Montag, 25. August 2008

Kotterschabo

24.08.2008 – India is great

Dieser Spruch steht an fast jedem Gefährt auf den Straßen hier (Also Rikschas und Busse) und er ist so wahr. Aber der Reihe nach. Nachdem Tina um halb 12 zu Bett gegangen war, schrieb ich noch den Blog. Sie hat mich übrigens über diese Riesenkäfer aufgeklärt, die es hier gibt. Es sind keine Käfer sondern sie nennen sich Kakerlaken. Hab noch nie eine gesehen, aber jetzt weiß ich wie sie aussehen. Die werden jetzt konsequent mit dem Schuh bearbeitet.
Um halb 1 fiel der Strom aus. Großartig, wie soll ich ohne Ventilator hier einschlafen? Den Generator hat auch keiner angemacht, weil der ja so laut ist. Also habe ich ein wenig mit der Taschenlampe gelesen. So um 2 Uhr rum, Strom gab es immer noch nicht, hörte ich ein fauchen vor meinem Fenster. Das Fenster steht immer ganz auf, damit wenigstens etwas Luft reinkommt und nur die Gardine ist vorgezogen. Ich dachte zuerst an einen Fuchs oder so etwas, aber das Fauchen war sehr nahe am Fenster, sozusagen direkt hinter der Gardine. Also habe ich meine Taschenlampe genommen, todesmutig den Vorhang bei Seite gezogen und erblickte eine wunderschöne, große, schneeweiße Eule. Ich musste sie erst einmal eine Minuten genau betrachten, sie mich auch und dann wollte ich gerade den Fotoapparat holen, da flog sie weg. Schade aber sie kommt bestimmt wieder. Ich werde auf der Lauer liegen. Pünktlich um 7 bollerte es dann an meine Tür und die Nacht war vorbei. Ich ging duschen und Frühstücken. Tina lag noch bis 9 im Bett. Warum wecken die nur mich???
Den Vormittag haben wir auf dem Bett verbracht, Reiseführer gelesen und angefangen Bengali zu lernen. Entschuldigung heißt ausgesprochen Duckshit. Wieder ein Wort was ich mir merken kann. Nach dem Mittagessen haben wir ein wenig Mails gecheckt und Nachrichten gelesen. Um 3 beschlossen wir in die Bücherei zu gehen. Wir wollten jemanden Bescheid sagen, aber es war niemand hier.
Tina hatte ihre besten Sonntagsklamotten, bestehend aus hautengem T-Shirt und kurzer Hose mit Flipflops angezogen. Teilweise sind ganze Familien aus der Hütte gekommen und haben sie angeguckt. Nicht wenige mussten ein wenig lachen. Ich glaube ihr Kleidungsstil passt nicht so ganz hierher. Auf dem Weg zog ein Gewitter vorbei, das uns aber nicht traf. Wir haben gewettet, ob es heute noch regnen würde. Ich habe gesagt nein. Wetteinsatz war, eine grüne Chilischote zu essen. Bis jetzt, 22 Uhr ist nicht ein Tropfen gefallen und wir haben Sternenklaren Himmel. Ich wünsche einen guten Appetit.
Angekommen an der Bibliothek war klar, warum keiner mehr auf dem Gelände war. Alle waren in der Bibliothek weil ihnen langweilig war. Ich habe die Zeitungen gelesen und dann den Kindern beim spielen ein wenig zugeguckt. Die können mit 5 teilweise schon Schachspielen. Sehr niedlich die kleinen. Dann bin ich aufs Dach und habe ein weiteres Mal festgestellt wie schön es hier ist. Endlose Reisfelder, tropische Bäume, Sonnenschein und 32 Grad. Auf der Straße war Verkehr wie immer. Hoffnungslos überfüllte Busse auf deren Dach noch 15 Leute sitzen, Rikschas und Fußgänger, manchmal ein Auto oder LKW.
Um halb 6 sind wir dann mit ein paar VSSU-Mitarbeitern nach Lakshmitüdelüt gefahren (standesgemäß mit der Fahrradrikscha) und haben den Markt besucht. Es war großartig. Überall diese kleinen Geschäfte die alles verkaufen, den PC gleich neben den Linsen. Wir haben uns umgeguckt und schon das ein oder andere Souvenir entdecken können. Dann die ganzen Leute. Die Frauen in ihren bunten Saris, die Kinder die auf der Straße spielen und mittendurch der ganze Verkehr. Leider haben wir beide die Kamera vergessen, aber wir haben ja noch 7 Sonntage von denen wir einige garantiert hier verbringen werden. Nur Bengali müssen wir vorher lernen, denn kaum einer versteht Englisch und alles ist in Bengali geschrieben. Die Mitarbeiter haben ein wenig eingekauft und wir haben mit Hilfe von Anustee süßes Gebäck gekauft. Während wir auf den Rest warteten kam ein etwa 40-50 jähriger Mann zu mir und hat mich auf Bengali angesprochen. Er war vollkommen zugedröhnt und hatte ganz rote Augen. Ich schätze er wollte Geld. Als ich ihn nicht beachtete, hat er mich am Arm gepackt. Den habe ich dann weggezogen, ihn mit einem bösen Funkeln und einem No bedacht. Er hielt sich dann zurück und hat erst mal einen Joint geraucht, nur um direkt danach mich wieder vollzulabern. Selbst als wir auf die Rikscha gestiegen waren und die Frauen begannen ihn zu beschimpfen, hat er mich doch immer noch verfolgt.
Zurück ging es dann im stock dunkeln über die Landstraße. Licht haben natürlich nur die Busse und Motorikschas, vertrauten wir unser Leben den guten Augen des Fahrers an. Er hat uns auch tatsächlich sicher nach Hause gebracht. Von Anustee bekamen wir noch einen Snack überreicht. Sooooo lecker wieder. Hühnchenfleisch und ein wenig Gemüse mit einer herrlichen Soße eingewickelt in eine Art Fladenbrot. Danach mussten wir nur noch ein wenig mehr vom Abendbrot essen und waren satt. Da es ein wunderschöner Himmel heute ist, sind wir aufs Dach hoch, haben uns hingelegt, die Sterne betrachtet und diese viel zu süßen Süßigkeiten gegessen. Wenn man in das Gebäck reinbeißt läuft einem links und rechts der Zuckersaft aus dem Mund. Aber sehr lecker. Im Hintergrund haben die Dorfbewohner gebetet, bzw. sie singen noch immer. Müssen ja auch zu ein paar mehr Göttern beten. Vorhin haben sie die ganze Zeit hare Krishna gesungen. Also ich muss sagen heute war der indischste Tag bis jetzt in Indien. Sehr unterhaltsam und lustig und eindrucksvoll.
Im Moment ist schon wieder Stromausfall, aber das macht nichts. Dafür schwirren hier zwei Glühwürmchen durchs Zimmer und tanzen und leuchten im Dunkeln.
India is great!


25.08.2008 – Mein Kopf

War das ein Tag. Heute gab es nur Input. Wir sind nicht zur Zweigstelle gefahren, das passiert erst morgen. Ich habe eine kleine Vergleichsstudie zwischen verschiedenen Mikrofinanz NGO’s in Indien und Bangladesh und VSSU angefertigt. Danach hat Tina ein Dokument im Internet gefunden, dass die Wirksamkeit von Mikrokrediten analysiert. Sehr interessant, das musste ich erst mal lesen.
Nachmittags sind wir zu Mr. Mondal gerufen worden und konnten unsere Fragen stellen. Wir hatten 12 Fragen oder so und er hat uns über 2 Stunden erzählt. Unglaublich wie korrupt und konfus die lokalen Behörden hier arbeiten. Es wird erst einmal alles blockiert. Es ist zum Beispiel schwierig alleine für das Baumpflanzprogramm eine Genehmigung zu bekommen. Denn vom Baumkauf bis zur Pflanzung macht VSSU alles mit Hilfe der Bevölkerung. Der arme Sachbearbeiter hat also gar keine Chance ein wenig Geld zu sehen.
Im Lokalfernsehen wurde sogar eine Dokumentation ausgestrahlt, in der behauptet wurde, dass VSSU und insbesondere Mr. Mondal der Bevölkerung nur schade. Ein verrücktes Land aber Mr. Mondal hofft, dass in Indien in 5 – 10 Jahren auch die Regierung mal eingesehen hat, dass sie manchmal ganz schönen Unsinn verzapft.
Außerdem vergeben sie (Regierung und auch Funds) Milliarden Rupien für Mikrofinanzinstitute. Diese müssen dann aber auch nach deren Regeln arbeiten. Da Mr. Mondal dies nicht wollte und keine Regierungskredite annehmen wollte haben sie ihm verboten Spareinlagen von der Bevölkerung zu verwalten und es für illegal erklärt. Der Vorteil von VSSU ist aber genau der, dass Geld von den reicheren Bewohnern gesammelt wird und damit vollständig das Kreditsystem finanziert werden kann. Verrückte Inder.
Eben hat uns Anustee noch gezeigt, wie hier gearbeitet wird. Jeden Tag sagen sie Zweigstellenleiter per Telefon durch was sie am Tag für Ein- und Auszahlungen hatten und alles wird per Hand in riesige Dokumentenstapel eingetragen. Computer gibt es nur in zwei Zweigstellen. Aber die liegen ja auch irgendwo im Sumpf. Morgen geht es dann um 7 los zur Zweigstelle. Schlaf wird auch überbewertet. Aber ich bin gespannt und vergesse bestimmt meine Kamera nicht.
Apropos Kamera, heute Nacht waren zwei Eulen zu Besuch, leider nur graue und nicht die schneeweiße, aber ich konnte wenigstens ein Foto machen.
Und dann noch eine Begebenheit vom Frühstück: Es gab Spiegelei mit Zwiebeln auf Weißbrot. Hat sehr lecker geschmeckt. Tina meinte aber das Ganze noch verfeinern zu müssen, also hat sie sich eine Banane darüber geschnitten. Ihr hat es geschmeckt. Ich glaube Australier sind in Sachen Essen auch nicht ganz normal. Wir überarbeiten jetzt noch unseren Fragebogen für die Case Studies und dann geht es auch bald ab ins Bett. Morgen ist aufstehen um 6 angesagt. Juhuuu die Echse frisst die Mücken weg. Grüße aus Indien.

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