22.09.2008 – You can’t travel alone
Heute waren wir wieder eine Zweigstelle besuchen, Diamond Harbour. Wir sind alleine hingefahren, da keiner Zeit hatte und der Manager ganz gut englisch spricht. Wir sind erst mit der Rikscha nach Laxmikantapur, dann mit der Motorikscha nach Kulpi und dann mit dem Bus nach Diamond Harbour. Der Bus war sogar recht bequem, da es der staatliche Bus nach Kolkata war. Dafür ist der Fahrer aber gefahren wie ein Berserker. Eine Situation war besonders bemerkenswert. Es hatte begonnen in Strömen zu regnen und vor uns fuhren ein Bus und davor ein LKW. Der vordere Bus hat zum Überholen angesetzt und unser Bus hat sich gleich hintendran gehängt, ohne sehen zu können ob von vorne etwas kommt. In Indien gilt auf der Straße immer das Recht des Stärkeren. Es kam wie es kommen musste, von vorne kam uns ein Jeep entgegen. Also ist unser Busfahrer voll in die Eisen gestiegen, da aber so ein Bus auf nasser Fahrbahn mit 80 km/h einen etwas längeren Bremsweg hat, hat das nicht ausgereicht und der Jeep ist halb in den Graben gefahren um nicht voll erwischt zu werden. Der Busfahrer hat den Jeep noch wild angehupt und ist dann weitergefahren.
In Diamond Harbour angekommen regnete es immer noch. Ich bin aus dem Bus ausgestiegen und war klitschnass, noch bevor ich den Schirm öffnen konnte. Der Manager hatte schon eine halbe Stunde gewartet und fragte, ob wir etwa alleine gekommen wären. Das könnten wir doch nicht machen, da wir uns gar nicht auskennen würden und überhaupt. Wir mussten ihm dann erklären, dass wir schon alleine nach Kolkata und Ganga Sagar gereist sind. Da sind 30 Kilometer nach Diamond Harbour auch kein Problem. Nachdem wir wieder die Leute besucht hatten, darunter eine seit 21 Jahren geschiedene Frau, kaufte ich noch eine große Packung Chips. Irgendwie muss ich ja mal ein paar Kalorien zu mir nehmen. Jetzt sind wir wieder zurück und mal gucken was ich noch so mache. Eigentlich müsste ich mal wieder Wäsche waschen, aber bei dem Dauerregen trocknet das ja eher schlecht. Vielleicht morgen.
23.09.2008 – Sidd
Heute Morgen wurde ich um halb sechs geweckt. Es waren mal wieder Besucher über Nacht geblieben und die schliefen im Nebenzimmer. Da die Wände hier wohl nachträglich eingefügt wurden sind sie nicht gerade sehr dick und an einer Stelle am Fenster ist sogar ein Loch. So bekommt man alles mit, was im Nebenzimmer so abgeht. Und meine beiden Nachbarn meinten sie müssten jetzt einmal lautstark diskutieren. Um halb sechs Uhr morgens. Die haben manchmal echt einen Schaden hier. Nach einer halben Stunde wollte ich schon rüber gehen aber dann waren sie zum Glück fertig und ich konnte weiterschlafen. Jedoch nicht lange, da sie pünktlich um sieben anfingen ihre Lieder zu singen. Ich habe fast einen Nervenzusammenbruch bekommen. Da an Schlaf nicht mehr zu denken war, bin ich duschen gegangen und habe dabei auf voller Lautstärke die Rolling Stones gehört. Wenigstens war die Musik dann erträglich und nicht so ein gejaule wie von den beiden.
Am Frühstückstisch saßen die beiden uns dann gegenüber. Einer stellte sich als Sidd aus Mumbai vor. Er gibt irgendeine Entwicklungszeitschrift heraus, konnte sehr gutes Englisch sprechen und war eigentlich ganz nett. Der andere war ein Kerl aus Kolkata, der die Beiträge in Bengali übersetzt, sein Englisch war aber eher mäßig. Also haben wir uns mit Sidd unterhalten und Tina hat erst einmal den schönen Gesang gelobt. Ich war da zwar etwas anderer Meinung, aber das habe ich für mich behalten. Dann habe ich vorsichtig nachgefragt, wie lange sie bleiben würden und Gott sei Dank reisten sie heute Mittag schon wieder ab.
Auf der Arbeit habe ich noch festgestellt, dass ich Drucker reparieren kann. Bonanis Drucker hat nämlich immer die Seiten beim einziehen zerknüllt. Ich habe die Klappe aufgemacht, einmal reingeguckt, Klappe wieder zu und der Drucker funktionierte wieder. Ich glaube ich habe den magischen Druckerblick.
Dann habe ich noch den ganzen Tag versucht den Chef zu treffen, aber irgendwie ist der verschollen und keiner weiß so genau wo er hin ist. Dann eben morgen. Wäsche ist auch immer noch nicht, da es weiterhin regnet.
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