02.10.2008 – Nichts geschafft
Heute war nun wirklich der faulste Tag, den ich hier hatte. Zum Frühstück hatten sie erst mal vergessen einzukaufen, also gab es diese Instant Nudeln als Ersatz. Da kommt Freude auf. Nach dem Anstrengenden Frühstück musste ich mich erst einmal wieder ins Bett legen und eine Runde lesen. Obwohl ich nur fünf Stunden Schlaf hatte, war an keinen weiteren zu denken, da morgens um neun schon 31 Grad waren. Tina hat trotzdem den ganzen Vormittag geschlafen. Ich war noch ein Stündchen an Bananis Computer im Internet, da das Modem mal wieder nicht funktioniert.
Durch das Mittagessen waren wir wieder so geschwächt, dass wir uns erst einmal aufs Bett legen mussten. Wir haben uns unsere Reiseführer angeguckt und entschlossen, dass jeder einen Plan macht und wir uns dann abstimmen. Mal gucken ob ich mein Darjeeling durchgesetzt bekomme. Um sechs schrieb uns dann Arpan, dass er draußen warte. Also haben wir uns tatsächlich vom Bett erhoben und sind durchs Dorf gelaufen. Arpan hatte dann die glorreiche Idee doch ein Bier zu trinken. Also ist er und mit einem Freund auf dem Motorrad Bier kaufen gefahren und wir durften im Haus seines Großonkels warten. Wir kannten ihn zwar nicht und er konnte auch kein Englisch, aber wir haben mal 20 Minuten da gewartet. Da es Arpan eigentlich verboten ist Alkohol zu trinken mussten wir es heimlich dort machen. Sein Großonkel ist schon etwas älter und bekommt das nicht mit, dass in den Flaschen Bier ist. Schon lustig, dass ein 20-jähriger sich vor seinem Vater verstecken muss, wenn er mal ein Bierchen trinken will. Mr. Mondal rief dann auch noch an und wollte uns treffen. Also tranken wir schnell aus, steckten uns ein paar Chips in den Mund um den Geruch zu verdrängen, verabschiedeten uns von Arpan und seinem Freund und gingen zur Schule, wo das Auto wartete. Wir waren bei einem Zweigstellenmanager eingeladen. Der ist nämlich Muslim und heute ist ja der Ramadan vorbei, also gab es ordentlich Süßigkeiten zu futtern. Dann fingen sie an darüber zu reden, dass ich ja erst 22 wäre und dann hat sich Anustee darüber lustig gemacht, dass ich zum Friseur will. Sie meinte was ich denn ohne Haare beim Friseur wolle. Na danke jetzt fangen die Inder auch noch damit an.
Tina hat eine kostenlose Handbemalung von der Frau des Managers bekommen. Sie ist 26, er 35. Das alleine ist ja nichts Verwerfliches. Das Schlimme an der Sache ist, dass sie mit 13 an ihn verheiratet wurde und ein Jahr später ihren ersten Sohn gebar. Und vor 13 Jahren war 1995. Ihr seht also, auch im modernen Indien gibt es noch mach befremdliche Sache, besonders unter der Landbevölkerung.
Danach sind wir noch kurz in die Bibliothek gefahren, weil die Kinder dort einen Film anguckten und Mr. Mondal etwas zu besprechen hatte. Er meinte nur fünf bis zehn Minuten. Aber natürlich indische Zeit, so dass wir 40 Minuten dort verbrachten.
Jetzt sind wir wieder in VSSU und erholen uns. Auf Abendbrot haben wir nach den ganzen Süßigkeiten keinen Hunger mehr, was auch besser ist da die Ameisen das Essen vor uns entdeckt haben.
03.10.2008 – Im Osten nichts Neues
Heute wollte ich eigentlich eine Zweigstelle besuchen, da Tina ja jetzt fertig ist mit Video drehen. Sieben Stunden Rohmaterial hat sie. Ich hab keine Ahnung was sie alles gefilmt hat. Aber für mich hatte leider keiner Zeit, weil alle immer mit Tina weg waren und jetzt ihre liegen gebliebene Arbeit aufholen müssen. Mal gucken ob es nächste Woche etwas wird, wobei ich da bezweifle. Nächste Woche ist nämlich Durga Puja, das größte Fest in West Bengalen. Es geht die ganze Woche, glaube ich und Donnerstag und Freitag sind frei. Die größten Feierlichkeiten sind natürlich in Kolkata, was wohl oder übel bedeutet, dass wir da mal wieder hinfahren und übernachten. Es wird nämlich alles geschmückt und mit Lampen behängt. Ich glaube während der Zeit will keiner im Kraftwerk arbeiten.
Arpan war heute mal wieder da. Ihm ist langweilig, er hat Ferien bis zum zehnten. Und hier kann man ja auch nicht wirklich viel unternehmen. Er verbringt seine Tage mit ausschlafen, fernsehen und Video gucken. Jetzt ist Tina gerade bei Mr. Mondal im Büro. Sie sprechen über das Tourismus- und Einkommensprojekt was er plant. Aber ich bin zu müde, es ist schon halb zwölf und die beiden haben gerade erst begonnen. Tina kann mir ja morgen alles erzählen. Einen wunderschönen Sternenhimmel haben wir heute. Hätte ich mal mein Teleskop mitgenommen.
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