Freitag, 29. August 2008
Falco - Der Kommissar
Dort bin ich zwar nicht ganz, aber auf dem höchsten Punkt meiner überschaubaren Welt hier, dem Dach des VSSU Gebäudes. Erwähnte ich bereits, dass ich dieses Land liebe? Um mich herum blitzt es ohne Ende. Im Norden, Osten und Süden tobt ein riesiges Gewitter und ich sitze hier bei einem lauen Lüftchen und schreibe den Blog. Ein grandioses Naturspektakel. Aber ich beschreibe es einfach mal. Ich sitze hier auf dem Dach und es ist wunderbar friedlich. Die Felder liegen im Dunkeln, man kann sie nur noch erahnen. In der Ferne zeichnen sich die Bäume als dunkle Schatten ab. Eine erfrischende Brise weht von Norden her um mich. Die einzigen Geräusche, die ich vernehme sind Grillenzirpen, Froschquaken, gedämpfte Stimmen von unten und aus der Ferne das Grollen des Donners. Das Gewitter wandert langsam auf mich zu doch noch ist es weit entfernt. Blitze erhellen von Zeit zu Zeit den gesamten Himmel. Ich denke es wird das erste richtige Monsungewitter werden, das ich erlebe. Langsam wird der Wind stärker und vereinzelt fallen Tropfen, doch noch kann mich nichts von meinem Dach vertreiben. Ich bleibe und genieße, so lange es nur geht.
Nun hat mich doch ein Blitz in geschätzten drei Kilometern Entfernung vom Dach verjagt und ich stehe unter einem Dach und beobachte wie sich das Gewitter langsam über uns zusammenbraut. Es wird zunehmend stärker und die Einschläge nehmen immer mehr zu. Ich habe Maria und Tina aufs Dach geholt. Es schüttet wie aus Kübeln doch das Zentrum ist noch nicht angekommen.
Jetzt, eine Viertelstunde später sind wir mitten drin. Es blitzt und donnert ohne Unterlass. Überall schlägt der Blitz ein. Maria und ich stehen wie gebannt am Fenster um einen Blick auf einen zu erhaschen doch es regnet so stark, dass es mehr als taghell wird und kurz darauf ein ohrenbetäubender Knall folgt, man den eigentlichen Blitz aber gar nicht mehr erkennt. Maria hat sich einen Stuhl geholt, die Füße aufs Fensterbrett gepackt und genießt das Ganze, jubelt bei jedem Einschlag in der Nähe. Sie ist schon etwas verrückt. Tina, die so etwas aus Australien gewohnt ist liegt im Bett und schläft schon halb. Ich liege auch im Bett und muss diese Zeilen noch loswerden. In der Zwischenzeit ist mal wieder der Strom ausgefallen, auch der Generator hat versagt. Gut, dass es sich abgekühlt hat und ich keinen Ventilator brauche und mein Laptop einen Akku hat.
Wie lange wohl so ein Gewitter gehen mag? Es dauert nun schon über eine Stunde an und noch immer schlagen in der Nähe Blitze ein. All die Armen Menschen hier, die kein Dach über dem Kopf haben. Schon unser Flur ist überschwemmt, wie mag es da sein, wenn man schutzlos draußen kauert und hofft, dass es endlich vorbei ist? Ich werde morgen vom heutigen Tage berichten. Jetzt kann ich nicht weiter schreiben.
Nachtrag:
Also ich bin heute Nacht um halb 4 einmal wach geworden und da war das Gewitter immer noch nicht vorbei. Aber nun zum eigentlichen Tag. Er begann wie immer und ich habe ein Praktibooklet zusammengestellt, da ich mir dachte, dass es für neue Leute ganz gut wäre gleich einen Überblick zu haben anstatt sich von 5 verschiedenen Leuten die Sachen zu besorgen. Besonders Fotos mit Namen sind wichtig, wie ich ja aus eigener Erfahrung weiß. Und Maria haben wir eingearbeitet.
Eine verrückte Frau. Sie ist 35, unverheiratet und lebt in Madrid. Im Moment ist sie auf einer Reise rund um die Welt und hier, weil ein Freund von ihr ein Freund von Mr. Mondal ist (Ein Mikrofinanzkerl aus Bangladesh) So wird sie uns hier also nur drei Wochen mit ihrer Anwesenheit beehren, dann fliegt sie weiter auf die Philippinen, nach Sydney, Brisbane, Neuseeland, Hawaii, Nordamerika und was weiß ich wohin noch. Sie ist sehr, sehr offen, fröhlich und einfach total aufgedreht. Aber sie hat Ahnung von der Materie. Und sie hat so ihre Probleme mit der englischen Sprache. Als ich von Mr. Mondal sprach hat sie gefragt, welche Samantha ich denn meinen würde. Aber wir verstehen sie schon und ich übersetze für sie manchmal ins richtige Englisch, wenn sie mal wieder Tinas oder den indischen Akzent nicht versteht. Außerdem hat sie panische Angst vor jeglichen Insekten. Sie ist fast gestorben, als ich eine Gottesanbeterin im Zimmer entdeckt habe und dann auch noch ein Grashüpfer durch Zimmer flog. Wie hat sie bisher die Weltreise überlebt?
Gegen Abend kam dann der Chef und fragte, ob wir mit ihm den Schuldirektor der neu eingeweihten Schule besuchen wollen. Natürlich wollten wir. Also sind wir schon mal raus und Mr. Mondal wollte gleich nachkommen. Solange wir gewartet haben, hat der Fahrer den Jeep schon mal angemacht und 3 Minuten volle Pulle Gas gegeben, damit die Klimaanlage kalt wird. Kann man mal machen, wenn der Wagen kalt ist, ist auch gar nicht umweltschädlich oder verbraucht Unmengen Benzin. Als wir dann eingestiegen sind wurden alle Fenster aufgerissen und die Klimaanlage ausgeschaltet. Manche Dinge versucht man erst gar nicht zu verstehen. Wir haben dann einen kleinen Stopp an der Bibliothek eingelegt, damit Maria diese auch einmal besichtigen kann. Währenddessen war eine Gruppe kleiner Kinder am Singen, irgendwelche hinduistischen Lieder über Mönche und die 100 Götter die sie hier haben. Aber sehr niedlich die kleinen.
Dann sind wir zum Rektor gegangen, mit dem wir erst ein bisschen Smalltalk betrieben. Wenig später ging aber schon, da Menschen aus 3 Kontinenten zusammensaßen, eine Diskussion über die Unterschiede der Kulturen los. Auch die Frau vom Rektor war da, eine Geschichtslehrerin. Wir haben uns über alles mögliche Unterhalten, von der Korruption in Indien und den verschiedenen Schulsystemen über das Wetter und AIESEC bis hin zum Kommunismus in West Bengalen. Und so gingen 1 ½ Stunden viel zu schnell vorbei und unser Essen wartete zu Hause. Vorher versprachen wir aber noch auf jeden Fall wiederzukommen um die Diskussion weiterzuführen. Die Frau möchte gerne etwas über deutsche Geschichte wissen, weil sie schon so viel davon gehört hat, von Bismarck bis zur Wiedervereinigung. Wer war Geschichts-Leistungskurs und schickt mir eine Kurzzusammenfassung? Außerdem sollen wir zu den Kindern in die Klassen und denen ein paar Bilder von zu Hause zeigen, wie es so in den anderen Ländern aussieht, auch wenn die kleinen noch kein Englisch können, aber Bilder sagen ja auch manchmal mehr als Worte. Ich werde auf jeden Fall sehr gerne hinkommen. Dann fuhren wir wieder nach Hause, wo das super leckere Abendbrot und das bereits erwähnte Gewitter folgten. Tina und ich schmieden einen Plan wie wir ein Schwein entführen und auf den Reisfeldern Spanferkel machen. Wir brauchen eine Rikscha, einen Knebel, Feuerholz und jemanden der sich mit Spanferkel auskennt. Und töten muss ich es auch nicht unbedingt, das kann Tina machen. Wo gibt es hier überhaupt Schweine?
Oh und das Problem mit den Ameisen konnte gelöst werden. Hier gibt es so eine Magic Chalk, also Wunderkreide die die Ameisen vergrault. Keine Ahnung was für Chemikalien da drin sind, soll mir auch egal sein, ich benutze sie nicht. Die Inder machen immer ihre Späße damit. Wenn man einen Kreidestrich zieht symbolisiert das die Indisch-Pakistanische Grenze. Die Ameisen sind natürlich auf der pakistanischen Seite. So lange sie auf ihrer Seite bleiben, passiert ihnen nichts, aber wehe einer überquert unerlaubt die Grenze, dann folgt sofort die Vergeltung der Inder in Form einer Schuhattacke. Mit diesem höchst indischen Witz werde ich den heutigen bericht auch abschließen.
29.08.2008 – Wie kalt es sein kann
Ich bin irgendwie schon zu akklimatisiert. Nach dem gestrigen Gewitter haben wir heute nur noch 26 Grad, es ist windig und regnet ab und zu, wobei Regen das falsche Wort ist. Gestern sind bestimmt 50 Liter auf den Quadratmeter runtergekommen. Ich hab das mal gefilmt. Auf jeden Fall fand ich es heute etwas frisch und so trug ich zur sowieso immer langen Hose noch ein langärmeliges Hemd. Bei 26 Grad, ohne zu schwitzen. Unfasslich so was. Bitte kauft mir eine Heizkanone und einen Raumbefeuchter für den November. Ich möchte mein Zimmer bei 90% Luftfeuchte und 32 Grad vorfinden. Nachdem es mit dem Ausflug heute Morgen wegen anhaltenden Regens nichts geworden ist, gingen wir ganz normal ins Büro. Da weder der Strom noch der Generator gingen gab es auch keine Musik zum mitgröhlen. Der Generator funktioniert übrigens glücklicherweise wieder. Wenn er das nicht täte wäre es auch doof, da bis auf zwei Stunden heute Vormittag kein Strom hier ankommt. Ich habe den Vormittag am Praktibooklet weitergearbeitet, Tina hat mal wieder ein Umfassende Internetrechercher durchgeführt (Das braucht bei diesen Ladezeiten schon den ganzen Vormittag) und Maria wollte die Bibliothek besuchen. Bis dahin ist sie aber nicht gekommen, weil sie im Dorf eine Frau getroffen hat und sich mit Händen und Füßen mit ihr unterhalten hat. Maria wurde dann auch spontan zu ihr nach Hause ins Nahbardorf eingeladen. Die Familie, des Englischen oder Spanischen nicht mächtig und Maria, des Bengali nicht mächtig haben sich dann über Bilder unterhalten. Die Frau ist schon ein kleines Phänomen.
Nach dem Mittag waren wir beim Chef, er hat uns großzügig erklärt, dass jeder Angestellte im Jahr 72 Tage Urlaub hat. Dabei zählt er doch tatsächlich Sonntage als gewährten Urlaub... Weiter ging es dann wieder in eine Zweigstelle, Dhola, die neun Kilometer entfernt kiegt. Da wir unseren Bus verpasst haben, sind wir mit der Rikscha gefahren. Das mag ich sowieso viel lieber. Einem weht ein laues Lüftchen um die Nase, es macht keinen Krach und man sieht viel mehr. Pünktlich zu unserer Ankunft zog ein Gewitter herauf und der Strom fiel aus. Wir haben uns erst mal mit der Belegschaft unterhalten und die Daten der Leute eingesehen, die wir besuchen sollten. Dieses Mal ging es zu erst zu einem Schmied. Es ist der Wahnsinn das hier zu sehen, Arbeitsmethoden wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Er stellt kleine Handwerkzeuge wie Sicheln her. Das Metall wird in einem mit Handblasebalg belüfteten Kohlefeuer erhitzt und dann mit dem Hammer bearbeitet. Zum Schluss kommt es auf die elektrische! Schleifmaschine, die wegen Stromausfall natürlich nicht funktioniert hat. Nur so viel, vor dem Kredit haben 4 Leute von 50 Rupien (80 Cent) am Tag leben müssen. Keine Ahnung wie die überhaupt am Leben geblieben sind. Jetzt machen sie einen Gewinn von 250 Rupien am Tag. Danach waren wir bei einer Frau, die, man höre und staune, ein Kosmetikstudio aufgemacht hat. Auch Indiens Landbevölkerung will die Vorzüge von Maniküre und Petiküre nicht missen. Zu guter Letzt suchten wir noch einen Mann auf, der Puffreis verkauft, ein boomendes Geschäft in Indien. Er ist schon seit 10 Jahren Kunde bei VSSU und quasi Monopolist in den umliegenden Dörfern. Wöchentlich verkauft er Puffreis im Wert von 40.000 Rupien. Keine Ahnung wie viele Tonnen Reis das sind. Zum Abschied hat er uns einen großen Beutel voll geschenkt.
Zum Dorf selber, es ist recht schmutzig wie die meisten Dörfer und Städte in Indien. Es gab einen Fischmarkt, den man 5 Meilen gegen den Wind riechen konnte. Es hat erbärmlich gestunken. Ich schätze der Fisch hat dort schon seit morgens gelegen, ungekühlt bei 28 Grad und 80% Luftfeuchte mit einem Dutzend fliegen pro Fisch, aber die Leute haben munter gekauft. Ich sehe unseren Fisch, den man uns zum Mittag und Abendbrot serviert jetzt mit anderen Augen. Außerdem leben in dem Dorf 96% Muslime, doch außer, dass die Frauen ihre Sari auch auf dem Kopf tragen habe ich keinen Unterschied feststellen können. Hier leben Hindis und Muslime friedlich Tür an Tür. Ich glaube es liegt daran, dass sich die Menschen hier nicht vorrangig mit ihrer Religion, sondern ihrer Kultur identifizieren. Und die ist bei Muslimen und Hindus die gleiche, denn sie sind Bengalen, sprechen die gleiche Sprache und schreiben die gleichen Buchstaben. Außerdem leben Hindus und Muslime seit der türkischen Invasion im 13. Jahrhundert hier zusammen.
Nachdem wir fertig mit den Interviews waren, war es auch schon sechs und wir sind mit dem Bus nach Hause. Aber von der Bushaltestelle zu VSSU hat sich kein Rikschafahrer mehr gefunden, der uns fahren wollte. Die haben alle vor dem Fernseher gesessen und sich unterhalten. So mussten wir zu Fuß gehen, aber es hatte zum Glück aufgehört zu regnen. Tina und ich haben einen neuen Plan, wir nehmen ein Lamm. Das ist zwar niedlicher als ein Schwein, aber leichter zu entführen. Wir machen einen schönen Lammbraten mit Kräuterkruste. Wir denken zu viel ans Essen.
Noch zwei Interessante Ereignisse aus der bengalischen Geschichte. Die größte Hungersnot der Welt, bei der 1/3 der Bevölkerung verhungert sind hat hier im 18. jahrhundert stattgefunden und 1943 sind nochmals 3 Millionen Menschen verhungert. Aber jetzt hat auch West Bengalen eine moderne Landwirtschaft und kann sogar Essen exportieren, obwohl auf 1/3 der deutschen Fläche genauso viele Menschen wohnen. Ganz schön fruchtbar hier.
Es ist schon wieder ein heftiges Gewitter im Anmarsch. Blitzen tut es schon seit wir um sechs losgefahren sind, aber jetzt ist es da und es gießt schon wieder. Wehe das Wasser fließt vom Flur wieder in mein Zimmer. Ein schönes Wochenende wünsche ich euch allen.
Mittwoch, 27. August 2008
fine young cannibals - good thing
26.08.2008 – Endgültig erlegen
Ja ich bin ihm erlegen, dem Zauber dieses Landes. Heute waren wir die erste Zweigstelle besuchen um Fallstudien durchzuführen. Es war wunderbar indisch und wunderbar aufregend. Aber der Reihe nach. Es sollte ja eigentlich um 7 losgehen. Abends gab es aber noch eine Planänderung also neue Startzeit 8 Uhr. In Indien ist 8 aber nicht gleich 8, so dass wir 20 vor 9 mit der Rikscha nach Lakshmikantapur gefahren sind und von dort mit dem Zug weiter. Es ging in das Dorf Kakdwip. Die Zugfahrt dauerte eine oder anderthalb Stunden, Zeit ist hier ja irrelevant. Der Zug war auch nicht sehr voll, fast alle hatten Sitzplätze. Aber diese Züge sind schon erstaunlich. Man kann sein ganzes Leben in ihnen verbringen, denn es wird alle verkauft: verschiedene Speisen, Getränke, Snacks, Süßigkeiten, Zahnpasta, Haarspangen, Spielzeug und noch so einiges mehr.
In Kakdwip stiegen wir aus und auf die nächste Rikscha, die uns zur Niederlassung brachte. Der nette Manager hat uns erst mal einen Tee machen lassen und dann haben wir die neuesten Berichte begutachtet. Die haben mindestens eine Tonne Papier da herumfliegen. So viele Ordner und so viel eingetragen. Als wir die Kreditgeschichte einer Frau wissen wollten, haben sie doch tatsächlich eine halbe Stunde suchen müssen um zwei Ordner zu finden. Und wo die überall gesucht haben. Ein Computer würde ja einiges erleichtern, aber man muss die fünf Leute ja auch beschäftigen
Danach ging es zu einem so genannten Centre. Das ist ein Zusammenschluss von mindestens fünf Gruppen, die aus je mindestens fünf Frauen bestehen. Wir begaben uns in eine Lehmhütte und sahen uns 20 von ihnen gegenüber. Wir haben sie dann gebeten ein wenig zu erzählen, wie es ihnen mit dem Kredit geht und wie es ihnen vorher ging, wie viele Kinder sie haben, was sie arbeiten etc. Es war eine sehr lustige Runde. Ich habe Fragen gestellt, Anustee hat sie übersetzt und Tina gefilmt. Nachdem die Frauen gefragt hatten, ob wir ein Pärchen seien und sich alle köstlich darüber amüsierten, war das Eis auch gebrochen. Ich habe ein paar schöne Fotos gemacht. Aber mit dem hochladen ist das hier so eine Sache. Ich versuche es morgen mal. Toll ist, dass diese Menschen zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kamera oder Videokamera sehen. Tina musste zurückspulen und das Video vorführen. Es war so lustig, weil es für die Leute so neu war und sie alle über sich selber lachen mussten.
Danach sind wir weiter zu einer Frau aus dem Zentrum und haben sie speziell befragt, was sie mit dem Kredit macht und wie er ihr weitergeholfen hat. Da wir an der Küste waren (glaube ich, es war auf jeden Fall Wasser da) leben die meisten vom Fischfang. Die Frauen verdienen ihr Geld durch das herstellen von Netzten, welche sie dann an die Fischer verkaufen. Ein Netz dauert einen Monat und pro Elle bekommen sie fünf Rupien. Diese Frau konnte durch die Kredite zum Beispiel Mehr Netze herstellen, ein Fischerboot mit ihrem Mann kaufen und etwas sparen, womit sie jetzt ein Haus aus Stein bauen. Wir wurden noch zum Tee eingeladen, was aber ewig dauerte. In der Zwischenzeit haben wir Fotos und Videos gemacht und den Leuten dann gezeigt. Ich habe ein wunderschönes vom Mann der Frau mit seinem Hund. Er hat sich riesig gefreut, dass er mit seinem Hund auf einem Foto verewigt ist, sei es auch auf der Kamera eines deutschen Praktikanten. Nachdem wir endlich Tee bekommen hatten verabschiedeten wir uns, da es schon Mittagszeit war. Wir fuhren zurück in die Zweigstelle und bekamen, na was wohl, Reis, Fisch, Kartoffeln aber auch ein paar Tomaten- und Gurkenscheiben. Gesättigt traten wir den Weg zum nächsten Klienten an. Er ist Inhaber mehrerer Läden, die Tee und Süßigkeiten verkaufen. Angefangen hat er mit einer Teestube mit einem Tisch und zwei Stühlen. Nun besitzt er drei Geschäfte und macht jeden Monat mächtig Gewinn. Und das nur, weil er mit den Krediten sein Geschäft immer weiter vergrößern konnte. Hier ist das verrückt. Du machst einen Laden auf und mit einem zweiten kannst du auch doppelt so viel verdienen weil einfach eine riesige Nachfrage da ist.
Da wir ihn mitten auf dem Markt besuchten, kamen wir natürlich an vielen Leuten vorbei. Es ist schon belustigend, dass einen alle anstarren, besonders die Kinder. Manche sind ganz verwegen, rufen einem ein „Hello“ zu und freuen sich wie die Schneekönige, wenn man antwortet. Sowieso ist immer da, wo wir für einige Zeit verweilen, ein Menschenauflauf, weil alle die weißhäutigen Fremden angucken wollen. Auf der Straße sind uns dann drei Männer, Hand in Hand gehen entgegen gekommen. Ich musste schon etwas grinsen aber dachte mir dann, dass es ja in Indien etwas Normales und ein Zeichen der Freundschaft ist. Nachdem wir den Mann verlassen hatten, sind wir zuerst mit dem Bus wieder zurück gefahren. Die Sitze waren recht bequem, was man von der Straße nicht behaupten kann. Dafür, dass sie eine Hauptverkehrsstraße darstellen soll, ist sie in einem extrem schlechten Zustand. Schlagloch reiht sich an Schlagloch und zwei Busse passen nicht auf der Straße aneinander vorbei sondern müssen auf den Rand ausweichen. Aber wir hatten einen Fensterplatz und haben viel gesehen. In irgendeinem Dorf sind wir umgestiegen, da wir weiter nach Lakshmikantapur wollten. Also das erstbeste Gefährt, eine Motorikscha bestiegen und ab ging die Post. Wirklich erstaunlich, dass in so ein Gefährt, in Deutschland wäre es für vier Leute zugelassen, in Indien neun reinpassen. Etwas unbequem aber was soll man machen. Vorne saßen vier Leute, einer hatte den Fahrer auf dem Schoß und hinten wir drei mit einer Mutter und ihrem Kind. Ich glaube mit unserem VW-Bus würden die hier locker 20 Leute mit Gepäck befördern.
In Lakshmikantapur angekommen, haben wir die nächsten Süßigkeiten gekauft, die wir noch nicht probiert haben (Wir können noch zwei Mal hingehen und haben noch nicht alles durch) Dann auf die Rikscha und ab nach Hause. Die ganze Reise hat übrigens etwa vier Euro für drei Personen gekostet. Um sieben waren wir wieder hier angekommen und haben erst mal geduscht, da heute etwa 33 Grad bei 90% Luftfeuchte mit Sonnenschein waren. Dann gab es Abendbrot. Tina ist auch langsam am verzweifeln. Sie hat mich gefragt, ob ich meine, dass es das Essen jetzt die nächsten acht Wochen geben wird. Jetzt haben wir eine Verabredung mit den Süßigkeiten auf dem Dach. Ich könnte noch so viel erzählen… Ich hoffe ich kann demnächst die Bilder sprechen lassen. Also mach’s gut, Knut.
27.08.2008 – Ameisenalarm
Nicht bei mir, sondern bei Tina. Bei mir sind natürlich auch welche, aber die haben ihre Hauptverkehrsroute nicht über mein Bett gelegt. Meine krabbeln nur bis zum Mülleimer in dem das Papier von den gestrigen Süßigkeiten (wieder 3000 Kalorien mehr) liegt. Hab ihn an einen strategisch günstigen Punkt weit weg meines Bettes gestellt. Deswegen hab ich keine Probleme.
Ansonsten haben wir heute den schlimmsten Stromtag bis jetzt. Er ist bestimmt schon zehn Mal ausgefallen und der Generator läuft eigentlich ununterbrochen. Ich habe irgendwo gelesen, West Bengalen erzeuge so viel Strom, dass sie den ins übrige Indien exportieren können. Vielleicht sollten die weniger exportieren und hier erst mal ein vernünftiges Netz aufbauen.
Auf der Arbeit haben wir heute die Case Studies erstellt. Das heißt Tina hat eine gemacht, ich die andere. Dann haben wir getauscht und ich habe bei Tina ergänzt und sie ein paar sachen bei mir umformuliert und ergänzt. Dann haben wir wieder getauscht und umgestellt. Sind jetzt bei Version 3 angekommen und ich denke, die kann jetzt noch übersetzt werden und dann sind unsere ersten zwei fertig. Weiterhin haben wir uns näher mit der wirtschaftlichen und politischen Situation hier auseinandergesetzt und unseren Fragebogen für die Case Studies überarbeitet. Wir wollen jetzt eine kleine repräsentative Studie daraus machen, die auch noch von nachfolgenden Praktikanten weitergeführt werden soll. Dann haben wir das alles noch einmal von Aparna, der älteren Dame, die schon so viel gereist ist, checken lassen. Die kennt nämlich die Tricks und anstatt der Frage „Können sie sich gute Kleidung leisten?“ steht da jetzt die Frage „Können sie sich eine neue Sari für das Durga Puja (Großes wichtiges hinduistisches Fest in Indien) kaufen?“ Die Inder können nämlich mit vielen abstrakten Fragen nichts anfangen und brauchen konkrete Bezüge zu ihrem Leben.
Ansonsten ein ereignisarmer Tag. Nachher kommt noch Maria an. Sie hat um zwei angerufen, sie möchte um fünf in Kolkata vom Flughafen abgeholt werden. Sie scheint sich nicht so mit Indien auszukennen, sonst würde sie wissen, dass die 60 Kilometer von Ullon nach Kolkata Flughafen mindestens 3 ½ Stunden sind. Der Flug von Delhi nach Kolkata dauert nur gut 2 Stunden für 1500 Kilometer. So ist das hier in Indien.
Oh und zum Abendbrot gab es etwas Neues. Wir wissen nicht was, aber ich tippe auf Hühnerleber. Egal was es war, es war Abwechslung und es hat geschmeckt. Tina und ich haben heute eine Liste mit Sachen gemacht, die wir essen wollen, wenn wir nach Hause kommen. Nummer eins bei mir: Gemüsesuppe mit viel Rindfleisch und Mettklößchen. Bitte für den 02.11. notieren, Mama! Ihre Nummer eins: Steak mit Kürbis, Kartoffeln und noch etwas komischen. Australier eben. Ich hoffe ich habe mit Maria wenigstens einen Menschen, der vernünftige Vorstellungen von Essen hat.
So eigentlich war das schon alles. Reicht ja auch nach dem ausführlichen Bericht gestern (Mir ist noch so viel eingefallen) Tschösen
Montag, 25. August 2008
Kotterschabo
Dieser Spruch steht an fast jedem Gefährt auf den Straßen hier (Also Rikschas und Busse) und er ist so wahr. Aber der Reihe nach. Nachdem Tina um halb 12 zu Bett gegangen war, schrieb ich noch den Blog. Sie hat mich übrigens über diese Riesenkäfer aufgeklärt, die es hier gibt. Es sind keine Käfer sondern sie nennen sich Kakerlaken. Hab noch nie eine gesehen, aber jetzt weiß ich wie sie aussehen. Die werden jetzt konsequent mit dem Schuh bearbeitet.
Um halb 1 fiel der Strom aus. Großartig, wie soll ich ohne Ventilator hier einschlafen? Den Generator hat auch keiner angemacht, weil der ja so laut ist. Also habe ich ein wenig mit der Taschenlampe gelesen. So um 2 Uhr rum, Strom gab es immer noch nicht, hörte ich ein fauchen vor meinem Fenster. Das Fenster steht immer ganz auf, damit wenigstens etwas Luft reinkommt und nur die Gardine ist vorgezogen. Ich dachte zuerst an einen Fuchs oder so etwas, aber das Fauchen war sehr nahe am Fenster, sozusagen direkt hinter der Gardine. Also habe ich meine Taschenlampe genommen, todesmutig den Vorhang bei Seite gezogen und erblickte eine wunderschöne, große, schneeweiße Eule. Ich musste sie erst einmal eine Minuten genau betrachten, sie mich auch und dann wollte ich gerade den Fotoapparat holen, da flog sie weg. Schade aber sie kommt bestimmt wieder. Ich werde auf der Lauer liegen. Pünktlich um 7 bollerte es dann an meine Tür und die Nacht war vorbei. Ich ging duschen und Frühstücken. Tina lag noch bis 9 im Bett. Warum wecken die nur mich???
Den Vormittag haben wir auf dem Bett verbracht, Reiseführer gelesen und angefangen Bengali zu lernen. Entschuldigung heißt ausgesprochen Duckshit. Wieder ein Wort was ich mir merken kann. Nach dem Mittagessen haben wir ein wenig Mails gecheckt und Nachrichten gelesen. Um 3 beschlossen wir in die Bücherei zu gehen. Wir wollten jemanden Bescheid sagen, aber es war niemand hier.
Tina hatte ihre besten Sonntagsklamotten, bestehend aus hautengem T-Shirt und kurzer Hose mit Flipflops angezogen. Teilweise sind ganze Familien aus der Hütte gekommen und haben sie angeguckt. Nicht wenige mussten ein wenig lachen. Ich glaube ihr Kleidungsstil passt nicht so ganz hierher. Auf dem Weg zog ein Gewitter vorbei, das uns aber nicht traf. Wir haben gewettet, ob es heute noch regnen würde. Ich habe gesagt nein. Wetteinsatz war, eine grüne Chilischote zu essen. Bis jetzt, 22 Uhr ist nicht ein Tropfen gefallen und wir haben Sternenklaren Himmel. Ich wünsche einen guten Appetit.
Angekommen an der Bibliothek war klar, warum keiner mehr auf dem Gelände war. Alle waren in der Bibliothek weil ihnen langweilig war. Ich habe die Zeitungen gelesen und dann den Kindern beim spielen ein wenig zugeguckt. Die können mit 5 teilweise schon Schachspielen. Sehr niedlich die kleinen. Dann bin ich aufs Dach und habe ein weiteres Mal festgestellt wie schön es hier ist. Endlose Reisfelder, tropische Bäume, Sonnenschein und 32 Grad. Auf der Straße war Verkehr wie immer. Hoffnungslos überfüllte Busse auf deren Dach noch 15 Leute sitzen, Rikschas und Fußgänger, manchmal ein Auto oder LKW.
Um halb 6 sind wir dann mit ein paar VSSU-Mitarbeitern nach Lakshmitüdelüt gefahren (standesgemäß mit der Fahrradrikscha) und haben den Markt besucht. Es war großartig. Überall diese kleinen Geschäfte die alles verkaufen, den PC gleich neben den Linsen. Wir haben uns umgeguckt und schon das ein oder andere Souvenir entdecken können. Dann die ganzen Leute. Die Frauen in ihren bunten Saris, die Kinder die auf der Straße spielen und mittendurch der ganze Verkehr. Leider haben wir beide die Kamera vergessen, aber wir haben ja noch 7 Sonntage von denen wir einige garantiert hier verbringen werden. Nur Bengali müssen wir vorher lernen, denn kaum einer versteht Englisch und alles ist in Bengali geschrieben. Die Mitarbeiter haben ein wenig eingekauft und wir haben mit Hilfe von Anustee süßes Gebäck gekauft. Während wir auf den Rest warteten kam ein etwa 40-50 jähriger Mann zu mir und hat mich auf Bengali angesprochen. Er war vollkommen zugedröhnt und hatte ganz rote Augen. Ich schätze er wollte Geld. Als ich ihn nicht beachtete, hat er mich am Arm gepackt. Den habe ich dann weggezogen, ihn mit einem bösen Funkeln und einem No bedacht. Er hielt sich dann zurück und hat erst mal einen Joint geraucht, nur um direkt danach mich wieder vollzulabern. Selbst als wir auf die Rikscha gestiegen waren und die Frauen begannen ihn zu beschimpfen, hat er mich doch immer noch verfolgt.
Zurück ging es dann im stock dunkeln über die Landstraße. Licht haben natürlich nur die Busse und Motorikschas, vertrauten wir unser Leben den guten Augen des Fahrers an. Er hat uns auch tatsächlich sicher nach Hause gebracht. Von Anustee bekamen wir noch einen Snack überreicht. Sooooo lecker wieder. Hühnchenfleisch und ein wenig Gemüse mit einer herrlichen Soße eingewickelt in eine Art Fladenbrot. Danach mussten wir nur noch ein wenig mehr vom Abendbrot essen und waren satt. Da es ein wunderschöner Himmel heute ist, sind wir aufs Dach hoch, haben uns hingelegt, die Sterne betrachtet und diese viel zu süßen Süßigkeiten gegessen. Wenn man in das Gebäck reinbeißt läuft einem links und rechts der Zuckersaft aus dem Mund. Aber sehr lecker. Im Hintergrund haben die Dorfbewohner gebetet, bzw. sie singen noch immer. Müssen ja auch zu ein paar mehr Göttern beten. Vorhin haben sie die ganze Zeit hare Krishna gesungen. Also ich muss sagen heute war der indischste Tag bis jetzt in Indien. Sehr unterhaltsam und lustig und eindrucksvoll.
Im Moment ist schon wieder Stromausfall, aber das macht nichts. Dafür schwirren hier zwei Glühwürmchen durchs Zimmer und tanzen und leuchten im Dunkeln.
India is great!
25.08.2008 – Mein Kopf
War das ein Tag. Heute gab es nur Input. Wir sind nicht zur Zweigstelle gefahren, das passiert erst morgen. Ich habe eine kleine Vergleichsstudie zwischen verschiedenen Mikrofinanz NGO’s in Indien und Bangladesh und VSSU angefertigt. Danach hat Tina ein Dokument im Internet gefunden, dass die Wirksamkeit von Mikrokrediten analysiert. Sehr interessant, das musste ich erst mal lesen.
Nachmittags sind wir zu Mr. Mondal gerufen worden und konnten unsere Fragen stellen. Wir hatten 12 Fragen oder so und er hat uns über 2 Stunden erzählt. Unglaublich wie korrupt und konfus die lokalen Behörden hier arbeiten. Es wird erst einmal alles blockiert. Es ist zum Beispiel schwierig alleine für das Baumpflanzprogramm eine Genehmigung zu bekommen. Denn vom Baumkauf bis zur Pflanzung macht VSSU alles mit Hilfe der Bevölkerung. Der arme Sachbearbeiter hat also gar keine Chance ein wenig Geld zu sehen.
Im Lokalfernsehen wurde sogar eine Dokumentation ausgestrahlt, in der behauptet wurde, dass VSSU und insbesondere Mr. Mondal der Bevölkerung nur schade. Ein verrücktes Land aber Mr. Mondal hofft, dass in Indien in 5 – 10 Jahren auch die Regierung mal eingesehen hat, dass sie manchmal ganz schönen Unsinn verzapft.
Außerdem vergeben sie (Regierung und auch Funds) Milliarden Rupien für Mikrofinanzinstitute. Diese müssen dann aber auch nach deren Regeln arbeiten. Da Mr. Mondal dies nicht wollte und keine Regierungskredite annehmen wollte haben sie ihm verboten Spareinlagen von der Bevölkerung zu verwalten und es für illegal erklärt. Der Vorteil von VSSU ist aber genau der, dass Geld von den reicheren Bewohnern gesammelt wird und damit vollständig das Kreditsystem finanziert werden kann. Verrückte Inder.
Eben hat uns Anustee noch gezeigt, wie hier gearbeitet wird. Jeden Tag sagen sie Zweigstellenleiter per Telefon durch was sie am Tag für Ein- und Auszahlungen hatten und alles wird per Hand in riesige Dokumentenstapel eingetragen. Computer gibt es nur in zwei Zweigstellen. Aber die liegen ja auch irgendwo im Sumpf. Morgen geht es dann um 7 los zur Zweigstelle. Schlaf wird auch überbewertet. Aber ich bin gespannt und vergesse bestimmt meine Kamera nicht.
Apropos Kamera, heute Nacht waren zwei Eulen zu Besuch, leider nur graue und nicht die schneeweiße, aber ich konnte wenigstens ein Foto machen.
Und dann noch eine Begebenheit vom Frühstück: Es gab Spiegelei mit Zwiebeln auf Weißbrot. Hat sehr lecker geschmeckt. Tina meinte aber das Ganze noch verfeinern zu müssen, also hat sie sich eine Banane darüber geschnitten. Ihr hat es geschmeckt. Ich glaube Australier sind in Sachen Essen auch nicht ganz normal. Wir überarbeiten jetzt noch unseren Fragebogen für die Case Studies und dann geht es auch bald ab ins Bett. Morgen ist aufstehen um 6 angesagt. Juhuuu die Echse frisst die Mücken weg. Grüße aus Indien.
Samstag, 23. August 2008
Warum soll ich immer einen Titel eingeben?
Aha der Dennis macht endlich etwas Sinnvolles werdet ihr bei dieser Überschrift denken. Und ihr habt Recht, endlich fängt das Praktikum richtig an.
Also zuerst einmal Nachtrag von gestern. Irgendwann um 7 ist Christina aus Australien angekommen. Wobei sie die letzten Wochen in Europa verbracht hat und da ein paar Länder besuchte. Sie kam genau richtig, denn es gab Essen. Ich werde dieses leidige Thema jetzt nicht schon wieder aufgreifen sondern einfach überspringen. Ihr hat es geschmeckt, mal gucken wie lange noch.
Danach haben wir uns ein wenig zusammengesetzt und erzählt, über Europa, Australien und Indien und unsere ersten Eindrücke von hier. Ich hab sie auch gleich darauf aufmerksam gemacht, dass kurze Hosen hier nicht so gerne gesehen sind. Das stellt sie vor Probleme, denn sie hat nur eine lange Hose mit. Aber halb so wild, nach 3 Wochen kann sie die dann einfach abends in die Ecke stellen und morgens wieder reinsteigen ;-) Auf jeden fall ist sie nett und wir werden wohl gut miteinander auskommen. Noch sympathischer macht sie, dass eine ihrer ersten Sätze war „Ich könnte jetzt ein Bier gebrauchen“. Außerdem geht ihr Praktikum genauso lange wie meines und sie will dann auch noch rumreisen, also es passt alles schon ganz gut.
Wir waren auch noch bei Mr. Mondal, dem Chef hier. Er hat ihr einen Blumenstrauß, fast so schön wie der meinige, überreicht und uns dann erzählt, dass ja Maria noch kommt. Jetzt aber erst am Mittwoch. Wie auch immer, er hat gesagt er wird mit uns die Sunderabans besichtigen (Wer will einen Tiger? Oder doch lieber eine Schlange? Und ja ich denke an den Elefanten) und uns die heiligen Tempel in Kolkata zeigen. Für mehr hat er leider keine Zeit, verständlich wenn man ein Unternehmen leitet, dass 20.000 Kunden und 80 Mitarbeiter hat.
Heute hat Christina dann ihr Job description bekommen, fast die gleiche wie ich. Wir werden also zusammen die verschiedenen Zweigstellen besuchen und die case studies erstellen. Bis zum Nachmittag habe ich ihr dann etwas über VSSU erzählt und noch eine Präsentation ins Deutsche übersetzt. Um halb vier sind wir dann mit zu einem Treffen gegangen. Alle 15 Zweigstellenleiter waren, aufgeteilt in zwei Gruppen hier und haben berichtet. Zu erst waren wir mit Mr. Mondal beim Meeting. Nachdem er einen Zehn-Minütigen Dialog Monolog auf Bengali geführt hat kam plötzlich irgendetwas dazwischen und er war eine halbe Stunde verschwunden. So ist das hier mit Meetings. Alle mussten auf ihn warten und haben irgendetwas gemacht. Als er wieder kam startete eine Diskussion auf bengali. Wir saßen die ganze zeit daneben, haben kein Wort verstanden und Tina ist kurz eingenickt. Um halb sechs hatte Mr. Mondal dann erbarmen mit uns und wir kamen zur zweiten Gruppe, die seit halb vier in einem anderen Raum gewartet haben, bis sie dran sind. Wir haben uns vorgestellt, sie sich natürlich auch und dann haben wir mal alle unsere Fragen an die Leute stellen können, die auch was davon verstehen. Lustig an der ganzen Sache war, dass sie Tina meistens nicht verstanden haben. Ich musste dann ihre verschachtelten Fragen in ein einfaches, verständliches Englisch übersetzen. Schon lustig, ein deutscher wird hier besser verstanden als jemand, der aus einem anglophonen Land kommt. Noch eine lustige Sache: Wir haben die Frau, die für den Mikrofinanzbereich zuständig ist, nach ihrem Namen gefragt. Sie heißt Anustee, gesprochen Anuschte. Ich musste mir eine halbe Stunde das lachen verkneifen, als ich den Namen mal im Kopf auf Deutsch gelesen hab. „Hey noch ein wenig Anustee für dich?“ Okay niedriges Niveau aber ich find’s lustig.
Viel mehr ist auch nicht mehr passiert. Ich werde gleich noch etwas Internetrecherche betreiben und herausfinden was für Kreditzinssätze andere NGO’s haben und ob die Schlange, die ich heute gesehen habe giftig ist. In Indien gibt es 282 Schlangenarten, 50 davon giftig. Chancen stehen also bei 1:6.
Oh noch etwas in der Zeitung stand heute, dass Tata bald das 100.000 Rupien Auto produziert, umgerechnet 1500€. Also Freunde denkt drüber nach, zwei mal Malle oder ein neues Auto. So Schluss für heute. Und Entschuldigung an alle, die gerade erst mit Bloglesen angefangen haben. Ich muss halt viel kommunizieren… Morgen ist frei, also nicht viel zu erzählen und übermorgen fahren wir zur ersten Zweigstelle.
Freitag, 22. August 2008
Es ist Freitag
21.08.2008 – Schon eine Woche unterwegs
Als ich heute zum Mittagessen kam, war ich erstaunt. Es gab ein neues Gemüse, das auch noch gut roch. Sollte dies tatsächlich das Ende meiner Leiden sein? Ich tat mit hungrig und erfreut, dass mir endlich etwas schmeckt eine große Portion auf. Was soll ich sagen? Es hat natürlich beschissen geschmeckt und ich hatte auch noch das Stück Fisch mit den meisten Gräten, so dass ich die Hälfte der Zeit damit verbrachte in meinem Mund rum zu fischen. Und in der Soße war heute eine Extraportion Chili, so dass ich Schluckauf bekommen hab und mir die Nase gelaufen ist. Mein Tischnachbar war aber zu sehr mit rülpsen und schmatzen beschäftigt, als dass ihm etwas aufgefallen wäre.
Ich glaube ich kann bald einen neuen Blog aufmachen: dennis-jammert-uebers-essen.blogspot.com
So nachdem ich mal wieder übers Essen gemeckert hab hier der Rest des Tages. Hab die Website fertig übersetzt, das war so gegen zwei. Danach hatte ich nichts zu tun. Also erst mal Solitär gespielt J
Da Banani (ohne d) auch langweilig war, bzw. sie keine Lust zum Arbeiten hatte, haben wir uns Fotos angeguckt. Sie findet, dass Carolin sehr „naughty“ also ungezogen aussieht. So Caro, da weißt du es! Außerdem sind wir auf das Thema Küssen in der Öffentlichkeit gekommen, da sie lachen musste als sich auf einem Foto ein Pärchen geküsst hat. In Indien wird sich nur heimlich geküsst. Selbst Filmküsse gibt es nicht. Als ich ihr dann von Händchen halten erzählt habe hat sie sich fast gekringelt vor lachen. Schön, dass sie sich darüber amüsieren kann.
Danach kam das Thema Feiertage. Ich habe ihr versucht Fasching zu erklären und sie über den Alkoholkonsum eines Durchschnittsdeutschen aufgeklärt. Sie meinte wir bräuchten auch viel Alkohol, wo es doch so kalt bei uns ist. Und ob es bei und Eisbären gibt. Ich habe sie dann darüber aufgeklärt, dass 30 Grad im Sommer durchaus keine Seltenheit sind. Jetzt weiß sie es wenigstens. Dann hat sie mir Bilder von einem indischen Feiertag, Namen hab ich natürlich wieder vergessen, gezeigt. Alle Leute beschmieren sich da mit Farbe. Schade, dass das Internet so langsam ist, sonst würde ich ein paar Bilder davon hochladen.
Dann musste sie aber doch irgendwann wieder arbeiten. Ich war noch ein wenig im Internet Mails checken, was hier auch mal 10 Minuten in Anspruch nehmen kann, bis überhaupt die Seite geladen ist... Das Internet ist auch ganz komisch hier. Irgendwie sind das noch Reststrahlen die eigentlich für Kolkata bestimmt sind. Keine Ahnung, wie die hierher kommen. Aber egal, Hauptsache es gibt sie überhaupt noch. Irgendwie ist dann auch der Nachmittag vergangen, ich habe im Reiseführer gelesen und dann kam Banani (Man betone bitte die letzte Silbe) auf die Idee doch einen Film zu gucken. Also haben wir bis eben, das heißt 10 Uhr einen 2 ½ Stunden Liebesfilm von 1960 auf Bengali geguckt. Ich hab sogar die Handlung verstanden. Und es gab was zum knabbern. Puffreis mit einer sehr sehr sehr leckeren gefüllten, frittierten Teigtasche. Warum gibt es so was hier nicht zum Mittag? Ich werde wohl mal zum Markt gehen müssen und mir davon was holen.
Nun sitze ich im Zimmer und schreibe mal wieder Blog. Eben war ich noch am Koffer um etwas herauszuholen, da flitzt der Mörderkäfer überhaupt daraus. Hab mich erst mal „etwas“ erschrocken. Solch ein Riesenviech, etwas größer als mein Daumen. Ist aber irgendwo im Zimmer verschwunden. So lange er mich nicht weckt, soll er machen was er will. Es ist schon erstaunlich wie resistent man gegen Insekten und ähnliches wird, wenn diese Viecher ständig um einen herum sind. Selbst die Spinne in der Dusche heute morgen hat mir nichts ausgemacht. Außerdem werden die bestimmt alle von diesen komischen Echsen aufgefressen. Ich freu mich schon richtig darauf weiter in den Dschungel zu kommen.
Oh und morgen soll die Australierin kommen. Ich hoffe die hat keine Angst vor Insekten. Obwohl, die giftigsten Tiere der Welt leben in Australien, da sollten sie ein paar Viecher hier nicht stören. Man wird sehen, ich werde mich jetzt ins Bettchen begeben. Sind übrigens von der harten Sorte hier, die Matratze ist mit Stroh gefüllt. Also euch allen auch einen guten Schlaf.
22.08.2008 - Ich wollt ich wär ein Huhn
Pock pock, ich hätt nicht viel zu tun, pock pock, ich lege jeden Tag ein Ei und Sonntags auch mal zwei.
Naja viel mehr als ein Huhn mache ich im Moment auch nicht. Heute habe ich meine Wochenplanung gemacht, ein Anschreiben erstellt, mit dem ich bei ein paar Unternehmen in Deutschland um Spenden werben werde, Verbesserungsvorschläge für die Bibliothek ausgearbeitet und eine Umfrage erstellt. Also nicht allzu viel Konstruktives. Ich bin froh, wenn ich nächste Woche endlich mit den Case Studies anfangen kann. Da habe ich wenigstens eine Aufgabe und bin unterwegs und sehe etwas.
Apropos sehen. Heute ist eine neue Schule eingeweiht worden. VSSU hat sie gebaut und heute einer Regierungsorganisation übergeben. Darin wohnen und lernen Kinder deren Eltern entweder tot oder im Gefängnis sind. Es wird alles übernommen, Kleidung, Essen, Unterricht usw. Momentan sind 100 Kinder darin untergebracht. Leider hatte ich meine Kamera vergessen, aber von VSSU hat jemand ganz fleißig Fotos geschossen. Die werde ich mir mal besorgen.
Zur Einweihung ist die Distriktsvorsitzende gekommen, wie es sich für Indien gehört eine Stunde zu spät. Aber sie hatte auch einen Weg von 20 Kilometern hinter sich zu bringen da ist das entschuldigt. So lange wir warteten habe ich die Zeit genutzt um mich mit der etwas älteren Dame zu unterhalten, die auch bei mir sitzt. Die, die schon mal in Deutschland war. Sie hat von ihren Reisen nach Europa und Japan erzählt. Besonders die nach Japan war interessant, denn sie war irgendwo in Japan, wusste nicht wo sie hin muss, konnte diese komischen Zeichen nicht lesen und kein Japaner konnte englisch J Irgendwann hat sie dann doch jemanden getroffen, der sie durch halb Japan begleitet hat, bis sie dann um 2 Uhr nachts endlich am Konferenzort eingetroffen war (Gelandet war sie um 8 Uhr abends) Ein Hoch auf die Kolonialisierung, so dass ich in Indien alles lesen kann…
Als der Konvoi endlich angekommen war haben alle Spalier gestanden und die nette Frau hat das rote Band durchschnitten um dann eine halbe Stunde das Haus zu besichtigen, während im Hof alle gewartet haben. Dann ging es wieder raus und die Kinder haben ein Lied gesungen. Erst danach sollte der richtige Akt mit Reden und Musik beginnen. Mir war es dann doch etwas zu langweilig (Reden auf Bengali sind nicht so meine Sache) und ich bin mit ein paar Mitarbeitern wieder ins Hauptquartier gefahren.
Die Fahrt war sehr angenehm. Wir saßen/standen mit 6 Erwachsenen und 14 Kindern in einem Jeep und der Kerl ist geheizt wie nichts Gutes. Zum Glück sind wir heile angekommen.
Dann sie nächste Überraschung: Zum Mittag gab es tatsächlich Hühnchen und Auberginen. Ein Traum. Mir kamen die Tränen und ich musste sie mit einem gespielten Hustenanfall vertuschen ;-) Am Tisch saßen noch drei Herren aus Delhi, die wegen der Bibliothek hier sind. Sie wollen Kurse für die Dorfbewohner in den Bereichen Computer, Internet und Kommunikation anbieten. Irgendwann gleich demnächst kommt die Australierin an. Der Chef ist schon heiß wie Frittenfett und hat die Kamera geholt, damit ganz viele Fotos von der Begrüßung mit einem hässlichen Blumenstrauß gemacht werden können.
Noch eine Kleinigkeit: Jemand hat mir heute eine englische Zeitung hingelegt. Sehr nett, jetzt weiß ich wenigstens ein wenig, was in der Welt so passiert. Zum Beispiel, dass die indische Inflation auf 12,6% gestiegen ist, dass Matt Damon jetzt doppelter Vater ist oder dass das neue iPhone jetzt auch in Indien verfügbar ist. Es stand sogar was von indischen U-Booten drin, die die HDW in Kiel gebaut hat. Kosten tut so eine 40-seitige Tageszeitung 1,5 Rupien, also 2,3 Cent. Weisste Bescheid. Ich werde mich hier noch ein wenig mit hochbrisanten Dingen wie Solitär, Bengali und dem neusten BRAC Entwicklungsbericht beschäftigen, bis es dann zum Abendbrot hoffentlich wieder Hühnchen gibt.
Was soll ich nur morgen auf der Arbeit machen?
Mittwoch, 20. August 2008
Neuestes Update
Tja liebe Leute nun ist er da, der Monsun. Er beginnt eine Stunde nach dem aufstehen und hört abends irgendwann auf. Wenigstens ist es nicht so warm, obwohl mich das ja eh nicht stört. Stören tun nur meine vielfältigen Mitbewohner. Kamikazekäfer, die sich auf meinen Kopf stürzen, Echsen in meinem Zimmer die um 4 Uhr morgens mit ihren Balzlauten beginnen, die blöden Moskitos, sämtliche Insekten die meinen auf meinem Bett rumlaufen oder landen zu müssen und zu guter letzt die netten Bakterien denen ich eine kleine Magenverstimmung zu verdanken hab. Aber ich bin ja nicht hergekommen um mich über die Tiere zu ärgern. So lange keine hochgiftige Schlange hier rumkriecht sind mir die relativ egal. Heute war ich auf dem Dach und hab ein paar Glühwürmchen gesehen. Hoffentlich kommen noch mehr, es sieht schon faszinierend aus wenn diese leuchtenden Dinger in der Nacht rumschwirren.
Auf der Arbeit habe ich heute angefangen die Website ins Deutsche zu übersetzen. Auch wenn es nicht die Anspruchvollste Aufgabe ist, so lerne ich doch wenigstens etwas. Zum Beispiel, dass hier Menschen mit 50 Cent am Tag leben müssen. Hab auch mit den beiden Frauen gesprochen, die bei mir sitzen. Sehr nett und sie können sogar verständliches Englisch sprechen. Außer das Wort suggestion, was sich hier anhört wie seggistion. Wie soll ich das denn verstehen und nicht blöde gucken wie ne Kuh wenn’s donnert.
Die eine Frau war sogar schon mal in Deutschland. Sie hat an irgendeinem Workshop der Organisation Health India in Bayern teilgenommen. Wir haben uns dann erst mal über ihre Erfahrungen in Deutschland unterhalten.
Morgen mach ich eine Liste mit Namen. Ist ja schrecklich hier. Ich kenn keine Namen.
Die andere Frau meint, dass Mikrofinanzprojekte die Armut nicht beseitigen. Macht Sinn in einer Organisation zu arbeiten, von deren Zweck man nicht überzeugt ist. Aber das ist ja bei manchen Uni-Professoren auch so… Außerdem arbeiten die hier soooo lange. Um neun, nach dem Gebet wird angefangen und abends um 9 aufgehört. Verrückte Leute aber hier gibt es wohl auch viel zu tun. Ständig kommen Leute rein.
Gestern war Reisausgabe, das hatte ich ganz vergessen zu berichten. Ein Mal im Monat wird an die Ärmsten Reis ausgegeben. Da humpeln dann abgemagerte, alte Leute in die Organisation, bekommen ein paar Kilo Reis und dann humpeln sie durch den Monsun wieder Kilometerlang nach Hause. Aber sie haben wenigstens etwas zu essen. Trotzdem es ist schon ein armes Land. Ich habe heute Fallstudien gelesen über Leute denen durch die Mikrokredite geholfen werden kann. Sie sind überglücklich, wenn sie 3000 Rupien im Monat haben, das sind über den Daumen gerechnet knapp 50€, für eine 3-köpfige Familie. Was haben dann die anderen? Wie können vier der reichsten Menschen der Welt aus diesem Land kommen in dem gleichzeitig so viel Armut herrscht? Ich habe auch noch gelesen, dass die Inflationsrate letzten Monat bei 11% gelegen hat, was hauptsächlich durch die Steigerung der Nahrungsmittelpreise und Öl verursacht wurde. Und wenn ich mir dann manchen abgemagerten Rikschazieher angucke, der hier hereinkommt und wahrscheinlich so schon kaum über die Runden kommt. Man kann schon froh sein Westeuropäer zu sein. Mal gucken, was ich sehe, wenn ich erst mal in die entfernten Dörfer reise. Ich muss wirklich sagen reisen, denn zu denen tief in den Sunderabans bin ich wohl alleine schon einen Tag unterwegs per Bahn, Bus, Motorrad oder zu Fuß. Ich hoffe meine Arbeit hier trägt auch ein wenig dazu bei, das Elend zu lindern.
20.08.2008 - Strom?
Indien ist einfach überfordert. Es ist der 8. Stromausfall heute. Und dabei ist es erst 20 Uhr. Alle Leute schalten jetzt erst Strom ein. Natürlich nur die, die auch welchen haben. Ob es in Kolkata auch so viele Stromausfälle gibt? Ich möchte auf keinen Fall in Indien im Kraftwerk oder bei der Stromleitzentrale arbeiten. Ich schätze 20% der Kraftwerke drohen ständig in die Luft zu fliegen und ein nationaler Blackout ist nur noch eine Frage der Zeit. Aber was sollen sie machen, die Inder wenn es plötzlich durch den gestiegenen Wohlstand 100 Millionen Leuten mehr nach Energie verlangt. Ansonsten war der Tag mal wieder sehr entspannt. Ich habe am Vormittag ein wenig mit Bonandi (jaaaa ich weiß den Namen!!!) im Reiseführer geblättert. Sie hat mir gesagt ich bräuchte eigentlich mindestens 2 Monate und nicht nur 2 Wochen um alles zu sehen. Aber ich bin ja noch jung und mein Visum läuft noch bis Februar. Oh Stromausfall Nummer 9. Sie sollten den Generator einfach durchlaufen lassen.
Zurück zum Thema. Ab Mittag habe ich dann weiter an der Website gesessen und übersetzt. Damit werde ich mich auch morgen Vormittag noch aufhalten. Bloß nichts überstürzen hier. Ab nächster Woche mache ich dann die Case Studies, zusammen mit der Spanierin und vielleicht auch einer Australierin die übermorgen kommt. Ich bin begeistert wie kurzfristig das hier geht. Wenn ich sie richtig verstanden habe, dann hat die besagte Australierin (AIESECerin) vor einiger Zeit hier wegen eines Praktikums angefragt, aber VSSU hat es verplant zu antworten. AIESEC Kolkata hat noch mal angefragt und heute wurde das Praktikum dann genehmigt und übermorgen kommt sie schon. Und warum muss ich 1000 Formulare ausfüllen? Na egal mir ist es nur Recht, wenn ich zwischen all den Bengali sprechenden Indern auch mal jemand anderes habe, mit dem ich vielleicht auch etwas unternehmen kann und sei es eine Runde Karten zu spielen. Die Inder, die englisch sprechen können sitzen nämlich mal wieder alle hier und arbeiten noch. Aber sie tun es ja gerne und so wie ich das sehe haben die auch nichts anderes vor den ganzen Abend. Fast wie AIESECer die bis spät in die Nacht im Büro sitzen. Obwohl da doch eher das Bier die Motivation zum bleiben gibt, nicht wahr (Alkohol-) Henning :-P
So jetzt sitze ich hier noch alleine und warte, dass jemand kommt und mir auf einem der zehn Computer mal Internet machen kann. Die können echt wenig bis gar nichts. Es wäre ja schon damit getan, dass irgendwer mal dieses vermaledeite Passwort weiß mit dem man in Windows auf Bonandis Rechner reinkommt. Ich muss das irgendwie auf meinem Laptop zum Laufen bringen. Juhuuu sie ist das. Dann kann der Bericht ja auch gleich rein.
Und hier noch etwas, was mir heute beim Mittagessen eingefallen ist:
Zwei Inder im Gespräch:
Inder 1: Hey hast du schon mal was von Abwechslung beim Essen gehört?
Inder 2: Nein.
Inder 1: Ich auch nicht. Bei mir gibt es jeden Tag zum Mittag Reis, Dhaal, scharfe gebratene Kartoffelstifte, Kartoffelviertel mit Fisch, in dem noch 1000 Gräten sind und Kartoffelstücke mit undefinierbarem Gemüse.
Inder 2: Hey toll bei mir ist das genauso. Und was isst du zum Abendbrot?
Inder 1: Doofe Frage. Natürlich genau das Gleiche.
Inder 2: Ich auch. Und wir trinken nur Wasser oder Tee.
Inder 1: Wie lustig, wir auch. Ich mag am liebsten süßen Tee mit Milch und salzigen Keksen. Und du?
Inder 2: Mir schmeckt der salzige Tee mit Milch und diesen süßen Dingern besser. Wie kommst du eigentlich darauf, dass man beim Essen Abwechslung braucht?
Inder 1: Ach, ich hab gehört das machen die in Europa so. Die Kochen da fast jeden Tag etwas anderes. Und fast überall ist Fleisch drin.
Inder 2: Jaja, die sind schon komisch, die Europäer…
Montag, 18. August 2008
Und jetzt der heutige Tag
Ausserdem meinten die ich koennte arbeiten wie ich will. Meinen freien Tag auch mal Dienstags nehmen oder in meinem Zimmer arbeiten. Da werde ich dann natuerlich nicht so hart arbeiten koennen wie im Buero :)
Ach ja Mittagessen und Abendbrot gab es noch. Immer das gleiche Zeug. Kann das schon nach 3 Tagen nicht mehr sehen... Und mein Durchfall wird dadurch auch nicht besser. Naja esse ich eben Reis pur.
Endlich "Internet"
15.08.2008 - Was bisher geschah
So hier mal ein kleines Update. Nachdem ich also erst um 08:00 Uhr in Delhi gelandet bin (mein Anschlussflug ging um 06:55) wendete ich mich vertrauensvoll an die ausgesprochen netten Air India Mitarbeiter. Wie in Indien wohl üblich dauerte die Bearbeitung meines Anliegens etwas länger.
Kleiner Einschub: Air India hat wunderhübsche Stewardessen, aber die 747 ist glaube ich schon in der Zeit des Kalten Krieges geflogen. Der Flug (warum auch immer aus LA kommend) war zum Glück nicht ausgebucht, und so hatte ich eine 3er Reihe für mich alleine. Da konnte ich mich breitmachen wie ich wollte. Schlaf hatte ich dank eines periodisch jede Stunde plärrenden Kindes trotzdem kaum. Dafür war Vollmond und ich konnte ein paar Pötte auf dem Schwarzen Meer und die Afghanische Wüste im Schummerlicht betrachten.
Nun aber wieder zu meinem eigentlichen Anliegen. Die wie gesagt höchst freundlichen Air India Mitarbeiter haben mir nicht nur meinen Kingfisher Flug umgebucht, sondern mich für den Tag in einem 5-Sterne Hotel untergebracht. Also wurden ich und ein Mexikaner, der mein Schicksal teilte in ein Taxi gesetzt und zum Hotel gefahren. Dort hab ich erst mal geduscht, Schlaf nachgeholt und mir ein schönes Mittagessen auf Kosten der Air India gegönnt. Um 4 ging es dann endlich wieder an den Flughafen und um 18:15 ist meine Maschine doch tatsächlich mit mir pünktlich abgehoben.
In Kolkata angekommen wurde ich sogleich von zwei AIESECern begrüßt. Die Namen habe ich selbstverständlich schon wieder vergessen, jedoch nicht die Fahrt zum Traineehouse.
Mit 100 km/h Busse und Rikschafahrer schneiden kann man mal machen. Es gibt hier nur eine Regel. An einer roten Ampel muss man anhalten. Ansonsten fährt hier jeder wie er will und wie er am schnellsten zum Ziel kommt. Ich hab das Ganze mal auf Video dokumentiert.
So und nun sitze ich hier im Traineehouse mit Chika oder so aus Tokio die hier gerade ein AIESEC internes Praktikum macht. Eben kam auch noch der Rest der Praktikanten (aus China, Taiwan, Marokko, Griechenland und der Türkei) rein. Die waren noch auf der Straße etwas essen, sind aber nach einer kleinen Begrüßungsrunde ins Bett verschwunden.
Meine beiden Chauffeure sind auch gleich wieder los, weil ja heute indischer Independence Day ist und das muss schließlich gefeiert werden.
Ich werde mich auch gleich mal ins Bett begeben. Mal gucken ob ich bei den 100% Luftfeuchte und 30 Grad schlafen kann.
Morgen kommt Varun und ich ziehe wieder um, da ich irgendwo draußen arbeite und der Weg aus der Stadt doch etwas lang wäre. Außerdem brauche ich unbedingt ein Handy. Hier wird gar nicht anders kommuniziert. Jeder ist den ganzen tag am telefonieren und Simsen. Genau das Richtige für mich J
Jetzt noch eine wenig Fotos angucken mit dem Marokkaner, der ist nämlich schon im Himalaya rumgereist und dann ins Bettchen. Wie aus es auch sieht. Jede Studentenbude in Kiel sieht besser aus. Demnächst stell ich mal Bilder online. Wenn ich endlich wieder Internet habe.
16.08.2008 - Angekommen
Hey ihr da draußen. Nun bin ich endlich an meiner Praktikumsstelle angekommen. Aber was war das für eine Reise???
Zuerst muss ich sagen, dass ich trotz der 30 Grad herrlich geschlafen habe und um halb elf, nach zehn Stunden Schlaf, geweckt werden musste. Zum Frühstück gab es frische Mango und Äpfel, die mir Chika ans Bett gebracht hat. Warum wachsen die Mangos nicht in Deutschland? Am Baum gereift schmecken die noch zehnmal besser. Inzwischen war auch die letzte Praktikantin, Annie aus Großbritannien, aufgetaucht. Sie war wohl bis 2 Uhr feiern.
Um elf sollte jemand von AIESEC Kolkata kommen und mich abholen. Da die Inder es ja nicht so mit der Pünktlichkeit haben, ist die junge Dame, deren Namen ich auch gleich wieder vergessen hab (immer diese Namen), dann kurz vor 12 aufgetaucht. Wir mussten zur nächsten Metro Station zu Fuß gehen. Chika und Lohlov, der Marokkaner, haben uns begleitet. Denen war langweilig.
Kolkata am Tag ist nicht schön. In der Nacht war es das auch schon nicht, aber am Tag sieht man alles doch etwas genauer. Jedes Auto qualmt wie ein Trabbi, die Busse sind noch schlimmer. Es sind lauter Menschen auf der Straße, die alle irgendwie irgendwo hingehen und sich durch den Verkehr quälen. Es ist heiß, stickig, es stinkt. An den Straßenrändern verkaufen die Leute irgendwelche Sachen, hocken Bettler. Dahinter stehen die Wellblechhütten der Armen. Kolkata ist wahrlich keine Touristenstadt. Es ist Indien.
In der Metro war die Lage dann etwas entspannter. Ich hatte schon Tokioer Verhältnisse erwartet, jedoch ist die U-Bahn wohl für die meisten Leute zu teuer. Ein Ticket hat 18 Rupien gekostet, also umgerechnet (Wechselkurs: 1€ = 64 Rupien) knapp 30 Cent. Schön ist, dass es in jedem Verkehrmittel hier Ventilatoren gibt. Die machen das Ganze doch angenehmer.
An der Mahatma Gandhi Straße sind wir dann aus- und in ein Taxi umgestiegen, welches uns zu irgendeinem Bahnhof gebracht hat. Dort erwartete uns dann auch schon ein Herr von meinem neuen Arbeitgeber. Der Zug sollte aber erst um 14 Uhr fahren, so dass noch genug Zeit für ein Mittagessen blieb. Wir gingen im Bahnhof in ein Restaurant und ich bestellte mir ein vegetarisches Gericht mit allerlei Bohnen und Linsen und Reis und einem „Brot“. Hab das ganze mal fotografiert. Gekostet hat der Spaß 70 Rupien und ich konnte nicht aufessen. Lecker war es allemal, nur Lohlov meinte irgendwann hängt es einem zum Hals raus. Er hat auf seiner Reise nur so etwas gegessen, 3 Mal am Tag. Hoffentlich geht es mir nicht auch so.
Aber weiter im Text. Ich wusste ja, dass meine Praktikumsstelle nicht in der Stadt liegt, aber dass sie sooooo weit weg ist. Wir sind 2 ½ Stunden gefahren, für ganze 60 Kilometer. Natürlich kann man das Reisetempo nicht mit dem in Deutschland vergleichen. Ständig haben wir gehalten, manchmal ohne Grund, meistens jedoch weil wir irgendein Dorf erreicht hatten. Zuerst einmal war es in diesem Zug stickig ohne Ende. Zwar gibt es Fenster und die Türen stehen ständig auf, jedoch sind so viele Leute in dem Zug, dass kein Lüftchen in der Mitte ankommt. Ich hatte wohl Ausländerbonus und durfte mich nach 3 Stationen, jedoch schon voll am Schwitzen, ans Fenster setzen. Der Fahrtwind war schon erleichternd. Bei denen, die jedoch im Gang stehen mussten lief der Schweiß ohne Ende. Bemerkenswert in Indien ist, dass sich alle Menschen sofort zusammendrängen, damit bei der nächsten Station gleich wieder die nächsten 50 Passagiere in den Wagen können. Außerdem stehen die Leute alle 20 Minuten von ihrem Platz auf und haben den vor ihnen stehenden sitzen lassen. Ich hab aber schamlos meinen Ausländerbonus ausgereizt und bin sitzen geblieben. Aufzustehen hieße ja keinen Fahrtwind mehr zu haben.
Drei Stationen bevor wie ausgestiegen sind, kam es dann auch tatsächlich dazu, dass mehr Menschen aus- als eingestiegen sind. Die Station wo wir raus mussten heißt Lakshmikamtpur. Gibt es wenigstens den Ort auf irgendeiner Karte? Er liegt südlich von Kolkata. Die Bahnfahrt hat übrigens 13 Rupien, also 20 Cent gekostet. Und Autofahren hätte doppelt so lange gedauert oder wäre schon fast unmöglich, da die Straßen nicht die besten sind, während des Monsuns erst recht nicht.
In Lakshmitüdelüt angekommen holte mich ein anderer Mitarbeiter vom Bahnhof mit dem Jeep ab. Mit dem üblichen Hupkonzert ging es durch das Dorf, immer weiter ins Land. An jedem dritten Haus sind Hammer und Sichel angesprüht. Bin ich hier im kommunistischen Teil Indiens angekommen? Endlich, um fünf, waren wir dann angekommen.
Nun sitze ich hier in meinem Zimmer und musste das alles erst mal aufschreiben. Sehr zuvorkommende Menschen sind das auf jeden Fall hier. Ich habe süßen Tee mit Milch und salzigen? Keksen bekommen und eben hab ich dann Tee mit Zitrone probiert. Da haben sie Salz reingetan. Ich glaube ich trinke keinen Tee mehr. Dafür war die Beilage, bestehend aus irgendwelchen süßen Kugeln einer komischen Konsistenz, dieses Mal sehr lecker.
Nach einer Dusche bin ich dann zum Chef gegangen. Ein wenig Smalltalk vom Schlage „Wo kommst du her?“, „Wie war der Flug?“ und „I know Hitler“ und dann die erfreuliche Nachricht, dass ich erstens morgen nicht arbeiten muss (Wie überraschend am Sonntag) und zweitens nächste Woche eine spanische Praktikantin kommt. Dann bin ich nicht ganz so alleine hier unter den Indern. Aber bevor ich urteile sollte ich mir erst mal ein Bild morgen machen und am Montag gucken wie es auf der Arbeit ist.
Auf jeden Fall ist die Umgebung sehr schön und idyllisch, soweit ich das bis jetzt gesehen habe. Im Moment steht vor meinem Fenster der Vollmond und bescheint die weitläufigen Reisfelder. Der Ort heißt Ullon und liegt schon fast in den Sunderbarans, dem weitlüfigen Delta des Ganges. Hier gibt es die bengalischen Tiger und jede Menge Schlangen. Ich hoffe, ich begegne beiden nicht.
Zum Schluss noch zwei Bemerkungen: obwohl Monsunzeit ist, hat es noch nicht einmal geregnet und vom Durchfall bin ich Gott sei Dank bis jetzt auch noch verschont geblieben. Also toi toi toi.
Viele Grüße vom indischen Land, besonders an meine Familie. Bald habe ich ein Handy, dann können wir telefonieren und ich muss nicht alles so ausführlich aufschreiben
17.08.2008 - Ein entspannter Tag
Gestern Abend kam meine Betreuerin (Ich bekomme hier noch einen Anfall wegen der Namen) noch ins mein Zimmer und hat mir eine Präsentation über die Organisation gezeigt. Es war sehr interessant und aufschlussreich. Selbst Muhammed Yunus, Nobelpreisträger für seine Grameen Bank, die in Bangladesh auch Mikrofinanzdienstleistung betreibt, war hier und meinte man könne von VSSU noch lernen. Weiterhin habe ich auf einem USB Stick lauter Berichte und sonstiges bekommen.
Und dann kam das Beste: Die Rahmenbedingungen meines Praktikums. Meine Aufgaben in den 2 Monaten werden sein:
50 Case Studies durchzuführen und mit Fotos zu belegen.
Die neue Website vssu.in ins deutsche (kein Problem) und ins französische (großes Problem) zu übersetzen. Was liest die auch in meinem Lebenslauf, dass ich 7 Jahre Französisch hatte. Ich kann da doch nichts mehr. Naja das Internet wird mir schon helfen
Vor- und Nachteile der Mikrofinanzprodukte herausfinden und eventuell neue kreieren.
An die einzelnen Teile der Organisation (Mikrofinanzen, Soziale Projekte, die neue Bücherei) bericht erstatten und Verbesserungsvorschläge machen.
Fundraising, also Unterstützung suchen, im Ausland, insbesondere in Deutschland.
So das sind meine Aufgaben. Recht anspruchsvoll für 9 Wochen, aber zu schaffen und vor allem abwechslungsreich, interessant und vor allem auch sinnvoll.
Der zweite Teil war aber etwas irritierender. Regeln die ich als Praktikant hier zu befolgen habe. Um das noch etwas zu erklären, das V in VSSU steht für Vivekananda. Das war ein indischer Mönche Anfang des 20. Jahrhunderts, der anderen Menschen geholfen hat und natürlich total selbstlos und asketisch gelebt hat. Und auf seine Lehre begründen sich auch die folgenden Regeln:
Während der Nacht wegbleiben ist nicht erlaubt, kann jedoch wenn nötig gewährt werden. (Ich werde mal anfragen, wann die nächste AIESEC Konferenz in Kolkata ist. Da bin ich dann natürlich unabkömmlich)
Spätestens um 21 Uhr wieder im Haus sein. (Da ich auf dem Dorf wohne und es eh um 19 Uhr dunkel ist, ist mir das relativ schnuppe)
Freunde dürfen nur mit Ausnahmegenehmigung hier übernachten (Wer fährt denn schon freiwillig hier her???)
Jeden Montag Bericht bei der Sekretärin erstatten (Bekomm ich hin)
Zum Frühstück um acht, Mittag um eins und Abendbrot um acht da sein (Heißt jeden Tag, auch heute, um halb acht aufstehen)
Irgendwas mit ’nem prayer, den ich um kurz vor 9 jeden Tag treffen soll (Hab hier noch niemanden beten sehen, also betrifft es mich wohl auch nicht)
Internet zur freien Verfügung montags, mittwochs, freitags von halb acht bis halb neun abends (Hallo, Hallo??? Ich bin ja mit allem einverstanden, aber damit nicht. Da besteht Gesprächsbedarf. Aber da ich ja für meine Arbeit eh Internet brauche, werde ich wohl so oder so etwas mehr Zeit haben)
Tja kein leichtes Leben hier in Indien.
Der Tag heute verlief schön entspannt. Ich bin viel zu früh aufgestanden und hab gefrühstückt. Jedoch ist das nicht so ein gewohntes Frühstück. Es gab Kartoffeln mit Zwiebeln und so einer Soße, dazu dieses Fladenbrot und Obst. Da mir schon reichlichst Kartoffeln aufgetan wurden, musste ich die wohl oder übel essen. Sehr lecker so kurz nach dem aufstehen. Hab ein paar Kartoffeln gegessen und dann eine Banane in das Brot geschnitten. Danach mit ich mit dem Chef und einem Sprachtherapeuten, Nejunda oder so, und seinem Schüler zur neuen Bibliothek gefahren, um die Arbeiten zu besichtigen. Am Sonntag wird hier nämlich auch gebaut, weil die Leute nur dann Lohn und Essen bekommen, wenn sie arbeiten. Wir sind dann wieder zurückgefahren um kurz darauf wieder zur Bibliothek zu fahren, dieses Mal jedoch ohne Chef. Der Sprachlehrer hat mit einer Mitarbeiterin 2 Stunden geplaudert und ich habe die Indian Times und noch eine Zeitung gelesen. Außerdem habe ich mich mit einem Elektriker unterhalten. Er meinte auf die Antwort, ich wohne in der Nähe von Hamburg „Oh Hamburg, Nordsee, Nordsee I know“. Na gut, unerhalten war übertrieben, dafür konnte er zu wenig Englisch. Aber ein wenig Smalltalk haben wir doch betrieben. Zurück sind wir dann eine halbe Stunde zu Fuß gegangen. Man sieht doch mehr von der Gegend und Nejunda hat sehr viel erzählt. Im Bundesstaat West Bengal, in dem ich mich befinde, ist übrigens tatsächlich die Kommunistische Partei Indiens an der Macht. Deswegen überall Hammer und Sichel.
Zum Mittagessen war eine Delegation aus Bangladesh zu Besuch, die sich über das Mikrofinanzsystem informiert hat.
Den Nachmittag habe ich schließlich mit lesen verbracht. Zuerst die ganzen Materialien über VSSU und dann ein Buch. Eben gab es Abendbrot und nun schreibe ich mal wieder und werde mir dann einen Film angucken. Gut, dass ich welche auf meinem Laptop habe. Fernsehen gibt es hier nämlich auch nicht. Und morgen dann werde ich mich auf die Mission begeben mir irgendwo ein Handy zu besorgen. Dann kann mich endlich, endlich jeder anrufen und mit mir erzählen.
Donnerstag, 14. August 2008
Erstens kommt es anders...
Also neue geplante Abflugszeit: 20:50 Uhr. Wenigstens fliege ich jetzt nachts und kann schlafen. Mal gucken wie es weitergeht.
Ach ja und ein hoch auf Samsung. Die stellen hier wenigstens kostenloses Internet zur Verfuegung. Leider mit Tastatur ohne Umlaute. Hehehe hier steht gerade ein Mann mit Handy "Hello. Can I with you germany speaking?" Herrlich.
Naja die Frude habe ich zum Glueck noch nicht verloren. Nur mit Lesestoff wird knapp :)
Bis demnaechst dann hoffentlich in Indien