Freitag, 17. Oktober 2008

11.10. bis 13.10.2008 – Es neigt sich dem Ende zu

Tja die Tage plätschern hier so vor sich hin. Nichts Aufregendes ist passiert und so gibt es eine kleine Zusammenfassung. Den Samstag mussten wir erst einmal Schlaf nachholen und uns von den Durga Puja Feierlichkeiten erholen. In der Organisation waren auch alle etwas K.O. und so ist nichts Erwähnenswertes passiert.
Sonntag hat Tina an ihrem Video gearbeitet, da sie langsam etwas knapp mit der Zeit ist. Ich habe einen Plan zum Reisen aufgestellt. Er besteht daraus am Samstag um 22:05 mit dem Darjeeling Mail nach Siliguri zu fahren, was zehn Stunden dauert. Der Zug ist der Kategorie „Superfast“ zugeordnet, was bedeutet, dass der Zug es schafft in den zehn Stunden ganze 600 Kilometer zu fahren. Gut ein ICE würde das in dreien schaffen, dafür kostet mein Ticket im klimatisierten Schlafwagen nur 10€. In Siliguri muss ich aussteigen und dann noch mal zwei bis vier Stunden mit dem Bus oder einem Jeep nach Darjeeling fahren. Da werde ich wohl drei Nächte bleiben. Ich hoffe das Wetter bleibt so gut, dann fahre ich morgens mit den ganzen anderen Touristen auf den Tiger Hill, 2500m hoch und von da aus kann man den Sonnenaufgang über dem Himalaya beobachten. Vielleicht reise ich noch nach Sikkim weiter, wo der dritthöchste Berg der Welt, der Kanchenjunga und viele buddhistische Klöster liegen. Dann reise ich weiter westlich immer Richtung Delhi und guck mir an, was mir so auf dem Weg begegnet. Auf jeden Fall jedoch werde ich Halt in Varanasi und Agra machen. Eigentlich will, nein muss ich so viel angucken. Vom westlichen Himalaya über die Wüstenstädte Rajasthans runter zu den Stränden Goas. Aber in zwei Wochen ist das wohl nicht zu bewerkstelligen. Wer hat Lust nächstes Jahr mit mir wieder hierher zu kommen?
N achmittags habe ich noch versucht ein wenig zu schlafen. Es hat mal wieder nicht geklappt. Zuerst kam Tina rein und hat mein Klopapier geklaut, dann kam die Putzfrau und hat gefragt ob ich neues Wasser bräuchte und dann kam Depruschan. In meinem Zimmer ist es dunkel, es ist ruhig also denkt sich Depruschan „Dennis schläft wohl. Dann boller ich jetzt mal gegen die Tür, gehe rein und mache erst mal Licht an“. Gedacht, getan. Na Dankeschön. Er meinte dann, ob ich müde wäre. Selten solch eine blöde Frage gehört. Aber als er mir dann einen leckeren Snack brachte war ich halbwegs wieder versöhnt. Dazu legte er auch ganz dezent mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen meinen Nagelknipser, den ich seit vier Tagen vermisst hatte. An Schlaf war aber nicht mehr zu denken also las ich wieder im Reiseführer und schrieb endlich die Postkarten. Mal gucken wie lange sie brauchen.
Montag wurde schon wieder das ganze Dorf mit Musik beschallt. Morgen steht die nächste Puja vor der Tür. Schöner kann die letzte Woche eigentlich nicht sein, als noch einmal mit einem Fest. Außerdem hat Huub angerufen. Er kommt am Mittwoch mit Dhawan her um sich mal ein wenig über Mikrofinanzen zu informieren. Wir besuchen mit den beiden noch mal eine Zweigstelle und abends geht es dann wohl nach Laxmikantapur. Da können wir uns die Haare schneiden lassen, zumindest ich und ein wenig shoppen. Auf dem Dorf macht es mehr Spaß als in Kolkata, vor allem da man hier nicht an jeder Ecke übers Ohr gehauen wird. Apropos shoppen, der Lieblingseinkaufladen von Tinas Mutter ist: ALDI. Huub und Dhawan bleiben über Nacht und dann fahren sie am Donnerstag wieder.
Monsunzeit ist jetzt endgültig vorbei. Seit Tagen strahlt die Sonne bei 33 Grad und kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen. Die Luftfeuchtigkeit ist aber wegen der ganzen Reisfelder immer noch so hoch und morgens bei Sonnenaufgang ist die ganze Welt in dicke Nebelschwaden gepackt. So jetzt ist es doch etwas mehr geworden. Mal gucken was es morgen von der Puja zu erzählen gibt.


14.10.2008 – Feuerwerk

Sie suchen den absoluten Nervenkitzel? Ihnen macht es nichts aus mal einen Finger oder eine ganze Hand zu verlieren? Sie können sich nichts Schöneres vorstellen, als taub und blind zu sein? Europäische Sicherheitsstandards kotzen Sie an?
Dann kommen Sie nach Indien und kaufen sie Feuerwerkskörper. Nicht diese billigen polnischen Teile oder gar chinesisches Panschzeug. Hier bekommen Sie das Letzte vom Letzten. Wir garantieren eine Zündzeit von, aufgepasst! Nicht zwei Sekunden, nicht einer, nein nach nur einer h a l b e n Sekunde explodiert hier alles. Und um die Spannung zu erhöhen haben wir manchmal ein paar nette Spätzünder eingebaut. Also fackeln sie nicht lange, fackeln sie lieber sich selber ab.

Was sich jetzt lustig anhört ist die reine Wahrheit. Wir haben heute Laxmikantapur besucht um ein wenig einzukaufen. Schokolade, indische Snacks, neues Shampoo und Tinas umgenähtes indisches Outfit, es hat jetzt Ärmchen. Da gingen wir an ein paar Ständen mit Feuerwerk vorbei. Tina war gleich hin und weg. In Australien ist privates Feuerwerk nämlich aus unerfindlichen Gründen verboten. Was wäre denn Sylvester bitte ohne Feuerwerk? Ist das eigentlich ein heidnischer Brauch? Und kommt der Name Heiden von der Heidelandschaft???
Aber weiter im Text: Da wir keine Ahnung hatten kauften wir einfach mal von allem etwas. Es war eines gefährlicher als das andere. Raketen flogen in alle Richtungen oder waren zu schwer um abzuheben (Wer konzipiert so etwas?) Böller explodierten fast zeitgleich mit dem Anzünden und Teppichknaller hatten immer ein paar Spätzünder, die noch nach einer halben Minute explodieren konnten. Wir haben uns dezent zurückgezogen und die Inder machen lassen. Vor allem Banani war total begeistert und hat schön mitgefeuert. Zum Glück ist nichts passiert, aber ich würde gerne wissen, wie viele Leute in Indien jedes Jahr verletzt werden.


15.10.2008 – Kricket

Heute Mittag sind Huub und Dhawan angekommen. Eigentlich wollten wir nachmittags eine Zweigstelle besuchen, aber Anustee hatte keine Zeit, so dass das auf morgen verschoben ist. Dafür haben Huub, Dhawan und ich einen Spaziergang durchs Dorf gemacht. Wir trafen auf ein paar Jugendlich, die Kricket gespielt haben und so versuchten auch wir unser Glück. Huub hat den Ball am Anfang zu hart weggeschlagen, so dass zwei Kricketbälle im Teich landeten. Kricket ist gar nicht so leicht, aber es hat Spaß gemacht. Wir wechselten uns mit schlagen und werfen ab und verbrachten wohl eine Stunde dort. Danach sind wir weiter, weil die beiden das Dorf so schön fanden. Dhawan ist in seinen zwanzig Lebensjahren noch nie auf dem Dorf gewesen sondern hat immer in der Stadt gewohnt und ist nie dort herausgekommen. Was für eine Vorstellung, dass es bestimmt viele Menschen gibt die ihr ganzes Leben nichts anderes sehen als diesen Moloch von Stadt.
Abends wollten wir eigentlich nach Laxmikantapur aber wir haben zwei Stunden am Teich gesessen und uns unterhalten. Danach haben die drei das Video angeguckt und ich nach Zügen nach Darjeeling gegeuckt. Mir war nämlich aufgefallen, dass der Darjeeling Mail eine Warteliste von 250 Leuten aufweist. Also schauten wir sämtliche Alternativen durch, doch der einzige Zug der noch eine annehmbare Warteschlange von 12 Leuten hatte wäre um zwei Uhr nachts dort angekommen. Ich war schon am überlegen, ob ich einen Bus dorthin nehme doch dann viel mir eine kleine Einstellung auf, bei der man für Ausländer gucken konnte. Für Samstag sind noch alle Plätze frei, Glück gehabt. Ich fahre jetzt Schlafwagen ohne Klimaanlage, da wir ja nachts fahren und es sich doch schon gut abkühlt. Das kostet mich jetzt noch ganze 4€ für die Fahrt.
Danach rief Samu, ein Kerl aus dem Dorf an und meinte es wäre ein Kricketmatch am Laufen und wir sollten hinkommen. Also gingen wir hin um uns Kricket anzugucken. Das ganze Dorf stand um den Platz herum und mit zwei Stromgeneratoren hatten sie sogar Halogenstrahler zum Laufen gebracht. Kricket ist jetzt nicht wirklich mein Sport und steht auf meiner Erregungsskala zwischen Rhönrad und Hallenhalma. Die Inder waren jedoch total begeistert und haben die lokale Mannschaft frenetisch gefeiert. Nach drei Partien konnte ich die anderen endlich davon überzeugen wieder zurückzugehen, da mir doch sehr langweilig wurde.
Wir haben dann noch bis zwanzig vor eins zusammen mit Banani den neuen Film mit Ben Stiller geguckt, irgendwas mit Z. Er war ganz annehmbar doch Dhawan und Huub sind eingeschlafen und Banani konnte über den Humor nicht lachen. Die einzige, die ihn wirklich gut fand war Tina. Wenigstens waren wir alle müde und können jetzt schön schlafen gehen.


16.10.2008 – Das letzte Mal

Heute haben wir mit Huub und Dhawan das letzte Mal eine Zweigstelle besucht. Wir fuhren morgens nach Krishnachandrapur und besuchten zuerst ein Gruppentreffen, wo wir den Frauen ein paar Fragen stellen konnten. Danach gingen wir noch zu einigen Frauen nach Hause, wo sie uns zeigten, wie sie Saris besticken. Auch bei einem kleinen Familienunternehmen das Kleidung herstellt waren wir. Selbst der 12-jährige Sohn schneidert schon gekonnt an Oberteilen herum. Die beiden waren sehr beeindruckt einmal von der Arbeit der Menschen und dann davon, dass wieder 100 Leute um uns herumstanden. Es ist schon lustig, ich kann sozusagen mich selber bei meinen ersten Besuchen beobachten. Zum Mittagessen waren wir wieder zurück und bald danach verließen die beiden uns auch. Ich verbrachte den Nachmittag damit, Sachen für meine Reise zu organisieren und abends fuhr ich mit Banani nach Laxmikantapur um eine schöne Sari zu kaufen. Ich dachte, dass das bei mir nicht so lange dauern würde, aber bei den ganzen schönen Saris muss selbst ich eine Weile überlegen. Aber mit Bananis Hilfe habe ich dann doch die schönste gefunden. Danach ging es noch zum Friseur. In Deutschland geht das ja recht schnell bei mir, einmal mit der Maschine rüber und gut. Hier wird alles mit einer Schere geschnitten und so dauerte das Ganze dann etwa 20 Minuten. Banani war in der Zwischenzeit einkaufen gegangen und als sie wiederkam bekam ich gerade eine Massage, die jeder bekommt, der lange auf dem Stuhl sitzt. Eine sehr komische Massage war das, mit Finger einrenken, auf den Kopf klopfen und Arm ausschütteln, aber was macht man hier nicht alles mit. Gekostet hat es ganze 25 cent. Jetzt bin ich aber müde und muss schlafen. Morgen ist mein letzter Tag hier und es sind noch einige Sachen zu organisieren.

Samstag, 11. Oktober 2008

The Kinks - Village Green

05.10. bis 10.10.2008 – Der große Durga Puja Bericht

So endlich gibt es wieder einen neuen Blog. Die letzten Tage war hier Ausnahmezustand, da Durga Puja gefeiert wurde, das größte Fest in West Bengalen geweiht der Göttin Durga. Außerdem war ich drei Tage in Kolkata. Aber der Reihe nach.

Sonntag: Am Sonntag waren wir mit Anustee bei Mr. Mondal zum Mittagessen eingeladen. Er war zwar in Kolkata aber sine Frau und Arpan waren ja noch da. Für uns wurde alles aufgetischt, sogar Lammfleisch gab es. Die anderen haben davon aber nichts gegessen, da am Sonntag vor der Puja traditionell gefastet wird. Danach haben wir mal wieder durchs Fernsehprogramm gezappt. Anhand der Werbung kann man doch sehen, wie weit Indien schon international verzweigt ist. VW macht Werbung für den Jetta, Colgate, Head & Shoulders und die Allianz sind auch vertreten. Sogar Cilit Bang wird beworben. Das Beste war aber ein Hautaufheller. Inder können gar nicht verstehen warum Europäer so gerne braune Haut haben. Für sie ist weiße Haut am erstrebenswertesten. Der Mensch will immer das, was er nicht haben kann.
Den ganzen Tag spielte schon Musik, auch nachts um eins noch. Und am Montagmorgen wurde ich um fünf schon wieder von lauter Musik geweckt. Aber zum Glück kann man die Fenster ja schließen.

Montag: Den Tag über habe ich dann ein sehr interessantes Dokument über Einkommensprogramme in der dritten Welt gelesen und mir Gedanken darüber gemacht, wie man das auf die Region hier anwenden kann, da VSSU solch ein Programm plant.
Abends sind wir mit Mr. Mondal die Durga Puja Tempel angucken gefahren. In jedem noch so kleinen Dorf ist ein Tempel aus Bambus und Stoff aufgebaut und drinnen stehen zwar immer die gleichen Figuren der Gottheiten, jedoch gleicht keiner dem anderen. Am besten schaut ihr euch die Fotos an, dann seht ihr es selber. Mr. Mondal ist dann mit uns zu einem Freund, der Kleidung verkauft und hat uns beiden ein original indisches Outfit geschenkt, das wir in Kolkata tragen sollten. Da ich abends nicht schlafen konnte war ich bis drei unten im Büro. Tina hatte bis halb zwei noch ihre Steuererklärung gemacht und dann war ich im Internet. Mr. Mondal war auch noch in seinem Büro und hat mit seinem Freund geplaudert. Als er ihn um halb drei dann nach Hause fuhr wünschte ich den beiden eine gute Nacht, aber Mr. Mondal meinte, er würde in einer halben Stunde wiederkommen und noch ein wenig arbeiten. Ich weiß schon, warum er meint, dass seine Frau immer Stress machen würde.

Dienstag: Am Dienstag sollten wir dann nach Kolkata starten. Ein ex-Aiesecer, der in der Organisation zu Besuch war und den wir zehn Minuten gesehen hatten, hatte uns eingeladen. Vinay ist sein Name und im Moment arbeitet er mit seiner Freundin Ekta und einem Aiesecer aus Holland, Huub, an einem Klimawandelprojekt. Sie haben eine Website gestaltet (www.switchon.org.in) und gehen demnächst an die Schulen um dort über den Klimawandel zu informieren. Vinays Familie ist sehr reich (Sie besitzen neben dem gesamten sechsstöckigen Haus in Kolkata auch noch einen Palast in Rajasthan), so dass er im Moment nicht arbeiten braucht und das Projekt so finanzieren kann. Außerdem sind sie Vegetarier und doch alle recht beleibt. Wie das möglich ist merkte ich beim Essen, es gibt zu jeder Mahlzeit reichlich Weißbrot mit Butter anstatt dem üblichen Reis. Ich bin mit Tina dann shoppen gegangen. Warum weiß ich auch nicht. Wir sind durch 500 Geschäfte gelaufen und Tina hat sich neue Schuhe und eine Handtasche aus Leder gekauft. Die Schuhe haben ein Euro fünfzig gekostet und die Handtasche sieben Euro. Hat sie wenigstens ein Schnäppchen gemacht, obwohl die Tasche wohl immer noch zu teuer war, denn sie hat noch ein Portemonnaie geschenkt bekommen. Besonders bemerkenswert war das Schuhgeschäft, in dem es eine Rolltreppe gab. An sich nichts besonderes, in Kolkata schon. Zwei Mitarbeiter waren nur damit beschäftigt den Menschen auf die Rolltreppe zu helfen, weil die meisten so etwas nicht kennen.
Ab neun sind wir dann alle zusammen mit Ektas Bruder Dhawan und einem Freund von Vinay losgezogen um die Tempel in der Stadt zu sehen. Es war grandios. Überall hingen bunte Lämpchen und beleuchteten alles, manche wurden mit Solarenergie oder Windkraft betrieben, die Tempel waren sehr beeindruckend und alle in vollkommen unterschiedlichen Stilen erbaut und die ganze Stadt war auf der Straße. Wir sind noch Riesenrad gefahren, haben auf Ballons geschossen (zu gewinnen gab es Plastikkörbe), einen Mitternachtssnack in Form eines Linsengerichtes zu uns genommen und einen Tempel nach dem anderen besucht. Natürlich waren wir auch in Kolkata eine Attraktion, insbesondere da wir unser indisches Outfit anhatten (Huub hatte sich eines von Vinay geliehen) und so waren wir wieder ständig am Händeschütteln. Um vier sind wir dann wieder aufgebrochen, da allen die Füße wehgetan haben. Die Party war aber lange noch nicht vorbei. Bis sieben Uhr geht es meistens. Erstaunlich war für mich, dass selbst die Kinder um vier noch auf den Beinen waren und mit ihren Eltern durch die Gegend liefen.

Mittwoch: Am Mittwoch stand, nach kurzen Schlaf bis halb zehn, tagsüber ein Videodreh für die Website auf dem Plan. Tina konnte da natürlich einige Tipps geben, ich war im Internet und habe über den Zusammenbruch der Finanzwelt gelesen. In Indien ist die Börse von 22.000 Punkten im November 2007 auf 10.500 abgestürzt und in der Zeitung stand, dass ein Börsenmakler erst seine Familie und dann sich umgebracht hat, weil er alles Geld verloren hat. Außerdem begann ich ein sehr interessantes Buch über den Klimawandel zu lesen. Abends sind wir mit Dhawan eine Shisha rauchen gegangen. Die erste Shishabar war geschlossen, da es ein neues Anti-Rauchergesetz in Kolkata gibt. Die zweite Shishabar hat aber die Behörden bestochen und so konnten wir ungestört rauchen. Zurück in Vinays Haus war ein Gast dort, der auch eine Klimawandel-NGO betreibt und interviewt werden sollte. Ich habe mich ein wenig mit ihm unterhalten und er erzählte mir, dass er begeistert von Deutschland sei. Er hat sogar Ende der 80er deutsch gelernt und war 1993 für sechs Wochen in Frankfurt und Stuttgart zum arbeiten bei einem Unternehmen, dass Dämmstoffe für die ESA herstellt. Leider musste er die meiste Zeit arbeiten oder an Konferenzen teilnehmen und hatte so keine Zeit Deutschland zu besichtigen. Was er unbedingt angucken möchte sind Ostsee und Schwarzwald. Ich habe ihn nach Kiel eingeladen, aber ich glaube ihm fehlt das nötige Kleingeld für einen Besuch.
Nach dem Abendbrot fuhren Tina, Huub, Dhawan und ich zu dem Freund von Vinay, da dort eine Party steigen sollte. Wir fuhren für zwei Euro 20 Minuten mit dem Taxi etwas außerhalb der Innenstadt. Dort war ein Wohnkomplex mit modernen, gepflegten Anlagen in denen die Reichen der Stadt wohnen. Diese hatten auch einen bekannten DJ engagiert und so tanzte die Menge draußen zu indischer Musik. Alle waren vollkommen durchgeschwitzt, als wir dazustießen, da sie schon seit acht bei 30 Grad am Tanzen waren. Wir mischten uns unter die Menge und tanzten mit. Am Ausschweifendsten feierte aber nicht die Jugend sondern die Generation um die 40. Nachdem der DJ um halb elf verschwand und ein anderer übernahm lud uns Vinays Freund in seine Wohnung ein. Was für eine Luxushütte. Die Wohnung liegt im achten Stock mit super Blick auf die Stadt und würde in Deutschland wohl um die 200.000€ kosten. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass auch Vinays Freund ehemaliger Aiesecer ist. Er kannte sogar die gleichen Trinkspiele, die wir in Deutschland auch spielen (Zoom und Boat Race). Außerdem erfuhren wir, dass seine Familie dick in der Stahlbranche ist und dass er seit sechs Jahren verheiratet ist, er ist 26, sie etwa 21. Was ist das eigentlich für eine Unsitte, dass alle hübschen Frauen in meinem Alter schon jahrelang verheiratet sind?
Nachdem wir Mangoeis gegessen hatten fuhren wir wieder in die Stadt in einen angesagten Club. Tina ist im Auto eingeschlafen, ihr war nicht mehr so nach Club aber wir konnten ja mal reinschauen. Nachdem wir dann aber erfuhren, dass der Eintritt pro Person 25€ beträgt haben wir uns doch umentschieden. Nur zum reinschauen war das nun doch zu teuer. Der Rest der Gruppe ist dann ohne uns rein gegangen. Einmal kurz die goldene Visacard gezückt und rein ging es. Insgesamt haben sie 15.000 Rupien bezahlt. Viele Familien auf dem Land leben von weniger als 100 Rupien am Tag, die VSSU Kredite beginnen mit 5000 Rupien aber das nur mal am Rande.
Mit Dhawan gingen wir erst in ein chinesisches Restaurant, wo wir ein paar Kleinigkeiten aßen und ein Bierchen tranken. Es war schon halb eins geworden und es kamen noch ganze Familien rein um zu Essen. Das Restaurant war voll belegt.
Danach sind wir noch einen Kaffee trinken gegangen und haben uns unterhalten. Dhawan erzählte uns, dass er das traditionelle indische Leben nicht mag. Bis vor einem Monat hatte er auch noch lange Haare, etwas was die meisten Leute hier mit Drogen verbinden. Seine Eltern sind zwar nicht gerade zufrieden mit seinem Lebensstil, bezahlen im aber trotzdem alles was er haben will. Sein Traum ist es in England zu studieren und dann dort zu bleiben. Wir mussten ihm eine Menge über das westliche Leben erzählen, ganz besonders wie das mit den Beziehungen abläuft. Wir spielten dann noch eine Runde Scrabble auf Englisch, bei der Huub und ich natürlich keine Chance hatten und wiederum um vier kamen wir zu Hause an. Erstaunlich für mich war noch, dass die Bedienstete die im Haushalt arbeitet im Wohnzimmer auf dem Fußboden schläft.
Donnerstag: Am Donnerstag wollten wir eigentlich wieder zurück aber Tina bekam eine Mail, dass sie zu einem telefonischen Bewerbungsgespräch um halb neun abends eingeladen ist. Sie hatte sich bei einigen Unternehmen beworben und ein Unternehmen aus den Staaten hatte sich daraufhin gemeldet. Da es auf dem Land etwas schwierig ist mit telefonieren ins Ausland entschieden wir uns noch zu bleiben und das Gespräch über Skype zu führen. Ich wollte endlich das Museum besuchen, das aber am Donnerstag geschlossen war… So verbrachte ich den Tag mit lesen im Reiseführer um endlich mal einen Überblick zu bekommen, was ich machen möchte. Ich habe mich jetzt entschieden erst einmal nach Darjeeling zu fahren und dann weiter Richtung Delhi. Tina wird wohl gar nicht richtig reisen, denn wenn sie den Job bekommt muss sie Internet haben, da sie irgendetwas online bearbeitet oder so. Ihr Plan ist, erst bei VSSU zu bleiben und dann nach Delhi zu reisen und von dort aus Tagestouren zu unternehmen. Ein wirklich grandioser Plan. Da ist sie schon mal in Indien und dann zieht sie es vor zu arbeiten anstatt sich das Land anzugucken, vor allem da sie das Geld noch nicht einmal wirklich braucht. Ich verstehe das nicht, aber muss ich ja auch nicht.
Mit Dhawan sind wir dann abends wieder losgezogen, Vinay und Ekta hatten noch zu tun. Zuerst waren wir bei einem Laden wo wir Milch mit Cola tranken. Es hört sich schlimmer an, als es ist. Auf den Straßen war jede menge los, denn alle Götter aus den Tempeln wurden auf LKW durch die Straßen gezogen um schließlich im Hoogly baden zu gehen. Überall waren Trommler und die Leute haben auf den Straßen getanzt. Huub und ich wurden einmal von einer Meute umringt und mussten mittanzen bis Dhawan uns dem Getümmel befreien konnte. Wir fuhren mit dem Taxi zum Fluss um dort der Zeremonie beizuwohnen. Es waren so viele Menschen mit ihren Göttern dort und im Minutentakt wurden Statuen im Wasser versengt. Es muss ein toller Anblick sein jetzt durch den Golf von Bengalen zu fahren.
Ein kleiner Exkurs in Sachen Taxifahren in Kolkata. Kaum ein Fahrer kennt sich aus, da die meisten aus den umliegenden Bundesstaaten kommen und so die Stadt kein Stück kennen. So kommt man häufig erst mit Umwegen an sein Ziel, so fern es sich nicht um eine der Hauptattraktionen handelt. Um den Preis zu ermitteln multipliziere man den Betrag des Taximeters mit zwei und addiere noch einmal zwei. Und nachts gelten rote Ampeln nicht. Wenn die Kreuzung frei ist wird einfach drüber gefahren. Die Polizisten, die an jeder großen Kreuzung sitzen stört das auch nicht. Außerdem sind viele Taxen einfach zu klein für mich, so dass ich meinen Kopf schräg halten muss um nicht ständig gegen das Dach zu stoßen.

Freitag: Nach dem frühstück und einer Dusche fuhren wir mit dem Zug wieder nach Laxmikantapur. Es war ungewöhnlich still, da alle Leute müde waren und außerdem eine drückende Hitze bei 100% Luftfeuchte. So konnte ich in VSSU gleich wieder duschen. Den Nachmittag habe ich damit verbracht weiter das Dokument über Einkommensmaßnahmen zu lesen und mich von dem anstrengenden Fest zu erholen. Darpan kam zwischendurch und meinte wir müssten abends unbedingt ins Dorf kommen, da sie die Götter im Dorfteich versenken würden. So gingen wir um acht ins Dorf. Viele waren am Tanzen, Männer und Frauen tanzen getrennt und der Rest stand drum herum. Aus jedem Haus bekamen die Götter etwas zu essen und zu trinken von den Frauen gereicht. Warum die Bengalen eigentlich keinen Alkohol trinken wurde mir beim Tanzen klar. Die Männer waren fast alle betrunken von irgendeinem selbst gebrannten Zeug und rempelten, schubsten und zogen ohne Ende. Ständig fiel einer auf den Boden oder bekam einen Ellenbogen in die Rippen (inklusive mir). In Deutschland wäre bei solchen Sachen schon eine Massenschlägerei ausgebrochen aber hier nehmen die Leute das hin und tanzen einfach weiter. Nach drei Stunden waren alle vollkommen Nass geschwitzt und es ging daran die Götter zu baden. Ich wollte meine Kamera holen, wurde aber von Mr. Mondal aufgehalten um mit Tina und ihm einen Tee zu trinken. Und auf eine Einladung zum Tee gibt es hier nur eine Antwort: Yes, please. So verpasste ich leider die Zeremonie. Nach dem Tee ging ich wieder zum Festplatz wo es nun Essen für das ganze Dorf gab. Ein einfaches Gericht aus Linsen und Kartoffeln aber sehr schmackhaft. Tina und Mr. Mondal kamen kurz darauf auch und setzten sich an einen Tisch. Ich saß mit den Dorfbewohnern im Schneidersitz auf dem Boden und unterhielt mich mit einem Kerl in etwa meinem Alter der Privatunterricht in Englisch gibt. Um halb eins war das Essen vorbei und wir bekamen noch eine kostenlose Sprite. Dann war Durga Puja zu Ende. Ein wunderbares Fest. Wenn ihr vorhabt irgendwann einmal nach West Bengalen zu kommen, kommt zu Durga Puja.
Bezahlt wird das Fest auf dem Dorf übrigens von den Bewohnern. In der Stadt spenden Organisationen oder Unternehmen manchmal Tempel. Der Tempel aus Drahtgeflecht zum Beispiel wurde vom Stahlgeschäft von Vinays Freund bezahlt. Für den Rest wird in Kolkata eine Sondersteuer erhoben. So vier Seiten sind jetzt auch genug. Guckt euch die Fotos an, dann bekommt ihr eine Vorstellung von dem was in den Dörfern und Kolkata los ist.

Samstag, 4. Oktober 2008

Jet - Put your money where your mouth is

02.10.2008 – Nichts geschafft

Heute war nun wirklich der faulste Tag, den ich hier hatte. Zum Frühstück hatten sie erst mal vergessen einzukaufen, also gab es diese Instant Nudeln als Ersatz. Da kommt Freude auf. Nach dem Anstrengenden Frühstück musste ich mich erst einmal wieder ins Bett legen und eine Runde lesen. Obwohl ich nur fünf Stunden Schlaf hatte, war an keinen weiteren zu denken, da morgens um neun schon 31 Grad waren. Tina hat trotzdem den ganzen Vormittag geschlafen. Ich war noch ein Stündchen an Bananis Computer im Internet, da das Modem mal wieder nicht funktioniert.
Durch das Mittagessen waren wir wieder so geschwächt, dass wir uns erst einmal aufs Bett legen mussten. Wir haben uns unsere Reiseführer angeguckt und entschlossen, dass jeder einen Plan macht und wir uns dann abstimmen. Mal gucken ob ich mein Darjeeling durchgesetzt bekomme. Um sechs schrieb uns dann Arpan, dass er draußen warte. Also haben wir uns tatsächlich vom Bett erhoben und sind durchs Dorf gelaufen. Arpan hatte dann die glorreiche Idee doch ein Bier zu trinken. Also ist er und mit einem Freund auf dem Motorrad Bier kaufen gefahren und wir durften im Haus seines Großonkels warten. Wir kannten ihn zwar nicht und er konnte auch kein Englisch, aber wir haben mal 20 Minuten da gewartet. Da es Arpan eigentlich verboten ist Alkohol zu trinken mussten wir es heimlich dort machen. Sein Großonkel ist schon etwas älter und bekommt das nicht mit, dass in den Flaschen Bier ist. Schon lustig, dass ein 20-jähriger sich vor seinem Vater verstecken muss, wenn er mal ein Bierchen trinken will. Mr. Mondal rief dann auch noch an und wollte uns treffen. Also tranken wir schnell aus, steckten uns ein paar Chips in den Mund um den Geruch zu verdrängen, verabschiedeten uns von Arpan und seinem Freund und gingen zur Schule, wo das Auto wartete. Wir waren bei einem Zweigstellenmanager eingeladen. Der ist nämlich Muslim und heute ist ja der Ramadan vorbei, also gab es ordentlich Süßigkeiten zu futtern. Dann fingen sie an darüber zu reden, dass ich ja erst 22 wäre und dann hat sich Anustee darüber lustig gemacht, dass ich zum Friseur will. Sie meinte was ich denn ohne Haare beim Friseur wolle. Na danke jetzt fangen die Inder auch noch damit an.
Tina hat eine kostenlose Handbemalung von der Frau des Managers bekommen. Sie ist 26, er 35. Das alleine ist ja nichts Verwerfliches. Das Schlimme an der Sache ist, dass sie mit 13 an ihn verheiratet wurde und ein Jahr später ihren ersten Sohn gebar. Und vor 13 Jahren war 1995. Ihr seht also, auch im modernen Indien gibt es noch mach befremdliche Sache, besonders unter der Landbevölkerung.
Danach sind wir noch kurz in die Bibliothek gefahren, weil die Kinder dort einen Film anguckten und Mr. Mondal etwas zu besprechen hatte. Er meinte nur fünf bis zehn Minuten. Aber natürlich indische Zeit, so dass wir 40 Minuten dort verbrachten.
Jetzt sind wir wieder in VSSU und erholen uns. Auf Abendbrot haben wir nach den ganzen Süßigkeiten keinen Hunger mehr, was auch besser ist da die Ameisen das Essen vor uns entdeckt haben.


03.10.2008 – Im Osten nichts Neues

Heute wollte ich eigentlich eine Zweigstelle besuchen, da Tina ja jetzt fertig ist mit Video drehen. Sieben Stunden Rohmaterial hat sie. Ich hab keine Ahnung was sie alles gefilmt hat. Aber für mich hatte leider keiner Zeit, weil alle immer mit Tina weg waren und jetzt ihre liegen gebliebene Arbeit aufholen müssen. Mal gucken ob es nächste Woche etwas wird, wobei ich da bezweifle. Nächste Woche ist nämlich Durga Puja, das größte Fest in West Bengalen. Es geht die ganze Woche, glaube ich und Donnerstag und Freitag sind frei. Die größten Feierlichkeiten sind natürlich in Kolkata, was wohl oder übel bedeutet, dass wir da mal wieder hinfahren und übernachten. Es wird nämlich alles geschmückt und mit Lampen behängt. Ich glaube während der Zeit will keiner im Kraftwerk arbeiten.
Arpan war heute mal wieder da. Ihm ist langweilig, er hat Ferien bis zum zehnten. Und hier kann man ja auch nicht wirklich viel unternehmen. Er verbringt seine Tage mit ausschlafen, fernsehen und Video gucken. Jetzt ist Tina gerade bei Mr. Mondal im Büro. Sie sprechen über das Tourismus- und Einkommensprojekt was er plant. Aber ich bin zu müde, es ist schon halb zwölf und die beiden haben gerade erst begonnen. Tina kann mir ja morgen alles erzählen. Einen wunderschönen Sternenhimmel haben wir heute. Hätte ich mal mein Teleskop mitgenommen.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Ventilator - Brummmmmmmmm

30.09.2008 – Ein Satz mit X

Das war wohl nix. Die Aufnahmen sind fast nicht zu gebrauchen, weil es im Hintergrund meistens einfach zu laut ist. Tina hat noch ganz andere Sorgen. Sie will Musik ins Video einbauen und macht sich Gedanken ums Copyright. Ich bezweifle mal ganz stark, dass sie so etwas braucht geschweige denn es überhaupt in den verbleibenden zwei Wochen besorgen zu können.
Auch war es nichts mit dem Herbst. Es ist wieder genau so heiß geworden wie es vorher war. Und das Ende September. Mein Körper ist so etwas doch nicht gewöhnt.
Mir ist noch etwas aufgefallen, jeder drückt den Türknopf im Jeep runter, wenn wir losfahren. Keine Gurte haben/benutzen, Fenster alle weit auf, aber den Knopf runtedrücken. Es gibt Sachen die werde ich niemals verstehen. Maria hat uns von den Philippinen geschrieben. Sie ist bei befreundeten Diplomaten untergekommen und schreibt uns von Steak. Danke dafür.
Abends war noch Arpan, der jüngere Sohn vom Chef bei uns. Der ältere heißt Darpan. Ich muss saen die sprühen hier nur so vor Kreativität in der Namenswahl. Aber manchmal sind die Namen hier auch so komisch, dass sich selbst Inder den Namen buchstabieren lassen müssen. Wenigstens kann ich mir die beiden Namen merken, das ist ja auch mal was Gutes. Wir haben dann über Straßenverhältnisse und seinen ersten Unfall erzählt. Er war mit zwei Freunden auf dem Motorrad unterwegs und das Licht war wohl etwas schwach. Arpan ist gefahren und plötzlich war da so eine Schranke im Weg, die aber niemand gesehen hat weil es dunkel und das Licht unzureichend war. Also hat Arpan schön eine Schranke gegen den Brustkorb bekommen und konnte drei Tage nur gekrümmt laufen. Aber gebrochen oder so war zum Glück nichts. Wie werde ich nur je wieder mit deutschen Straßenverhältnissen zurecht kommen?
So ich lese jetzt weiter meine Internet Bücher. Hab ein en super Schreiber von historischen Romanen gefunden, Paul Schreckenbach. Nur zu empfehlen.


01.10.2008 – Der Countdown läuft

Nur noch einen Monat bin ich hier. Und davon nur noch zweieinhalb Wochen arbeiten. Dann geht die Reise los auch ein wenig vom Rest des Landes zu erkunden.
Heute war der letzte Interview Tag. Tina ist um sechs aufgestanden und hat die Kinder der Schule beim Morgengebet und Joga gefilmt. Mir war das zu früh und außerdem kann ich es ja auf band angucken. Vormittags sind wir dann nach Laxmikantapur und haben den dortigen Filialleiter der United Bank of India interviewt. Ich war der Interviewer, weil Tina filmen musste. Außerdem hat der Filialleiter mein Englisch besser verstanden. Tina ist hier immer am verzweifeln ob ihres Australischen Akzents. Kaum ein Inder versteht sie, mich dagegen alle. Der Videodreh war wieder eine Sache für sich. Da Tina endlich mal ein vernünftiges Interview haben wollte, mussten alle Bankangestellten leise reden, die Fenster wurden geschlossen und die Ventilatoren ausgestellt. Und das bei 30 Grad schon morgens um zehn. Noch schlimmer war es aber nach dem Interview, da wollte Tina ein paar „natürliche“ Aufnahmen vom Markt machen. Erklär mal Indern sie sollen sich vor der Kamera ganz normal verhalten. Es geht einfach nicht. Es bildet sich immer eine Traube und die Menschen starren Tina an oder versuchen auch aufs Video zu kommen. Nachdem wir also eine ¾ Stunde erfolglos versucht haben zu drehen hatte sie ein einsehen und wir konnten wieder zurück fahren.
Direkt nach dem Mittag ging es dann nach Krishnachandrapur, weil da die letzte Interviewpartnerin war. Die fühlte sich aber unwohl und so wurden erst mal der Zweigstellenmanager und ich rausgeschickt, damit sich die Frauen alleine unterhalten können. Wir hatten noch Anustee als Übersetzerin mit. Also habe ich mit dem netten Herr zwei Runden durchs Dorf gemacht und wir haben uns unterhalten und das Dorf angeguckt. Es waren geschätzte 35 Grad und ich hatte mein langes Hemd an. Als wir wieder am Haus ankamen war mein Hemd hinten vollkommen nass, da ich auch noch den Rucksack auf dem Rücken hatte. Wenigstens war das Interview erfolgreich und die Aufnahme auch ohne störende Geräusche. Doch warum war ich überhaupt mitgekommen? Ich habe wenigstens erfahren, dass morgen Feiertag ist und wir Urlaub haben. Am 02. Oktober ist nämlich Gandhis Geburtstag und das ist einer von ganzen fünf! Feiertagen die es in West Bengalen gibt. Die anderen sind zwei Tage nächste Woche wegen Durga Puja, dem größten religiösen Fest, das bengalische Neujahrsfest am 16. April und der Unabhängigkeitstag am 15. August. Wenn ich da an unsere zahlreichen Feiertage denke.
Abends waren wir noch mit Arpan in dem Mondalschen Haus und haben ein wenig durchs Fernsehprogramm gezappt. Ich habe die wahrscheinlich schlechteste Daily-Soap der Welt gesehen und das Quiz Taxi gibt es auch in Indien. Ich weiß schon warum ich den Fernseher nicht vermisse. Außerdem meinte Arpan ob ich denn verheiratet wäre. Ich erwiderte, dass mit 22 ja noch etwas Zeit sei. Er konnte gar nicht fassen, dass ich erst 22 bin und meinte er hätte mich auf 30 geschätzt.
Jetzt bereiten wir uns seelisch auf den morgigen freien Tag vor. Ich werde wohl nach Laxmikantapur fahren und neues Shampoo kaufen. Meines ist nämlich langsam alle. Neue Zahnpasta und Deo habe ich schon gekauft. Also ab morgen wieder vollkommen gerüstet, so dass Tina nicht zwei Wochen mit einem stinkenden, ungewaschenen Kerl durch die Gegend reisen muss. Zum Friseur müsste ich auch aber da habe ich doch etwas bedenken. Obwohl, was sollen die an meinen Haaren noch viel falsch machen? Ich werde es morgen mal ausprobieren. Vorher/Nachher Fotos werden nachgereicht.

Montag, 29. September 2008

Gus Backhus - Sauerkraut Polka

26.09.2008 – Herbst

Der Herbst ist da. Fast wie der deutsche Herbst. Es ist bewölkt oder regnet. Nur, dass wir hier immer noch 29 Grad haben. Aber das ist nicht ganz so schlimm. Ich kann nachts jetzt schon ohne Ventilator schlafen. Nachteil ist jedoch, dass das Wasser zum Duschen morgens jetzt auch kühler ist. Aber dann werde ich wenigstens richtig wach.
Gestern hat Tina für ihr Video den Chef interviewt. Es war sehr lustig, da er manchmal die Frage nicht verstanden hat und mal auf Englisch, mal auf bengali geantwortet hat. Jetzt darf sie erst mal den bengalischen Teil übersetzen lassen und dann alles schneiden.
Abends hat sie dann gemeint sie bräuchte endlich anderes Essen. Ich habe mich jetzt an das immer gleiche Essen gewöhnt, aber sie brauchte nach ihrer Krankheit mal etwas anderes, nahrhaftes, westliches. Banani hat alles aufgetischt was in VSSU zu bekommen war. Kekse, instant Nudelsuppe, Obst und Ei. Danach ging es Tina schon etwas besser. Einer der Leute wurde noch losgeschickt und hat extra Kokosnuss, mehr instant Suppen, und sogar Cornflakes geholt. Naja mir reicht es, wenn ich jetzt abends immer ein Glas Milch habe. Tut meinem westeuropäischen Wohlstandsbauch auch mal ganz gut nicht so fettes Essen zu mir zu nehmen. Morgen fahren wir zusammen nach Laxmikantapur und Tina holt sich Süßigkeiten, Kekse und alles was sie bekommen kann. Am Abend ist sie dann früh ins Bett gegangen. Ganz gesund ist sie noch nicht. Ich hab mit Bonani einen weiteren Film, Hot Fuzz, geguckt. Sie scheint den britischen Akzent besser zu verstehen als den amerikanischen. Für Sonntag haben wir gar keinen Ausflug geplant. Wir können ja mal langsam anfangen unsere Tour zu planen. Tina will nicht nach Darjeeling in den Himalaya, weil das einen Tag dauert da hin zu kommen. Werde ich wohl noch etwas Überzeugungsarbeit leisten müssen. Den dritthöchsten Berg der Welt und die Teefelder wollte ich schon angucken und Oktober ist die beste Zeit um dahin zu reisen. Aber das können wir ja noch ausdiskutieren. Ich hoffe morgen wird mal gutes Wetter. Meine Wäsche schreit schon danach gewaschen zu werden. Gut, dass ich so viele Sachen mit habe.


27.09.2008 – Kündigung

Heute hat Bonani gekündigt. Irgendwie war den ganzen Tag Stress in der Organisation und abends hat sie dann ihre Kündigung geschrieben. Sie wird aber noch den Oktober hier arbeiten da sie das Geld braucht und ihre neue Stelle noch nicht anfängt. Sie war dann nicht mehr so gut drauf, hat aber für uns einen Essensplan entworfen. Drei Mal die Woche gibt es jetzt Hühnchen, so auch am heutigen Abend und außerdem Nudeln und mehr Kartoffeln. Die Nudeln hätten sie von mir aus auch weglassen könne, aber wenn es Tina schmeckt.
Abends waren wir dann mit Bonani in Laxmikantapur einkaufen, das tat auch ihrer Laune ganz gut. Ich habe einen indischen Snack, bestehend aus Erdnüssen, anderen Nüssen und irgend so einem salzigen Gebäck gekauft. Keine Ahnung was das ist, aber es schmeckt sehr gut. Man bekommt es auch immer im Restaurant als Snack vorher gereicht. Dann habe ich noch Kaugummis, Butterkekse und vier Packungen Limonenkekse gekauft. Bonani sagt die schmecken so gut, da hab ich ihr gleich auch noch eine gekauft. Die erste haben Tina und ich übrigens schon aufgegessen. Die schmecken wirklich gut. Werden wohl die nächste Woche nicht überleben.
Auf der Arbeit gab es auch noch etwas Interessantes. Ich habe nach neuen Geldgebern im Deutschsprachigen Raum gesucht und es gibt doch tatsächlich einen Fond in Deutschland und einen in der Schweiz die nur Mikrokreditunternehmen finanzieren. Gar keine schlechte Alternative wenn man die Finanzmärkte heue anguckt. Und etwas Gutes tut man dabei auch noch. Also Leute, legt euer Geld in Mikrokrediten an.


28.09.2008 – Lazy Sunday

Heute war mit mir absolut nichts anzufangen. Ich war bis nach zwei wach, weil ich um elf noch angefangen hatte Apocalypse Now zu gucken. Und der dauert nun mal über drei Stunden. Ich dachte, ich könnte ja ausschlafen aber falsch gedacht. Um acht klopfte es an die Tür, das Frühstück war fertig. Also habe ich mich aus dem Bett erhoben und kurz gefrühstückt um dann wieder ins Bett zu kriechen. Doch mit Schlafen war nichts, da eine Viertelstunde später Tee kam. Ich trank ihn aus und legte mich wieder hin. Doch zehn Minuten später wurde die Tasse wieder abgeholt. Dann konnte ich endlich wieder schlafen, eine halbe Stunde denn dann kam die Putzfrau in mein Zimmer geplatzt, hat gefegt und mein Bett abgezogen. Ich fühlte mich wie im Werner Film, wo er im Krankenhaus auch ständig gestört wird. Ich hab das Schlafen dann aufgegeben und bin zu Tina gegangen um mich mit ihr zu unterhalten.
Nach dem Mittagessen legte ich mich wieder hin und konnte auch tatsächlich schlafen. Bis Tina nach einer Zeit kam und meinte ein Affe wäre auf dem Dach. Also sind wir beiden wie die größten Touris mit Video- und Fotokamera aufs Dach und haben den Affen gefilmt und Fotografiert. Der Affe hat ein paar Scheiben zerbrochen, die da oben gelagert wurden. Aber da es ein heiliger Affe war, wurde ihm als Belohnung eine Banane gegeben. Als VWL-Student frage ich mich jedoch wie ein Schaden durch einen Affen bilanziert wird?
Nachmittags konnte ich, da es endlich wieder schön geworden ist Wäsche waschen. Dann habe ich noch ein wenig im Internet gesurft und eine Seite gefunden, wo man Bücher kostenlos runterladen kann. Endlich wieder etwas zu lesen. Wen es interessiert: http://gutenberg.spiegel.de/
Mit Mama habe ich noch telefoniert und jetzt geht es pünktlich ins Bett. Wirklich ausgeschlafen bin ich nämlich nicht.


29.09.2008 – Unsere Lieblingszweigstelle

Der Morgen begann sehr erheiternd, denn eine kleine Schlange schlängelte sich durchs Büro und alle Frauen sind schreiend davon gelaufen. Dabei war die ganz harmlos. Die Leute vom Schweizer Mikrokreditfonds haben zurück geschrieben, sie wollen mehr Informationen. Ich habe ihnen mal alles geschickt, was sie interessieren könnte. Das hat gedauert, bis ich alles hochgeladen hatte.
Am Nachmittag sind wir mal wieder nach Diamond Harbour gefahren, da Tina zwei Klienten und deren Geschichte für ihr Video filmen wollte. Das war aber gar nicht so einfach. Beim ersten Klienten hat eine Frau Holz gehackt und gar nicht eingesehen das mal für zehn Minuten zu lassen. Außerdem haben ständig Enten, die irgendjemand im Käfig gehalten hat, geschnattert. Und zu allem Überfluss ist schon wieder der Beginn irgendeines Festes und so wurde das ganze Dorf mit lauter, indischer Musik beschallt.
Beim der zweiten Klientin war es nicht besser. Die Kommunistische Führung hatte begonnen Propagandareden ins Mikro zu gröhlen und das aus lag genau an der Straße, so dass ständig klingelnde Fahrräder oder hupende Rikschas, Motorräder oder Autos zu hören sind. Ich hoffe man versteht wenigstens einigermaßen etwas.
Die Zweigstelle haben wir mit Anustee besucht, die ursprünglich auch aus Diamond Harbour kommt. Wir haben dann auf dem Rückweg ihren Großvater besucht. Der ist inzwischen schon 85, für Inder ein sehr hohes Alter. Also Jahrgang 1923, als Indien noch Englische Kolonie war. Gandhis gewaltlosen Widerstand hat er genauso miterlebt wie die große Hungersnot von 1943. Er konnte außerdem exzellentes Englisch sprechen und hat „ein wenig“ erzählt. Sein einer Sohn war als Ingenieur ein paar Monate in Deutschland und Frankreich. Er konnte sich nicht mehr an die Stadt erinnern, nur dass sie irgendwo am Rhein liegt. Das schränkt die Auswahl natürlich erheblich ein. Und eine Schwester von Anustee hat als Nanophysikerin sogar eine Zeit lang in Göttingen geforscht. Als ich ihn fragte, was denn sein Beruf gewesen sei meinte er, ob ich ihm denn nicht zuhöre. Ich dachte er hätte das schon erzählt und ich mich verhört, aber dann meinte er nur ein Berufsstand würde so viel erzählen: Lehrer. Er war Chemielehrer und manchmal auch Mathe, je nach dem was gerade gebraucht wurde. Leider mussten wir aber wieder nach Hause, ich hätte gerne noch mehr erfahren. Aber vielleicht kommt ja noch einmal eine Gelegenheit.
Jetzt lese ich noch ein wenig. Tina ist damit beschäftigt den Ton einigermaßen zu verbessern. Da kommt Freude auf. Ach und ein paar neue Bilder sind auch mal wieder online.

Freitag, 26. September 2008

Jamiroquai - This corner of the earth

24.09.2008 - Krank

So dieses Mal bin nicht ich krank sondern Tina. Sie sah schon beim Frühstück nicht gut aus und meinte sie hätte Fieber. Aber trotzdem wollte sie unbedingt Zu einer Frau fahren um ein Interview zu führen. Ich habe dann nach einem Thermometer gefragt, um zu gucken wie hoch das Fieber ist. Sie ließ sich nämlich partout nicht davon abbringen zu fahren. Das Ergebnis war 38,6. Zu kalt für Tina um im Bett zu bleiben. Also hat sie sich bei 29 Grad Außentemperatur eine lange Hose und ein Fließpulli angezogen und ist mit Aparna losgefahren. Wenigstens hatte sie Fiebersenkende Tabletten dabei.
Ich blieb im Büro, denn was soll ich da zum Interview mitfahren und doof daneben stehen? Ich hab eine Stunde bei Mr. Mondal verbracht und ihm meine neuesten Ideen gezeigt. Vor allem von der Ideenbox war er begeistert. Eine Idee von AIESEC Berlin wird jetzt in Indien umgesetzt.
Außerdem habe ich begonnen nach Geldquellen in Deutschland zu suchen. Es gibt extra Fonds die nur in Mikrokreditunternehmen auf der ganzen Welt investieren. Das habe ich auch noch nicht gewusst. Vielleicht kann man da ja was machen. Ich schreibe da mal ein paar nette Mails hin.
Abends war Tina immer noch weg. Ich hab mich mit Bonani über alles Mögliche unterhalten. Inder wissen recht wenig von dem, was außerhalb ihres Landes so vor sich geht und ging. Außerdem hat sie mir erzählt, dass sie sich nach einem neuen Job umschaut. Sie ist hier nicht zufrieden mit der arbeit. Wäre ich auch nicht, wenn ich zwei Master in der Tasche hätte und dann in einer kleinen Mikrofinanzorganisation Privatsekretär werde. Aber sie ist auch recht selbstbewusst. Sie hat einfach mal bei Wikipedia nach den größten indischen Unternehmen gesucht und ruft da mal an und schreibt Bewerbungen. Sie hat sogar schon eine fast feste Zusage von Jaipur Rugs, einem großen Teppichhersteller. Jaipur liegt zwar in einem ganz anderen Teil des Landes, aber so sieht sie ihre Familie auch nur alle halbe Jahr ein Mal. Das sind schon komische Arbeitsverhältnisse in Indien.


25.09.2008 – Inder wissen nichts

Heute waren wir wieder eine Zweigstelle besuchen, Kulpi. Da es immer noch regnet wurde uns der Jeep zur Verfügung gestellt. Der Fahrer hat uns dann während der Fahrt erzählt, dass das Auto fast Schrott ist. Kupplung kaputt, Motor halb kaputt, Bremsen kaputt. In Indien ist eh die Hauptsache, dass die Hupe funktioniert. Tina, es geht ihr schon wieder besser, hat sich erst mal nach vorne gesetzt und angeschnallt. Hinten gibt es gar keine Sicherheitsgurte und der Fahrer benutzt eh nie einen. No risk, no fun sag ich da nur. Aber er meinte, er ist in 30 Jahren immer unfallfrei geblieben. Ich will das jetzt mal so im Raum stehen lassen.
Kulpi ist schon eine komische Zweigstelle. Es sind fast nur Händler vom Markt Kunden und irgendwie haben die alle einen riesigen Kredit bekommen. Bei den Frauengruppen ist ein erster Kredit von 4.000 bis 6.000 Rupien normal. Wir haben einen Mann besucht, der durch „spezielle Beziehungen“ zum Hauptquartier, sprich Mr. Mondal, einen ersten Kredit über 100.000 Rupien bekommen hat um damit ein Fernsehgeschäft zu eröffnen. Interessant ist, dass er erzählt hat, dass selbst auf dem Dorf jede Mittelstandsfamilie einen Fernseher besitzt. Und neuester Renner ist ein Pay-TV Paket für 3.000 Rupien im Jahr mit 200 Sendern.
Am Abend sind wir dann wiedergekommen und Bonani meinte ich solle mal meine Musik anmachen. Also habe ich ihr erst einmal eine Führung durch sämtliche Musikstile gegeben. Bis auf ihre indische Musik kennt sie nämlich nur Bob Dylan. Also habe ich ihr Reggae, Techno, Afrikanische Musik, Balkanpop, Schlager, Alternative und Hip Hop gezeigt. Unfasslich, dass sie davon nicht eine Musikrichtung kennt. Schlager fand sie übrigens am besten. Ich hab ihr Udo Jürgens vorgespielt. 17 Jahr, blondes Haar… Dann hat sie mich zur westlichen Kultur befragt. Wie das mit dem Alkohol ist und Sex vor der Ehe. Und ob man in Deutschland überhaupt Indien kennt. Ich glaube sie erfährt hier fast mehr über die westliche Kultur als ich über die indische. Wir haben dann noch High Fidelity, natürlich auf Englisch, angeguckt. Sie hat aber fast nichts verstanden und so mussten Tina und ich ihr immer alles erklären. Das nächste Mal gucken wir Terminator, da wird nicht viel gesprochen. Sie steht eh mehr auf Actionfilme. Besonders gerne mag sie Jackie Chan und Sylvester Stallone. Und ihr Lieblingsfilm ist Jurassic Park. Wenigstens kennt sie sich ein wenig bei westlichen Filmen aus. Ich kann ja mal versuchen einen neuen film runterzuladen. Dürfte nur etwa eine Woche dauern. Vielleicht hat Tina ja noch welche auf ihrem Laptop. Hab sie gar nicht gefragt.
Ach das beste war, dass Banani gefragt hat, ob ich das Wort Pornography kenne. Natürlich kenne ich das. Sie dachte, es wäre ein bengalisches Wort und Pornofilme eine indische Erfindung. Ich gab ihr den Ratschlag, doch mal danach zu googlen. Bin gespannt wie sie das Ergebnis aufnimmt.

Dienstag, 23. September 2008

The good, the bad & the queen - A soldier's tale

22.09.2008 – You can’t travel alone

Heute waren wir wieder eine Zweigstelle besuchen, Diamond Harbour. Wir sind alleine hingefahren, da keiner Zeit hatte und der Manager ganz gut englisch spricht. Wir sind erst mit der Rikscha nach Laxmikantapur, dann mit der Motorikscha nach Kulpi und dann mit dem Bus nach Diamond Harbour. Der Bus war sogar recht bequem, da es der staatliche Bus nach Kolkata war. Dafür ist der Fahrer aber gefahren wie ein Berserker. Eine Situation war besonders bemerkenswert. Es hatte begonnen in Strömen zu regnen und vor uns fuhren ein Bus und davor ein LKW. Der vordere Bus hat zum Überholen angesetzt und unser Bus hat sich gleich hintendran gehängt, ohne sehen zu können ob von vorne etwas kommt. In Indien gilt auf der Straße immer das Recht des Stärkeren. Es kam wie es kommen musste, von vorne kam uns ein Jeep entgegen. Also ist unser Busfahrer voll in die Eisen gestiegen, da aber so ein Bus auf nasser Fahrbahn mit 80 km/h einen etwas längeren Bremsweg hat, hat das nicht ausgereicht und der Jeep ist halb in den Graben gefahren um nicht voll erwischt zu werden. Der Busfahrer hat den Jeep noch wild angehupt und ist dann weitergefahren.
In Diamond Harbour angekommen regnete es immer noch. Ich bin aus dem Bus ausgestiegen und war klitschnass, noch bevor ich den Schirm öffnen konnte. Der Manager hatte schon eine halbe Stunde gewartet und fragte, ob wir etwa alleine gekommen wären. Das könnten wir doch nicht machen, da wir uns gar nicht auskennen würden und überhaupt. Wir mussten ihm dann erklären, dass wir schon alleine nach Kolkata und Ganga Sagar gereist sind. Da sind 30 Kilometer nach Diamond Harbour auch kein Problem. Nachdem wir wieder die Leute besucht hatten, darunter eine seit 21 Jahren geschiedene Frau, kaufte ich noch eine große Packung Chips. Irgendwie muss ich ja mal ein paar Kalorien zu mir nehmen. Jetzt sind wir wieder zurück und mal gucken was ich noch so mache. Eigentlich müsste ich mal wieder Wäsche waschen, aber bei dem Dauerregen trocknet das ja eher schlecht. Vielleicht morgen.


23.09.2008 – Sidd

Heute Morgen wurde ich um halb sechs geweckt. Es waren mal wieder Besucher über Nacht geblieben und die schliefen im Nebenzimmer. Da die Wände hier wohl nachträglich eingefügt wurden sind sie nicht gerade sehr dick und an einer Stelle am Fenster ist sogar ein Loch. So bekommt man alles mit, was im Nebenzimmer so abgeht. Und meine beiden Nachbarn meinten sie müssten jetzt einmal lautstark diskutieren. Um halb sechs Uhr morgens. Die haben manchmal echt einen Schaden hier. Nach einer halben Stunde wollte ich schon rüber gehen aber dann waren sie zum Glück fertig und ich konnte weiterschlafen. Jedoch nicht lange, da sie pünktlich um sieben anfingen ihre Lieder zu singen. Ich habe fast einen Nervenzusammenbruch bekommen. Da an Schlaf nicht mehr zu denken war, bin ich duschen gegangen und habe dabei auf voller Lautstärke die Rolling Stones gehört. Wenigstens war die Musik dann erträglich und nicht so ein gejaule wie von den beiden.
Am Frühstückstisch saßen die beiden uns dann gegenüber. Einer stellte sich als Sidd aus Mumbai vor. Er gibt irgendeine Entwicklungszeitschrift heraus, konnte sehr gutes Englisch sprechen und war eigentlich ganz nett. Der andere war ein Kerl aus Kolkata, der die Beiträge in Bengali übersetzt, sein Englisch war aber eher mäßig. Also haben wir uns mit Sidd unterhalten und Tina hat erst einmal den schönen Gesang gelobt. Ich war da zwar etwas anderer Meinung, aber das habe ich für mich behalten. Dann habe ich vorsichtig nachgefragt, wie lange sie bleiben würden und Gott sei Dank reisten sie heute Mittag schon wieder ab.
Auf der Arbeit habe ich noch festgestellt, dass ich Drucker reparieren kann. Bonanis Drucker hat nämlich immer die Seiten beim einziehen zerknüllt. Ich habe die Klappe aufgemacht, einmal reingeguckt, Klappe wieder zu und der Drucker funktionierte wieder. Ich glaube ich habe den magischen Druckerblick.
Dann habe ich noch den ganzen Tag versucht den Chef zu treffen, aber irgendwie ist der verschollen und keiner weiß so genau wo er hin ist. Dann eben morgen. Wäsche ist auch immer noch nicht, da es weiterhin regnet.