu einem Freund, der Kleidung verkauft und hat uns beiden ein original indisches Outfit geschenkt, das wir in Kolkata tragen sollten. Da ich abends nicht schlafen konnte war ich bis drei unten im Büro. Tina hatte bis halb zwei noch ihre Steuererklärung gemacht und dann war ich im Internet. Mr. Mondal war auch noch in seinem Büro und hat mit seinem Freund geplaudert. Als er ihn um halb drei dann nach Hause fuhr wünschte ich den beiden eine gute Nacht, aber Mr. Mondal meinte, er würde in einer halben Stunde wiederkommen und noch ein wenig arbeiten. Ich weiß schon, warum er meint, dass seine Frau immer Stress machen würde.
Dienstag: Am Dienstag sollten wir dann nach Kolkata starten. Ein ex-Aiesecer, der in der Organisation zu Besuch war und den wir zehn Minuten gesehen hatten, hatte uns eingeladen. Vinay ist sein Name und im Moment arbeitet er mit seiner Freundin Ekta und einem Aiesecer aus Holland, Huub, an einem Klimawandelprojekt. Sie haben eine Website gestaltet (www.switchon.org.in) und gehen demnächst an die Schulen um dort über den Klimawandel zu informieren. Vinays Familie ist sehr reich (Sie besitzen neben dem gesamten sechsstöckigen Haus in Kolkata auch noch einen Palast in Rajasthan), so dass er im Moment nicht arbeiten braucht und das Projekt so finanzieren kann. Außerdem sind sie Vegetarier und doch alle recht beleibt. Wie das möglich ist merkte ich beim Essen, es gibt zu jeder Mahlzeit reichlich Weißbrot mit Butter anstatt dem üblichen Reis. Ich bin mit Tina dann shoppen gegangen. Warum weiß ich auch nicht. Wir sind durch 500 Geschäfte gelaufen und Tina hat sich neue Schuhe und eine Handtasche aus Leder gekauft. Die Schuhe haben ein Euro fünfzig gekostet und die Handtasche sieben Euro. Hat sie wenigstens ein Schnäppchen gemacht, obwohl die Tasche wohl immer noch zu teuer war, denn sie hat noch ein Portemonnaie geschenkt bekommen. Besonders bemerkenswert war das Schuhgeschäft, in dem es eine Rolltreppe gab. An sich nichts besonderes, in Kolkata schon. Zwei Mitarbeiter waren nur damit beschäftigt den Menschen auf die Rolltreppe zu helfen, weil die meisten so etwas nicht kennen.
Ab neun sind wir dann alle zusammen mit Ektas Bruder Dhawan und einem Freund von Vinay losgezogen um die Tempel in der Stadt zu sehen. Es war grandios. Überall hingen bunte Lämpchen und beleuchteten alles, manche wurden mit Solarenergie oder Windkraft betrieben, die Tempel waren sehr beeindruckend und alle in vollkommen unterschiedlichen Stilen erbaut und die ganze Stadt war auf der Straße. Wir sind noch Riesenrad gefahren, haben auf Ballons geschossen (zu gewinnen gab es Plastikkörbe), einen Mitternachtssnack in Form eines Linsengerichtes zu uns genommen und einen Tempel nach dem anderen besucht. Natürlich waren wir auch in Kolkata eine Attraktion, insbesondere da wir unser indisches Outfit anhatten (Huub hatte sich eines von Vinay geliehen) und so waren wir wieder ständig am Händeschütteln. Um vier sind wir dann wieder aufgebrochen, da allen die Füße wehgetan haben. Die Party war aber lange noch nicht vorbei. Bis sieben Uhr geht es meistens. Erstaunlich war für mich, dass selbst die Kinder um vier noch auf den Beinen waren und mit ihren Eltern durch die Gegend liefen.
Mittwoch: Am Mittwoch stand, nach kurzen Schlaf bis halb zehn, tagsüber ein Videodreh für die Website auf dem Plan. Tina konnte da natürlich einige Tipps geben, ich war im Internet und habe über den Zusammenbruch der Finanzwelt gelesen. In Indien ist die Börse von 22.000 Punkten im November 2007 auf 10.500 abgestürzt und in der Zeitung stand, dass ein Börsenmakler erst seine Familie und dann sich umgebracht hat, weil er alles Geld verloren hat. Außerdem begann ich ein sehr interessantes Buch über den Klimawandel zu lesen. Abends sind wir mit Dhawan eine Shisha rauchen gegangen. Die erste Shishabar war geschlossen, da es ein neues Anti-Rauchergesetz in Kolkata gibt. Die zweite Shishabar hat aber die Behörden bestochen und so konnten wir ungestört rauchen. Zurück in Vinays Haus war ein Gast dort, der auch eine Klimawandel-NGO betreibt und interviewt werden sollte. Ich habe mich ein wenig mit ihm unterhalten und er erzählte mir, dass er begeistert von Deutschland sei. Er hat sogar Ende der 80er deutsch gelernt und war 1993 für sechs Wochen in Frankfurt und Stuttgart zum arbeiten bei einem Unternehmen, dass Dämmstoffe für die ESA herstellt. Leider musste er die meiste Zeit arbeiten oder an Konferenzen teilnehmen und hatte so keine Zeit Deutschland zu besichtigen. Was er unbedingt angucken möchte sind Ostsee und Schwarzwald. Ich habe ihn nach Kiel eingeladen, aber ich glaube ihm fehlt das nötige Kleingeld für einen Besuch.
Nach dem Abendbrot fuhren Tina, Huub, Dhawan und ich zu dem Freund von Vinay, da dort eine Party steigen sollte. Wir fuhren für zwei Euro 20 Minuten mit dem Taxi etwas außerhalb der Innenstadt. Dort war ein Wohnkomplex mit modernen, gepflegten Anlagen in denen die Reichen der Stadt wohnen. Diese hatten auch einen bekannten DJ engagiert und so tanzte die Menge draußen zu indischer Musik. Alle waren vollkommen durchgeschwitzt, als wir dazustießen, da sie schon seit acht bei 30 Grad am Tanzen waren. Wir mischten uns unter die Menge und tanzten mit. Am Ausschweifendsten feierte aber nicht die Jugend sondern die Generation um die 40. Nachdem der DJ um halb elf verschwand und ein anderer übernahm lud uns Vinays Freund in seine Wohnung ein. Was für eine Luxushütte. Die Wohnung liegt im achten Stock mit super Blick auf die Stadt und würde in Deutschland wohl um die 200.000€ kosten. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass auch Vinays Freund ehemaliger Aiesecer ist. Er kannte sogar die gleichen Trinkspiele, die wir in Deutschland auch spielen (Zoom und Boat Race). Außerdem erfuhren wir, dass seine Familie dick in der Stahlbranche ist und dass er seit sechs Jahren verheiratet ist, er ist 26, sie etwa 21. Was ist das eigentlich für eine Unsitte, dass alle hübschen Frauen in meinem Alter schon jahrelang verheiratet sind?
Nachdem wir Mangoeis gegessen hatten fuhren wir wieder in die Stadt in einen angesagten Club. Tina ist im Auto eingeschlafen, ihr war nicht mehr so nach Club aber wir konnten ja mal reinschauen. Nachdem wir dann aber erfuhren, dass der Eintritt pro Person 25€ beträgt haben wir uns doch umentschieden. Nur zum reinschauen war das nun doch zu teuer. Der Rest der Gruppe ist dann ohne uns rein gegangen. Einmal kurz die goldene Visacard gezückt und rein ging es. Insgesamt haben sie 15.000 Rupien bezahlt. Viele Familien auf dem Land leben von weniger als 100 Rupien am Tag, die VSSU Kredite beginnen mit 5000 Rupien aber das nur mal am Rande.
Mit Dhawan gingen wir erst in ein chinesisches Restaurant, wo wir ein paar Kleinigkeiten aßen und ein Bierchen tranken. Es war schon halb eins geworden und es kamen noch ganze Familien rein um zu Essen. Das Restaurant war voll belegt.
Danach sind wir noch einen Kaffee trinken gegangen und haben uns unterhalten. Dhawan erzählte uns, dass er das traditionelle indische Leben nicht mag. Bis vor einem Monat hatte er auch noch lange Haare, etwas was die meisten Leute hier mit Drogen verbinden. Seine Eltern sind zwar nicht gerade zufrieden mit seinem Lebensstil, bezahlen im aber trotzdem alles was er haben will. Sein Traum ist es in England zu studieren und dann dort zu bleiben. Wir mussten ihm eine Menge über das westliche Leben erzählen, ganz besonders wie das mit den Beziehungen abläuft. Wir spielten dann noch eine Runde Scrabble auf Englisch, bei der Huub und ich natürlich keine Chance hatten und wiederum um vier kamen wir zu Hause an. Erstaunlich für mich war noch, dass die Bedienstete die im Haushalt arbeitet im Wohnzimmer auf dem Fußboden schläft.
Donnerstag: Am Donnerstag wollten wir eigentlich wieder zurück aber Tina bekam eine Mail, dass sie zu einem telefonischen Bewerbungsgespräch um halb neun abends eingeladen ist. Sie hatte sich bei einigen Unternehmen beworben und ein Unternehmen aus den Staaten hatte sich daraufhin gemeldet. Da es auf dem Land etwas schwierig ist mit telefonieren ins Ausland entschieden wir uns noch zu bleiben und das Gespräch über Skype zu führen. Ich wollte endlich das Museum besuchen, das aber am Donnerstag geschlossen war… So verbrachte ich den Tag mit lesen im Reiseführer um endlich mal einen Überblick zu bekommen, was ich machen möchte. Ich habe mich jetzt entschieden erst einmal nach Darjeeling zu fahren und dann weiter Richtung Delhi. Tina wird wohl gar nicht richtig reisen, denn wenn sie den Job bekommt muss sie Internet haben, da sie irgendetwas online bearbeitet oder so. Ihr Plan ist, erst bei VSSU zu bleiben und dann nach Delhi zu reisen und von dort aus Tagestouren zu unternehmen. Ein wirklich grandioser Plan. Da ist sie schon mal in Indien und dann zieht sie es vor zu arbeiten anstatt sich das Land anzugucken, vor allem da sie das Geld noch nicht einmal wirklich braucht. Ich verstehe das nicht, aber muss ich ja auch nicht.
Mit Dhawan sind wir dann abends wieder losgezogen, Vinay und Ekta hatten noch zu tun. Zuerst waren wir bei einem Laden wo wir Milch mit Cola tranken. Es hört sich schlimmer an, als es ist. Auf den Straßen war jede menge los, denn alle Götter aus den Tempeln wurden auf LKW durch die Straßen gezogen um schließlich im Hoogly baden zu gehen. Überall waren Trommler und die Leute haben auf den Straßen getanzt. Huub und ich wurden einmal von einer Meute umringt und mussten mittanzen bis Dhawan uns dem Getümmel befreien konnte. Wir fuhren mit dem Taxi zum Fluss um dort der Zeremonie beizuwohnen. Es waren so viele Menschen mit ihren Göttern dort und im Minutentakt wurden Statuen im Wasser versengt. Es muss ein toller Anblick sein jetzt durch den Golf von Bengalen zu fahren.
Ein kleiner Exkurs in Sachen Taxifahren in Kolkata. Kaum ein Fahrer kennt sich aus, da die meisten aus den umliegenden Bundesstaaten kommen und so die Stadt kein Stück kennen. So kommt man häufig erst mit Umwegen an sein Ziel, so fern es sich nicht um eine der Hauptattraktionen handelt. Um den Preis zu ermitteln multipliziere man den Betrag des Taximeters mit zwei und addiere noch einmal zwei. Und nachts gelten rote Ampeln nicht. Wenn die Kreuzung frei ist wird einfach drüber gefahren. Die Polizisten, die an jeder großen Kreuzung sitzen stört das auch nicht. Außerdem sind viele Taxen einfach zu klein für mich, so dass ich meinen Kopf schräg halten muss um nicht ständig gegen das Dach zu stoßen.
Freitag: Nach dem frühstück und einer Dusche fuhren wir mit dem Zug wieder nach Laxmikantapur. Es war ungewöhnlich still, da alle Leute müde waren und außerdem eine drückende Hitze bei 100% Luftfeuchte. So konnte ich in VSSU gleich wieder duschen. Den Nachmittag habe ich damit verbracht weiter das Dokument über Einkommensmaßnahmen zu lesen und mich von dem anstrengenden Fest zu erholen. Darpan kam zwischendurch und meinte wir müssten abends unbedingt ins Dorf kommen, da sie die Götter im Dorfteich versenken würden. So gingen wir um acht ins Dorf. Viele waren am Tanzen, Männer und Frauen tanzen getrennt und der Rest stand drum herum. Aus jedem Haus bekamen die Götter etwas zu essen und zu trinken von den Frauen gereicht. Warum die Bengalen eigentlich keinen Alkohol trinken wurde mir beim Tanzen klar. Die Männer waren fast alle betrunken von irgendeinem selbst gebrannten Zeug und rempelten, schubsten und zogen ohne Ende. Ständig fiel einer auf den Boden oder bekam einen Ellenbogen in die Rippen (inklusive mir). In Deutschland wäre bei solchen Sachen schon eine Massenschlägerei ausgebrochen aber hier nehmen die Leute das hin und tanzen einfach weiter. Nach drei Stunden waren alle vollkommen Nass geschwitzt und es ging daran die Götter zu baden. Ich wollte meine Kamera holen, wurde aber von Mr. Mondal aufgehalten um mit Tina und ihm einen Tee zu trinken. Und auf eine Einladung zum Tee gibt es hier nur eine Antwort: Yes, please. So verpasste ich leider die Zeremonie. Nach dem Tee ging ich wieder zum Festplatz wo es nun Essen für das ganze Dorf gab. Ein einfaches Gericht aus Linsen und Kartoffeln aber sehr schmackhaft. Tina und Mr. Mondal kamen kurz darauf auch und setzten sich an einen Tisch. Ich saß mit den Dorfbewohnern im Schneidersitz auf dem Boden und unterhielt mich mit einem Kerl in etwa meinem Alter der Privatunterricht in Englisch gibt. Um halb eins war das Essen vorbei und wir bekamen noch eine kostenlose Sprite. Dann war Durga Puja zu Ende. Ein wunderbares Fest. Wenn ihr vorhabt irgendwann einmal nach West Bengalen zu kommen, kommt zu Durga Puja.
Bezahlt wird das Fest auf dem Dorf übrigens von den Bewohnern. In der Stadt spenden Organisationen oder Unternehmen manchmal Tempel. Der Tempel aus Drahtgeflecht zum Beispiel wurde vom Stahlgeschäft von Vinays Freund bezahlt. Für den Rest wird in Kolkata eine Sondersteuer erhoben. So vier Seiten sind jetzt auch genug. Guckt euch die Fotos an, dann bekommt ihr eine Vorstellung von dem was in den Dörfern und Kolkata los ist.
Samstag, 4. Oktober 2008
Jet - Put your money where your mouth is
02.10.2008 – Nichts geschafft
Heute war nun wirklich der faulste Tag, den ich hier hatte. Zum Frühstück hatten sie erst mal vergessen einzukaufen, also gab es diese Instant Nudeln als Ersatz. Da kommt Freude auf. Nach dem Anstrengenden Frühstück musste ich mich erst einmal wieder ins Bett legen und eine Runde lesen. Obwohl ich nur fünf Stunden Schlaf hatte, war an keinen weiteren zu denken, da morgens um neun schon 31 Grad waren. Tina hat trotzdem den ganzen Vormittag geschlafen. Ich war noch ein Stündchen an Bananis Computer im Internet, da das Modem mal wieder nicht funktioniert.
Durch das Mittagessen waren wir wieder so geschwächt, dass wir uns erst einmal aufs Bett legen mussten. Wir haben uns unsere Reiseführer angeguckt und entschlossen, dass jeder einen Plan macht und wir uns dann abstimmen. Mal gucken ob ich mein Darjeeling durchgesetzt bekomme. Um sechs schrieb uns dann Arpan, dass er draußen warte. Also haben wir uns tatsächlich vom Bett erhoben und sind durchs Dorf gelaufen. Arpan hatte dann die glorreiche Idee doch ein Bier zu trinken. Also ist er und mit einem Freund auf dem Motorrad Bier kaufen gefahren und wir durften im Haus seines Großonkels warten. Wir kannten ihn zwar nicht und er konnte auch kein Englisch, aber wir haben mal 20 Minuten da gewartet. Da es Arpan eigentlich verboten ist Alkohol zu trinken mussten wir es heimlich dort machen. Sein Großonkel ist schon etwas älter und bekommt das nicht mit, dass in den Flaschen Bier ist. Schon lustig, dass ein 20-jähriger sich vor seinem Vater verstecken muss, wenn er mal ein Bierchen trinken will. Mr. Mondal rief dann auch noch an und wollte uns treffen. Also tranken wir schnell aus, steckten uns ein paar Chips in den Mund um den Geruch zu verdrängen, verabschiedeten uns von Arpan und seinem Freund und gingen zur Schule, wo das Auto wartete. Wir waren bei einem Zweigstellenmanager eingeladen. Der ist nämlich Muslim und heute ist ja der Ramadan vorbei, also gab es ordentlich Süßigkeiten zu futtern. Dann fingen sie an darüber zu reden, dass ich ja erst 22 wäre und dann hat sich Anustee darüber lustig gemacht, dass ich zum Friseur will. Sie meinte was ich denn ohne Haare beim Friseur wolle. Na danke jetzt fangen die Inder auch noch damit an.
Tina hat eine kostenlose Handbemalung von der Frau des Managers bekommen. Sie ist 26, er 35. Das alleine ist ja nichts Verwerfliches. Das Schlimme an der Sache ist, dass sie mit 13 an ihn verheiratet wurde und ein Jahr später ihren ersten Sohn gebar. Und vor 13 Jahren war 1995. Ihr seht also, auch im modernen Indien gibt es noch mach befremdliche Sache, besonders unter der Landbevölkerung.
Danach sind wir noch kurz in die Bibliothek gefahren, weil die Kinder dort einen Film anguckten und Mr. Mondal etwas zu besprechen hatte. Er meinte nur fünf bis zehn Minuten. Aber natürlich indische Zeit, so dass wir 40 Minuten dort verbrachten.
Jetzt sind wir wieder in VSSU und erholen uns. Auf Abendbrot haben wir nach den ganzen Süßigkeiten keinen Hunger mehr, was auch besser ist da die Ameisen das Essen vor uns entdeckt haben.
03.10.2008 – Im Osten nichts Neues
Heute wollte ich eigentlich eine Zweigstelle besuchen, da Tina ja jetzt fertig ist mit Video drehen. Sieben Stunden Rohmaterial hat sie. Ich hab keine Ahnung was sie alles gefilmt hat. Aber für mich hatte leider keiner Zeit, weil alle immer mit Tina weg waren und jetzt ihre liegen gebliebene Arbeit aufholen müssen. Mal gucken ob es nächste Woche etwas wird, wobei ich da bezweifle. Nächste Woche ist nämlich Durga Puja, das größte Fest in West Bengalen. Es geht die ganze Woche, glaube ich und Donnerstag und Freitag sind frei. Die größten Feierlichkeiten sind natürlich in Kolkata, was wohl oder übel bedeutet, dass wir da mal wieder hinfahren und übernachten. Es wird nämlich alles geschmückt und mit Lampen behängt. Ich glaube während der Zeit will keiner im Kraftwerk arbeiten.
Arpan war heute mal wieder da. Ihm ist langweilig, er hat Ferien bis zum zehnten. Und hier kann man ja auch nicht wirklich viel unternehmen. Er verbringt seine Tage mit ausschlafen, fernsehen und Video gucken. Jetzt ist Tina gerade bei Mr. Mondal im Büro. Sie sprechen über das Tourismus- und Einkommensprojekt was er plant. Aber ich bin zu müde, es ist schon halb zwölf und die beiden haben gerade erst begonnen. Tina kann mir ja morgen alles erzählen. Einen wunderschönen Sternenhimmel haben wir heute. Hätte ich mal mein Teleskop mitgenommen.
Heute war nun wirklich der faulste Tag, den ich hier hatte. Zum Frühstück hatten sie erst mal vergessen einzukaufen, also gab es diese Instant Nudeln als Ersatz. Da kommt Freude auf. Nach dem Anstrengenden Frühstück musste ich mich erst einmal wieder ins Bett legen und eine Runde lesen. Obwohl ich nur fünf Stunden Schlaf hatte, war an keinen weiteren zu denken, da morgens um neun schon 31 Grad waren. Tina hat trotzdem den ganzen Vormittag geschlafen. Ich war noch ein Stündchen an Bananis Computer im Internet, da das Modem mal wieder nicht funktioniert.
Durch das Mittagessen waren wir wieder so geschwächt, dass wir uns erst einmal aufs Bett legen mussten. Wir haben uns unsere Reiseführer angeguckt und entschlossen, dass jeder einen Plan macht und wir uns dann abstimmen. Mal gucken ob ich mein Darjeeling durchgesetzt bekomme. Um sechs schrieb uns dann Arpan, dass er draußen warte. Also haben wir uns tatsächlich vom Bett erhoben und sind durchs Dorf gelaufen. Arpan hatte dann die glorreiche Idee doch ein Bier zu trinken. Also ist er und mit einem Freund auf dem Motorrad Bier kaufen gefahren und wir durften im Haus seines Großonkels warten. Wir kannten ihn zwar nicht und er konnte auch kein Englisch, aber wir haben mal 20 Minuten da gewartet. Da es Arpan eigentlich verboten ist Alkohol zu trinken mussten wir es heimlich dort machen. Sein Großonkel ist schon etwas älter und bekommt das nicht mit, dass in den Flaschen Bier ist. Schon lustig, dass ein 20-jähriger sich vor seinem Vater verstecken muss, wenn er mal ein Bierchen trinken will. Mr. Mondal rief dann auch noch an und wollte uns treffen. Also tranken wir schnell aus, steckten uns ein paar Chips in den Mund um den Geruch zu verdrängen, verabschiedeten uns von Arpan und seinem Freund und gingen zur Schule, wo das Auto wartete. Wir waren bei einem Zweigstellenmanager eingeladen. Der ist nämlich Muslim und heute ist ja der Ramadan vorbei, also gab es ordentlich Süßigkeiten zu futtern. Dann fingen sie an darüber zu reden, dass ich ja erst 22 wäre und dann hat sich Anustee darüber lustig gemacht, dass ich zum Friseur will. Sie meinte was ich denn ohne Haare beim Friseur wolle. Na danke jetzt fangen die Inder auch noch damit an.
Tina hat eine kostenlose Handbemalung von der Frau des Managers bekommen. Sie ist 26, er 35. Das alleine ist ja nichts Verwerfliches. Das Schlimme an der Sache ist, dass sie mit 13 an ihn verheiratet wurde und ein Jahr später ihren ersten Sohn gebar. Und vor 13 Jahren war 1995. Ihr seht also, auch im modernen Indien gibt es noch mach befremdliche Sache, besonders unter der Landbevölkerung.
Danach sind wir noch kurz in die Bibliothek gefahren, weil die Kinder dort einen Film anguckten und Mr. Mondal etwas zu besprechen hatte. Er meinte nur fünf bis zehn Minuten. Aber natürlich indische Zeit, so dass wir 40 Minuten dort verbrachten.
Jetzt sind wir wieder in VSSU und erholen uns. Auf Abendbrot haben wir nach den ganzen Süßigkeiten keinen Hunger mehr, was auch besser ist da die Ameisen das Essen vor uns entdeckt haben.
03.10.2008 – Im Osten nichts Neues
Heute wollte ich eigentlich eine Zweigstelle besuchen, da Tina ja jetzt fertig ist mit Video drehen. Sieben Stunden Rohmaterial hat sie. Ich hab keine Ahnung was sie alles gefilmt hat. Aber für mich hatte leider keiner Zeit, weil alle immer mit Tina weg waren und jetzt ihre liegen gebliebene Arbeit aufholen müssen. Mal gucken ob es nächste Woche etwas wird, wobei ich da bezweifle. Nächste Woche ist nämlich Durga Puja, das größte Fest in West Bengalen. Es geht die ganze Woche, glaube ich und Donnerstag und Freitag sind frei. Die größten Feierlichkeiten sind natürlich in Kolkata, was wohl oder übel bedeutet, dass wir da mal wieder hinfahren und übernachten. Es wird nämlich alles geschmückt und mit Lampen behängt. Ich glaube während der Zeit will keiner im Kraftwerk arbeiten.
Arpan war heute mal wieder da. Ihm ist langweilig, er hat Ferien bis zum zehnten. Und hier kann man ja auch nicht wirklich viel unternehmen. Er verbringt seine Tage mit ausschlafen, fernsehen und Video gucken. Jetzt ist Tina gerade bei Mr. Mondal im Büro. Sie sprechen über das Tourismus- und Einkommensprojekt was er plant. Aber ich bin zu müde, es ist schon halb zwölf und die beiden haben gerade erst begonnen. Tina kann mir ja morgen alles erzählen. Einen wunderschönen Sternenhimmel haben wir heute. Hätte ich mal mein Teleskop mitgenommen.
Donnerstag, 2. Oktober 2008
Ventilator - Brummmmmmmmm
30.09.2008 – Ein Satz mit X
Das war wohl nix. Die Aufnahmen sind fast nicht zu gebrauchen, weil es im Hintergrund meistens einfach zu laut ist. Tina hat noch ganz andere Sorgen. Sie will Musik ins Video einbauen und macht sich Gedanken ums Copyright. Ich bezweifle mal ganz stark, dass sie so etwas braucht geschweige denn es überhaupt in den verbleibenden zwei Wochen besorgen zu können.
Auch war es nichts mit dem Herbst. Es ist wieder genau so heiß geworden wie es vorher war. Und das Ende September. Mein Körper ist so etwas doch nicht gewöhnt.
Mir ist noch etwas aufgefallen, jeder drückt den Türknopf im Jeep runter, wenn wir losfahren. Keine Gurte haben/benutzen, Fenster alle weit auf, aber den Knopf runtedrücken. Es gibt Sachen die werde ich niemals verstehen. Maria hat uns von den Philippinen geschrieben. Sie ist bei befreundeten Diplomaten untergekommen und schreibt uns von Steak. Danke dafür.
Abends war noch Arpan, der jüngere Sohn vom Chef bei uns. Der ältere heißt Darpan. Ich muss saen die sprühen hier nur so vor Kreativität in der Namenswahl. Aber manchmal sind die Namen hier auch so komisch, dass sich selbst Inder den Namen buchstabieren lassen müssen. Wenigstens kann ich mir die beiden Namen merken, das ist ja auch mal was Gutes. Wir haben dann über Straßenverhältnisse und seinen ersten Unfall erzählt. Er war mit zwei Freunden auf dem Motorrad unterwegs und das Licht war wohl etwas schwach. Arpan ist gefahren und plötzlich war da so eine Schranke im Weg, die aber niemand gesehen hat weil es dunkel und das Licht unzureichend war. Also hat Arpan schön eine Schranke gegen den Brustkorb bekommen und konnte drei Tage nur gekrümmt laufen. Aber gebrochen oder so war zum Glück nichts. Wie werde ich nur je wieder mit deutschen Straßenverhältnissen zurecht kommen?
So ich lese jetzt weiter meine Internet Bücher. Hab ein en super Schreiber von historischen Romanen gefunden, Paul Schreckenbach. Nur zu empfehlen.
01.10.2008 – Der Countdown läuft
Nur noch einen Monat bin ich hier. Und davon nur noch zweieinhalb Wochen arbeiten. Dann geht die Reise los auch ein wenig vom Rest des Landes zu erkunden.
Heute war der letzte Interview Tag. Tina ist um sechs aufgestanden und hat die Kinder der Schule beim Morgengebet und Joga gefilmt. Mir war das zu früh und außerdem kann ich es ja auf band angucken. Vormittags sind wir dann nach Laxmikantapur und haben den dortigen Filialleiter der United Bank of India interviewt. Ich war der Interviewer, weil Tina filmen musste. Außerdem hat der Filialleiter mein Englisch besser verstanden. Tina ist hier immer am verzweifeln ob ihres Australischen Akzents. Kaum ein Inder versteht sie, mich dagegen alle. Der Videodreh war wieder eine Sache für sich. Da Tina endlich mal ein vernünftiges Interview haben wollte, mussten alle Bankangestellten leise reden, die Fenster wurden geschlossen und die Ventilatoren ausgestellt. Und das bei 30 Grad schon morgens um zehn. Noch schlimmer war es aber nach dem Interview, da wollte Tina ein paar „natürliche“ Aufnahmen vom Markt machen. Erklär mal Indern sie sollen sich vor der Kamera ganz normal verhalten. Es geht einfach nicht. Es bildet sich immer eine Traube und die Menschen starren Tina an oder versuchen auch aufs Video zu kommen. Nachdem wir also eine ¾ Stunde erfolglos versucht haben zu drehen hatte sie ein einsehen und wir konnten wieder zurück fahren.
Direkt nach dem Mittag ging es dann nach Krishnachandrapur, weil da die letzte Interviewpartnerin war. Die fühlte sich aber unwohl und so wurden erst mal der Zweigstellenmanager und ich rausgeschickt, damit sich die Frauen alleine unterhalten können. Wir hatten noch Anustee als Übersetzerin mit. Also habe ich mit dem netten Herr zwei Runden durchs Dorf gemacht und wir haben uns unterhalten und das Dorf angeguckt. Es waren geschätzte 35 Grad und ich hatte mein langes Hemd an. Als wir wieder am Haus ankamen war mein Hemd hinten vollkommen nass, da ich auch noch den Rucksack auf dem Rücken hatte. Wenigstens war das Interview erfolgreich und die Aufnahme auch ohne störende Geräusche. Doch warum war ich überhaupt mitgekommen? Ich habe wenigstens erfahren, dass morgen Feiertag ist und wir Urlaub haben. Am 02. Oktober ist nämlich Gandhis Geburtstag und das ist einer von ganzen fünf! Feiertagen die es in West Bengalen gibt. Die anderen sind zwei Tage nächste Woche wegen Durga Puja, dem größten religiösen Fest, das bengalische Neujahrsfest am 16. April und der Unabhängigkeitstag am 15. August. Wenn ich da an unsere zahlreichen Feiertage denke.
Abends waren wir noch mit Arpan in dem Mondalschen Haus und haben ein wenig durchs Fernsehprogramm gezappt. Ich habe die wahrscheinlich schlechteste Daily-Soap der Welt gesehen und das Quiz Taxi gibt es auch in Indien. Ich weiß schon warum ich den Fernseher nicht vermisse. Außerdem meinte Arpan ob ich denn verheiratet wäre. Ich erwiderte, dass mit 22 ja noch etwas Zeit sei. Er konnte gar nicht fassen, dass ich erst 22 bin und meinte er hätte mich auf 30 geschätzt.
Jetzt bereiten wir uns seelisch auf den morgigen freien Tag vor. Ich werde wohl nach Laxmikantapur fahren und neues Shampoo kaufen. Meines ist nämlich langsam alle. Neue Zahnpasta und Deo habe ich schon gekauft. Also ab morgen wieder vollkommen gerüstet, so dass Tina nicht zwei Wochen mit einem stinkenden, ungewaschenen Kerl durch die Gegend reisen muss. Zum Friseur müsste ich auch aber da habe ich doch etwas bedenken. Obwohl, was sollen die an meinen Haaren noch viel falsch machen? Ich werde es morgen mal ausprobieren. Vorher/Nachher Fotos werden nachgereicht.
Das war wohl nix. Die Aufnahmen sind fast nicht zu gebrauchen, weil es im Hintergrund meistens einfach zu laut ist. Tina hat noch ganz andere Sorgen. Sie will Musik ins Video einbauen und macht sich Gedanken ums Copyright. Ich bezweifle mal ganz stark, dass sie so etwas braucht geschweige denn es überhaupt in den verbleibenden zwei Wochen besorgen zu können.
Auch war es nichts mit dem Herbst. Es ist wieder genau so heiß geworden wie es vorher war. Und das Ende September. Mein Körper ist so etwas doch nicht gewöhnt.
Mir ist noch etwas aufgefallen, jeder drückt den Türknopf im Jeep runter, wenn wir losfahren. Keine Gurte haben/benutzen, Fenster alle weit auf, aber den Knopf runtedrücken. Es gibt Sachen die werde ich niemals verstehen. Maria hat uns von den Philippinen geschrieben. Sie ist bei befreundeten Diplomaten untergekommen und schreibt uns von Steak. Danke dafür.
Abends war noch Arpan, der jüngere Sohn vom Chef bei uns. Der ältere heißt Darpan. Ich muss saen die sprühen hier nur so vor Kreativität in der Namenswahl. Aber manchmal sind die Namen hier auch so komisch, dass sich selbst Inder den Namen buchstabieren lassen müssen. Wenigstens kann ich mir die beiden Namen merken, das ist ja auch mal was Gutes. Wir haben dann über Straßenverhältnisse und seinen ersten Unfall erzählt. Er war mit zwei Freunden auf dem Motorrad unterwegs und das Licht war wohl etwas schwach. Arpan ist gefahren und plötzlich war da so eine Schranke im Weg, die aber niemand gesehen hat weil es dunkel und das Licht unzureichend war. Also hat Arpan schön eine Schranke gegen den Brustkorb bekommen und konnte drei Tage nur gekrümmt laufen. Aber gebrochen oder so war zum Glück nichts. Wie werde ich nur je wieder mit deutschen Straßenverhältnissen zurecht kommen?
So ich lese jetzt weiter meine Internet Bücher. Hab ein en super Schreiber von historischen Romanen gefunden, Paul Schreckenbach. Nur zu empfehlen.
01.10.2008 – Der Countdown läuft
Nur noch einen Monat bin ich hier. Und davon nur noch zweieinhalb Wochen arbeiten. Dann geht die Reise los auch ein wenig vom Rest des Landes zu erkunden.
Heute war der letzte Interview Tag. Tina ist um sechs aufgestanden und hat die Kinder der Schule beim Morgengebet und Joga gefilmt. Mir war das zu früh und außerdem kann ich es ja auf band angucken. Vormittags sind wir dann nach Laxmikantapur und haben den dortigen Filialleiter der United Bank of India interviewt. Ich war der Interviewer, weil Tina filmen musste. Außerdem hat der Filialleiter mein Englisch besser verstanden. Tina ist hier immer am verzweifeln ob ihres Australischen Akzents. Kaum ein Inder versteht sie, mich dagegen alle. Der Videodreh war wieder eine Sache für sich. Da Tina endlich mal ein vernünftiges Interview haben wollte, mussten alle Bankangestellten leise reden, die Fenster wurden geschlossen und die Ventilatoren ausgestellt. Und das bei 30 Grad schon morgens um zehn. Noch schlimmer war es aber nach dem Interview, da wollte Tina ein paar „natürliche“ Aufnahmen vom Markt machen. Erklär mal Indern sie sollen sich vor der Kamera ganz normal verhalten. Es geht einfach nicht. Es bildet sich immer eine Traube und die Menschen starren Tina an oder versuchen auch aufs Video zu kommen. Nachdem wir also eine ¾ Stunde erfolglos versucht haben zu drehen hatte sie ein einsehen und wir konnten wieder zurück fahren.
Direkt nach dem Mittag ging es dann nach Krishnachandrapur, weil da die letzte Interviewpartnerin war. Die fühlte sich aber unwohl und so wurden erst mal der Zweigstellenmanager und ich rausgeschickt, damit sich die Frauen alleine unterhalten können. Wir hatten noch Anustee als Übersetzerin mit. Also habe ich mit dem netten Herr zwei Runden durchs Dorf gemacht und wir haben uns unterhalten und das Dorf angeguckt. Es waren geschätzte 35 Grad und ich hatte mein langes Hemd an. Als wir wieder am Haus ankamen war mein Hemd hinten vollkommen nass, da ich auch noch den Rucksack auf dem Rücken hatte. Wenigstens war das Interview erfolgreich und die Aufnahme auch ohne störende Geräusche. Doch warum war ich überhaupt mitgekommen? Ich habe wenigstens erfahren, dass morgen Feiertag ist und wir Urlaub haben. Am 02. Oktober ist nämlich Gandhis Geburtstag und das ist einer von ganzen fünf! Feiertagen die es in West Bengalen gibt. Die anderen sind zwei Tage nächste Woche wegen Durga Puja, dem größten religiösen Fest, das bengalische Neujahrsfest am 16. April und der Unabhängigkeitstag am 15. August. Wenn ich da an unsere zahlreichen Feiertage denke.
Abends waren wir noch mit Arpan in dem Mondalschen Haus und haben ein wenig durchs Fernsehprogramm gezappt. Ich habe die wahrscheinlich schlechteste Daily-Soap der Welt gesehen und das Quiz Taxi gibt es auch in Indien. Ich weiß schon warum ich den Fernseher nicht vermisse. Außerdem meinte Arpan ob ich denn verheiratet wäre. Ich erwiderte, dass mit 22 ja noch etwas Zeit sei. Er konnte gar nicht fassen, dass ich erst 22 bin und meinte er hätte mich auf 30 geschätzt.
Jetzt bereiten wir uns seelisch auf den morgigen freien Tag vor. Ich werde wohl nach Laxmikantapur fahren und neues Shampoo kaufen. Meines ist nämlich langsam alle. Neue Zahnpasta und Deo habe ich schon gekauft. Also ab morgen wieder vollkommen gerüstet, so dass Tina nicht zwei Wochen mit einem stinkenden, ungewaschenen Kerl durch die Gegend reisen muss. Zum Friseur müsste ich auch aber da habe ich doch etwas bedenken. Obwohl, was sollen die an meinen Haaren noch viel falsch machen? Ich werde es morgen mal ausprobieren. Vorher/Nachher Fotos werden nachgereicht.
Montag, 29. September 2008
Gus Backhus - Sauerkraut Polka
26.09.2008 – Herbst
Der Herbst ist da. Fast wie der deutsche Herbst. Es ist bewölkt oder regnet. Nur, dass wir hier immer noch 29 Grad haben. Aber das ist nicht ganz so schlimm. Ich kann nachts jetzt schon ohne Ventilator schlafen. Nachteil ist jedoch, dass das Wasser zum Duschen morgens jetzt auch kühler ist. Aber dann werde ich wenigstens richtig wach.
Gestern hat Tina für ihr Video den Chef interviewt. Es war sehr lustig, da er manchmal die Frage nicht verstanden hat und mal auf Englisch, mal auf bengali geantwortet hat. Jetzt darf sie erst mal den bengalischen Teil übersetzen lassen und dann alles schneiden.
Abends hat sie dann gemeint sie bräuchte endlich anderes Essen. Ich habe mich jetzt an das immer gleiche Essen gewöhnt, aber sie brauchte nach ihrer Krankheit mal etwas anderes, nahrhaftes, westliches. Banani hat alles aufgetischt was in VSSU zu bekommen war. Kekse, instant Nudelsuppe, Obst und Ei. Danach ging es Tina schon etwas besser. Einer der Leute wurde noch losgeschickt und hat extra Kokosnuss, mehr instant Suppen, und sogar Cornflakes geholt. Naja mir reicht es, wenn ich jetzt abends immer ein Glas Milch habe. Tut meinem westeuropäischen Wohlstandsbauch auch mal ganz gut nicht so fettes Essen zu mir zu nehmen. Morgen fahren wir zusammen nach Laxmikantapur und Tina holt sich Süßigkeiten, Kekse und alles was sie bekommen kann. Am Abend ist sie dann früh ins Bett gegangen. Ganz gesund ist sie noch nicht. Ich hab mit Bonani einen weiteren Film, Hot Fuzz, geguckt. Sie scheint den britischen Akzent besser zu verstehen als den amerikanischen. Für Sonntag haben wir gar keinen Ausflug geplant. Wir können ja mal langsam anfangen unsere Tour zu planen. Tina will nicht nach Darjeeling in den Himalaya, weil das einen Tag dauert da hin zu kommen. Werde ich wohl noch etwas Überzeugungsarbeit leisten müssen. Den dritthöchsten Berg der Welt und die Teefelder wollte ich schon angucken und Oktober ist die beste Zeit um dahin zu reisen. Aber das können wir ja noch ausdiskutieren. Ich hoffe morgen wird mal gutes Wetter. Meine Wäsche schreit schon danach gewaschen zu werden. Gut, dass ich so viele Sachen mit habe.
27.09.2008 – Kündigung
Heute hat Bonani gekündigt. Irgendwie war den ganzen Tag Stress in der Organisation und abends hat sie dann ihre Kündigung geschrieben. Sie wird aber noch den Oktober hier arbeiten da sie das Geld braucht und ihre neue Stelle noch nicht anfängt. Sie war dann nicht mehr so gut drauf, hat aber für uns einen Essensplan entworfen. Drei Mal die Woche gibt es jetzt Hühnchen, so auch am heutigen Abend und außerdem Nudeln und mehr Kartoffeln. Die Nudeln hätten sie von mir aus auch weglassen könne, aber wenn es Tina schmeckt.
Abends waren wir dann mit Bonani in Laxmikantapur einkaufen, das tat auch ihrer Laune ganz gut. Ich habe einen indischen Snack, bestehend aus Erdnüssen, anderen Nüssen und irgend so einem salzigen Gebäck gekauft. Keine Ahnung was das ist, aber es schmeckt sehr gut. Man bekommt es auch immer im Restaurant als Snack vorher gereicht. Dann habe ich noch Kaugummis, Butterkekse und vier Packungen Limonenkekse gekauft. Bonani sagt die schmecken so gut, da hab ich ihr gleich auch noch eine gekauft. Die erste haben Tina und ich übrigens schon aufgegessen. Die schmecken wirklich gut. Werden wohl die nächste Woche nicht überleben.
Auf der Arbeit gab es auch noch etwas Interessantes. Ich habe nach neuen Geldgebern im Deutschsprachigen Raum gesucht und es gibt doch tatsächlich einen Fond in Deutschland und einen in der Schweiz die nur Mikrokreditunternehmen finanzieren. Gar keine schlechte Alternative wenn man die Finanzmärkte heue anguckt. Und etwas Gutes tut man dabei auch noch. Also Leute, legt euer Geld in Mikrokrediten an.
28.09.2008 – Lazy Sunday
Heute war mit mir absolut nichts anzufangen. Ich war bis nach zwei wach, weil ich um elf noch angefangen hatte Apocalypse Now zu gucken. Und der dauert nun mal über drei Stunden. Ich dachte, ich könnte ja ausschlafen aber falsch gedacht. Um acht klopfte es an die Tür, das Frühstück war fertig. Also habe ich mich aus dem Bett erhoben und kurz gefrühstückt um dann wieder ins Bett zu kriechen. Doch mit Schlafen war nichts, da eine Viertelstunde später Tee kam. Ich trank ihn aus und legte mich wieder hin. Doch zehn Minuten später wurde die Tasse wieder abgeholt. Dann konnte ich endlich wieder schlafen, eine halbe Stunde denn dann kam die Putzfrau in mein Zimmer geplatzt, hat gefegt und mein Bett abgezogen. Ich fühlte mich wie im Werner Film, wo er im Krankenhaus auch ständig gestört wird. Ich hab das Schlafen dann aufgegeben und bin zu Tina gegangen um mich mit ihr zu unterhalten.
Nach dem Mittagessen legte ich mich wieder hin und konnte auch tatsächlich schlafen. Bis Tina nach einer Zeit kam und meinte ein Affe wäre auf dem Dach. Also sind wir beiden wie die größten Touris mit Video- und Fotokamera aufs Dach und haben den Affen gefilmt und Fotografiert. Der Affe hat ein paar Scheiben zerbrochen, die da oben gelagert wurden. Aber da es ein heiliger Affe war, wurde ihm als Belohnung eine Banane gegeben. Als VWL-Student frage ich mich jedoch wie ein Schaden durch einen Affen bilanziert wird?
Nachmittags konnte ich, da es endlich wieder schön geworden ist Wäsche waschen. Dann habe ich noch ein wenig im Internet gesurft und eine Seite gefunden, wo man Bücher kostenlos runterladen kann. Endlich wieder etwas zu lesen. Wen es interessiert: http://gutenberg.spiegel.de/
Mit Mama habe ich noch telefoniert und jetzt geht es pünktlich ins Bett. Wirklich ausgeschlafen bin ich nämlich nicht.
29.09.2008 – Unsere Lieblingszweigstelle
Der Morgen begann sehr erheiternd, denn eine kleine Schlange schlängelte sich durchs Büro und alle Frauen sind schreiend davon gelaufen. Dabei war die ganz harmlos. Die Leute vom Schweizer Mikrokreditfonds haben zurück geschrieben, sie wollen mehr Informationen. Ich habe ihnen mal alles geschickt, was sie interessieren könnte. Das hat gedauert, bis ich alles hochgeladen hatte.
Am Nachmittag sind wir mal wieder nach Diamond Harbour gefahren, da Tina zwei Klienten und deren Geschichte für ihr Video filmen wollte. Das war aber gar nicht so einfach. Beim ersten Klienten hat eine Frau Holz gehackt und gar nicht eingesehen das mal für zehn Minuten zu lassen. Außerdem haben ständig Enten, die irgendjemand im Käfig gehalten hat, geschnattert. Und zu allem Überfluss ist schon wieder der Beginn irgendeines Festes und so wurde das ganze Dorf mit lauter, indischer Musik beschallt.
Beim der zweiten Klientin war es nicht besser. Die Kommunistische Führung hatte begonnen Propagandareden ins Mikro zu gröhlen und das aus lag genau an der Straße, so dass ständig klingelnde Fahrräder oder hupende Rikschas, Motorräder oder Autos zu hören sind. Ich hoffe man versteht wenigstens einigermaßen etwas.
Die Zweigstelle haben wir mit Anustee besucht, die ursprünglich auch aus Diamond Harbour kommt. Wir haben dann auf dem Rückweg ihren Großvater besucht. Der ist inzwischen schon 85, für Inder ein sehr hohes Alter. Also Jahrgang 1923, als Indien noch Englische Kolonie war. Gandhis gewaltlosen Widerstand hat er genauso miterlebt wie die große Hungersnot von 1943. Er konnte außerdem exzellentes Englisch sprechen und hat „ein wenig“ erzählt. Sein einer Sohn war als Ingenieur ein paar Monate in Deutschland und Frankreich. Er konnte sich nicht mehr an die Stadt erinnern, nur dass sie irgendwo am Rhein liegt. Das schränkt die Auswahl natürlich erheblich ein. Und eine Schwester von Anustee hat als Nanophysikerin sogar eine Zeit lang in Göttingen geforscht. Als ich ihn fragte, was denn sein Beruf gewesen sei meinte er, ob ich ihm denn nicht zuhöre. Ich dachte er hätte das schon erzählt und ich mich verhört, aber dann meinte er nur ein Berufsstand würde so viel erzählen: Lehrer. Er war Chemielehrer und manchmal auch Mathe, je nach dem was gerade gebraucht wurde. Leider mussten wir aber wieder nach Hause, ich hätte gerne noch mehr erfahren. Aber vielleicht kommt ja noch einmal eine Gelegenheit.
Jetzt lese ich noch ein wenig. Tina ist damit beschäftigt den Ton einigermaßen zu verbessern. Da kommt Freude auf. Ach und ein paar neue Bilder sind auch mal wieder online.
Der Herbst ist da. Fast wie der deutsche Herbst. Es ist bewölkt oder regnet. Nur, dass wir hier immer noch 29 Grad haben. Aber das ist nicht ganz so schlimm. Ich kann nachts jetzt schon ohne Ventilator schlafen. Nachteil ist jedoch, dass das Wasser zum Duschen morgens jetzt auch kühler ist. Aber dann werde ich wenigstens richtig wach.
Gestern hat Tina für ihr Video den Chef interviewt. Es war sehr lustig, da er manchmal die Frage nicht verstanden hat und mal auf Englisch, mal auf bengali geantwortet hat. Jetzt darf sie erst mal den bengalischen Teil übersetzen lassen und dann alles schneiden.
Abends hat sie dann gemeint sie bräuchte endlich anderes Essen. Ich habe mich jetzt an das immer gleiche Essen gewöhnt, aber sie brauchte nach ihrer Krankheit mal etwas anderes, nahrhaftes, westliches. Banani hat alles aufgetischt was in VSSU zu bekommen war. Kekse, instant Nudelsuppe, Obst und Ei. Danach ging es Tina schon etwas besser. Einer der Leute wurde noch losgeschickt und hat extra Kokosnuss, mehr instant Suppen, und sogar Cornflakes geholt. Naja mir reicht es, wenn ich jetzt abends immer ein Glas Milch habe. Tut meinem westeuropäischen Wohlstandsbauch auch mal ganz gut nicht so fettes Essen zu mir zu nehmen. Morgen fahren wir zusammen nach Laxmikantapur und Tina holt sich Süßigkeiten, Kekse und alles was sie bekommen kann. Am Abend ist sie dann früh ins Bett gegangen. Ganz gesund ist sie noch nicht. Ich hab mit Bonani einen weiteren Film, Hot Fuzz, geguckt. Sie scheint den britischen Akzent besser zu verstehen als den amerikanischen. Für Sonntag haben wir gar keinen Ausflug geplant. Wir können ja mal langsam anfangen unsere Tour zu planen. Tina will nicht nach Darjeeling in den Himalaya, weil das einen Tag dauert da hin zu kommen. Werde ich wohl noch etwas Überzeugungsarbeit leisten müssen. Den dritthöchsten Berg der Welt und die Teefelder wollte ich schon angucken und Oktober ist die beste Zeit um dahin zu reisen. Aber das können wir ja noch ausdiskutieren. Ich hoffe morgen wird mal gutes Wetter. Meine Wäsche schreit schon danach gewaschen zu werden. Gut, dass ich so viele Sachen mit habe.
27.09.2008 – Kündigung
Heute hat Bonani gekündigt. Irgendwie war den ganzen Tag Stress in der Organisation und abends hat sie dann ihre Kündigung geschrieben. Sie wird aber noch den Oktober hier arbeiten da sie das Geld braucht und ihre neue Stelle noch nicht anfängt. Sie war dann nicht mehr so gut drauf, hat aber für uns einen Essensplan entworfen. Drei Mal die Woche gibt es jetzt Hühnchen, so auch am heutigen Abend und außerdem Nudeln und mehr Kartoffeln. Die Nudeln hätten sie von mir aus auch weglassen könne, aber wenn es Tina schmeckt.
Abends waren wir dann mit Bonani in Laxmikantapur einkaufen, das tat auch ihrer Laune ganz gut. Ich habe einen indischen Snack, bestehend aus Erdnüssen, anderen Nüssen und irgend so einem salzigen Gebäck gekauft. Keine Ahnung was das ist, aber es schmeckt sehr gut. Man bekommt es auch immer im Restaurant als Snack vorher gereicht. Dann habe ich noch Kaugummis, Butterkekse und vier Packungen Limonenkekse gekauft. Bonani sagt die schmecken so gut, da hab ich ihr gleich auch noch eine gekauft. Die erste haben Tina und ich übrigens schon aufgegessen. Die schmecken wirklich gut. Werden wohl die nächste Woche nicht überleben.
Auf der Arbeit gab es auch noch etwas Interessantes. Ich habe nach neuen Geldgebern im Deutschsprachigen Raum gesucht und es gibt doch tatsächlich einen Fond in Deutschland und einen in der Schweiz die nur Mikrokreditunternehmen finanzieren. Gar keine schlechte Alternative wenn man die Finanzmärkte heue anguckt. Und etwas Gutes tut man dabei auch noch. Also Leute, legt euer Geld in Mikrokrediten an.
28.09.2008 – Lazy Sunday
Heute war mit mir absolut nichts anzufangen. Ich war bis nach zwei wach, weil ich um elf noch angefangen hatte Apocalypse Now zu gucken. Und der dauert nun mal über drei Stunden. Ich dachte, ich könnte ja ausschlafen aber falsch gedacht. Um acht klopfte es an die Tür, das Frühstück war fertig. Also habe ich mich aus dem Bett erhoben und kurz gefrühstückt um dann wieder ins Bett zu kriechen. Doch mit Schlafen war nichts, da eine Viertelstunde später Tee kam. Ich trank ihn aus und legte mich wieder hin. Doch zehn Minuten später wurde die Tasse wieder abgeholt. Dann konnte ich endlich wieder schlafen, eine halbe Stunde denn dann kam die Putzfrau in mein Zimmer geplatzt, hat gefegt und mein Bett abgezogen. Ich fühlte mich wie im Werner Film, wo er im Krankenhaus auch ständig gestört wird. Ich hab das Schlafen dann aufgegeben und bin zu Tina gegangen um mich mit ihr zu unterhalten.
Nach dem Mittagessen legte ich mich wieder hin und konnte auch tatsächlich schlafen. Bis Tina nach einer Zeit kam und meinte ein Affe wäre auf dem Dach. Also sind wir beiden wie die größten Touris mit Video- und Fotokamera aufs Dach und haben den Affen gefilmt und Fotografiert. Der Affe hat ein paar Scheiben zerbrochen, die da oben gelagert wurden. Aber da es ein heiliger Affe war, wurde ihm als Belohnung eine Banane gegeben. Als VWL-Student frage ich mich jedoch wie ein Schaden durch einen Affen bilanziert wird?
Nachmittags konnte ich, da es endlich wieder schön geworden ist Wäsche waschen. Dann habe ich noch ein wenig im Internet gesurft und eine Seite gefunden, wo man Bücher kostenlos runterladen kann. Endlich wieder etwas zu lesen. Wen es interessiert: http://gutenberg.spiegel.de/
Mit Mama habe ich noch telefoniert und jetzt geht es pünktlich ins Bett. Wirklich ausgeschlafen bin ich nämlich nicht.
29.09.2008 – Unsere Lieblingszweigstelle
Der Morgen begann sehr erheiternd, denn eine kleine Schlange schlängelte sich durchs Büro und alle Frauen sind schreiend davon gelaufen. Dabei war die ganz harmlos. Die Leute vom Schweizer Mikrokreditfonds haben zurück geschrieben, sie wollen mehr Informationen. Ich habe ihnen mal alles geschickt, was sie interessieren könnte. Das hat gedauert, bis ich alles hochgeladen hatte.
Am Nachmittag sind wir mal wieder nach Diamond Harbour gefahren, da Tina zwei Klienten und deren Geschichte für ihr Video filmen wollte. Das war aber gar nicht so einfach. Beim ersten Klienten hat eine Frau Holz gehackt und gar nicht eingesehen das mal für zehn Minuten zu lassen. Außerdem haben ständig Enten, die irgendjemand im Käfig gehalten hat, geschnattert. Und zu allem Überfluss ist schon wieder der Beginn irgendeines Festes und so wurde das ganze Dorf mit lauter, indischer Musik beschallt.
Beim der zweiten Klientin war es nicht besser. Die Kommunistische Führung hatte begonnen Propagandareden ins Mikro zu gröhlen und das aus lag genau an der Straße, so dass ständig klingelnde Fahrräder oder hupende Rikschas, Motorräder oder Autos zu hören sind. Ich hoffe man versteht wenigstens einigermaßen etwas.
Die Zweigstelle haben wir mit Anustee besucht, die ursprünglich auch aus Diamond Harbour kommt. Wir haben dann auf dem Rückweg ihren Großvater besucht. Der ist inzwischen schon 85, für Inder ein sehr hohes Alter. Also Jahrgang 1923, als Indien noch Englische Kolonie war. Gandhis gewaltlosen Widerstand hat er genauso miterlebt wie die große Hungersnot von 1943. Er konnte außerdem exzellentes Englisch sprechen und hat „ein wenig“ erzählt. Sein einer Sohn war als Ingenieur ein paar Monate in Deutschland und Frankreich. Er konnte sich nicht mehr an die Stadt erinnern, nur dass sie irgendwo am Rhein liegt. Das schränkt die Auswahl natürlich erheblich ein. Und eine Schwester von Anustee hat als Nanophysikerin sogar eine Zeit lang in Göttingen geforscht. Als ich ihn fragte, was denn sein Beruf gewesen sei meinte er, ob ich ihm denn nicht zuhöre. Ich dachte er hätte das schon erzählt und ich mich verhört, aber dann meinte er nur ein Berufsstand würde so viel erzählen: Lehrer. Er war Chemielehrer und manchmal auch Mathe, je nach dem was gerade gebraucht wurde. Leider mussten wir aber wieder nach Hause, ich hätte gerne noch mehr erfahren. Aber vielleicht kommt ja noch einmal eine Gelegenheit.
Jetzt lese ich noch ein wenig. Tina ist damit beschäftigt den Ton einigermaßen zu verbessern. Da kommt Freude auf. Ach und ein paar neue Bilder sind auch mal wieder online.
Freitag, 26. September 2008
Jamiroquai - This corner of the earth
24.09.2008 - Krank
So dieses Mal bin nicht ich krank sondern Tina. Sie sah schon beim Frühstück nicht gut aus und meinte sie hätte Fieber. Aber trotzdem wollte sie unbedingt Zu einer Frau fahren um ein Interview zu führen. Ich habe dann nach einem Thermometer gefragt, um zu gucken wie hoch das Fieber ist. Sie ließ sich nämlich partout nicht davon abbringen zu fahren. Das Ergebnis war 38,6. Zu kalt für Tina um im Bett zu bleiben. Also hat sie sich bei 29 Grad Außentemperatur eine lange Hose und ein Fließpulli angezogen und ist mit Aparna losgefahren. Wenigstens hatte sie Fiebersenkende Tabletten dabei.
Ich blieb im Büro, denn was soll ich da zum Interview mitfahren und doof daneben stehen? Ich hab eine Stunde bei Mr. Mondal verbracht und ihm meine neuesten Ideen gezeigt. Vor allem von der Ideenbox war er begeistert. Eine Idee von AIESEC Berlin wird jetzt in Indien umgesetzt.
Außerdem habe ich begonnen nach Geldquellen in Deutschland zu suchen. Es gibt extra Fonds die nur in Mikrokreditunternehmen auf der ganzen Welt investieren. Das habe ich auch noch nicht gewusst. Vielleicht kann man da ja was machen. Ich schreibe da mal ein paar nette Mails hin.
Abends war Tina immer noch weg. Ich hab mich mit Bonani über alles Mögliche unterhalten. Inder wissen recht wenig von dem, was außerhalb ihres Landes so vor sich geht und ging. Außerdem hat sie mir erzählt, dass sie sich nach einem neuen Job umschaut. Sie ist hier nicht zufrieden mit der arbeit. Wäre ich auch nicht, wenn ich zwei Master in der Tasche hätte und dann in einer kleinen Mikrofinanzorganisation Privatsekretär werde. Aber sie ist auch recht selbstbewusst. Sie hat einfach mal bei Wikipedia nach den größten indischen Unternehmen gesucht und ruft da mal an und schreibt Bewerbungen. Sie hat sogar schon eine fast feste Zusage von Jaipur Rugs, einem großen Teppichhersteller. Jaipur liegt zwar in einem ganz anderen Teil des Landes, aber so sieht sie ihre Familie auch nur alle halbe Jahr ein Mal. Das sind schon komische Arbeitsverhältnisse in Indien.
25.09.2008 – Inder wissen nichts
Heute waren wir wieder eine Zweigstelle besuchen, Kulpi. Da es immer noch regnet wurde uns der Jeep zur Verfügung gestellt. Der Fahrer hat uns dann während der Fahrt erzählt, dass das Auto fast Schrott ist. Kupplung kaputt, Motor halb kaputt, Bremsen kaputt. In Indien ist eh die Hauptsache, dass die Hupe funktioniert. Tina, es geht ihr schon wieder besser, hat sich erst mal nach vorne gesetzt und angeschnallt. Hinten gibt es gar keine Sicherheitsgurte und der Fahrer benutzt eh nie einen. No risk, no fun sag ich da nur. Aber er meinte, er ist in 30 Jahren immer unfallfrei geblieben. Ich will das jetzt mal so im Raum stehen lassen.
Kulpi ist schon eine komische Zweigstelle. Es sind fast nur Händler vom Markt Kunden und irgendwie haben die alle einen riesigen Kredit bekommen. Bei den Frauengruppen ist ein erster Kredit von 4.000 bis 6.000 Rupien normal. Wir haben einen Mann besucht, der durch „spezielle Beziehungen“ zum Hauptquartier, sprich Mr. Mondal, einen ersten Kredit über 100.000 Rupien bekommen hat um damit ein Fernsehgeschäft zu eröffnen. Interessant ist, dass er erzählt hat, dass selbst auf dem Dorf jede Mittelstandsfamilie einen Fernseher besitzt. Und neuester Renner ist ein Pay-TV Paket für 3.000 Rupien im Jahr mit 200 Sendern.
Am Abend sind wir dann wiedergekommen und Bonani meinte ich solle mal meine Musik anmachen. Also habe ich ihr erst einmal eine Führung durch sämtliche Musikstile gegeben. Bis auf ihre indische Musik kennt sie nämlich nur Bob Dylan. Also habe ich ihr Reggae, Techno, Afrikanische Musik, Balkanpop, Schlager, Alternative und Hip Hop gezeigt. Unfasslich, dass sie davon nicht eine Musikrichtung kennt. Schlager fand sie übrigens am besten. Ich hab ihr Udo Jürgens vorgespielt. 17 Jahr, blondes Haar… Dann hat sie mich zur westlichen Kultur befragt. Wie das mit dem Alkohol ist und Sex vor der Ehe. Und ob man in Deutschland überhaupt Indien kennt. Ich glaube sie erfährt hier fast mehr über die westliche Kultur als ich über die indische. Wir haben dann noch High Fidelity, natürlich auf Englisch, angeguckt. Sie hat aber fast nichts verstanden und so mussten Tina und ich ihr immer alles erklären. Das nächste Mal gucken wir Terminator, da wird nicht viel gesprochen. Sie steht eh mehr auf Actionfilme. Besonders gerne mag sie Jackie Chan und Sylvester Stallone. Und ihr Lieblingsfilm ist Jurassic Park. Wenigstens kennt sie sich ein wenig bei westlichen Filmen aus. Ich kann ja mal versuchen einen neuen film runterzuladen. Dürfte nur etwa eine Woche dauern. Vielleicht hat Tina ja noch welche auf ihrem Laptop. Hab sie gar nicht gefragt.
Ach das beste war, dass Banani gefragt hat, ob ich das Wort Pornography kenne. Natürlich kenne ich das. Sie dachte, es wäre ein bengalisches Wort und Pornofilme eine indische Erfindung. Ich gab ihr den Ratschlag, doch mal danach zu googlen. Bin gespannt wie sie das Ergebnis aufnimmt.
So dieses Mal bin nicht ich krank sondern Tina. Sie sah schon beim Frühstück nicht gut aus und meinte sie hätte Fieber. Aber trotzdem wollte sie unbedingt Zu einer Frau fahren um ein Interview zu führen. Ich habe dann nach einem Thermometer gefragt, um zu gucken wie hoch das Fieber ist. Sie ließ sich nämlich partout nicht davon abbringen zu fahren. Das Ergebnis war 38,6. Zu kalt für Tina um im Bett zu bleiben. Also hat sie sich bei 29 Grad Außentemperatur eine lange Hose und ein Fließpulli angezogen und ist mit Aparna losgefahren. Wenigstens hatte sie Fiebersenkende Tabletten dabei.
Ich blieb im Büro, denn was soll ich da zum Interview mitfahren und doof daneben stehen? Ich hab eine Stunde bei Mr. Mondal verbracht und ihm meine neuesten Ideen gezeigt. Vor allem von der Ideenbox war er begeistert. Eine Idee von AIESEC Berlin wird jetzt in Indien umgesetzt.
Außerdem habe ich begonnen nach Geldquellen in Deutschland zu suchen. Es gibt extra Fonds die nur in Mikrokreditunternehmen auf der ganzen Welt investieren. Das habe ich auch noch nicht gewusst. Vielleicht kann man da ja was machen. Ich schreibe da mal ein paar nette Mails hin.
Abends war Tina immer noch weg. Ich hab mich mit Bonani über alles Mögliche unterhalten. Inder wissen recht wenig von dem, was außerhalb ihres Landes so vor sich geht und ging. Außerdem hat sie mir erzählt, dass sie sich nach einem neuen Job umschaut. Sie ist hier nicht zufrieden mit der arbeit. Wäre ich auch nicht, wenn ich zwei Master in der Tasche hätte und dann in einer kleinen Mikrofinanzorganisation Privatsekretär werde. Aber sie ist auch recht selbstbewusst. Sie hat einfach mal bei Wikipedia nach den größten indischen Unternehmen gesucht und ruft da mal an und schreibt Bewerbungen. Sie hat sogar schon eine fast feste Zusage von Jaipur Rugs, einem großen Teppichhersteller. Jaipur liegt zwar in einem ganz anderen Teil des Landes, aber so sieht sie ihre Familie auch nur alle halbe Jahr ein Mal. Das sind schon komische Arbeitsverhältnisse in Indien.
25.09.2008 – Inder wissen nichts
Heute waren wir wieder eine Zweigstelle besuchen, Kulpi. Da es immer noch regnet wurde uns der Jeep zur Verfügung gestellt. Der Fahrer hat uns dann während der Fahrt erzählt, dass das Auto fast Schrott ist. Kupplung kaputt, Motor halb kaputt, Bremsen kaputt. In Indien ist eh die Hauptsache, dass die Hupe funktioniert. Tina, es geht ihr schon wieder besser, hat sich erst mal nach vorne gesetzt und angeschnallt. Hinten gibt es gar keine Sicherheitsgurte und der Fahrer benutzt eh nie einen. No risk, no fun sag ich da nur. Aber er meinte, er ist in 30 Jahren immer unfallfrei geblieben. Ich will das jetzt mal so im Raum stehen lassen.
Kulpi ist schon eine komische Zweigstelle. Es sind fast nur Händler vom Markt Kunden und irgendwie haben die alle einen riesigen Kredit bekommen. Bei den Frauengruppen ist ein erster Kredit von 4.000 bis 6.000 Rupien normal. Wir haben einen Mann besucht, der durch „spezielle Beziehungen“ zum Hauptquartier, sprich Mr. Mondal, einen ersten Kredit über 100.000 Rupien bekommen hat um damit ein Fernsehgeschäft zu eröffnen. Interessant ist, dass er erzählt hat, dass selbst auf dem Dorf jede Mittelstandsfamilie einen Fernseher besitzt. Und neuester Renner ist ein Pay-TV Paket für 3.000 Rupien im Jahr mit 200 Sendern.
Am Abend sind wir dann wiedergekommen und Bonani meinte ich solle mal meine Musik anmachen. Also habe ich ihr erst einmal eine Führung durch sämtliche Musikstile gegeben. Bis auf ihre indische Musik kennt sie nämlich nur Bob Dylan. Also habe ich ihr Reggae, Techno, Afrikanische Musik, Balkanpop, Schlager, Alternative und Hip Hop gezeigt. Unfasslich, dass sie davon nicht eine Musikrichtung kennt. Schlager fand sie übrigens am besten. Ich hab ihr Udo Jürgens vorgespielt. 17 Jahr, blondes Haar… Dann hat sie mich zur westlichen Kultur befragt. Wie das mit dem Alkohol ist und Sex vor der Ehe. Und ob man in Deutschland überhaupt Indien kennt. Ich glaube sie erfährt hier fast mehr über die westliche Kultur als ich über die indische. Wir haben dann noch High Fidelity, natürlich auf Englisch, angeguckt. Sie hat aber fast nichts verstanden und so mussten Tina und ich ihr immer alles erklären. Das nächste Mal gucken wir Terminator, da wird nicht viel gesprochen. Sie steht eh mehr auf Actionfilme. Besonders gerne mag sie Jackie Chan und Sylvester Stallone. Und ihr Lieblingsfilm ist Jurassic Park. Wenigstens kennt sie sich ein wenig bei westlichen Filmen aus. Ich kann ja mal versuchen einen neuen film runterzuladen. Dürfte nur etwa eine Woche dauern. Vielleicht hat Tina ja noch welche auf ihrem Laptop. Hab sie gar nicht gefragt.
Ach das beste war, dass Banani gefragt hat, ob ich das Wort Pornography kenne. Natürlich kenne ich das. Sie dachte, es wäre ein bengalisches Wort und Pornofilme eine indische Erfindung. Ich gab ihr den Ratschlag, doch mal danach zu googlen. Bin gespannt wie sie das Ergebnis aufnimmt.
Dienstag, 23. September 2008
The good, the bad & the queen - A soldier's tale
22.09.2008 – You can’t travel alone
Heute waren wir wieder eine Zweigstelle besuchen, Diamond Harbour. Wir sind alleine hingefahren, da keiner Zeit hatte und der Manager ganz gut englisch spricht. Wir sind erst mit der Rikscha nach Laxmikantapur, dann mit der Motorikscha nach Kulpi und dann mit dem Bus nach Diamond Harbour. Der Bus war sogar recht bequem, da es der staatliche Bus nach Kolkata war. Dafür ist der Fahrer aber gefahren wie ein Berserker. Eine Situation war besonders bemerkenswert. Es hatte begonnen in Strömen zu regnen und vor uns fuhren ein Bus und davor ein LKW. Der vordere Bus hat zum Überholen angesetzt und unser Bus hat sich gleich hintendran gehängt, ohne sehen zu können ob von vorne etwas kommt. In Indien gilt auf der Straße immer das Recht des Stärkeren. Es kam wie es kommen musste, von vorne kam uns ein Jeep entgegen. Also ist unser Busfahrer voll in die Eisen gestiegen, da aber so ein Bus auf nasser Fahrbahn mit 80 km/h einen etwas längeren Bremsweg hat, hat das nicht ausgereicht und der Jeep ist halb in den Graben gefahren um nicht voll erwischt zu werden. Der Busfahrer hat den Jeep noch wild angehupt und ist dann weitergefahren.
In Diamond Harbour angekommen regnete es immer noch. Ich bin aus dem Bus ausgestiegen und war klitschnass, noch bevor ich den Schirm öffnen konnte. Der Manager hatte schon eine halbe Stunde gewartet und fragte, ob wir etwa alleine gekommen wären. Das könnten wir doch nicht machen, da wir uns gar nicht auskennen würden und überhaupt. Wir mussten ihm dann erklären, dass wir schon alleine nach Kolkata und Ganga Sagar gereist sind. Da sind 30 Kilometer nach Diamond Harbour auch kein Problem. Nachdem wir wieder die Leute besucht hatten, darunter eine seit 21 Jahren geschiedene Frau, kaufte ich noch eine große Packung Chips. Irgendwie muss ich ja mal ein paar Kalorien zu mir nehmen. Jetzt sind wir wieder zurück und mal gucken was ich noch so mache. Eigentlich müsste ich mal wieder Wäsche waschen, aber bei dem Dauerregen trocknet das ja eher schlecht. Vielleicht morgen.
23.09.2008 – Sidd
Heute Morgen wurde ich um halb sechs geweckt. Es waren mal wieder Besucher über Nacht geblieben und die schliefen im Nebenzimmer. Da die Wände hier wohl nachträglich eingefügt wurden sind sie nicht gerade sehr dick und an einer Stelle am Fenster ist sogar ein Loch. So bekommt man alles mit, was im Nebenzimmer so abgeht. Und meine beiden Nachbarn meinten sie müssten jetzt einmal lautstark diskutieren. Um halb sechs Uhr morgens. Die haben manchmal echt einen Schaden hier. Nach einer halben Stunde wollte ich schon rüber gehen aber dann waren sie zum Glück fertig und ich konnte weiterschlafen. Jedoch nicht lange, da sie pünktlich um sieben anfingen ihre Lieder zu singen. Ich habe fast einen Nervenzusammenbruch bekommen. Da an Schlaf nicht mehr zu denken war, bin ich duschen gegangen und habe dabei auf voller Lautstärke die Rolling Stones gehört. Wenigstens war die Musik dann erträglich und nicht so ein gejaule wie von den beiden.
Am Frühstückstisch saßen die beiden uns dann gegenüber. Einer stellte sich als Sidd aus Mumbai vor. Er gibt irgendeine Entwicklungszeitschrift heraus, konnte sehr gutes Englisch sprechen und war eigentlich ganz nett. Der andere war ein Kerl aus Kolkata, der die Beiträge in Bengali übersetzt, sein Englisch war aber eher mäßig. Also haben wir uns mit Sidd unterhalten und Tina hat erst einmal den schönen Gesang gelobt. Ich war da zwar etwas anderer Meinung, aber das habe ich für mich behalten. Dann habe ich vorsichtig nachgefragt, wie lange sie bleiben würden und Gott sei Dank reisten sie heute Mittag schon wieder ab.
Auf der Arbeit habe ich noch festgestellt, dass ich Drucker reparieren kann. Bonanis Drucker hat nämlich immer die Seiten beim einziehen zerknüllt. Ich habe die Klappe aufgemacht, einmal reingeguckt, Klappe wieder zu und der Drucker funktionierte wieder. Ich glaube ich habe den magischen Druckerblick.
Dann habe ich noch den ganzen Tag versucht den Chef zu treffen, aber irgendwie ist der verschollen und keiner weiß so genau wo er hin ist. Dann eben morgen. Wäsche ist auch immer noch nicht, da es weiterhin regnet.
Heute waren wir wieder eine Zweigstelle besuchen, Diamond Harbour. Wir sind alleine hingefahren, da keiner Zeit hatte und der Manager ganz gut englisch spricht. Wir sind erst mit der Rikscha nach Laxmikantapur, dann mit der Motorikscha nach Kulpi und dann mit dem Bus nach Diamond Harbour. Der Bus war sogar recht bequem, da es der staatliche Bus nach Kolkata war. Dafür ist der Fahrer aber gefahren wie ein Berserker. Eine Situation war besonders bemerkenswert. Es hatte begonnen in Strömen zu regnen und vor uns fuhren ein Bus und davor ein LKW. Der vordere Bus hat zum Überholen angesetzt und unser Bus hat sich gleich hintendran gehängt, ohne sehen zu können ob von vorne etwas kommt. In Indien gilt auf der Straße immer das Recht des Stärkeren. Es kam wie es kommen musste, von vorne kam uns ein Jeep entgegen. Also ist unser Busfahrer voll in die Eisen gestiegen, da aber so ein Bus auf nasser Fahrbahn mit 80 km/h einen etwas längeren Bremsweg hat, hat das nicht ausgereicht und der Jeep ist halb in den Graben gefahren um nicht voll erwischt zu werden. Der Busfahrer hat den Jeep noch wild angehupt und ist dann weitergefahren.
In Diamond Harbour angekommen regnete es immer noch. Ich bin aus dem Bus ausgestiegen und war klitschnass, noch bevor ich den Schirm öffnen konnte. Der Manager hatte schon eine halbe Stunde gewartet und fragte, ob wir etwa alleine gekommen wären. Das könnten wir doch nicht machen, da wir uns gar nicht auskennen würden und überhaupt. Wir mussten ihm dann erklären, dass wir schon alleine nach Kolkata und Ganga Sagar gereist sind. Da sind 30 Kilometer nach Diamond Harbour auch kein Problem. Nachdem wir wieder die Leute besucht hatten, darunter eine seit 21 Jahren geschiedene Frau, kaufte ich noch eine große Packung Chips. Irgendwie muss ich ja mal ein paar Kalorien zu mir nehmen. Jetzt sind wir wieder zurück und mal gucken was ich noch so mache. Eigentlich müsste ich mal wieder Wäsche waschen, aber bei dem Dauerregen trocknet das ja eher schlecht. Vielleicht morgen.
23.09.2008 – Sidd
Heute Morgen wurde ich um halb sechs geweckt. Es waren mal wieder Besucher über Nacht geblieben und die schliefen im Nebenzimmer. Da die Wände hier wohl nachträglich eingefügt wurden sind sie nicht gerade sehr dick und an einer Stelle am Fenster ist sogar ein Loch. So bekommt man alles mit, was im Nebenzimmer so abgeht. Und meine beiden Nachbarn meinten sie müssten jetzt einmal lautstark diskutieren. Um halb sechs Uhr morgens. Die haben manchmal echt einen Schaden hier. Nach einer halben Stunde wollte ich schon rüber gehen aber dann waren sie zum Glück fertig und ich konnte weiterschlafen. Jedoch nicht lange, da sie pünktlich um sieben anfingen ihre Lieder zu singen. Ich habe fast einen Nervenzusammenbruch bekommen. Da an Schlaf nicht mehr zu denken war, bin ich duschen gegangen und habe dabei auf voller Lautstärke die Rolling Stones gehört. Wenigstens war die Musik dann erträglich und nicht so ein gejaule wie von den beiden.
Am Frühstückstisch saßen die beiden uns dann gegenüber. Einer stellte sich als Sidd aus Mumbai vor. Er gibt irgendeine Entwicklungszeitschrift heraus, konnte sehr gutes Englisch sprechen und war eigentlich ganz nett. Der andere war ein Kerl aus Kolkata, der die Beiträge in Bengali übersetzt, sein Englisch war aber eher mäßig. Also haben wir uns mit Sidd unterhalten und Tina hat erst einmal den schönen Gesang gelobt. Ich war da zwar etwas anderer Meinung, aber das habe ich für mich behalten. Dann habe ich vorsichtig nachgefragt, wie lange sie bleiben würden und Gott sei Dank reisten sie heute Mittag schon wieder ab.
Auf der Arbeit habe ich noch festgestellt, dass ich Drucker reparieren kann. Bonanis Drucker hat nämlich immer die Seiten beim einziehen zerknüllt. Ich habe die Klappe aufgemacht, einmal reingeguckt, Klappe wieder zu und der Drucker funktionierte wieder. Ich glaube ich habe den magischen Druckerblick.
Dann habe ich noch den ganzen Tag versucht den Chef zu treffen, aber irgendwie ist der verschollen und keiner weiß so genau wo er hin ist. Dann eben morgen. Wäsche ist auch immer noch nicht, da es weiterhin regnet.
Montag, 22. September 2008
The Who - Baba O'Riley
20.09.2008 – Keiner da
Heute war Marias letzter Arbeitstag. Im Gegensatz zu mir hatte sie noch viel zu tun. Ich wollte eigentlich eine Zweigstelle besuchen, aber irgendwie war niemand da. Der Chef war nach Kolkata gefahren und der Rest der Mitarbeiter hat das wohl genutzt um frei zu nehmen. Banani hat den halben Tag im Internet gesurft, Maria hat ihre Übersetzung fertig gemacht und ich hab gelesen und ein wenig meine neueste Erkältung auskuriert. Zum Mittagessen hatten wir wieder Banani dabei, die uns eröffnete, dass auch sie das VSSU-Essen eher ungelungen findet. Sie meinte die bengalische Küche könne so lecker sein und bei ihr zu Hause schmeckt alles sehr gut, aber hier wäre es ja immer dasselbe.
Abends kam dann Mr. Mondal wieder und Maria hat ihm und mir ihr neues Kreditprogramm, das eine zweiwöchige Rückzahlung vorsieht, vorgestellt. Die Idee hatten wir durch die Gespräche mit den Kreditnehmern und er schien auch ganz angetan davon. Aber erst einmal muss das alles im Vorstand diskutiert werden…
Maria hat jetzt noch das Modem, weil sie ja morgen abreist und noch Mails schreiben muss und ich gucke Good Fellas. Bald habe ich auch alle Filme durch. Was mache ich denn dann?
21.09.2008 – Sightseeing in Kolkata
Heute Morgen ging es mit dem Jeep nach Kolkata. Mr. Mondal hatte ihn und zur Verfügung gestellt, weil Maria ja ihr schweres Gepäck mitnehmen musste und die Züge nach Kolkata morgens eh immer überfüllt sind. Maria hat sich von allen verabschiedet und um neun ging es los.
Kürzer wurde die Reise aber nicht. Geschlagene 3 Stunden sind wir gefahren. Ich weiß nicht, wie die Zufahrtsstraßen einer 15-Millionen Metropole aus einer Schlaglochpiste bestehen können. Und ständig steht man in irgendwelchen Dörfern im Stau, weil zwei LKW nur knapp aneinander vorbei passen. Zum Glück mussten wir nicht fahren, ich würde hier die Krise bekommen. Maria hat die meiste Zeit geschlafen, da sie nur zwei Stunden geschlafen hatte. Was muss sie auch so lange im Internet surfen und versuchen ein Video hochzuladen?
In Kolkata mussten wir dann noch 20 Minuten das Hotel suchen, weil der Fahrer sich natürlich nicht auskannte, genauso wenig wie die meisten Taxifahrer hier.
Im Hotel ließen wir Marias Gepäck und fuhren dann mit dem Taxi zum Victoria Memorial um uns dort mit Tina zu treffen. Das Victoria Memorial wurde nur dazu gebaut die Macht des britischen Empire zu zeigen. Heute befindet sich eine sehr interessante Ausstellung über die Kolonialgeschichte in ihm, die wir natürlich besuchten. Besonders lustig sind die Eintrittspreise: Für Inder 10 Rupien, für Ausländer 150. Als wir um halb drei wieder draußen waren, mussten wir entscheiden, was wir als nächstes machen wollen. Ich war für das indische Museum aber Maria war so müde und wollte nicht. Stattdessen wollten die beiden zum Blumenmarkt, aber dann fiel uns auf, dass der ja geschlossen sein könnte. Dann wollten die beiden einen Kaffee trinken, also sind wir einen Kaffe trinken gefahren, haben aber vorher in einer silbernen Pferdekutsche eine Runde um den Park gedreht. So etwas habe ich mir schon immer gewünscht.
Nach dem Kaffee wollte Maria dann plötzlich doch ins Museum, aber es war schon zu spät, da das Museum immer um fünf schließt und es auf vier zuging.
Also haben wir entschieden in den Norden zu fahren um uns die Tempel der Anhänger des Jainismus anzugucken. Ein netter Herr, der schon 40 Jahre dort arbeitet hat uns die drei Tempel, die alle nebeneinander liegen gezeigt. Es wurde alles von irgendwoher importiert. italienischer Marmorboden, holländische Fließen, belgische Lampen usw. Ich weiß nicht wer das alle finanziert hat, vor allem da die Tempel zwischen 150 und 120 Jahre alt sind. Wer Lust hat kann noch ein wenig über den Jainismus lesen. Die Gurus sind alle nackt und die Anhänger essen kein Fleisch aus Achtung vor dem Leben. Manche gehen so weit, dass sie einen Mundschutz tragen um nicht versehentlich ein Insekt einzuatmen oder ständig vor sich herfegen um nicht auf eine Ameise zu treten. Ich frage mich nur, wie sie die Tempel gebaut haben. Vielleicht haben sie ja mit den Fingern gegraben um die Regenwürmer zu schützen.
Als wir wieder gingen war es bereits halb sieben und wir hatten Hunger. Also wollten wir in Richtung Park Street, wo es viele Restaurants gibt. Da aber Rush Hour war, erreichten wir die Straße nach einer halben Stunde immer noch nicht. Wir stiegen also aus und fragten einen Mann auf der Straße nach einem guten Restaurant. Er empfahl uns eines nur 200m weiter. Ich muss sagen das war ein echter Glücksgriff. Das Restaurant gehört wohl der oberen Mittelklasse an, denn viele gut gekleidete indische Familien waren zu Essen dort. Wir bestellten Hühnchen auf zwei verschiedene Arten, Lamm und Gemüse, dazu Salat und drei Sorten Nan, ein indisches Fladenbrot. Es war so lecker, eines der besten Essen die ich je hatte. Und bezahlt haben wir ganze 20€.
Danach mussten wir aber langsam mal zum Bahnhof, da es schon halb zehn war. Wir verabschiedeten uns von Maria und nahmen den Zug um zehn nach Zehn. Um kurz nach zwölf erreichten wir Laxmikantapur und ich hatte schon bedenken, dass wir nach Ullon keine Rikscha mehr finden. Doch der Chef hat einen guten Ruf in der Gegend und nachdem wir gesagt haben, dass wir zu VSSU gehören fand sich jemand der uns fuhr. Natürlich haben wir ein wenig mehr bezahlt, da es schon halb eins war, als wir endlich wieder „zu Hause“ ankamen.
Ich bin doch froh wieder hier zu sein. Kolkata ist mir zu groß, laut und schmutzig. Ich weiß nicht wie die Leute es da mehrere Tage aushalten. Aber wir werden wohl wiederkommen, um das Museum anzugucken. Denn das ist das größte und beste in ganz Indien. Sogar ein komplettes Mammutskelett stellen die dort aus.
Heute war Marias letzter Arbeitstag. Im Gegensatz zu mir hatte sie noch viel zu tun. Ich wollte eigentlich eine Zweigstelle besuchen, aber irgendwie war niemand da. Der Chef war nach Kolkata gefahren und der Rest der Mitarbeiter hat das wohl genutzt um frei zu nehmen. Banani hat den halben Tag im Internet gesurft, Maria hat ihre Übersetzung fertig gemacht und ich hab gelesen und ein wenig meine neueste Erkältung auskuriert. Zum Mittagessen hatten wir wieder Banani dabei, die uns eröffnete, dass auch sie das VSSU-Essen eher ungelungen findet. Sie meinte die bengalische Küche könne so lecker sein und bei ihr zu Hause schmeckt alles sehr gut, aber hier wäre es ja immer dasselbe.
Abends kam dann Mr. Mondal wieder und Maria hat ihm und mir ihr neues Kreditprogramm, das eine zweiwöchige Rückzahlung vorsieht, vorgestellt. Die Idee hatten wir durch die Gespräche mit den Kreditnehmern und er schien auch ganz angetan davon. Aber erst einmal muss das alles im Vorstand diskutiert werden…
Maria hat jetzt noch das Modem, weil sie ja morgen abreist und noch Mails schreiben muss und ich gucke Good Fellas. Bald habe ich auch alle Filme durch. Was mache ich denn dann?
21.09.2008 – Sightseeing in Kolkata
Heute Morgen ging es mit dem Jeep nach Kolkata. Mr. Mondal hatte ihn und zur Verfügung gestellt, weil Maria ja ihr schweres Gepäck mitnehmen musste und die Züge nach Kolkata morgens eh immer überfüllt sind. Maria hat sich von allen verabschiedet und um neun ging es los.
Kürzer wurde die Reise aber nicht. Geschlagene 3 Stunden sind wir gefahren. Ich weiß nicht, wie die Zufahrtsstraßen einer 15-Millionen Metropole aus einer Schlaglochpiste bestehen können. Und ständig steht man in irgendwelchen Dörfern im Stau, weil zwei LKW nur knapp aneinander vorbei passen. Zum Glück mussten wir nicht fahren, ich würde hier die Krise bekommen. Maria hat die meiste Zeit geschlafen, da sie nur zwei Stunden geschlafen hatte. Was muss sie auch so lange im Internet surfen und versuchen ein Video hochzuladen?
In Kolkata mussten wir dann noch 20 Minuten das Hotel suchen, weil der Fahrer sich natürlich nicht auskannte, genauso wenig wie die meisten Taxifahrer hier.
Im Hotel ließen wir Marias Gepäck und fuhren dann mit dem Taxi zum Victoria Memorial um uns dort mit Tina zu treffen. Das Victoria Memorial wurde nur dazu gebaut die Macht des britischen Empire zu zeigen. Heute befindet sich eine sehr interessante Ausstellung über die Kolonialgeschichte in ihm, die wir natürlich besuchten. Besonders lustig sind die Eintrittspreise: Für Inder 10 Rupien, für Ausländer 150. Als wir um halb drei wieder draußen waren, mussten wir entscheiden, was wir als nächstes machen wollen. Ich war für das indische Museum aber Maria war so müde und wollte nicht. Stattdessen wollten die beiden zum Blumenmarkt, aber dann fiel uns auf, dass der ja geschlossen sein könnte. Dann wollten die beiden einen Kaffee trinken, also sind wir einen Kaffe trinken gefahren, haben aber vorher in einer silbernen Pferdekutsche eine Runde um den Park gedreht. So etwas habe ich mir schon immer gewünscht.
Nach dem Kaffee wollte Maria dann plötzlich doch ins Museum, aber es war schon zu spät, da das Museum immer um fünf schließt und es auf vier zuging.
Also haben wir entschieden in den Norden zu fahren um uns die Tempel der Anhänger des Jainismus anzugucken. Ein netter Herr, der schon 40 Jahre dort arbeitet hat uns die drei Tempel, die alle nebeneinander liegen gezeigt. Es wurde alles von irgendwoher importiert. italienischer Marmorboden, holländische Fließen, belgische Lampen usw. Ich weiß nicht wer das alle finanziert hat, vor allem da die Tempel zwischen 150 und 120 Jahre alt sind. Wer Lust hat kann noch ein wenig über den Jainismus lesen. Die Gurus sind alle nackt und die Anhänger essen kein Fleisch aus Achtung vor dem Leben. Manche gehen so weit, dass sie einen Mundschutz tragen um nicht versehentlich ein Insekt einzuatmen oder ständig vor sich herfegen um nicht auf eine Ameise zu treten. Ich frage mich nur, wie sie die Tempel gebaut haben. Vielleicht haben sie ja mit den Fingern gegraben um die Regenwürmer zu schützen.
Als wir wieder gingen war es bereits halb sieben und wir hatten Hunger. Also wollten wir in Richtung Park Street, wo es viele Restaurants gibt. Da aber Rush Hour war, erreichten wir die Straße nach einer halben Stunde immer noch nicht. Wir stiegen also aus und fragten einen Mann auf der Straße nach einem guten Restaurant. Er empfahl uns eines nur 200m weiter. Ich muss sagen das war ein echter Glücksgriff. Das Restaurant gehört wohl der oberen Mittelklasse an, denn viele gut gekleidete indische Familien waren zu Essen dort. Wir bestellten Hühnchen auf zwei verschiedene Arten, Lamm und Gemüse, dazu Salat und drei Sorten Nan, ein indisches Fladenbrot. Es war so lecker, eines der besten Essen die ich je hatte. Und bezahlt haben wir ganze 20€.
Danach mussten wir aber langsam mal zum Bahnhof, da es schon halb zehn war. Wir verabschiedeten uns von Maria und nahmen den Zug um zehn nach Zehn. Um kurz nach zwölf erreichten wir Laxmikantapur und ich hatte schon bedenken, dass wir nach Ullon keine Rikscha mehr finden. Doch der Chef hat einen guten Ruf in der Gegend und nachdem wir gesagt haben, dass wir zu VSSU gehören fand sich jemand der uns fuhr. Natürlich haben wir ein wenig mehr bezahlt, da es schon halb eins war, als wir endlich wieder „zu Hause“ ankamen.
Ich bin doch froh wieder hier zu sein. Kolkata ist mir zu groß, laut und schmutzig. Ich weiß nicht wie die Leute es da mehrere Tage aushalten. Aber wir werden wohl wiederkommen, um das Museum anzugucken. Denn das ist das größte und beste in ganz Indien. Sogar ein komplettes Mammutskelett stellen die dort aus.
Samstag, 20. September 2008
The Beatles - Sun King
19.09.2008 – Das letzte Mal
Heute sind wir das letzte Mal zu dritt hier. Maria verlässt uns am Sonntag, Tina ist aber heute schon nach Kolkata gefahren. Also waren Maria und ich alleine hier und haben gearbeitet. Ich habe Case studies geschrieben und sie hat Poster entworfen. Sie hat nämlich aus Honduras die Idee mitgebracht, den Dorfbewohnern anhand von Postern mit Bildern klarzumachen was z.B. verdrecktes Wasser anrichtet.
Zum Mittagessen waren wir beim Chef eingeladen. Maria war schon eine Stunde früher hin, weil sie ein spanisches Omelette zubereitet hat. Da sie noch etwas Zeit brauchte habe ich mir Mr. Mondals Zimmer angeguckt. Obwohl er ein vierstöckiges Haus mit viel Platz gebaut hat, wohnt er immer noch in seinem alten Zimmer in der Lehmhütte seiner Eltern, die davor steht. Er meinte, er würde dort schon sein ganzes Leben wohnen und da wohl auch sterben. Dann aßen wir zusammen, Mr. Mondal, Maria und ich. Seine Frau durfte daneben stehen, servieren und Fotos machen. Wenigstens durfte sie überhaupt dabei sein. Ich aß auf die indische Art mit der Hand, was mir anerkennende Worte einbrachte. Das Essen war sehr köstlich und es gab sogar Gänsefleisch. Auf dem Weg zurück zu VSSU haben wir dann noch eine fette Schlange am Wegesrand gesehen, die gerade dabei war einen Vogel zu fressen und zwar keinen kleinen. Mr. Mondal, der am Rand ging hat sich gehörig erschrocken und erst mal einen Satz zur Seite gemacht.
Abends haben wir Banani zum Abendessen in unseren Raum eingeladen. Irgendwie kamen wir auf das Thema Urlaub. In Indien gibt es teilweise keinen Urlaub. Hier in VSSU werden Sonn- und Feiertage als Urlaub gezählt. Wer darüber hinaus mal zwei Tage zu den Eltern fahren will oder auch einfach mal krank ist bekommt halt kein Geld. So ist das in Indien. Also seid alle den Gewerkschaften dankbar.
Später war Maria dann noch bei Mr. Mondal drin und hat das Posterprojekt mit ihm besprochen. Morgen ist ja ihr letzter Arbeitstag. Ich lege mich ins Bettchen, gucke Good Fellas und schlafe dann, damit sich meine erneute Erkältung nicht verschlimmert.
Heute sind wir das letzte Mal zu dritt hier. Maria verlässt uns am Sonntag, Tina ist aber heute schon nach Kolkata gefahren. Also waren Maria und ich alleine hier und haben gearbeitet. Ich habe Case studies geschrieben und sie hat Poster entworfen. Sie hat nämlich aus Honduras die Idee mitgebracht, den Dorfbewohnern anhand von Postern mit Bildern klarzumachen was z.B. verdrecktes Wasser anrichtet.
Zum Mittagessen waren wir beim Chef eingeladen. Maria war schon eine Stunde früher hin, weil sie ein spanisches Omelette zubereitet hat. Da sie noch etwas Zeit brauchte habe ich mir Mr. Mondals Zimmer angeguckt. Obwohl er ein vierstöckiges Haus mit viel Platz gebaut hat, wohnt er immer noch in seinem alten Zimmer in der Lehmhütte seiner Eltern, die davor steht. Er meinte, er würde dort schon sein ganzes Leben wohnen und da wohl auch sterben. Dann aßen wir zusammen, Mr. Mondal, Maria und ich. Seine Frau durfte daneben stehen, servieren und Fotos machen. Wenigstens durfte sie überhaupt dabei sein. Ich aß auf die indische Art mit der Hand, was mir anerkennende Worte einbrachte. Das Essen war sehr köstlich und es gab sogar Gänsefleisch. Auf dem Weg zurück zu VSSU haben wir dann noch eine fette Schlange am Wegesrand gesehen, die gerade dabei war einen Vogel zu fressen und zwar keinen kleinen. Mr. Mondal, der am Rand ging hat sich gehörig erschrocken und erst mal einen Satz zur Seite gemacht.
Abends haben wir Banani zum Abendessen in unseren Raum eingeladen. Irgendwie kamen wir auf das Thema Urlaub. In Indien gibt es teilweise keinen Urlaub. Hier in VSSU werden Sonn- und Feiertage als Urlaub gezählt. Wer darüber hinaus mal zwei Tage zu den Eltern fahren will oder auch einfach mal krank ist bekommt halt kein Geld. So ist das in Indien. Also seid alle den Gewerkschaften dankbar.
Später war Maria dann noch bei Mr. Mondal drin und hat das Posterprojekt mit ihm besprochen. Morgen ist ja ihr letzter Arbeitstag. Ich lege mich ins Bettchen, gucke Good Fellas und schlafe dann, damit sich meine erneute Erkältung nicht verschlimmert.
Donnerstag, 18. September 2008
Neil Young - Heart of gold
17.09.2008 – Musik und Don Quijote
Heute ist Feiertag in West Bengalen, aber gearbeitet wird trotzdem. Irgendein Gott der Instrumente wird verehrt. Der sieht recht komisch aus. Ein sehr weibliches Gesicht, aber einen Schnurrbart. Wie auch immer, dem Gott der Instrumente wird natürlich mit Musik gehuldigt. Überall hängen große Lautsprecher aus denen Indische Musik klingt. Mal was anderes bei der Arbeit.
Ich habe vormittags versucht Logos für VSSU zu entwerfen. In meinen Gedanken sehen die ganz gut aus, aber wenn ich versuche meine Ideen auf Papier zu bringen sieht es doch irgendwie ganz anders aus. Außerdem habe ich eine Präsentation über Deutschland gemacht, weil wir am Nachmittag zu den Kindern der Schule gehen wollten. Also schnell ein paar Bilder vom Laptop und aus dem Internet zusammengesucht und eine Präsentation daraus gemacht.
Zum Mittag dann eine Überraschung, wir waren zum Essen bei Depuschan, einer der Kerle die uns bedienen eingeladen. Leider hatte Maria das vergessen und so waren wir gerade bei unserem VSSU- Mittagessen, als uns gesagt wurde wir würden erwartet. Also sind wir zum zweiten Mittagessen losgegangen. Depuschan hat uns seine Familie vorgestellt und dann gab es Süßigkeiten. Wir schlugen uns also den Bauch damit voll, weil wir dachten das wäre unser Essen. Dann gab es aber noch mal richtig Essen. Gut, dass wir schon in VSSU gegessen hatten, denn es war nicht so der Brüller. Aber wir sind ja gute Gäste und haben (fast) aufgegessen.
Danach ab in die Schule und die Kinder mit unseren Präsentationen glücklich gemacht. Maria hat von Don Quijote erzählt und ich glaube es hat keiner etwas verstanden (ich auch nicht). Ich hab lieber die Bilder sprechen lassen und in simplem Englisch erklärt. Besonders das Foto von Grünkohl mit Bregenwurst und Speck kam gut an. Danach haben wir noch ein wenig Spiele mit den Kindern gespielt, da die Freizeit hatten, uns mit den Lehrern unterhalten und dann wieder zurück.
Abends sind wir noch auf der Suche nach Party gewesen, aber alles war schon vorbei. Dabei hatten Maria und Tina extra ihre Sari angezogen. So mussten wir recht schnell wieder zurück und ich lese die letzten Kapitel meines letzten Buches.
18.09.08 – Fahrzeuge und Industrie
So nach einem vollkommen unproduktiven Vormittag, den ich mit dem Lesen sämtlicher Nachrichten auf Tagesschau.de verbrachte ging es nach Diamond Harbour in die Zweigstelle.
Die Straße ab Kulpi ist sogar neu und selbst zwei Busse passen ohne Probleme gleichzeitig darauf. Das habe ich bis jetzt hier noch nicht gesehen.
Was ich aber sah war ein Unfall. Ein Lkw ist auf den aufgeweichten Seitenstreifen gekommen und umgekippt. Hoffentlich saßen da, wie so oft, keine Menschen oben drauf. Diamond Harbour ist Touristenort, da man schöne Aussichten auf den Hoogly hat. Es gibt sogar Bürgersteige! Mit 50.000 Einwohnern ist Diamond Harbour in der indischen Klassifizierung ein town, liegt also zwischen village und city.
Der Manager der Zweigstelle kennt 99% seiner 1.500 Kunden mit ihrer Lebensgeschichte. Bevor wir zu den Leuten hingegangen sind hatte er uns schon die halbe Story erzählt. Er konnte nämlich auch noch gutes Englisch sprechen. Nette Geschichten waren wieder dabei, unter anderem von einer Frau die mit 21 Witwe geworden ist, einen zweijährigen Sohn hatte und mit einer Tochter schwanger war. Jetzt hat sie ein Geschäft für Kosmetikartikel und der Familie geht es gut.
Wir erfuhren auch, dass die Feierlichkeiten (Puja wird das hier genannt) heute noch weitergingen. Also weiterhin Musikbeschallung von überall her. Und der Gott ist nicht nur für die Instrumente, sondern auch für Fahrzeuge und Industrie zuständig. Deswegen haben alle, vom Rikscha- bis zum Busfahrer ihre Fahrzeuge mit Blumen geschmückt. Auf dem Weg zurück konnten wir dann beobachten wie die Leute die Statuen in den heiligen Fluss tragen und versenken. Damit endet hier jede Puja.
Abends hat uns dann der Sohn vom Chef noch deren Haus gezeigt. Er ist ein sehr begabter Maler und seine Bilder wurden sogar schon in Kolkata ausgestellt. Aber er studiert BWL. Ich habe mir ein paar seiner Bücher angeguckt, genau der gleiche Stoff wie hier. Er hat uns frische Kokosnuss gebracht, was sehr lecker war. Jetzt sitzen wir bei den Frauen im Zimmer, weil es unser letzter gemeinsamer Abend ist. Tina fährt morgen nach Kolkata auf irgend so eine Veranstaltung über Wirtschaft an einem College. Ich bleibe noch hier um eine Zweigstelle zu besuchen und Maria arbeitet noch, da sie am Sonntag von Kolkata aus zum Einkaufen nach Delhi weiterfliegt und dann weiter auf die Philippinen.
Aparna ist immer noch nicht wieder da. Ihre Mutter liegt seit drei Tagen im Koma. Sehr traurig, denn auch wenn ich sie erst einen Monat kenne, so hat sie mir doch schon so viel über ihre „Mummy“ erzählt. Es ist schon traurig, aber so ist das Leben nun einmal. So jetzt aber gute Nacht. Wir haben hier noch die Megaparty mit gefiltertem Brunnenwasser und geschmolzener Schokolade.
Heute ist Feiertag in West Bengalen, aber gearbeitet wird trotzdem. Irgendein Gott der Instrumente wird verehrt. Der sieht recht komisch aus. Ein sehr weibliches Gesicht, aber einen Schnurrbart. Wie auch immer, dem Gott der Instrumente wird natürlich mit Musik gehuldigt. Überall hängen große Lautsprecher aus denen Indische Musik klingt. Mal was anderes bei der Arbeit.
Ich habe vormittags versucht Logos für VSSU zu entwerfen. In meinen Gedanken sehen die ganz gut aus, aber wenn ich versuche meine Ideen auf Papier zu bringen sieht es doch irgendwie ganz anders aus. Außerdem habe ich eine Präsentation über Deutschland gemacht, weil wir am Nachmittag zu den Kindern der Schule gehen wollten. Also schnell ein paar Bilder vom Laptop und aus dem Internet zusammengesucht und eine Präsentation daraus gemacht.
Zum Mittag dann eine Überraschung, wir waren zum Essen bei Depuschan, einer der Kerle die uns bedienen eingeladen. Leider hatte Maria das vergessen und so waren wir gerade bei unserem VSSU- Mittagessen, als uns gesagt wurde wir würden erwartet. Also sind wir zum zweiten Mittagessen losgegangen. Depuschan hat uns seine Familie vorgestellt und dann gab es Süßigkeiten. Wir schlugen uns also den Bauch damit voll, weil wir dachten das wäre unser Essen. Dann gab es aber noch mal richtig Essen. Gut, dass wir schon in VSSU gegessen hatten, denn es war nicht so der Brüller. Aber wir sind ja gute Gäste und haben (fast) aufgegessen.
Danach ab in die Schule und die Kinder mit unseren Präsentationen glücklich gemacht. Maria hat von Don Quijote erzählt und ich glaube es hat keiner etwas verstanden (ich auch nicht). Ich hab lieber die Bilder sprechen lassen und in simplem Englisch erklärt. Besonders das Foto von Grünkohl mit Bregenwurst und Speck kam gut an. Danach haben wir noch ein wenig Spiele mit den Kindern gespielt, da die Freizeit hatten, uns mit den Lehrern unterhalten und dann wieder zurück.
Abends sind wir noch auf der Suche nach Party gewesen, aber alles war schon vorbei. Dabei hatten Maria und Tina extra ihre Sari angezogen. So mussten wir recht schnell wieder zurück und ich lese die letzten Kapitel meines letzten Buches.
18.09.08 – Fahrzeuge und Industrie
So nach einem vollkommen unproduktiven Vormittag, den ich mit dem Lesen sämtlicher Nachrichten auf Tagesschau.de verbrachte ging es nach Diamond Harbour in die Zweigstelle.
Die Straße ab Kulpi ist sogar neu und selbst zwei Busse passen ohne Probleme gleichzeitig darauf. Das habe ich bis jetzt hier noch nicht gesehen.
Was ich aber sah war ein Unfall. Ein Lkw ist auf den aufgeweichten Seitenstreifen gekommen und umgekippt. Hoffentlich saßen da, wie so oft, keine Menschen oben drauf. Diamond Harbour ist Touristenort, da man schöne Aussichten auf den Hoogly hat. Es gibt sogar Bürgersteige! Mit 50.000 Einwohnern ist Diamond Harbour in der indischen Klassifizierung ein town, liegt also zwischen village und city.
Der Manager der Zweigstelle kennt 99% seiner 1.500 Kunden mit ihrer Lebensgeschichte. Bevor wir zu den Leuten hingegangen sind hatte er uns schon die halbe Story erzählt. Er konnte nämlich auch noch gutes Englisch sprechen. Nette Geschichten waren wieder dabei, unter anderem von einer Frau die mit 21 Witwe geworden ist, einen zweijährigen Sohn hatte und mit einer Tochter schwanger war. Jetzt hat sie ein Geschäft für Kosmetikartikel und der Familie geht es gut.
Wir erfuhren auch, dass die Feierlichkeiten (Puja wird das hier genannt) heute noch weitergingen. Also weiterhin Musikbeschallung von überall her. Und der Gott ist nicht nur für die Instrumente, sondern auch für Fahrzeuge und Industrie zuständig. Deswegen haben alle, vom Rikscha- bis zum Busfahrer ihre Fahrzeuge mit Blumen geschmückt. Auf dem Weg zurück konnten wir dann beobachten wie die Leute die Statuen in den heiligen Fluss tragen und versenken. Damit endet hier jede Puja.
Abends hat uns dann der Sohn vom Chef noch deren Haus gezeigt. Er ist ein sehr begabter Maler und seine Bilder wurden sogar schon in Kolkata ausgestellt. Aber er studiert BWL. Ich habe mir ein paar seiner Bücher angeguckt, genau der gleiche Stoff wie hier. Er hat uns frische Kokosnuss gebracht, was sehr lecker war. Jetzt sitzen wir bei den Frauen im Zimmer, weil es unser letzter gemeinsamer Abend ist. Tina fährt morgen nach Kolkata auf irgend so eine Veranstaltung über Wirtschaft an einem College. Ich bleibe noch hier um eine Zweigstelle zu besuchen und Maria arbeitet noch, da sie am Sonntag von Kolkata aus zum Einkaufen nach Delhi weiterfliegt und dann weiter auf die Philippinen.
Aparna ist immer noch nicht wieder da. Ihre Mutter liegt seit drei Tagen im Koma. Sehr traurig, denn auch wenn ich sie erst einen Monat kenne, so hat sie mir doch schon so viel über ihre „Mummy“ erzählt. Es ist schon traurig, aber so ist das Leben nun einmal. So jetzt aber gute Nacht. Wir haben hier noch die Megaparty mit gefiltertem Brunnenwasser und geschmolzener Schokolade.
Dienstag, 16. September 2008
Death cab for cutie - Summer skin
13.09.2008 – Kontraste
Kolkata – City of joy. So sagt man in Indien. Am heutigen Samstag fuhren wir also um 20 nach zwei los um das Kolkataer Nachtleben zu erkunden. Wir hatten eine Nummer von einem Typen von AIESEC, der uns vom Bahnhof Sealdah abholen wollte. Unser Zug fuhr aber gar nicht nach Sealdah und so stiegen wir auf irgendeinem Bahnhof in Kolkata aus und fuhren mit dem Taxi weiter. Nachdem wir das Handy an den Fahrer weitergereicht hatten wusste der auch Bescheid wo wir hinwollten. Um halb sechs erreichten wir Eden Gardens, eine große Parkanlage mitten in Kolkata, wo wir schon erwartet wurden. Uns erwartete eine Bootsfahrt auf dem Hoogly. Ich dachte zuerst mit einem Touriausflugsdampfer, aber die hatten gleich einen ganzen Kahn gemietet. Es war nämlich Begrüßung der neuen Studenten und weil die Studenten ja alle der Oberschicht angehören, hatten wir ein Boot, auf dem Deck eine Anlage und Buffet (Lecker Chinesisches Essen) und unter Deck eine weitere Anlage, Klimaanlage, Wodka und Rum frei.
Alle hatten sich schön schick gemacht, selbst ich war zum Glück schon recht gut gekleidet angekommen. Doch wer lief natürlich in ihrem Lieblings Roboter T-Shirt rum? Genau, Maria. Gut, dass es eine Toilette gab und sie andere Sachen mithatte. Wir sind dann immer zwischen den zwei großen Brücken hoch und runter gefahren und haben gefeiert.
Es ist schon bemerkenswert. Einen Monat lang arbeite ich nur auf dem Land, wo Alkohol fast verboten ist, sehe die ganzen armen Leute in ihren Lehmhütten und dusche in Teichwasser. Dann fahre ich 60 Kilometer weit und befinde mich in einer komplett anderen Welt mit der Elite dieses Landes zusammen, die übrigens auch untereinander nur Englisch sprechen.
Nachdem wir wieder angelegt hatten suchten wir zuerst einmal ein Hotel. Keine leichte Aufgabe an einem Samstagabend, aber nach einer Stunde suchen und herumtelefonieren hatten wir eines gefunden und gingen erst mal duschen. Nebenbei sahen wir im Fernsehen die letzte Bombenentschärfung in Kolkata.
Danach riefen wir einen Kerl an, den wir auf dem Boot kennen gelernt hatten und er sagte uns eine gute Kneipe. Wir kehrten dort ein, bestellten drei Bier und durften erst mal schön 10€ bezahlen. In Indien wird nämlich die Unterschicht einfach durch überzogene Preise draußen gehalten. Das Gute war, dass es Live Musik gab und auf dem Fernseher Chelsea - ManCity lief. Irgendwann gingen wir dann weiter in eine Disko, Eintritt 8€. Was die Getränke gekostet haben weiß ich nicht, denn wir haben noch nicht abgerechnet und Tina hatte die bezahlt. Da wir morgens früh raus wollten sind wir dann um drei ins Hotel gegangen, dass gleich um die Ecke lag. Auf dem Weg dahin sahen wir die Armut der Stadt. Überall auf dem Bürgersteig lagen ganze Familien mit bis zu drei Kindern. Daneben suchten die Ratten nach etwas Essbarem im Müll. Die Autos rasen hupend vorbei, es stank nach Ausscheidungen und es war drückend heiß. So ein reiches Land und doch so arm. Was mich aber überrascht ist, dass es keine räumliche Abgrenzung gibt. Die Reichen gehen feiern und die Armen schlafen genau vor der Disko und keiner stört sich dran.
Auf dem Land können sich diese Leute aus Lehm und Stroh wenigstens noch eine Hütte bauen. Aber in Kolkata ist weder Material noch Platz vorhanden. Wir sind dann in unser 40€ Hotelzimmer gegangen (eine arme Familie lebt hier 20 Tage davon), waren aber zu müde um noch darüber nachzudenken.
14.09.2008 – Éinkaufstour die 2.
Nachdem ich um 3 ins Bett gekommen war sollte man annehmen, dass ich bis mindestens 10 schlafen würde. Mein Körper dachte da wohl etwas anders und pünktlich um halb acht, meine normal Zeit zum aufstehen in den letzten 30 Tagen, wurde ich wach. Doch nur eine halbe Stunde später regte sich etwas im Bett und die beiden anderen wurden auch wach. So hatten wir wenigstens Zeit um den Tag zu nutzen. Nach dem Auschecken suchten wir zuerst einen Geldautomaten, weil Tina Geld brauchte. Danach fuhren wir mit einer Motorikscha zum Mutter Teresa Haus. Sehr interessante Sache.
Weiter ging es, es war bereits zwölf geworden, in die Touristraße Kolkatas weil Maria und ich Geld wechseln mussten. Das ist mit Maria gar nicht so einfach. Sie wollte nämlich den besten Wechselkurs finden und so rannten wir durch sämtliche Wechselstuben. Als wir dann endlich den besten gefunden hatten und unsere Dollar tauschen wollten meinte der Kerl doch tatsächlich, dass es einen schlechteren Wechselkurs gibt, wenn 10er und 20er dazwischen sind. Also sind wir wieder durch Wechselstuben gerannt. Ich hatte SO EINEN HALS!!! Irgendwann konnte ich Maria dann davon überzeugen einfach zu wechseln, da es immer später wurde, ich Hunger hatte und noch etwas sehen wollte. Doch dumm gelaufen, an der nächsten Ecke befand sich wieder ein Sari Laden, in dem die beiden stöbern mussten. Danach brauchte Maria pure Seide für ihre Mama und um sich einen Schlafsack zu nähen. Fragt nocht warum ein Schlafsack aus teurer Seide sein muss… Also hat sie ein 4,8m x 1,5m großes Stück gekauft und für ihre Mama ein 2m x 1,5m.
Dann war aber immer noch nicht genug. Tina brauchte unbedingt HD Videokassetten für ihre Kamera und ein Firewirekabel. Also durch 3 Elektroläden gerannti und nach HD Kassetten gefragt. Die hatte natürlich keiner. Ich war schon voll angepisst und wurde noch mehr durch diese ganzen Leute auf der Straße aufgeregt, die einen zulabern und irgendeinen Müll verkaufen wollen. In einem kleinen Laden versuchten wir es dann noch mal. Der nette Herr hatte auch keine da, aber er könnte sie bestellen. Auf unsere Frage hin wie lange das dauern würde meinte er 20 Minuten. Keine Ahnung wo er die Kassetten herbekommen hat. Ein Firewirekabel hatte er auch noch und alles zu einem günstigen Preis. Also war Tina auch zufrieden gestellt. Es war fünf, als wir den Laden wieder verließen. Um fünf machen alle Sehenswürdigkeiten zu und ich war wieder hocherfreut darüber. Aber wir sind dann wenigstens chinesisch essen gegangen, in ein Restaurant, dass der Lonely Planet aufs wärmste empfohlen hat. Keine Ahnung welcher Depp da eine Geschmacksverirrung hatte, auf jeden Fall war das Essen nicht gerade der Hit. Aber eine Flasche 0,65l Bier hat nur einen Euro gekostet. Hatte ich doch tatsächlich auch noch was vom Tag.
Nach dem Essen sind wir nach Sealdah gefahren um wieder nach Hause zu kommen. Der Zug fuhr sogar gleich ab, wir mussten aber wieder irgendwo umsteigen und eine halbe Stunde warten. Auf der Zugfahrt haben wir wieder neue Freunde gefunden und konnten uns ein wenig unterhalten. Pünktlich um halb 10 waren wir dann wieder in unserem Zimmer. Hat mich richtig nach vorne gebracht der Tag. Naja der Chef will mit uns nächstes Wochenende fahren und die Tempel und Heiligtümer besichtigen. Dann ist nichts mit shoppen!
15.09.2008 – Ein Monat
Genau einen Monat bin ich nun schon unterwegs. Wenn ich keinen Kalender hätte, würde ich denken ich wäre schon drei hier. Irgendwie läuft die Zeit hier anders ab. Aber ich erlebe ja auch drei Mal so viel wie in Deutschland.
Nach dem Mittag sind wir wieder nach Krishnachandrapur gefahren um Interviewpartner für Tinas Video zu suchen und die Case Studies zu erstellen. Und tatsächlich, wir trafen eine Frau, die genau die Geschichte hat die Tina sucht. Ihr Mann starb vor 3 Jahren und sie musste mit Saristickerein ihre vier Kinder ernähren. Mit einem VSSU Kredit hat sie zwei Leute angestellt, die ihr halfen. Heute beschäftigt sie vor den großen Feiertagen bis zu 200 Leute und verdient ganz gut Geld. Eine richtige Erfolgsstory. Von der armen Witwe mit vier hungernden Kindern zur Großverdienerin und Arbeitgeberin.
Auf dem Rückweg von ihr machte ich Bekanntschaft mit einem Englischstudenten. Als ich einmal etwas ausgerutscht bin, hat er freundlicherweise meine Hand gehalten, daraufhin aber nicht mehr losgelassen. Ich weiß ja, dass das in Indien ein Zeichen der Freundschaft ist, aber Händchen haltend wollte ich nicht mit ihm gehen. Ich tat dann so, als hätte ich einen Stein im Schuh, so dass er mich loslassen musste. Die Frauen waren ganz begeistert vom Vollmond und Tina hat erst mal ihre Kamera mit Stativ aufgebaut und den Mond gefilmt. Es gibt wohl keinen Vollmond in Australien. Maria hat auch Fotos von 08/15 Enten gemacht. Manchmal übertreiben sie es schon ein wenig.
Mir ist mal wieder etwas Merkwürdiges aufgefallen. In jedem zweiten Teich schwimmen alte Plastikschuhe. Ich weiß nicht, ob die Leute hier nicht checken, dass Plastik erstens nicht untergeht und zweitens nicht verrottet, aber es ist wohl immer noch besser als das Zeug zu verbrennen.
Aparna ist immer noch bei ihrer Mama. Ich weiß gar nicht, wie ich mich verhalten soll, wenn ihre Mutter stirbt und sie wiederkommt. Ist in Indien der Tod nicht ein freudiges Ereignis? Aber gratulieren wäre wohl auch etwas unangebracht. Ich sollte Bonani mal fragen. Aber die ist schon im Bett. Sehr ungewöhnlich, dabei ist es erst halb zehn.
16.09.2008 – Was soll das?
Jetzt hatte ich gerade den Text fertig geschrieben, da komme ich auf irgendeine Taste und alles ist wieder weg? Also ich schreibe noch mal:
Es regnet und stürmt schon den ganzen Tag. Eine Stunde Regen, eine Stunde trocken, zwei Stunden Regen, eine Stunde trocken. Vorteil ist, dass es nicht so warm ist, Nachteil, dass eben eine Mörderspinne über meinen Bildschirm gekrabbelt ist. Und das bei Stromausfall, so dass ich sie erst gesehen hab als sie 30 Zentimeter vor meinem Gesicht war. Kann die nicht in das Frauenzimmer krabbeln? Ich hab sie mit der Taschenlampe und meinem Schuh durchs Zimmer gejagt. Nun ist sie eine ermordete Mörderspinne.
Außerdem drückt der Wind gegen meine undichten Fenster und ständig ist der Boden nass. Aber vielleicht ist das ja gut für meine Füße.
Auf der Arbeit hatte ich mit den neuen Case Studies zu tun. Eine wirklich schöne Geschichte war dabei, die auch gut in das Video passt. Eine Frau, die Witwe geworden ist und Saris bestickt. Mit dem Kredit hat sie ihr Geschäft immer weiter ausgebaut und jetzt, nach drei Jahren beschäftigt sie vor den großen Feiertagen bis zu 200 Leute.
Aparna ist immer noch nicht da und Bonani krank. Deswegen konnte heute keiner mit uns zu einer anderen Zweigstelle fahren. Also sind wir gegen Abend noch ein wenig spazieren gegangen. Eben waren wir noch beim Chef drin und haben 3 Stunden diskutiert. Jetzt noch ein wenig im Internet surfen (Ja es geht wieder) und dann ins Bett.
Kolkata – City of joy. So sagt man in Indien. Am heutigen Samstag fuhren wir also um 20 nach zwei los um das Kolkataer Nachtleben zu erkunden. Wir hatten eine Nummer von einem Typen von AIESEC, der uns vom Bahnhof Sealdah abholen wollte. Unser Zug fuhr aber gar nicht nach Sealdah und so stiegen wir auf irgendeinem Bahnhof in Kolkata aus und fuhren mit dem Taxi weiter. Nachdem wir das Handy an den Fahrer weitergereicht hatten wusste der auch Bescheid wo wir hinwollten. Um halb sechs erreichten wir Eden Gardens, eine große Parkanlage mitten in Kolkata, wo wir schon erwartet wurden. Uns erwartete eine Bootsfahrt auf dem Hoogly. Ich dachte zuerst mit einem Touriausflugsdampfer, aber die hatten gleich einen ganzen Kahn gemietet. Es war nämlich Begrüßung der neuen Studenten und weil die Studenten ja alle der Oberschicht angehören, hatten wir ein Boot, auf dem Deck eine Anlage und Buffet (Lecker Chinesisches Essen) und unter Deck eine weitere Anlage, Klimaanlage, Wodka und Rum frei.
Alle hatten sich schön schick gemacht, selbst ich war zum Glück schon recht gut gekleidet angekommen. Doch wer lief natürlich in ihrem Lieblings Roboter T-Shirt rum? Genau, Maria. Gut, dass es eine Toilette gab und sie andere Sachen mithatte. Wir sind dann immer zwischen den zwei großen Brücken hoch und runter gefahren und haben gefeiert.
Es ist schon bemerkenswert. Einen Monat lang arbeite ich nur auf dem Land, wo Alkohol fast verboten ist, sehe die ganzen armen Leute in ihren Lehmhütten und dusche in Teichwasser. Dann fahre ich 60 Kilometer weit und befinde mich in einer komplett anderen Welt mit der Elite dieses Landes zusammen, die übrigens auch untereinander nur Englisch sprechen.
Nachdem wir wieder angelegt hatten suchten wir zuerst einmal ein Hotel. Keine leichte Aufgabe an einem Samstagabend, aber nach einer Stunde suchen und herumtelefonieren hatten wir eines gefunden und gingen erst mal duschen. Nebenbei sahen wir im Fernsehen die letzte Bombenentschärfung in Kolkata.
Danach riefen wir einen Kerl an, den wir auf dem Boot kennen gelernt hatten und er sagte uns eine gute Kneipe. Wir kehrten dort ein, bestellten drei Bier und durften erst mal schön 10€ bezahlen. In Indien wird nämlich die Unterschicht einfach durch überzogene Preise draußen gehalten. Das Gute war, dass es Live Musik gab und auf dem Fernseher Chelsea - ManCity lief. Irgendwann gingen wir dann weiter in eine Disko, Eintritt 8€. Was die Getränke gekostet haben weiß ich nicht, denn wir haben noch nicht abgerechnet und Tina hatte die bezahlt. Da wir morgens früh raus wollten sind wir dann um drei ins Hotel gegangen, dass gleich um die Ecke lag. Auf dem Weg dahin sahen wir die Armut der Stadt. Überall auf dem Bürgersteig lagen ganze Familien mit bis zu drei Kindern. Daneben suchten die Ratten nach etwas Essbarem im Müll. Die Autos rasen hupend vorbei, es stank nach Ausscheidungen und es war drückend heiß. So ein reiches Land und doch so arm. Was mich aber überrascht ist, dass es keine räumliche Abgrenzung gibt. Die Reichen gehen feiern und die Armen schlafen genau vor der Disko und keiner stört sich dran.
Auf dem Land können sich diese Leute aus Lehm und Stroh wenigstens noch eine Hütte bauen. Aber in Kolkata ist weder Material noch Platz vorhanden. Wir sind dann in unser 40€ Hotelzimmer gegangen (eine arme Familie lebt hier 20 Tage davon), waren aber zu müde um noch darüber nachzudenken.
14.09.2008 – Éinkaufstour die 2.
Nachdem ich um 3 ins Bett gekommen war sollte man annehmen, dass ich bis mindestens 10 schlafen würde. Mein Körper dachte da wohl etwas anders und pünktlich um halb acht, meine normal Zeit zum aufstehen in den letzten 30 Tagen, wurde ich wach. Doch nur eine halbe Stunde später regte sich etwas im Bett und die beiden anderen wurden auch wach. So hatten wir wenigstens Zeit um den Tag zu nutzen. Nach dem Auschecken suchten wir zuerst einen Geldautomaten, weil Tina Geld brauchte. Danach fuhren wir mit einer Motorikscha zum Mutter Teresa Haus. Sehr interessante Sache.
Weiter ging es, es war bereits zwölf geworden, in die Touristraße Kolkatas weil Maria und ich Geld wechseln mussten. Das ist mit Maria gar nicht so einfach. Sie wollte nämlich den besten Wechselkurs finden und so rannten wir durch sämtliche Wechselstuben. Als wir dann endlich den besten gefunden hatten und unsere Dollar tauschen wollten meinte der Kerl doch tatsächlich, dass es einen schlechteren Wechselkurs gibt, wenn 10er und 20er dazwischen sind. Also sind wir wieder durch Wechselstuben gerannt. Ich hatte SO EINEN HALS!!! Irgendwann konnte ich Maria dann davon überzeugen einfach zu wechseln, da es immer später wurde, ich Hunger hatte und noch etwas sehen wollte. Doch dumm gelaufen, an der nächsten Ecke befand sich wieder ein Sari Laden, in dem die beiden stöbern mussten. Danach brauchte Maria pure Seide für ihre Mama und um sich einen Schlafsack zu nähen. Fragt nocht warum ein Schlafsack aus teurer Seide sein muss… Also hat sie ein 4,8m x 1,5m großes Stück gekauft und für ihre Mama ein 2m x 1,5m.
Dann war aber immer noch nicht genug. Tina brauchte unbedingt HD Videokassetten für ihre Kamera und ein Firewirekabel. Also durch 3 Elektroläden gerannti und nach HD Kassetten gefragt. Die hatte natürlich keiner. Ich war schon voll angepisst und wurde noch mehr durch diese ganzen Leute auf der Straße aufgeregt, die einen zulabern und irgendeinen Müll verkaufen wollen. In einem kleinen Laden versuchten wir es dann noch mal. Der nette Herr hatte auch keine da, aber er könnte sie bestellen. Auf unsere Frage hin wie lange das dauern würde meinte er 20 Minuten. Keine Ahnung wo er die Kassetten herbekommen hat. Ein Firewirekabel hatte er auch noch und alles zu einem günstigen Preis. Also war Tina auch zufrieden gestellt. Es war fünf, als wir den Laden wieder verließen. Um fünf machen alle Sehenswürdigkeiten zu und ich war wieder hocherfreut darüber. Aber wir sind dann wenigstens chinesisch essen gegangen, in ein Restaurant, dass der Lonely Planet aufs wärmste empfohlen hat. Keine Ahnung welcher Depp da eine Geschmacksverirrung hatte, auf jeden Fall war das Essen nicht gerade der Hit. Aber eine Flasche 0,65l Bier hat nur einen Euro gekostet. Hatte ich doch tatsächlich auch noch was vom Tag.
Nach dem Essen sind wir nach Sealdah gefahren um wieder nach Hause zu kommen. Der Zug fuhr sogar gleich ab, wir mussten aber wieder irgendwo umsteigen und eine halbe Stunde warten. Auf der Zugfahrt haben wir wieder neue Freunde gefunden und konnten uns ein wenig unterhalten. Pünktlich um halb 10 waren wir dann wieder in unserem Zimmer. Hat mich richtig nach vorne gebracht der Tag. Naja der Chef will mit uns nächstes Wochenende fahren und die Tempel und Heiligtümer besichtigen. Dann ist nichts mit shoppen!
15.09.2008 – Ein Monat
Genau einen Monat bin ich nun schon unterwegs. Wenn ich keinen Kalender hätte, würde ich denken ich wäre schon drei hier. Irgendwie läuft die Zeit hier anders ab. Aber ich erlebe ja auch drei Mal so viel wie in Deutschland.
Nach dem Mittag sind wir wieder nach Krishnachandrapur gefahren um Interviewpartner für Tinas Video zu suchen und die Case Studies zu erstellen. Und tatsächlich, wir trafen eine Frau, die genau die Geschichte hat die Tina sucht. Ihr Mann starb vor 3 Jahren und sie musste mit Saristickerein ihre vier Kinder ernähren. Mit einem VSSU Kredit hat sie zwei Leute angestellt, die ihr halfen. Heute beschäftigt sie vor den großen Feiertagen bis zu 200 Leute und verdient ganz gut Geld. Eine richtige Erfolgsstory. Von der armen Witwe mit vier hungernden Kindern zur Großverdienerin und Arbeitgeberin.
Auf dem Rückweg von ihr machte ich Bekanntschaft mit einem Englischstudenten. Als ich einmal etwas ausgerutscht bin, hat er freundlicherweise meine Hand gehalten, daraufhin aber nicht mehr losgelassen. Ich weiß ja, dass das in Indien ein Zeichen der Freundschaft ist, aber Händchen haltend wollte ich nicht mit ihm gehen. Ich tat dann so, als hätte ich einen Stein im Schuh, so dass er mich loslassen musste. Die Frauen waren ganz begeistert vom Vollmond und Tina hat erst mal ihre Kamera mit Stativ aufgebaut und den Mond gefilmt. Es gibt wohl keinen Vollmond in Australien. Maria hat auch Fotos von 08/15 Enten gemacht. Manchmal übertreiben sie es schon ein wenig.
Mir ist mal wieder etwas Merkwürdiges aufgefallen. In jedem zweiten Teich schwimmen alte Plastikschuhe. Ich weiß nicht, ob die Leute hier nicht checken, dass Plastik erstens nicht untergeht und zweitens nicht verrottet, aber es ist wohl immer noch besser als das Zeug zu verbrennen.
Aparna ist immer noch bei ihrer Mama. Ich weiß gar nicht, wie ich mich verhalten soll, wenn ihre Mutter stirbt und sie wiederkommt. Ist in Indien der Tod nicht ein freudiges Ereignis? Aber gratulieren wäre wohl auch etwas unangebracht. Ich sollte Bonani mal fragen. Aber die ist schon im Bett. Sehr ungewöhnlich, dabei ist es erst halb zehn.
16.09.2008 – Was soll das?
Jetzt hatte ich gerade den Text fertig geschrieben, da komme ich auf irgendeine Taste und alles ist wieder weg? Also ich schreibe noch mal:
Es regnet und stürmt schon den ganzen Tag. Eine Stunde Regen, eine Stunde trocken, zwei Stunden Regen, eine Stunde trocken. Vorteil ist, dass es nicht so warm ist, Nachteil, dass eben eine Mörderspinne über meinen Bildschirm gekrabbelt ist. Und das bei Stromausfall, so dass ich sie erst gesehen hab als sie 30 Zentimeter vor meinem Gesicht war. Kann die nicht in das Frauenzimmer krabbeln? Ich hab sie mit der Taschenlampe und meinem Schuh durchs Zimmer gejagt. Nun ist sie eine ermordete Mörderspinne.
Außerdem drückt der Wind gegen meine undichten Fenster und ständig ist der Boden nass. Aber vielleicht ist das ja gut für meine Füße.
Auf der Arbeit hatte ich mit den neuen Case Studies zu tun. Eine wirklich schöne Geschichte war dabei, die auch gut in das Video passt. Eine Frau, die Witwe geworden ist und Saris bestickt. Mit dem Kredit hat sie ihr Geschäft immer weiter ausgebaut und jetzt, nach drei Jahren beschäftigt sie vor den großen Feiertagen bis zu 200 Leute.
Aparna ist immer noch nicht da und Bonani krank. Deswegen konnte heute keiner mit uns zu einer anderen Zweigstelle fahren. Also sind wir gegen Abend noch ein wenig spazieren gegangen. Eben waren wir noch beim Chef drin und haben 3 Stunden diskutiert. Jetzt noch ein wenig im Internet surfen (Ja es geht wieder) und dann ins Bett.
Montag, 15. September 2008
Elton John - I'm still standing
Internet ist schon wieder kaputt und ich muss diese dreckige Telefonleitung benutzen. Erst mal drei Berichte. Kolkata zweiter Tag kommt morgen rein. Ich hoffe Internet geht dann wieder richtig.
11.09.2008 – Very good friends
Heute sollte der erste Zweigstellenbesuch diese Woche losgehen. Vormittags haben wir noch über die Gestaltung des Videos diskutiert, nach dem Mittag sollte es aber losgehen. Aparna sollte uns nach Mathurapur begleiten. Ich stand also bereit und musste mal wieder auf die Frauen warten. Maria hatte sich hingelegt um Siesta zu machen und war ganz überrascht, dass wir schon los wollten. Wir haben es ihr ja nur zwei Mal gesagt.
Wir besuchten erst eine Frauengruppe und dann zwei Frauen aus dieser Gruppe. Die eine schält Reis und verkauft ihn an den Markt, die andere betreibt mit ihrem Mann einen Gemüsegarten. Tina hat ein wenig gefilmt und ich hab die Case Studies aufgeschrieben. Maria hat mal wieder voll ins Fettnäpfchen getreten. Der Mann vom Gemüsegarten hat ihr ein gurkenähnliches Gemüse geschenkt. Maria hat es gleich mal gegessen. Sie schien nicht begeistert gewesen zu sein, doch als ihr eine zweite Angeboten wurde, hat sie auch diese gegessen. Sie wollte ja nicht unhöflich sein. Aparna hat es dann bemerkt und gefragt, was sie da machen würde. Niemand in Indien würde dieses Zeufg roh essen, weil es viel zu bitter ist. Dann haben alle erst mal über die doofe Europäerin gelacht, die aber auch gar nichts weiß. Als es dunkel wurde sind wir zurück in die Zweigstelle und haben uns noch mit der Managerin, die einzige weibliche Managerin bei VSSU, unterhalten. Um halb 8 wollten wir dann los, mussten aber erfahren, dass der Zug erst eine Stunde später fuhr. Also blieben wir noch und malten für die nicht Englisch sprechenden Mitarbeiter unsere Familien auf und bekamen Muri. Dann sind wir etwas spät losgekommen und mussten uns etwas beeilen zum Bahnhof zu kommen. Maria hat das aber mal wieder nicht so ganz mitbekommen und sich erst mal in einen Laden begeben um etwas zu kaufen. Den Zug haben wir trotzdem bekommen weil er natürlich Verspätung hatte.
Im Zug saß mir ein junger Mann gegenüber, der mich dann ansprach. Er studiert in Kolkata und gerade auf dem Weg nach Hause nach Kulpi und hat sich natürlich riesig gefreut mit einem Deutschen zu sprechen. Wir haben uns ein wenig unterhalten und ich habe noch Maria und Tina vorgestellt. Er war „Very, very, very happy“ und wir seinen „Very good friends“. Zum Abschied hat uns allen die Hand geschüttelt. In Laxmikantapur ist er mit ausgestiegen, hat mich umarmt (Was haben die Männer nur hier?) und ist wieder in den Zug gestiegen. Wir haben noch Früchte gekauft und sind dann nach Hause. Wo wir etwas kaputt um viertel vor zehn angekommen sind.
12.09.2008 – Einkaufstour
Eigentlich war heute ja der dritte Besuch einer Zweigstelle geplant, doch der gestrige sollte der einzige bleiben, da Aparnas Mutter schwer erkrankt ist und sie sofort hingefahren ist. Sonst hatte keiner für uns Zeit und so hatten wir den Tag über nicht so viel zu tun. Maria ist im Dorf spazieren gegangen, Tina hat ein Buch zur Bücherei zurück gebracht und die Gegend gefilmt und ich habe meine Wäsche gewaschen. Wäsche waschen ist toll hier. Man nehme einen etwas größeren Eimer, lasse Teichwasser hinein, füge etwas Waschpulver hinzu und packe dann immer zwei Kleidungsstücke hinein. Na ja, Hauptsache die Kleidung wird sauber. Abends hat Banani uns Angeboten mit ihr nach Laxmikantapur zu fahren. Tina und Maria wollten sich nämlich eine Sari kaufen. Also in den größten Laden am Ort rein und dann ging das Elend los. Die beiden wussten natürlich nicht, was sie wollten. Nur reine Seide sollte es sein. Dazu kam, dass der Laden ca. 2000 Saris lagert. Also haben zwei Verkäufer, die Mitarbeiter sind alle männlich, eine kleine Auswahl von 50 Saris ausgepackt und gezeigt. Ich muss sagen selbst ich war begeistert von den vielen Farben und Mustern. Die Preise lagen in der Spanne von 300 bis 4800 Rupien, also zwischen 5€ und 75€, je nachdem was für Material und ob bedruckt oder mit der Hand bestickt. Banani meinte aber das wäre eine sehr kleine Auswahl im Gegensatz zu den Geschäften in Kolkata.
Langsam schien sich bei den beiden so etwas wie ein Trend auszumachen und nach etwa einer Stunde hatten beide etwas gefunden. Damit ist es aber noch nicht getan, denn zu einer Sari gehören noch ein Top und ein Unterrock, die natürlich beide die passende Farbe und Größe haben müssen. Als auch das erledigt war ging es ans Bezahlen. Beide mussten je 1000 Rupien, etwa 16€ hinlegen, wobei die Saris 800 ausmachten. Also 13€ für ein fünf Meter langes und einen Meter breites, gefärbtes und bedrucktes Stück reine Seide.
Jetzt müssen sie nur noch lernen, wie man das richtig wickelt. Wir haben uns dann noch einen Snack zu essen gekauft um nicht wieder nur von VSSU- Essen leben zu müssen. Ich gehe jetzt mal gucken, ob die Wäsche schon trocken ist. Morgen fahren wir vielleicht, wahrscheinlich nach Kolkata. Mal gucken, ob das was wird.
11.09.2008 – Very good friends
Heute sollte der erste Zweigstellenbesuch diese Woche losgehen. Vormittags haben wir noch über die Gestaltung des Videos diskutiert, nach dem Mittag sollte es aber losgehen. Aparna sollte uns nach Mathurapur begleiten. Ich stand also bereit und musste mal wieder auf die Frauen warten. Maria hatte sich hingelegt um Siesta zu machen und war ganz überrascht, dass wir schon los wollten. Wir haben es ihr ja nur zwei Mal gesagt.
Wir besuchten erst eine Frauengruppe und dann zwei Frauen aus dieser Gruppe. Die eine schält Reis und verkauft ihn an den Markt, die andere betreibt mit ihrem Mann einen Gemüsegarten. Tina hat ein wenig gefilmt und ich hab die Case Studies aufgeschrieben. Maria hat mal wieder voll ins Fettnäpfchen getreten. Der Mann vom Gemüsegarten hat ihr ein gurkenähnliches Gemüse geschenkt. Maria hat es gleich mal gegessen. Sie schien nicht begeistert gewesen zu sein, doch als ihr eine zweite Angeboten wurde, hat sie auch diese gegessen. Sie wollte ja nicht unhöflich sein. Aparna hat es dann bemerkt und gefragt, was sie da machen würde. Niemand in Indien würde dieses Zeufg roh essen, weil es viel zu bitter ist. Dann haben alle erst mal über die doofe Europäerin gelacht, die aber auch gar nichts weiß. Als es dunkel wurde sind wir zurück in die Zweigstelle und haben uns noch mit der Managerin, die einzige weibliche Managerin bei VSSU, unterhalten. Um halb 8 wollten wir dann los, mussten aber erfahren, dass der Zug erst eine Stunde später fuhr. Also blieben wir noch und malten für die nicht Englisch sprechenden Mitarbeiter unsere Familien auf und bekamen Muri. Dann sind wir etwas spät losgekommen und mussten uns etwas beeilen zum Bahnhof zu kommen. Maria hat das aber mal wieder nicht so ganz mitbekommen und sich erst mal in einen Laden begeben um etwas zu kaufen. Den Zug haben wir trotzdem bekommen weil er natürlich Verspätung hatte.
Im Zug saß mir ein junger Mann gegenüber, der mich dann ansprach. Er studiert in Kolkata und gerade auf dem Weg nach Hause nach Kulpi und hat sich natürlich riesig gefreut mit einem Deutschen zu sprechen. Wir haben uns ein wenig unterhalten und ich habe noch Maria und Tina vorgestellt. Er war „Very, very, very happy“ und wir seinen „Very good friends“. Zum Abschied hat uns allen die Hand geschüttelt. In Laxmikantapur ist er mit ausgestiegen, hat mich umarmt (Was haben die Männer nur hier?) und ist wieder in den Zug gestiegen. Wir haben noch Früchte gekauft und sind dann nach Hause. Wo wir etwas kaputt um viertel vor zehn angekommen sind.
12.09.2008 – Einkaufstour
Eigentlich war heute ja der dritte Besuch einer Zweigstelle geplant, doch der gestrige sollte der einzige bleiben, da Aparnas Mutter schwer erkrankt ist und sie sofort hingefahren ist. Sonst hatte keiner für uns Zeit und so hatten wir den Tag über nicht so viel zu tun. Maria ist im Dorf spazieren gegangen, Tina hat ein Buch zur Bücherei zurück gebracht und die Gegend gefilmt und ich habe meine Wäsche gewaschen. Wäsche waschen ist toll hier. Man nehme einen etwas größeren Eimer, lasse Teichwasser hinein, füge etwas Waschpulver hinzu und packe dann immer zwei Kleidungsstücke hinein. Na ja, Hauptsache die Kleidung wird sauber. Abends hat Banani uns Angeboten mit ihr nach Laxmikantapur zu fahren. Tina und Maria wollten sich nämlich eine Sari kaufen. Also in den größten Laden am Ort rein und dann ging das Elend los. Die beiden wussten natürlich nicht, was sie wollten. Nur reine Seide sollte es sein. Dazu kam, dass der Laden ca. 2000 Saris lagert. Also haben zwei Verkäufer, die Mitarbeiter sind alle männlich, eine kleine Auswahl von 50 Saris ausgepackt und gezeigt. Ich muss sagen selbst ich war begeistert von den vielen Farben und Mustern. Die Preise lagen in der Spanne von 300 bis 4800 Rupien, also zwischen 5€ und 75€, je nachdem was für Material und ob bedruckt oder mit der Hand bestickt. Banani meinte aber das wäre eine sehr kleine Auswahl im Gegensatz zu den Geschäften in Kolkata.
Langsam schien sich bei den beiden so etwas wie ein Trend auszumachen und nach etwa einer Stunde hatten beide etwas gefunden. Damit ist es aber noch nicht getan, denn zu einer Sari gehören noch ein Top und ein Unterrock, die natürlich beide die passende Farbe und Größe haben müssen. Als auch das erledigt war ging es ans Bezahlen. Beide mussten je 1000 Rupien, etwa 16€ hinlegen, wobei die Saris 800 ausmachten. Also 13€ für ein fünf Meter langes und einen Meter breites, gefärbtes und bedrucktes Stück reine Seide.
Jetzt müssen sie nur noch lernen, wie man das richtig wickelt. Wir haben uns dann noch einen Snack zu essen gekauft um nicht wieder nur von VSSU- Essen leben zu müssen. Ich gehe jetzt mal gucken, ob die Wäsche schon trocken ist. Morgen fahren wir vielleicht, wahrscheinlich nach Kolkata. Mal gucken, ob das was wird.
Mittwoch, 10. September 2008
Coldplay - Reign of Love
10.09.2008 – Promialarm
Heute war Promialarm angesagt. Das komische daran: wir waren die Promis.
Wer einmal das Gefühl erleben möchte, ein gefeierter Popstar zu sein, der muss einfach nur weiß sein und nach Indien kommen.
Wie schon gesagt, wir waren heute eingeladen die Einschulung am College mitzuerleben. Um elf sind wir losgefahren, um endlich einmal pünktlich um halb zwölf am College zu sein. Zuerst ging es, verfolgt von dutzenden von Blicken, in das Büro vom Rektor wo wir noch einigen Lehrern vorgestellt wurden.
Am College werden 3500 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 in den Klassen 10 bis 12 unterrichtet. Davon sind ca. ein Drittel Frauen. 10% der Frauen werden dann selber Lehrer, der Rest wird verheiratet und Hausfrau. Viele der Mädchen sind auch schon verheiratet. So ist das hier auf dem Land.
Um zwölf begann das Programm und wir hatten Ehrenplätze in der ersten Reihe auf der Tribüne hinter dem Rednerpult. Als wir vorgestellt wurden und einen Blumenstrauß überreicht bekamen, haben alle gejubelt. Schön, dass sich Inder so freuen, nur weil mal drei Gäste in die Schule kommen.
Dann gab es wieder Reden, teils auf Bengali, teils auf Englisch. Ich verfolgte weniger die Reden als das Geschehen vor der Tribüne. Dort waren tatsächlich uniformierte Frauen damit beschäftigt Disziplin herzustellen und haben die Schüler hin- und hergeschoben, damit alle vernünftig sehen können.
Dann trat der Rektor ans Pult und meinte, jetzt soll ich doch auch mal etwas sagen. Also ging ich ans Mikrofon und sah mich 1000 erwartungsvollen Indern gegenüber. Ich sagte nur „Namaskar“, was Guten Tag bedeutet und ein unvorstellbarer Jubel brach aus. Man hätte meinen können, dass ich gerade als Goldmedalliengewinner aus Peking zurückgekehrt sei. Ich habe dann die Rede des Rektors aufgegriffen, er hatte über lebenslanges Lernen erzählt, und meinte auch ich würde als Schüler vor ihnen stehen. Mein Fach sei die indische Kultur. Nach ein paar Sätzen über die indische Gastfreundlichkeit und einem Dank für die Einladung überließ ich unter tosendem Applaus Tina die Bühne. Danach kam Maria und jedes Mal haben alle gejubelt ohne Ende. Bei Maria mag auch der kurze Rock eine Rolle gespielt haben…
Den Reden folgte das Kulturprogramm mit Tanz, Musik und einem Gedicht. Dann war es aber zeit für uns zum Mittag zu gehen, es war inzwischen zwei geworden. Wir verließen unsere Bühne und mussten durch die Schüler zurück zum Verwaltungshaus. Auf dem Weg dahin habe ich geschätzte 100 Hände geschüttelt und ein Junge, er mag 16 gewesen sein, küsste mich auf die Wange. Etwas befremdlich aber in Indien ist das Wohl ein Ausdruck von Freundschaft. Ein anderer wollte meine Hand fast gar nicht mehr loslassen. Selbst ein Lehrer kam noch hinterhergelaufen um mir die Hand zu schütteln. Es ist schon ein lustiges Gefühl von allen nur deshalb geliebt zu werden, weil man aus einem Land, 6000 Kilometer entfernt kommt.
Zum Mittag gab es nur Süßigkeiten. Ich hatte ja wieder auf Hühnchen spekuliert, stattdessen bekam jeder einen Teller voller Süßigkeiten, wobei jeder Teller wohl drei Mal unseren Kalorienbedarf gestillt hätte. Ich habe alles einmal probiert, konnte dann aber nicht mehr in mich reinstopfen. Danach unterhielt ich mich mit einem Bengalilehrer über die Gefährdung der Bücher surch das Internet. Inder können manchmal ganz schön tief greifende Themen ansprechen, auch wenn man sich erst fünf Minuten unterhält. Er hat mir auch gleich seine Nummer und Adresse gegeben. In zehn Tagen soll ich mich melden. Bis dahin ist er noch beschäftigt an seinem neusten Buch zu schreiben. Es könnte auf jeden Fall interessant werden, einmal mit ihm zu diskutieren. Was mir aber auffällt ist, dass wir uns, auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse, nur mit der gehobenen Schicht unterhalten. Gerne würde ich auch einmal mit den einfachen Dorfbewohnern unterhalten. Aber vielleicht macht es morgen ja klick und ich kann Bengali.
Heute war Promialarm angesagt. Das komische daran: wir waren die Promis.
Wer einmal das Gefühl erleben möchte, ein gefeierter Popstar zu sein, der muss einfach nur weiß sein und nach Indien kommen.
Wie schon gesagt, wir waren heute eingeladen die Einschulung am College mitzuerleben. Um elf sind wir losgefahren, um endlich einmal pünktlich um halb zwölf am College zu sein. Zuerst ging es, verfolgt von dutzenden von Blicken, in das Büro vom Rektor wo wir noch einigen Lehrern vorgestellt wurden.
Am College werden 3500 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 in den Klassen 10 bis 12 unterrichtet. Davon sind ca. ein Drittel Frauen. 10% der Frauen werden dann selber Lehrer, der Rest wird verheiratet und Hausfrau. Viele der Mädchen sind auch schon verheiratet. So ist das hier auf dem Land.
Um zwölf begann das Programm und wir hatten Ehrenplätze in der ersten Reihe auf der Tribüne hinter dem Rednerpult. Als wir vorgestellt wurden und einen Blumenstrauß überreicht bekamen, haben alle gejubelt. Schön, dass sich Inder so freuen, nur weil mal drei Gäste in die Schule kommen.
Dann gab es wieder Reden, teils auf Bengali, teils auf Englisch. Ich verfolgte weniger die Reden als das Geschehen vor der Tribüne. Dort waren tatsächlich uniformierte Frauen damit beschäftigt Disziplin herzustellen und haben die Schüler hin- und hergeschoben, damit alle vernünftig sehen können.
Dann trat der Rektor ans Pult und meinte, jetzt soll ich doch auch mal etwas sagen. Also ging ich ans Mikrofon und sah mich 1000 erwartungsvollen Indern gegenüber. Ich sagte nur „Namaskar“, was Guten Tag bedeutet und ein unvorstellbarer Jubel brach aus. Man hätte meinen können, dass ich gerade als Goldmedalliengewinner aus Peking zurückgekehrt sei. Ich habe dann die Rede des Rektors aufgegriffen, er hatte über lebenslanges Lernen erzählt, und meinte auch ich würde als Schüler vor ihnen stehen. Mein Fach sei die indische Kultur. Nach ein paar Sätzen über die indische Gastfreundlichkeit und einem Dank für die Einladung überließ ich unter tosendem Applaus Tina die Bühne. Danach kam Maria und jedes Mal haben alle gejubelt ohne Ende. Bei Maria mag auch der kurze Rock eine Rolle gespielt haben…
Den Reden folgte das Kulturprogramm mit Tanz, Musik und einem Gedicht. Dann war es aber zeit für uns zum Mittag zu gehen, es war inzwischen zwei geworden. Wir verließen unsere Bühne und mussten durch die Schüler zurück zum Verwaltungshaus. Auf dem Weg dahin habe ich geschätzte 100 Hände geschüttelt und ein Junge, er mag 16 gewesen sein, küsste mich auf die Wange. Etwas befremdlich aber in Indien ist das Wohl ein Ausdruck von Freundschaft. Ein anderer wollte meine Hand fast gar nicht mehr loslassen. Selbst ein Lehrer kam noch hinterhergelaufen um mir die Hand zu schütteln. Es ist schon ein lustiges Gefühl von allen nur deshalb geliebt zu werden, weil man aus einem Land, 6000 Kilometer entfernt kommt.
Zum Mittag gab es nur Süßigkeiten. Ich hatte ja wieder auf Hühnchen spekuliert, stattdessen bekam jeder einen Teller voller Süßigkeiten, wobei jeder Teller wohl drei Mal unseren Kalorienbedarf gestillt hätte. Ich habe alles einmal probiert, konnte dann aber nicht mehr in mich reinstopfen. Danach unterhielt ich mich mit einem Bengalilehrer über die Gefährdung der Bücher surch das Internet. Inder können manchmal ganz schön tief greifende Themen ansprechen, auch wenn man sich erst fünf Minuten unterhält. Er hat mir auch gleich seine Nummer und Adresse gegeben. In zehn Tagen soll ich mich melden. Bis dahin ist er noch beschäftigt an seinem neusten Buch zu schreiben. Es könnte auf jeden Fall interessant werden, einmal mit ihm zu diskutieren. Was mir aber auffällt ist, dass wir uns, auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse, nur mit der gehobenen Schicht unterhalten. Gerne würde ich auch einmal mit den einfachen Dorfbewohnern unterhalten. Aber vielleicht macht es morgen ja klick und ich kann Bengali.
The Smiths- Sheila take a bow
So nicht gestern, sondern heute die neuesten Berichte. Den von heute muss ich noch schreiben. Was da schon wieder los war...
07.09.2008 – Sunderabans
Die Sunderabans (sprich Schunderabbans) sind wie schon erwähnt der größte Mangrovenwald der Welt und Unesco Welterbe. Auf Grund der weltweiten Klimaerwärmung wird es ihn nicht mehr allzu lange geben, es wurde also höchste Zeit, dass ich mal hinfahre.
Um halb 8 ging es los. Innerlich habe ich beim Aufstehen um halb 7 überlegt, wie viele Leute in Deutschland, da was es 3 Uhr nachts, noch auf einer Party unterwegs sind.
Schon beim aufstehen hatten wir 30 Grad und strahlend blauen Himmel. Mit dem Jeep und zwei Motorrädern ging es mit 12 Leuten bis nach Gobindapur. Dort stiegen wir auf eine extra gecharterte Luxusyacht um. Ein Holzboot mit einem Dieselmotor der dem Geräusch nach eine Mischung aus Rasenmäher und Panzer zu sein schien. Es war mittlerweile zehn und solch eine Hitze, dass jeder schwitzte. Auf dem Deck konnte man nicht mehr barfuss gehen konnte und nicht ein laues Lüftchen war zu spüren. Also gingen wir kurz hoch, schwitzten und gingen wieder unter Deck. Wir fuhren ein paar Stündchen und betrachteten die Landschaft. Leider war es auch für die Krokodile zu heiß, so dass wir keine zu sehen bekamen. Dafür besuchten wir eine Krokodilfarm, in der wir dann welche zu Gesicht bekamen. Leider auch nur die „kleinen“ in den Käfigen, denn die großen waren im Teich untergetaucht. Interessant ist, dass in der Natur nur 5 von 100 Krokodilen erwachsen werden, in der Farm dagegen 50 von 100.
Zum Mittag sind wir an Land in ein Haus von VSSU, wo es lecker Mittagessen gab. Drei verschiedene Sorten Fisch. Einer besser als der andere. Dann fuhren wir weiter Richtung Bucht von Bengalen, wo wir versuchten Fisch zu kaufen. Die Fischer waren aber alle noch nicht so weit, so dass wir wieder umkehrten. Ein Stück weit haben uns dann 3 Delfine begleitet. Als ich aber meine Kamera geholt hatte, waren sie verschwunden. Sind wohl etwas Kamerascheu die Tiere. Da es langsam auf den Abend zuging, konnten wir auch oben sitzen und die wunderschöne Landschaft und die Mangroven betrachten. Gegen sechs waren wir dann wieder am Ausgangspunkt angelangt und fuhren zurück nach Hause, jedoch nicht ohne erst mal noch Obst, Cola, Sprite und Süßigkeiten zu kaufen. Wir müssen endlich was gegen unseren Gewichtsverlust tun. Mein Gürtel ist schon am letzten Loch angelangt.
08.09.2008 – Deutsche Geschichte
Heute haben wir einen Masterplan für diese Woche aufgestellt, was wir alles machen wollen. Drei Zweigstellen besuchen, mit Mr. Mondal unsere Ideen diskutieren und am Wochenende nach Kolkata fahren. Das hat aber den ganzen Vormittag gebraucht, da wir in Indien sind und fünf Leute fünf Meinungen dazu haben, wann wir mit wem wohin fahren können. Angepeilt sind jetzt Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Mal. Nachmittags habe ich dann mit Bonani gesprochen. Sie hatte mich gefragt, ob ich schon mal gearbeitet hätte. Ich erzählte ihr dann vom Zivildienst, musste dann erklären, dass es in Deutschland die Wehrpflicht gibt. Irgendwie sind wir dann zum Thema deutsche Geschichte ab Gründung des deutschen Kaiserreiches gekommen. Also habe ich „kurz“ in einer Stunde das wichtigste zusammengefasst, wobei ich ihr erst einmal erklären musste, was der Kalte Krieg war. Scheint in Indien nicht so das große Thema gewesen zu sein. Abends wurden wir dann für Mittwoch in ein College eingeladen, da dort Einschulung ist und wir natürlich die Ehrengäste sind. Damit hat sich das Thema Zweigstelle am Mittwoch auch schon wieder erledigt. Morgen haben wir einen Termin beim Chef, in dem wir ihm alle unsere Ideen präsentieren können. Kann sich nur um Stunden handeln.
09.09.2008 – Diskussionen
Heute war er endlich gekommen, der große Tag an dem wir unsere Ideen präsentieren konnten. Ich glaube wir haben sieben Stunden im Büro des Chefs verbracht und erzählt und diskutiert. Zuerst hat Tina 1 ½ Stunden über ihre Dokumentation geredet, ddie sie jetzt über VSSU drehen soll. Ein 26 Minuten Film soll es werden. Ich bezweifle mal, dass das in den verbleibenden sechs Wochen zu schaffen ist. Sie will etwa sieben Stunden Rohmaterial filmen und dann schneiden. Vielleicht legt sie ja Nachtschichten ein. Das heißt aber auch, dass ich jetzt die Case Studies übernehmen werde, was mich aber nicht sonderlich stört.
Maria hatte dann eine tolle Idee, die sie aus Honduras mitgebracht hat, nämlich Plakate mit Fotos drauf den Leuten zu präsentieren um z.B. über die Gefahren verunreinigten Wassers oder die Vorteile einer Latrine aufzuklären. Auch Rechte der Frauen oder AIDS können Thema sein.
Danach sprachen wir erst einmal über die Möglichkeiten von VSSU an Geld zu kommen. Mr. Mondal hat von der Grameen Bank erzählt, die von der Bill Gates Stiftung 15 Milliarden Taka (Währung Bangladeschs) bekommen hat. Umgerechnet sind das immer noch 150 Millionen Euro. Kein Wunder, dass die heute so groß sind. Ich habe auch noch meine gesammelten Werke vorgestellt, unter anderem den Vorschlag hier ein paar Solarzellen aufs Dach zu bringen. Ich glaube, die würden sich schnell amortisieren, so oft wie hier der Generator mit Diesel läuft. Immerhin kostet in Indien ein Liter auch schon 60 Cent.
Am Abend wurden wir dann noch einmal zu ihm gerufen und er hat von seinen großen Träumen und Plänen erzählt. Sehr lustige Sachen. Er möchte zum Beispiel am 23.09.2012 alle Leute, die ihn jemals besucht haben nach Indien einladen und an einem Tag fünf VSSU Zweigstellen auf fünf Kontinenten eröffnen. Außerdem ist er begeistert von Disneyland und zitiert ständig Philosophen und andere Leute, wie Sokrates und Maxim Gorki. Manchmal habe ich das Gefühl, er ist etwas größenwahnsinnig, aber jeder Mensch hat so seine Träume. Seine sind eben etwas größer. Dann hat er uns noch eröffnet, dass er nicht wegen uns seine Zeit mit uns verbringt, sondern zu seiner eigenen Befriedigung und weil er unsere Ideen manchmal hilfreich findet. Ein schöneres Kompliment hätte er uns nicht machen können.
Lustig ist es auch immer, weil Maria, bedingt durch Mr. Mondals Akzent, höchstens die Hälfte versteht. Er wiederholt es dann noch einmal laut und langsam für sie. Da sie in 80% der Fälle dann immer noch nichts versteht, schreiben Tina oder ich den Satz auf und erklären ihr noch einmal, was denn nun überhaupt gemeint ist. Nach dem Gespräch mussten wir noch im Zimmer zusammensitzen und Marias restliche Fragen klären und dann ein wenig über die Persönlichkeit diskutieren. Maria findet er sei ein spiritueller Führer, ich finde er ist eine Art Diktator, der Pläne macht, die dann 50 Mitarbeiter irgendwie umzusetzen haben und Tina hat keine Meinung, weil sie in dem Augenblick mit Blog schreiben beschäftigt war. Sie hat sich gestern nämlich auch einen eingerichtet. Ich kann ja mal die Adresse hier reinstellen. Sie findet es im Übrigen gemein, dass Maria und ich ihren Blog verstehen, sie aber unsere nicht. Doof, wenn man nur eine Sprache kann.
Es gab noch eine Überraschung zum Abendbrot. Es gab Dal heute mit zusätzlichem Eiweiß. Nachdem wir aufgegessen hatten fiel mir ein kleiner Wasserfloh auf, der fröhlich darin herumplantschte. Wer weiß, vielleicht hatte er vorher noch einen Begleiter? Ich wundere mich nur, wie er das Kochen überlebt haben kann?
07.09.2008 – Sunderabans
Die Sunderabans (sprich Schunderabbans) sind wie schon erwähnt der größte Mangrovenwald der Welt und Unesco Welterbe. Auf Grund der weltweiten Klimaerwärmung wird es ihn nicht mehr allzu lange geben, es wurde also höchste Zeit, dass ich mal hinfahre.
Um halb 8 ging es los. Innerlich habe ich beim Aufstehen um halb 7 überlegt, wie viele Leute in Deutschland, da was es 3 Uhr nachts, noch auf einer Party unterwegs sind.
Schon beim aufstehen hatten wir 30 Grad und strahlend blauen Himmel. Mit dem Jeep und zwei Motorrädern ging es mit 12 Leuten bis nach Gobindapur. Dort stiegen wir auf eine extra gecharterte Luxusyacht um. Ein Holzboot mit einem Dieselmotor der dem Geräusch nach eine Mischung aus Rasenmäher und Panzer zu sein schien. Es war mittlerweile zehn und solch eine Hitze, dass jeder schwitzte. Auf dem Deck konnte man nicht mehr barfuss gehen konnte und nicht ein laues Lüftchen war zu spüren. Also gingen wir kurz hoch, schwitzten und gingen wieder unter Deck. Wir fuhren ein paar Stündchen und betrachteten die Landschaft. Leider war es auch für die Krokodile zu heiß, so dass wir keine zu sehen bekamen. Dafür besuchten wir eine Krokodilfarm, in der wir dann welche zu Gesicht bekamen. Leider auch nur die „kleinen“ in den Käfigen, denn die großen waren im Teich untergetaucht. Interessant ist, dass in der Natur nur 5 von 100 Krokodilen erwachsen werden, in der Farm dagegen 50 von 100.
Zum Mittag sind wir an Land in ein Haus von VSSU, wo es lecker Mittagessen gab. Drei verschiedene Sorten Fisch. Einer besser als der andere. Dann fuhren wir weiter Richtung Bucht von Bengalen, wo wir versuchten Fisch zu kaufen. Die Fischer waren aber alle noch nicht so weit, so dass wir wieder umkehrten. Ein Stück weit haben uns dann 3 Delfine begleitet. Als ich aber meine Kamera geholt hatte, waren sie verschwunden. Sind wohl etwas Kamerascheu die Tiere. Da es langsam auf den Abend zuging, konnten wir auch oben sitzen und die wunderschöne Landschaft und die Mangroven betrachten. Gegen sechs waren wir dann wieder am Ausgangspunkt angelangt und fuhren zurück nach Hause, jedoch nicht ohne erst mal noch Obst, Cola, Sprite und Süßigkeiten zu kaufen. Wir müssen endlich was gegen unseren Gewichtsverlust tun. Mein Gürtel ist schon am letzten Loch angelangt.
08.09.2008 – Deutsche Geschichte
Heute haben wir einen Masterplan für diese Woche aufgestellt, was wir alles machen wollen. Drei Zweigstellen besuchen, mit Mr. Mondal unsere Ideen diskutieren und am Wochenende nach Kolkata fahren. Das hat aber den ganzen Vormittag gebraucht, da wir in Indien sind und fünf Leute fünf Meinungen dazu haben, wann wir mit wem wohin fahren können. Angepeilt sind jetzt Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Mal. Nachmittags habe ich dann mit Bonani gesprochen. Sie hatte mich gefragt, ob ich schon mal gearbeitet hätte. Ich erzählte ihr dann vom Zivildienst, musste dann erklären, dass es in Deutschland die Wehrpflicht gibt. Irgendwie sind wir dann zum Thema deutsche Geschichte ab Gründung des deutschen Kaiserreiches gekommen. Also habe ich „kurz“ in einer Stunde das wichtigste zusammengefasst, wobei ich ihr erst einmal erklären musste, was der Kalte Krieg war. Scheint in Indien nicht so das große Thema gewesen zu sein. Abends wurden wir dann für Mittwoch in ein College eingeladen, da dort Einschulung ist und wir natürlich die Ehrengäste sind. Damit hat sich das Thema Zweigstelle am Mittwoch auch schon wieder erledigt. Morgen haben wir einen Termin beim Chef, in dem wir ihm alle unsere Ideen präsentieren können. Kann sich nur um Stunden handeln.
09.09.2008 – Diskussionen
Heute war er endlich gekommen, der große Tag an dem wir unsere Ideen präsentieren konnten. Ich glaube wir haben sieben Stunden im Büro des Chefs verbracht und erzählt und diskutiert. Zuerst hat Tina 1 ½ Stunden über ihre Dokumentation geredet, ddie sie jetzt über VSSU drehen soll. Ein 26 Minuten Film soll es werden. Ich bezweifle mal, dass das in den verbleibenden sechs Wochen zu schaffen ist. Sie will etwa sieben Stunden Rohmaterial filmen und dann schneiden. Vielleicht legt sie ja Nachtschichten ein. Das heißt aber auch, dass ich jetzt die Case Studies übernehmen werde, was mich aber nicht sonderlich stört.
Maria hatte dann eine tolle Idee, die sie aus Honduras mitgebracht hat, nämlich Plakate mit Fotos drauf den Leuten zu präsentieren um z.B. über die Gefahren verunreinigten Wassers oder die Vorteile einer Latrine aufzuklären. Auch Rechte der Frauen oder AIDS können Thema sein.
Danach sprachen wir erst einmal über die Möglichkeiten von VSSU an Geld zu kommen. Mr. Mondal hat von der Grameen Bank erzählt, die von der Bill Gates Stiftung 15 Milliarden Taka (Währung Bangladeschs) bekommen hat. Umgerechnet sind das immer noch 150 Millionen Euro. Kein Wunder, dass die heute so groß sind. Ich habe auch noch meine gesammelten Werke vorgestellt, unter anderem den Vorschlag hier ein paar Solarzellen aufs Dach zu bringen. Ich glaube, die würden sich schnell amortisieren, so oft wie hier der Generator mit Diesel läuft. Immerhin kostet in Indien ein Liter auch schon 60 Cent.
Am Abend wurden wir dann noch einmal zu ihm gerufen und er hat von seinen großen Träumen und Plänen erzählt. Sehr lustige Sachen. Er möchte zum Beispiel am 23.09.2012 alle Leute, die ihn jemals besucht haben nach Indien einladen und an einem Tag fünf VSSU Zweigstellen auf fünf Kontinenten eröffnen. Außerdem ist er begeistert von Disneyland und zitiert ständig Philosophen und andere Leute, wie Sokrates und Maxim Gorki. Manchmal habe ich das Gefühl, er ist etwas größenwahnsinnig, aber jeder Mensch hat so seine Träume. Seine sind eben etwas größer. Dann hat er uns noch eröffnet, dass er nicht wegen uns seine Zeit mit uns verbringt, sondern zu seiner eigenen Befriedigung und weil er unsere Ideen manchmal hilfreich findet. Ein schöneres Kompliment hätte er uns nicht machen können.
Lustig ist es auch immer, weil Maria, bedingt durch Mr. Mondals Akzent, höchstens die Hälfte versteht. Er wiederholt es dann noch einmal laut und langsam für sie. Da sie in 80% der Fälle dann immer noch nichts versteht, schreiben Tina oder ich den Satz auf und erklären ihr noch einmal, was denn nun überhaupt gemeint ist. Nach dem Gespräch mussten wir noch im Zimmer zusammensitzen und Marias restliche Fragen klären und dann ein wenig über die Persönlichkeit diskutieren. Maria findet er sei ein spiritueller Führer, ich finde er ist eine Art Diktator, der Pläne macht, die dann 50 Mitarbeiter irgendwie umzusetzen haben und Tina hat keine Meinung, weil sie in dem Augenblick mit Blog schreiben beschäftigt war. Sie hat sich gestern nämlich auch einen eingerichtet. Ich kann ja mal die Adresse hier reinstellen. Sie findet es im Übrigen gemein, dass Maria und ich ihren Blog verstehen, sie aber unsere nicht. Doof, wenn man nur eine Sprache kann.
Es gab noch eine Überraschung zum Abendbrot. Es gab Dal heute mit zusätzlichem Eiweiß. Nachdem wir aufgegessen hatten fiel mir ein kleiner Wasserfloh auf, der fröhlich darin herumplantschte. Wer weiß, vielleicht hatte er vorher noch einen Begleiter? Ich wundere mich nur, wie er das Kochen überlebt haben kann?
Montag, 8. September 2008
David Bowie - Heroes
So hier erst mal Teil 1. Sonntag und heute kommen morgen rein. ich versuche noch Fotos hochzuladen. Dauert ewig...
04.09.2008 – Schule, Schule
Heute waren wir zusammen mit einem Schulinspektor, der hier zu Gast ist, eingeladen in Krishnachandrapur die Schule zu besichtigen. Losgehen sollte es um 10, also halb 11. Geplant war, dass wir nach 3 Stunden wieder in Ullon sind. Aufmerksame Leser merken hier, dass es „etwas“ länger gedauert hat. Mit dem Jeep ging es los über eine wundervolle Straße. Nach nur einer halben Stunde waren wir schon da und wurden in das Büro des Schulleiters gebeten. Natürlich waren noch 6 andere Leute da, da wir mal wieder die Hauptattraktion waren und jeder mit uns reden wollte. Nachdem wir darüber unterrichtet wurden, dass die Schule momentan 1200 Schüler hat gingen wir in einen Klassenraum in dem ca. 100 Lehrer saßen, die momentan an einer Fortbildung dort teilnehmen. Wir wurden vorgestellt, haben Tee und ein paar Blümchen bekommen und dann hat der Schulinspektor, da aus Delhi kommend und des Bengalischen nicht mächtig eine Rede auf Englisch gehalten. Er hätte auch Hindi sprechen können, da man hat ihn durch seinen Akzent und dadurch, dass das Mikro auf nachhallen gestellt war eh kaum verstehen konnte. Die Lehrer haben dann noch ein paar Fragen gestellt und dann kam das Highlight überhaupt.
Maria wurde nach vorne gebeten um ein paar Worte zu sagen. Ausgerechnet Maria mit ihrem spanischen Akzent und eher durchschnittlichen Englischkenntnissen. Dazu kam noch ihr Outfit, welches sie wohl noch schlaftrunken zusammengestellt hatte. An den Füßen trug sie diese komischen Plastiklatschen mit den vielen Löchern die es jetzt überall gibt in himmelblau. Passend dazu einen Rock mit Blüten drauf und als wirkliches Highlight ein Transformers T-Shirt mit einem Roboter draufgedruckt. Ich weiß nicht, wie man als 35-jährige Frau auf eine Weltreise ein T-Shirt mit Roboter mitnehmen kann um das dann auch noch tagsüber zu tragen. Noch schlimmer ist, dass sie noch ein zweites mithat. Sie meint es wären ihre Lieblings Shirts. Unfassbar. Ihre Rede war vollkommen wirr und ich glaube das einzige was alle verstanden haben war vielen Dank für die Einladung. Sie hat noch von ihrer Mama erzählt, die ja auch Lehrerin war und dass sie die den Abend noch anrufen und ihr alles erzählen muss. Dann wollte sie anfangen vom Schulsystem in Spanien zu erzählen, wurde aber freundlich vom Rektor abgewürgt, da ihr niemand mehr zuhörte.
Tina und mir blieb es dann erspart nach vorne zu kommen. So sahen wir noch eine Tanzaufführung von vier Mädchen und gingen dann in eine Klasse. Zustände sind das in Indien. In einem Raum sitzen 70-80 Kinder und verfolgen den Unterricht. Individuelle Förderung gibt es hier wohl nicht. Aber sehr diszipliniert sind die Kinder. Wenn man in Deutschland 70 Siebtklässler in einen Raum stecken würde und drei Ausländer reinschickt könnten selbst vier Lehrer nicht für Ruhe sorgen. Hier sagt keiner einen mucks. Wenn ein Kind etwas sagen möchte meldet es sich, darf dann aufstehen und die Frage stellen und sich wieder setzen. Ich glaube bis zu den 70ern gab es so was in Deutschland auch. Nur, dass in Indien der Stock fehlt. Der Inspektor hat dann an alle Kinder einen Bonbon verteilt und wir sind zum Mittagessen gegangen. Es war zwar ähnlich dem VSSU-Essen, jedoch ganz anders gewürzt und es hat soooo gut geschmeckt. Außerdem gab es mal wieder Hühnchen und zu trinken echte Sprite. Danach wurden gab es ein großes Gruppenfoto und wir wurden eingeladen, am Kulturprogramm teilzunehmen, was wir aber dankend ablehnen mussten. Weiter ging es nämlich in die Zweigstelle, wo zuerst ein Gespräch mit dem Manager auf dem Plan stand. Natürlich gab es Tee, der dort aber einen sehr scharfern Nachgeschmack hatte. Keine Ahnung ob die den mit 3 Chilischoten brühen. Zusammen besuchten wir eine Frauengruppe, die sich von VSSU Geld geliehen haben um Zigaretten zu drehen und auf dem Markt zu verkaufen. Die 15 Frauen sind zwischen 15 und 45 Jahre alt und erstaunlich war für mich, dass die Gruppenleiterin ein 16-jähriges Mädchen ist, welches in die 10. Klasse geht. Die Position hat ihr aber merklich Selbstbewusstsein gegeben und so sprach sie mit Mr. Mondal ganz offen über ihre Probleme mit dem Kreditprogramm und dem Rückzahlungsplan. Maria hatte sich in der Zwischenzeit schon wieder durch ihre Kamera neue Freunde gemacht und wurde von der halben Dorfbevölkerung umringt. Jeder wollte ein Foto von sich gemacht haben. Zu trinken gab es dort das Fruchtwasser von unreifen Kokosnüssen. Schmeckt nur säuerlich und etwas fad. Aber da ich ein guter Gast sein wollte, hab ich natürlich schön meine Kokosnuss ausgetrunken. Irgendwann waren dann alle so weit und wir konnten wieder nach Hause fahren. Doch es gab noch einen Zwischenstopp in der Schule, die von VSSU gebaut wurde. Dort besuchten wir wieder den Rektor und dann die 6. Klasse. Die Kinder durften uns fragen stellen und waren ganz begeistert. Ich war auch begeistert, dass, hier nur 43 Kinder, so diszipliniert sein können. Und wie gut sie alle schon Englisch können. Ein Mädchen hat mich gefragt wie denn Deutschland sei, da sie Ingenieur studieren möchte und dazu nach Deutschland gehen wolle. Also habe ich ein wenig vom Winter und Schnee erzählt. Nach sechs Fragen mussten wir aber los, obwohl ca. zehn Hände oben waren. Wir versprachen so bald als möglich wiederzukommen und zwei Mädchen schenkten uns noch eine Packung mit einem kleinen indischen Snack. Pünktlich zum Abendessen um halb 8 waren wir dann auch wieder hier. Ich muss sagen auch ich selber habe heute viel gelernt und jetzt muss ich schlafen.
05.09.2008 – Schon wieder da
Direkt nach dem Gesang am Morgen wurden wir zum Chef gerufen, der uns mitteilte, dass in der Schule heute Teachers Day sei und so fuhren wir sofort hin, nur für eine, vielleicht zwei Stunden. Es sollten fünf werden. Aber der Reihe nach.
Teachers Day wurde von irgendeinem ehemaligen indischen Präsidenten eingeführt, der selber einst Lehrer war. An dem Tag feiern die Kinder ihre Lehrer, stellen ein Programm auf die Beine und haben den restlichen Tag frei. Wir sahen uns also das Programm, bestehend aus Tanz, Gedichten, Gesang und der Verehrung des Porträts des ehemaligen Präsidenten an und bekamen wieder einmal ein paar Blümchen und uns wurden die Füße geküsst. Sehr befremdend, aber das ist hier wohl ein Zeichen des Respekts.
Alles wurde von den Schülern geleitet und die Lehrer waren nur die Zuschauer. Wieder einmal erstaunlich zu welcher Selbstständigkeit hier erzogen wird, zumal man bedenken muss, dass die Kinder erst seit einem Monat in der Schule sind und sämtlich in die sechste Klasse gehen.
Danach setzten wir uns mit den Lehrern zusammen und sprachen über alles Mögliche, Wetter und Essen, Schulsysteme und Bezahlung der Lehrer, Wohnungspreise in Kolkata und Mumbai und etliches mehr. Als wir uns um 12 aufmachen wollten zurückzukehren, wurden wir aufgehalten und zum Essen eingeladen. Also blieben wir noch. Was uns niemand gesagt hat war, dass es erst um 13:15 Essen geben sollte. So erzählten wir noch eine Weile weiter. Als dann das Mittagessen kam entschieden wir, nicht am extra für uns hingestellten Tisch, sondern mit den Kindern auf Strohmatten zu essen. Es gab ganz leckere Linsen mit Ziegenkäse drin. Mein erster Käse seit drei Wochen. Nach dem Essen versprachen wir noch mit einer Präsentation über unsere Länder wiederzukommen und machten uns dann endlich auf den Weg zurück. Den Rest des Tages verbrachte ich mit der Übersetzung des Jahresberichtes und Beratung beim Kauf einer externen Festplatte für Bonani.
Außerdem gab es eine Planänderung. Am Wochenende geht es nicht nach Kolkata sondern mit dem Chef in die Sunderabans, die Mangrovenwälder im Gangesdelta. Bin schon gespannt, wie es da sein wird.
06.09.2008 – Warten aufs Wochenende
Heute war nichts sonderlich Spannendes. Hab den ganzen Tag am Computer gesessen und Übersetzt. Eine hoch spannende Aufgabe. Außerdem haben wir zu viert darüber diskutiert, welches Bild auf das Cover sollte, sind aber zu keinem Ergebnis gekommen. Morgen geht es um sieben los, also früh aufstehen und das an einem Sonntag. Aber dafür bekommen wir hoffentlich auch etwas zu sehen.
Noch eine höchst erfreuliche Nachricht: Wir bekommen jetzt jeden Tag frisches Obst, das heißt Äpfel, Bananen, Granatäpfel, süße Limetten und Guave.
Ich glaube das ist tatsächlich mein kürzester Blog. Wahnsinn. Morgen gibt dafür umso mehr.
04.09.2008 – Schule, Schule
Heute waren wir zusammen mit einem Schulinspektor, der hier zu Gast ist, eingeladen in Krishnachandrapur die Schule zu besichtigen. Losgehen sollte es um 10, also halb 11. Geplant war, dass wir nach 3 Stunden wieder in Ullon sind. Aufmerksame Leser merken hier, dass es „etwas“ länger gedauert hat. Mit dem Jeep ging es los über eine wundervolle Straße. Nach nur einer halben Stunde waren wir schon da und wurden in das Büro des Schulleiters gebeten. Natürlich waren noch 6 andere Leute da, da wir mal wieder die Hauptattraktion waren und jeder mit uns reden wollte. Nachdem wir darüber unterrichtet wurden, dass die Schule momentan 1200 Schüler hat gingen wir in einen Klassenraum in dem ca. 100 Lehrer saßen, die momentan an einer Fortbildung dort teilnehmen. Wir wurden vorgestellt, haben Tee und ein paar Blümchen bekommen und dann hat der Schulinspektor, da aus Delhi kommend und des Bengalischen nicht mächtig eine Rede auf Englisch gehalten. Er hätte auch Hindi sprechen können, da man hat ihn durch seinen Akzent und dadurch, dass das Mikro auf nachhallen gestellt war eh kaum verstehen konnte. Die Lehrer haben dann noch ein paar Fragen gestellt und dann kam das Highlight überhaupt.
Maria wurde nach vorne gebeten um ein paar Worte zu sagen. Ausgerechnet Maria mit ihrem spanischen Akzent und eher durchschnittlichen Englischkenntnissen. Dazu kam noch ihr Outfit, welches sie wohl noch schlaftrunken zusammengestellt hatte. An den Füßen trug sie diese komischen Plastiklatschen mit den vielen Löchern die es jetzt überall gibt in himmelblau. Passend dazu einen Rock mit Blüten drauf und als wirkliches Highlight ein Transformers T-Shirt mit einem Roboter draufgedruckt. Ich weiß nicht, wie man als 35-jährige Frau auf eine Weltreise ein T-Shirt mit Roboter mitnehmen kann um das dann auch noch tagsüber zu tragen. Noch schlimmer ist, dass sie noch ein zweites mithat. Sie meint es wären ihre Lieblings Shirts. Unfassbar. Ihre Rede war vollkommen wirr und ich glaube das einzige was alle verstanden haben war vielen Dank für die Einladung. Sie hat noch von ihrer Mama erzählt, die ja auch Lehrerin war und dass sie die den Abend noch anrufen und ihr alles erzählen muss. Dann wollte sie anfangen vom Schulsystem in Spanien zu erzählen, wurde aber freundlich vom Rektor abgewürgt, da ihr niemand mehr zuhörte.
Tina und mir blieb es dann erspart nach vorne zu kommen. So sahen wir noch eine Tanzaufführung von vier Mädchen und gingen dann in eine Klasse. Zustände sind das in Indien. In einem Raum sitzen 70-80 Kinder und verfolgen den Unterricht. Individuelle Förderung gibt es hier wohl nicht. Aber sehr diszipliniert sind die Kinder. Wenn man in Deutschland 70 Siebtklässler in einen Raum stecken würde und drei Ausländer reinschickt könnten selbst vier Lehrer nicht für Ruhe sorgen. Hier sagt keiner einen mucks. Wenn ein Kind etwas sagen möchte meldet es sich, darf dann aufstehen und die Frage stellen und sich wieder setzen. Ich glaube bis zu den 70ern gab es so was in Deutschland auch. Nur, dass in Indien der Stock fehlt. Der Inspektor hat dann an alle Kinder einen Bonbon verteilt und wir sind zum Mittagessen gegangen. Es war zwar ähnlich dem VSSU-Essen, jedoch ganz anders gewürzt und es hat soooo gut geschmeckt. Außerdem gab es mal wieder Hühnchen und zu trinken echte Sprite. Danach wurden gab es ein großes Gruppenfoto und wir wurden eingeladen, am Kulturprogramm teilzunehmen, was wir aber dankend ablehnen mussten. Weiter ging es nämlich in die Zweigstelle, wo zuerst ein Gespräch mit dem Manager auf dem Plan stand. Natürlich gab es Tee, der dort aber einen sehr scharfern Nachgeschmack hatte. Keine Ahnung ob die den mit 3 Chilischoten brühen. Zusammen besuchten wir eine Frauengruppe, die sich von VSSU Geld geliehen haben um Zigaretten zu drehen und auf dem Markt zu verkaufen. Die 15 Frauen sind zwischen 15 und 45 Jahre alt und erstaunlich war für mich, dass die Gruppenleiterin ein 16-jähriges Mädchen ist, welches in die 10. Klasse geht. Die Position hat ihr aber merklich Selbstbewusstsein gegeben und so sprach sie mit Mr. Mondal ganz offen über ihre Probleme mit dem Kreditprogramm und dem Rückzahlungsplan. Maria hatte sich in der Zwischenzeit schon wieder durch ihre Kamera neue Freunde gemacht und wurde von der halben Dorfbevölkerung umringt. Jeder wollte ein Foto von sich gemacht haben. Zu trinken gab es dort das Fruchtwasser von unreifen Kokosnüssen. Schmeckt nur säuerlich und etwas fad. Aber da ich ein guter Gast sein wollte, hab ich natürlich schön meine Kokosnuss ausgetrunken. Irgendwann waren dann alle so weit und wir konnten wieder nach Hause fahren. Doch es gab noch einen Zwischenstopp in der Schule, die von VSSU gebaut wurde. Dort besuchten wir wieder den Rektor und dann die 6. Klasse. Die Kinder durften uns fragen stellen und waren ganz begeistert. Ich war auch begeistert, dass, hier nur 43 Kinder, so diszipliniert sein können. Und wie gut sie alle schon Englisch können. Ein Mädchen hat mich gefragt wie denn Deutschland sei, da sie Ingenieur studieren möchte und dazu nach Deutschland gehen wolle. Also habe ich ein wenig vom Winter und Schnee erzählt. Nach sechs Fragen mussten wir aber los, obwohl ca. zehn Hände oben waren. Wir versprachen so bald als möglich wiederzukommen und zwei Mädchen schenkten uns noch eine Packung mit einem kleinen indischen Snack. Pünktlich zum Abendessen um halb 8 waren wir dann auch wieder hier. Ich muss sagen auch ich selber habe heute viel gelernt und jetzt muss ich schlafen.
05.09.2008 – Schon wieder da
Direkt nach dem Gesang am Morgen wurden wir zum Chef gerufen, der uns mitteilte, dass in der Schule heute Teachers Day sei und so fuhren wir sofort hin, nur für eine, vielleicht zwei Stunden. Es sollten fünf werden. Aber der Reihe nach.
Teachers Day wurde von irgendeinem ehemaligen indischen Präsidenten eingeführt, der selber einst Lehrer war. An dem Tag feiern die Kinder ihre Lehrer, stellen ein Programm auf die Beine und haben den restlichen Tag frei. Wir sahen uns also das Programm, bestehend aus Tanz, Gedichten, Gesang und der Verehrung des Porträts des ehemaligen Präsidenten an und bekamen wieder einmal ein paar Blümchen und uns wurden die Füße geküsst. Sehr befremdend, aber das ist hier wohl ein Zeichen des Respekts.
Alles wurde von den Schülern geleitet und die Lehrer waren nur die Zuschauer. Wieder einmal erstaunlich zu welcher Selbstständigkeit hier erzogen wird, zumal man bedenken muss, dass die Kinder erst seit einem Monat in der Schule sind und sämtlich in die sechste Klasse gehen.
Danach setzten wir uns mit den Lehrern zusammen und sprachen über alles Mögliche, Wetter und Essen, Schulsysteme und Bezahlung der Lehrer, Wohnungspreise in Kolkata und Mumbai und etliches mehr. Als wir uns um 12 aufmachen wollten zurückzukehren, wurden wir aufgehalten und zum Essen eingeladen. Also blieben wir noch. Was uns niemand gesagt hat war, dass es erst um 13:15 Essen geben sollte. So erzählten wir noch eine Weile weiter. Als dann das Mittagessen kam entschieden wir, nicht am extra für uns hingestellten Tisch, sondern mit den Kindern auf Strohmatten zu essen. Es gab ganz leckere Linsen mit Ziegenkäse drin. Mein erster Käse seit drei Wochen. Nach dem Essen versprachen wir noch mit einer Präsentation über unsere Länder wiederzukommen und machten uns dann endlich auf den Weg zurück. Den Rest des Tages verbrachte ich mit der Übersetzung des Jahresberichtes und Beratung beim Kauf einer externen Festplatte für Bonani.
Außerdem gab es eine Planänderung. Am Wochenende geht es nicht nach Kolkata sondern mit dem Chef in die Sunderabans, die Mangrovenwälder im Gangesdelta. Bin schon gespannt, wie es da sein wird.
06.09.2008 – Warten aufs Wochenende
Heute war nichts sonderlich Spannendes. Hab den ganzen Tag am Computer gesessen und Übersetzt. Eine hoch spannende Aufgabe. Außerdem haben wir zu viert darüber diskutiert, welches Bild auf das Cover sollte, sind aber zu keinem Ergebnis gekommen. Morgen geht es um sieben los, also früh aufstehen und das an einem Sonntag. Aber dafür bekommen wir hoffentlich auch etwas zu sehen.
Noch eine höchst erfreuliche Nachricht: Wir bekommen jetzt jeden Tag frisches Obst, das heißt Äpfel, Bananen, Granatäpfel, süße Limetten und Guave.
Ich glaube das ist tatsächlich mein kürzester Blog. Wahnsinn. Morgen gibt dafür umso mehr.
Abonnieren
Posts (Atom)