21.08.2008 – Schon eine Woche unterwegs
Als ich heute zum Mittagessen kam, war ich erstaunt. Es gab ein neues Gemüse, das auch noch gut roch. Sollte dies tatsächlich das Ende meiner Leiden sein? Ich tat mit hungrig und erfreut, dass mir endlich etwas schmeckt eine große Portion auf. Was soll ich sagen? Es hat natürlich beschissen geschmeckt und ich hatte auch noch das Stück Fisch mit den meisten Gräten, so dass ich die Hälfte der Zeit damit verbrachte in meinem Mund rum zu fischen. Und in der Soße war heute eine Extraportion Chili, so dass ich Schluckauf bekommen hab und mir die Nase gelaufen ist. Mein Tischnachbar war aber zu sehr mit rülpsen und schmatzen beschäftigt, als dass ihm etwas aufgefallen wäre.
Ich glaube ich kann bald einen neuen Blog aufmachen: dennis-jammert-uebers-essen.blogspot.com
So nachdem ich mal wieder übers Essen gemeckert hab hier der Rest des Tages. Hab die Website fertig übersetzt, das war so gegen zwei. Danach hatte ich nichts zu tun. Also erst mal Solitär gespielt J
Da Banani (ohne d) auch langweilig war, bzw. sie keine Lust zum Arbeiten hatte, haben wir uns Fotos angeguckt. Sie findet, dass Carolin sehr „naughty“ also ungezogen aussieht. So Caro, da weißt du es! Außerdem sind wir auf das Thema Küssen in der Öffentlichkeit gekommen, da sie lachen musste als sich auf einem Foto ein Pärchen geküsst hat. In Indien wird sich nur heimlich geküsst. Selbst Filmküsse gibt es nicht. Als ich ihr dann von Händchen halten erzählt habe hat sie sich fast gekringelt vor lachen. Schön, dass sie sich darüber amüsieren kann.
Danach kam das Thema Feiertage. Ich habe ihr versucht Fasching zu erklären und sie über den Alkoholkonsum eines Durchschnittsdeutschen aufgeklärt. Sie meinte wir bräuchten auch viel Alkohol, wo es doch so kalt bei uns ist. Und ob es bei und Eisbären gibt. Ich habe sie dann darüber aufgeklärt, dass 30 Grad im Sommer durchaus keine Seltenheit sind. Jetzt weiß sie es wenigstens. Dann hat sie mir Bilder von einem indischen Feiertag, Namen hab ich natürlich wieder vergessen, gezeigt. Alle Leute beschmieren sich da mit Farbe. Schade, dass das Internet so langsam ist, sonst würde ich ein paar Bilder davon hochladen.
Dann musste sie aber doch irgendwann wieder arbeiten. Ich war noch ein wenig im Internet Mails checken, was hier auch mal 10 Minuten in Anspruch nehmen kann, bis überhaupt die Seite geladen ist... Das Internet ist auch ganz komisch hier. Irgendwie sind das noch Reststrahlen die eigentlich für Kolkata bestimmt sind. Keine Ahnung, wie die hierher kommen. Aber egal, Hauptsache es gibt sie überhaupt noch. Irgendwie ist dann auch der Nachmittag vergangen, ich habe im Reiseführer gelesen und dann kam Banani (Man betone bitte die letzte Silbe) auf die Idee doch einen Film zu gucken. Also haben wir bis eben, das heißt 10 Uhr einen 2 ½ Stunden Liebesfilm von 1960 auf Bengali geguckt. Ich hab sogar die Handlung verstanden. Und es gab was zum knabbern. Puffreis mit einer sehr sehr sehr leckeren gefüllten, frittierten Teigtasche. Warum gibt es so was hier nicht zum Mittag? Ich werde wohl mal zum Markt gehen müssen und mir davon was holen.
Nun sitze ich im Zimmer und schreibe mal wieder Blog. Eben war ich noch am Koffer um etwas herauszuholen, da flitzt der Mörderkäfer überhaupt daraus. Hab mich erst mal „etwas“ erschrocken. Solch ein Riesenviech, etwas größer als mein Daumen. Ist aber irgendwo im Zimmer verschwunden. So lange er mich nicht weckt, soll er machen was er will. Es ist schon erstaunlich wie resistent man gegen Insekten und ähnliches wird, wenn diese Viecher ständig um einen herum sind. Selbst die Spinne in der Dusche heute morgen hat mir nichts ausgemacht. Außerdem werden die bestimmt alle von diesen komischen Echsen aufgefressen. Ich freu mich schon richtig darauf weiter in den Dschungel zu kommen.
Oh und morgen soll die Australierin kommen. Ich hoffe die hat keine Angst vor Insekten. Obwohl, die giftigsten Tiere der Welt leben in Australien, da sollten sie ein paar Viecher hier nicht stören. Man wird sehen, ich werde mich jetzt ins Bettchen begeben. Sind übrigens von der harten Sorte hier, die Matratze ist mit Stroh gefüllt. Also euch allen auch einen guten Schlaf.
22.08.2008 - Ich wollt ich wär ein Huhn
Pock pock, ich hätt nicht viel zu tun, pock pock, ich lege jeden Tag ein Ei und Sonntags auch mal zwei.
Naja viel mehr als ein Huhn mache ich im Moment auch nicht. Heute habe ich meine Wochenplanung gemacht, ein Anschreiben erstellt, mit dem ich bei ein paar Unternehmen in Deutschland um Spenden werben werde, Verbesserungsvorschläge für die Bibliothek ausgearbeitet und eine Umfrage erstellt. Also nicht allzu viel Konstruktives. Ich bin froh, wenn ich nächste Woche endlich mit den Case Studies anfangen kann. Da habe ich wenigstens eine Aufgabe und bin unterwegs und sehe etwas.
Apropos sehen. Heute ist eine neue Schule eingeweiht worden. VSSU hat sie gebaut und heute einer Regierungsorganisation übergeben. Darin wohnen und lernen Kinder deren Eltern entweder tot oder im Gefängnis sind. Es wird alles übernommen, Kleidung, Essen, Unterricht usw. Momentan sind 100 Kinder darin untergebracht. Leider hatte ich meine Kamera vergessen, aber von VSSU hat jemand ganz fleißig Fotos geschossen. Die werde ich mir mal besorgen.
Zur Einweihung ist die Distriktsvorsitzende gekommen, wie es sich für Indien gehört eine Stunde zu spät. Aber sie hatte auch einen Weg von 20 Kilometern hinter sich zu bringen da ist das entschuldigt. So lange wir warteten habe ich die Zeit genutzt um mich mit der etwas älteren Dame zu unterhalten, die auch bei mir sitzt. Die, die schon mal in Deutschland war. Sie hat von ihren Reisen nach Europa und Japan erzählt. Besonders die nach Japan war interessant, denn sie war irgendwo in Japan, wusste nicht wo sie hin muss, konnte diese komischen Zeichen nicht lesen und kein Japaner konnte englisch J Irgendwann hat sie dann doch jemanden getroffen, der sie durch halb Japan begleitet hat, bis sie dann um 2 Uhr nachts endlich am Konferenzort eingetroffen war (Gelandet war sie um 8 Uhr abends) Ein Hoch auf die Kolonialisierung, so dass ich in Indien alles lesen kann…
Als der Konvoi endlich angekommen war haben alle Spalier gestanden und die nette Frau hat das rote Band durchschnitten um dann eine halbe Stunde das Haus zu besichtigen, während im Hof alle gewartet haben. Dann ging es wieder raus und die Kinder haben ein Lied gesungen. Erst danach sollte der richtige Akt mit Reden und Musik beginnen. Mir war es dann doch etwas zu langweilig (Reden auf Bengali sind nicht so meine Sache) und ich bin mit ein paar Mitarbeitern wieder ins Hauptquartier gefahren.
Die Fahrt war sehr angenehm. Wir saßen/standen mit 6 Erwachsenen und 14 Kindern in einem Jeep und der Kerl ist geheizt wie nichts Gutes. Zum Glück sind wir heile angekommen.
Dann sie nächste Überraschung: Zum Mittag gab es tatsächlich Hühnchen und Auberginen. Ein Traum. Mir kamen die Tränen und ich musste sie mit einem gespielten Hustenanfall vertuschen ;-) Am Tisch saßen noch drei Herren aus Delhi, die wegen der Bibliothek hier sind. Sie wollen Kurse für die Dorfbewohner in den Bereichen Computer, Internet und Kommunikation anbieten. Irgendwann gleich demnächst kommt die Australierin an. Der Chef ist schon heiß wie Frittenfett und hat die Kamera geholt, damit ganz viele Fotos von der Begrüßung mit einem hässlichen Blumenstrauß gemacht werden können.
Noch eine Kleinigkeit: Jemand hat mir heute eine englische Zeitung hingelegt. Sehr nett, jetzt weiß ich wenigstens ein wenig, was in der Welt so passiert. Zum Beispiel, dass die indische Inflation auf 12,6% gestiegen ist, dass Matt Damon jetzt doppelter Vater ist oder dass das neue iPhone jetzt auch in Indien verfügbar ist. Es stand sogar was von indischen U-Booten drin, die die HDW in Kiel gebaut hat. Kosten tut so eine 40-seitige Tageszeitung 1,5 Rupien, also 2,3 Cent. Weisste Bescheid. Ich werde mich hier noch ein wenig mit hochbrisanten Dingen wie Solitär, Bengali und dem neusten BRAC Entwicklungsbericht beschäftigen, bis es dann zum Abendbrot hoffentlich wieder Hühnchen gibt.
Was soll ich nur morgen auf der Arbeit machen?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen