Donnerstag, 2. Oktober 2008

Ventilator - Brummmmmmmmm

30.09.2008 – Ein Satz mit X

Das war wohl nix. Die Aufnahmen sind fast nicht zu gebrauchen, weil es im Hintergrund meistens einfach zu laut ist. Tina hat noch ganz andere Sorgen. Sie will Musik ins Video einbauen und macht sich Gedanken ums Copyright. Ich bezweifle mal ganz stark, dass sie so etwas braucht geschweige denn es überhaupt in den verbleibenden zwei Wochen besorgen zu können.
Auch war es nichts mit dem Herbst. Es ist wieder genau so heiß geworden wie es vorher war. Und das Ende September. Mein Körper ist so etwas doch nicht gewöhnt.
Mir ist noch etwas aufgefallen, jeder drückt den Türknopf im Jeep runter, wenn wir losfahren. Keine Gurte haben/benutzen, Fenster alle weit auf, aber den Knopf runtedrücken. Es gibt Sachen die werde ich niemals verstehen. Maria hat uns von den Philippinen geschrieben. Sie ist bei befreundeten Diplomaten untergekommen und schreibt uns von Steak. Danke dafür.
Abends war noch Arpan, der jüngere Sohn vom Chef bei uns. Der ältere heißt Darpan. Ich muss saen die sprühen hier nur so vor Kreativität in der Namenswahl. Aber manchmal sind die Namen hier auch so komisch, dass sich selbst Inder den Namen buchstabieren lassen müssen. Wenigstens kann ich mir die beiden Namen merken, das ist ja auch mal was Gutes. Wir haben dann über Straßenverhältnisse und seinen ersten Unfall erzählt. Er war mit zwei Freunden auf dem Motorrad unterwegs und das Licht war wohl etwas schwach. Arpan ist gefahren und plötzlich war da so eine Schranke im Weg, die aber niemand gesehen hat weil es dunkel und das Licht unzureichend war. Also hat Arpan schön eine Schranke gegen den Brustkorb bekommen und konnte drei Tage nur gekrümmt laufen. Aber gebrochen oder so war zum Glück nichts. Wie werde ich nur je wieder mit deutschen Straßenverhältnissen zurecht kommen?
So ich lese jetzt weiter meine Internet Bücher. Hab ein en super Schreiber von historischen Romanen gefunden, Paul Schreckenbach. Nur zu empfehlen.


01.10.2008 – Der Countdown läuft

Nur noch einen Monat bin ich hier. Und davon nur noch zweieinhalb Wochen arbeiten. Dann geht die Reise los auch ein wenig vom Rest des Landes zu erkunden.
Heute war der letzte Interview Tag. Tina ist um sechs aufgestanden und hat die Kinder der Schule beim Morgengebet und Joga gefilmt. Mir war das zu früh und außerdem kann ich es ja auf band angucken. Vormittags sind wir dann nach Laxmikantapur und haben den dortigen Filialleiter der United Bank of India interviewt. Ich war der Interviewer, weil Tina filmen musste. Außerdem hat der Filialleiter mein Englisch besser verstanden. Tina ist hier immer am verzweifeln ob ihres Australischen Akzents. Kaum ein Inder versteht sie, mich dagegen alle. Der Videodreh war wieder eine Sache für sich. Da Tina endlich mal ein vernünftiges Interview haben wollte, mussten alle Bankangestellten leise reden, die Fenster wurden geschlossen und die Ventilatoren ausgestellt. Und das bei 30 Grad schon morgens um zehn. Noch schlimmer war es aber nach dem Interview, da wollte Tina ein paar „natürliche“ Aufnahmen vom Markt machen. Erklär mal Indern sie sollen sich vor der Kamera ganz normal verhalten. Es geht einfach nicht. Es bildet sich immer eine Traube und die Menschen starren Tina an oder versuchen auch aufs Video zu kommen. Nachdem wir also eine ¾ Stunde erfolglos versucht haben zu drehen hatte sie ein einsehen und wir konnten wieder zurück fahren.
Direkt nach dem Mittag ging es dann nach Krishnachandrapur, weil da die letzte Interviewpartnerin war. Die fühlte sich aber unwohl und so wurden erst mal der Zweigstellenmanager und ich rausgeschickt, damit sich die Frauen alleine unterhalten können. Wir hatten noch Anustee als Übersetzerin mit. Also habe ich mit dem netten Herr zwei Runden durchs Dorf gemacht und wir haben uns unterhalten und das Dorf angeguckt. Es waren geschätzte 35 Grad und ich hatte mein langes Hemd an. Als wir wieder am Haus ankamen war mein Hemd hinten vollkommen nass, da ich auch noch den Rucksack auf dem Rücken hatte. Wenigstens war das Interview erfolgreich und die Aufnahme auch ohne störende Geräusche. Doch warum war ich überhaupt mitgekommen? Ich habe wenigstens erfahren, dass morgen Feiertag ist und wir Urlaub haben. Am 02. Oktober ist nämlich Gandhis Geburtstag und das ist einer von ganzen fünf! Feiertagen die es in West Bengalen gibt. Die anderen sind zwei Tage nächste Woche wegen Durga Puja, dem größten religiösen Fest, das bengalische Neujahrsfest am 16. April und der Unabhängigkeitstag am 15. August. Wenn ich da an unsere zahlreichen Feiertage denke.
Abends waren wir noch mit Arpan in dem Mondalschen Haus und haben ein wenig durchs Fernsehprogramm gezappt. Ich habe die wahrscheinlich schlechteste Daily-Soap der Welt gesehen und das Quiz Taxi gibt es auch in Indien. Ich weiß schon warum ich den Fernseher nicht vermisse. Außerdem meinte Arpan ob ich denn verheiratet wäre. Ich erwiderte, dass mit 22 ja noch etwas Zeit sei. Er konnte gar nicht fassen, dass ich erst 22 bin und meinte er hätte mich auf 30 geschätzt.
Jetzt bereiten wir uns seelisch auf den morgigen freien Tag vor. Ich werde wohl nach Laxmikantapur fahren und neues Shampoo kaufen. Meines ist nämlich langsam alle. Neue Zahnpasta und Deo habe ich schon gekauft. Also ab morgen wieder vollkommen gerüstet, so dass Tina nicht zwei Wochen mit einem stinkenden, ungewaschenen Kerl durch die Gegend reisen muss. Zum Friseur müsste ich auch aber da habe ich doch etwas bedenken. Obwohl, was sollen die an meinen Haaren noch viel falsch machen? Ich werde es morgen mal ausprobieren. Vorher/Nachher Fotos werden nachgereicht.

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