Montag, 22. September 2008

The Who - Baba O'Riley

20.09.2008 – Keiner da

Heute war Marias letzter Arbeitstag. Im Gegensatz zu mir hatte sie noch viel zu tun. Ich wollte eigentlich eine Zweigstelle besuchen, aber irgendwie war niemand da. Der Chef war nach Kolkata gefahren und der Rest der Mitarbeiter hat das wohl genutzt um frei zu nehmen. Banani hat den halben Tag im Internet gesurft, Maria hat ihre Übersetzung fertig gemacht und ich hab gelesen und ein wenig meine neueste Erkältung auskuriert. Zum Mittagessen hatten wir wieder Banani dabei, die uns eröffnete, dass auch sie das VSSU-Essen eher ungelungen findet. Sie meinte die bengalische Küche könne so lecker sein und bei ihr zu Hause schmeckt alles sehr gut, aber hier wäre es ja immer dasselbe.
Abends kam dann Mr. Mondal wieder und Maria hat ihm und mir ihr neues Kreditprogramm, das eine zweiwöchige Rückzahlung vorsieht, vorgestellt. Die Idee hatten wir durch die Gespräche mit den Kreditnehmern und er schien auch ganz angetan davon. Aber erst einmal muss das alles im Vorstand diskutiert werden…
Maria hat jetzt noch das Modem, weil sie ja morgen abreist und noch Mails schreiben muss und ich gucke Good Fellas. Bald habe ich auch alle Filme durch. Was mache ich denn dann?


21.09.2008 – Sightseeing in Kolkata

Heute Morgen ging es mit dem Jeep nach Kolkata. Mr. Mondal hatte ihn und zur Verfügung gestellt, weil Maria ja ihr schweres Gepäck mitnehmen musste und die Züge nach Kolkata morgens eh immer überfüllt sind. Maria hat sich von allen verabschiedet und um neun ging es los.
Kürzer wurde die Reise aber nicht. Geschlagene 3 Stunden sind wir gefahren. Ich weiß nicht, wie die Zufahrtsstraßen einer 15-Millionen Metropole aus einer Schlaglochpiste bestehen können. Und ständig steht man in irgendwelchen Dörfern im Stau, weil zwei LKW nur knapp aneinander vorbei passen. Zum Glück mussten wir nicht fahren, ich würde hier die Krise bekommen. Maria hat die meiste Zeit geschlafen, da sie nur zwei Stunden geschlafen hatte. Was muss sie auch so lange im Internet surfen und versuchen ein Video hochzuladen?
In Kolkata mussten wir dann noch 20 Minuten das Hotel suchen, weil der Fahrer sich natürlich nicht auskannte, genauso wenig wie die meisten Taxifahrer hier.
Im Hotel ließen wir Marias Gepäck und fuhren dann mit dem Taxi zum Victoria Memorial um uns dort mit Tina zu treffen. Das Victoria Memorial wurde nur dazu gebaut die Macht des britischen Empire zu zeigen. Heute befindet sich eine sehr interessante Ausstellung über die Kolonialgeschichte in ihm, die wir natürlich besuchten. Besonders lustig sind die Eintrittspreise: Für Inder 10 Rupien, für Ausländer 150. Als wir um halb drei wieder draußen waren, mussten wir entscheiden, was wir als nächstes machen wollen. Ich war für das indische Museum aber Maria war so müde und wollte nicht. Stattdessen wollten die beiden zum Blumenmarkt, aber dann fiel uns auf, dass der ja geschlossen sein könnte. Dann wollten die beiden einen Kaffee trinken, also sind wir einen Kaffe trinken gefahren, haben aber vorher in einer silbernen Pferdekutsche eine Runde um den Park gedreht. So etwas habe ich mir schon immer gewünscht.
Nach dem Kaffee wollte Maria dann plötzlich doch ins Museum, aber es war schon zu spät, da das Museum immer um fünf schließt und es auf vier zuging.
Also haben wir entschieden in den Norden zu fahren um uns die Tempel der Anhänger des Jainismus anzugucken. Ein netter Herr, der schon 40 Jahre dort arbeitet hat uns die drei Tempel, die alle nebeneinander liegen gezeigt. Es wurde alles von irgendwoher importiert. italienischer Marmorboden, holländische Fließen, belgische Lampen usw. Ich weiß nicht wer das alle finanziert hat, vor allem da die Tempel zwischen 150 und 120 Jahre alt sind. Wer Lust hat kann noch ein wenig über den Jainismus lesen. Die Gurus sind alle nackt und die Anhänger essen kein Fleisch aus Achtung vor dem Leben. Manche gehen so weit, dass sie einen Mundschutz tragen um nicht versehentlich ein Insekt einzuatmen oder ständig vor sich herfegen um nicht auf eine Ameise zu treten. Ich frage mich nur, wie sie die Tempel gebaut haben. Vielleicht haben sie ja mit den Fingern gegraben um die Regenwürmer zu schützen.
Als wir wieder gingen war es bereits halb sieben und wir hatten Hunger. Also wollten wir in Richtung Park Street, wo es viele Restaurants gibt. Da aber Rush Hour war, erreichten wir die Straße nach einer halben Stunde immer noch nicht. Wir stiegen also aus und fragten einen Mann auf der Straße nach einem guten Restaurant. Er empfahl uns eines nur 200m weiter. Ich muss sagen das war ein echter Glücksgriff. Das Restaurant gehört wohl der oberen Mittelklasse an, denn viele gut gekleidete indische Familien waren zu Essen dort. Wir bestellten Hühnchen auf zwei verschiedene Arten, Lamm und Gemüse, dazu Salat und drei Sorten Nan, ein indisches Fladenbrot. Es war so lecker, eines der besten Essen die ich je hatte. Und bezahlt haben wir ganze 20€.
Danach mussten wir aber langsam mal zum Bahnhof, da es schon halb zehn war. Wir verabschiedeten uns von Maria und nahmen den Zug um zehn nach Zehn. Um kurz nach zwölf erreichten wir Laxmikantapur und ich hatte schon bedenken, dass wir nach Ullon keine Rikscha mehr finden. Doch der Chef hat einen guten Ruf in der Gegend und nachdem wir gesagt haben, dass wir zu VSSU gehören fand sich jemand der uns fuhr. Natürlich haben wir ein wenig mehr bezahlt, da es schon halb eins war, als wir endlich wieder „zu Hause“ ankamen.
Ich bin doch froh wieder hier zu sein. Kolkata ist mir zu groß, laut und schmutzig. Ich weiß nicht wie die Leute es da mehrere Tage aushalten. Aber wir werden wohl wiederkommen, um das Museum anzugucken. Denn das ist das größte und beste in ganz Indien. Sogar ein komplettes Mammutskelett stellen die dort aus.

Keine Kommentare: