Freitag, 17. Oktober 2008

11.10. bis 13.10.2008 – Es neigt sich dem Ende zu

Tja die Tage plätschern hier so vor sich hin. Nichts Aufregendes ist passiert und so gibt es eine kleine Zusammenfassung. Den Samstag mussten wir erst einmal Schlaf nachholen und uns von den Durga Puja Feierlichkeiten erholen. In der Organisation waren auch alle etwas K.O. und so ist nichts Erwähnenswertes passiert.
Sonntag hat Tina an ihrem Video gearbeitet, da sie langsam etwas knapp mit der Zeit ist. Ich habe einen Plan zum Reisen aufgestellt. Er besteht daraus am Samstag um 22:05 mit dem Darjeeling Mail nach Siliguri zu fahren, was zehn Stunden dauert. Der Zug ist der Kategorie „Superfast“ zugeordnet, was bedeutet, dass der Zug es schafft in den zehn Stunden ganze 600 Kilometer zu fahren. Gut ein ICE würde das in dreien schaffen, dafür kostet mein Ticket im klimatisierten Schlafwagen nur 10€. In Siliguri muss ich aussteigen und dann noch mal zwei bis vier Stunden mit dem Bus oder einem Jeep nach Darjeeling fahren. Da werde ich wohl drei Nächte bleiben. Ich hoffe das Wetter bleibt so gut, dann fahre ich morgens mit den ganzen anderen Touristen auf den Tiger Hill, 2500m hoch und von da aus kann man den Sonnenaufgang über dem Himalaya beobachten. Vielleicht reise ich noch nach Sikkim weiter, wo der dritthöchste Berg der Welt, der Kanchenjunga und viele buddhistische Klöster liegen. Dann reise ich weiter westlich immer Richtung Delhi und guck mir an, was mir so auf dem Weg begegnet. Auf jeden Fall jedoch werde ich Halt in Varanasi und Agra machen. Eigentlich will, nein muss ich so viel angucken. Vom westlichen Himalaya über die Wüstenstädte Rajasthans runter zu den Stränden Goas. Aber in zwei Wochen ist das wohl nicht zu bewerkstelligen. Wer hat Lust nächstes Jahr mit mir wieder hierher zu kommen?
N achmittags habe ich noch versucht ein wenig zu schlafen. Es hat mal wieder nicht geklappt. Zuerst kam Tina rein und hat mein Klopapier geklaut, dann kam die Putzfrau und hat gefragt ob ich neues Wasser bräuchte und dann kam Depruschan. In meinem Zimmer ist es dunkel, es ist ruhig also denkt sich Depruschan „Dennis schläft wohl. Dann boller ich jetzt mal gegen die Tür, gehe rein und mache erst mal Licht an“. Gedacht, getan. Na Dankeschön. Er meinte dann, ob ich müde wäre. Selten solch eine blöde Frage gehört. Aber als er mir dann einen leckeren Snack brachte war ich halbwegs wieder versöhnt. Dazu legte er auch ganz dezent mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen meinen Nagelknipser, den ich seit vier Tagen vermisst hatte. An Schlaf war aber nicht mehr zu denken also las ich wieder im Reiseführer und schrieb endlich die Postkarten. Mal gucken wie lange sie brauchen.
Montag wurde schon wieder das ganze Dorf mit Musik beschallt. Morgen steht die nächste Puja vor der Tür. Schöner kann die letzte Woche eigentlich nicht sein, als noch einmal mit einem Fest. Außerdem hat Huub angerufen. Er kommt am Mittwoch mit Dhawan her um sich mal ein wenig über Mikrofinanzen zu informieren. Wir besuchen mit den beiden noch mal eine Zweigstelle und abends geht es dann wohl nach Laxmikantapur. Da können wir uns die Haare schneiden lassen, zumindest ich und ein wenig shoppen. Auf dem Dorf macht es mehr Spaß als in Kolkata, vor allem da man hier nicht an jeder Ecke übers Ohr gehauen wird. Apropos shoppen, der Lieblingseinkaufladen von Tinas Mutter ist: ALDI. Huub und Dhawan bleiben über Nacht und dann fahren sie am Donnerstag wieder.
Monsunzeit ist jetzt endgültig vorbei. Seit Tagen strahlt die Sonne bei 33 Grad und kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen. Die Luftfeuchtigkeit ist aber wegen der ganzen Reisfelder immer noch so hoch und morgens bei Sonnenaufgang ist die ganze Welt in dicke Nebelschwaden gepackt. So jetzt ist es doch etwas mehr geworden. Mal gucken was es morgen von der Puja zu erzählen gibt.


14.10.2008 – Feuerwerk

Sie suchen den absoluten Nervenkitzel? Ihnen macht es nichts aus mal einen Finger oder eine ganze Hand zu verlieren? Sie können sich nichts Schöneres vorstellen, als taub und blind zu sein? Europäische Sicherheitsstandards kotzen Sie an?
Dann kommen Sie nach Indien und kaufen sie Feuerwerkskörper. Nicht diese billigen polnischen Teile oder gar chinesisches Panschzeug. Hier bekommen Sie das Letzte vom Letzten. Wir garantieren eine Zündzeit von, aufgepasst! Nicht zwei Sekunden, nicht einer, nein nach nur einer h a l b e n Sekunde explodiert hier alles. Und um die Spannung zu erhöhen haben wir manchmal ein paar nette Spätzünder eingebaut. Also fackeln sie nicht lange, fackeln sie lieber sich selber ab.

Was sich jetzt lustig anhört ist die reine Wahrheit. Wir haben heute Laxmikantapur besucht um ein wenig einzukaufen. Schokolade, indische Snacks, neues Shampoo und Tinas umgenähtes indisches Outfit, es hat jetzt Ärmchen. Da gingen wir an ein paar Ständen mit Feuerwerk vorbei. Tina war gleich hin und weg. In Australien ist privates Feuerwerk nämlich aus unerfindlichen Gründen verboten. Was wäre denn Sylvester bitte ohne Feuerwerk? Ist das eigentlich ein heidnischer Brauch? Und kommt der Name Heiden von der Heidelandschaft???
Aber weiter im Text: Da wir keine Ahnung hatten kauften wir einfach mal von allem etwas. Es war eines gefährlicher als das andere. Raketen flogen in alle Richtungen oder waren zu schwer um abzuheben (Wer konzipiert so etwas?) Böller explodierten fast zeitgleich mit dem Anzünden und Teppichknaller hatten immer ein paar Spätzünder, die noch nach einer halben Minute explodieren konnten. Wir haben uns dezent zurückgezogen und die Inder machen lassen. Vor allem Banani war total begeistert und hat schön mitgefeuert. Zum Glück ist nichts passiert, aber ich würde gerne wissen, wie viele Leute in Indien jedes Jahr verletzt werden.


15.10.2008 – Kricket

Heute Mittag sind Huub und Dhawan angekommen. Eigentlich wollten wir nachmittags eine Zweigstelle besuchen, aber Anustee hatte keine Zeit, so dass das auf morgen verschoben ist. Dafür haben Huub, Dhawan und ich einen Spaziergang durchs Dorf gemacht. Wir trafen auf ein paar Jugendlich, die Kricket gespielt haben und so versuchten auch wir unser Glück. Huub hat den Ball am Anfang zu hart weggeschlagen, so dass zwei Kricketbälle im Teich landeten. Kricket ist gar nicht so leicht, aber es hat Spaß gemacht. Wir wechselten uns mit schlagen und werfen ab und verbrachten wohl eine Stunde dort. Danach sind wir weiter, weil die beiden das Dorf so schön fanden. Dhawan ist in seinen zwanzig Lebensjahren noch nie auf dem Dorf gewesen sondern hat immer in der Stadt gewohnt und ist nie dort herausgekommen. Was für eine Vorstellung, dass es bestimmt viele Menschen gibt die ihr ganzes Leben nichts anderes sehen als diesen Moloch von Stadt.
Abends wollten wir eigentlich nach Laxmikantapur aber wir haben zwei Stunden am Teich gesessen und uns unterhalten. Danach haben die drei das Video angeguckt und ich nach Zügen nach Darjeeling gegeuckt. Mir war nämlich aufgefallen, dass der Darjeeling Mail eine Warteliste von 250 Leuten aufweist. Also schauten wir sämtliche Alternativen durch, doch der einzige Zug der noch eine annehmbare Warteschlange von 12 Leuten hatte wäre um zwei Uhr nachts dort angekommen. Ich war schon am überlegen, ob ich einen Bus dorthin nehme doch dann viel mir eine kleine Einstellung auf, bei der man für Ausländer gucken konnte. Für Samstag sind noch alle Plätze frei, Glück gehabt. Ich fahre jetzt Schlafwagen ohne Klimaanlage, da wir ja nachts fahren und es sich doch schon gut abkühlt. Das kostet mich jetzt noch ganze 4€ für die Fahrt.
Danach rief Samu, ein Kerl aus dem Dorf an und meinte es wäre ein Kricketmatch am Laufen und wir sollten hinkommen. Also gingen wir hin um uns Kricket anzugucken. Das ganze Dorf stand um den Platz herum und mit zwei Stromgeneratoren hatten sie sogar Halogenstrahler zum Laufen gebracht. Kricket ist jetzt nicht wirklich mein Sport und steht auf meiner Erregungsskala zwischen Rhönrad und Hallenhalma. Die Inder waren jedoch total begeistert und haben die lokale Mannschaft frenetisch gefeiert. Nach drei Partien konnte ich die anderen endlich davon überzeugen wieder zurückzugehen, da mir doch sehr langweilig wurde.
Wir haben dann noch bis zwanzig vor eins zusammen mit Banani den neuen Film mit Ben Stiller geguckt, irgendwas mit Z. Er war ganz annehmbar doch Dhawan und Huub sind eingeschlafen und Banani konnte über den Humor nicht lachen. Die einzige, die ihn wirklich gut fand war Tina. Wenigstens waren wir alle müde und können jetzt schön schlafen gehen.


16.10.2008 – Das letzte Mal

Heute haben wir mit Huub und Dhawan das letzte Mal eine Zweigstelle besucht. Wir fuhren morgens nach Krishnachandrapur und besuchten zuerst ein Gruppentreffen, wo wir den Frauen ein paar Fragen stellen konnten. Danach gingen wir noch zu einigen Frauen nach Hause, wo sie uns zeigten, wie sie Saris besticken. Auch bei einem kleinen Familienunternehmen das Kleidung herstellt waren wir. Selbst der 12-jährige Sohn schneidert schon gekonnt an Oberteilen herum. Die beiden waren sehr beeindruckt einmal von der Arbeit der Menschen und dann davon, dass wieder 100 Leute um uns herumstanden. Es ist schon lustig, ich kann sozusagen mich selber bei meinen ersten Besuchen beobachten. Zum Mittagessen waren wir wieder zurück und bald danach verließen die beiden uns auch. Ich verbrachte den Nachmittag damit, Sachen für meine Reise zu organisieren und abends fuhr ich mit Banani nach Laxmikantapur um eine schöne Sari zu kaufen. Ich dachte, dass das bei mir nicht so lange dauern würde, aber bei den ganzen schönen Saris muss selbst ich eine Weile überlegen. Aber mit Bananis Hilfe habe ich dann doch die schönste gefunden. Danach ging es noch zum Friseur. In Deutschland geht das ja recht schnell bei mir, einmal mit der Maschine rüber und gut. Hier wird alles mit einer Schere geschnitten und so dauerte das Ganze dann etwa 20 Minuten. Banani war in der Zwischenzeit einkaufen gegangen und als sie wiederkam bekam ich gerade eine Massage, die jeder bekommt, der lange auf dem Stuhl sitzt. Eine sehr komische Massage war das, mit Finger einrenken, auf den Kopf klopfen und Arm ausschütteln, aber was macht man hier nicht alles mit. Gekostet hat es ganze 25 cent. Jetzt bin ich aber müde und muss schlafen. Morgen ist mein letzter Tag hier und es sind noch einige Sachen zu organisieren.

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