Freitag, 26. September 2008

Jamiroquai - This corner of the earth

24.09.2008 - Krank

So dieses Mal bin nicht ich krank sondern Tina. Sie sah schon beim Frühstück nicht gut aus und meinte sie hätte Fieber. Aber trotzdem wollte sie unbedingt Zu einer Frau fahren um ein Interview zu führen. Ich habe dann nach einem Thermometer gefragt, um zu gucken wie hoch das Fieber ist. Sie ließ sich nämlich partout nicht davon abbringen zu fahren. Das Ergebnis war 38,6. Zu kalt für Tina um im Bett zu bleiben. Also hat sie sich bei 29 Grad Außentemperatur eine lange Hose und ein Fließpulli angezogen und ist mit Aparna losgefahren. Wenigstens hatte sie Fiebersenkende Tabletten dabei.
Ich blieb im Büro, denn was soll ich da zum Interview mitfahren und doof daneben stehen? Ich hab eine Stunde bei Mr. Mondal verbracht und ihm meine neuesten Ideen gezeigt. Vor allem von der Ideenbox war er begeistert. Eine Idee von AIESEC Berlin wird jetzt in Indien umgesetzt.
Außerdem habe ich begonnen nach Geldquellen in Deutschland zu suchen. Es gibt extra Fonds die nur in Mikrokreditunternehmen auf der ganzen Welt investieren. Das habe ich auch noch nicht gewusst. Vielleicht kann man da ja was machen. Ich schreibe da mal ein paar nette Mails hin.
Abends war Tina immer noch weg. Ich hab mich mit Bonani über alles Mögliche unterhalten. Inder wissen recht wenig von dem, was außerhalb ihres Landes so vor sich geht und ging. Außerdem hat sie mir erzählt, dass sie sich nach einem neuen Job umschaut. Sie ist hier nicht zufrieden mit der arbeit. Wäre ich auch nicht, wenn ich zwei Master in der Tasche hätte und dann in einer kleinen Mikrofinanzorganisation Privatsekretär werde. Aber sie ist auch recht selbstbewusst. Sie hat einfach mal bei Wikipedia nach den größten indischen Unternehmen gesucht und ruft da mal an und schreibt Bewerbungen. Sie hat sogar schon eine fast feste Zusage von Jaipur Rugs, einem großen Teppichhersteller. Jaipur liegt zwar in einem ganz anderen Teil des Landes, aber so sieht sie ihre Familie auch nur alle halbe Jahr ein Mal. Das sind schon komische Arbeitsverhältnisse in Indien.


25.09.2008 – Inder wissen nichts

Heute waren wir wieder eine Zweigstelle besuchen, Kulpi. Da es immer noch regnet wurde uns der Jeep zur Verfügung gestellt. Der Fahrer hat uns dann während der Fahrt erzählt, dass das Auto fast Schrott ist. Kupplung kaputt, Motor halb kaputt, Bremsen kaputt. In Indien ist eh die Hauptsache, dass die Hupe funktioniert. Tina, es geht ihr schon wieder besser, hat sich erst mal nach vorne gesetzt und angeschnallt. Hinten gibt es gar keine Sicherheitsgurte und der Fahrer benutzt eh nie einen. No risk, no fun sag ich da nur. Aber er meinte, er ist in 30 Jahren immer unfallfrei geblieben. Ich will das jetzt mal so im Raum stehen lassen.
Kulpi ist schon eine komische Zweigstelle. Es sind fast nur Händler vom Markt Kunden und irgendwie haben die alle einen riesigen Kredit bekommen. Bei den Frauengruppen ist ein erster Kredit von 4.000 bis 6.000 Rupien normal. Wir haben einen Mann besucht, der durch „spezielle Beziehungen“ zum Hauptquartier, sprich Mr. Mondal, einen ersten Kredit über 100.000 Rupien bekommen hat um damit ein Fernsehgeschäft zu eröffnen. Interessant ist, dass er erzählt hat, dass selbst auf dem Dorf jede Mittelstandsfamilie einen Fernseher besitzt. Und neuester Renner ist ein Pay-TV Paket für 3.000 Rupien im Jahr mit 200 Sendern.
Am Abend sind wir dann wiedergekommen und Bonani meinte ich solle mal meine Musik anmachen. Also habe ich ihr erst einmal eine Führung durch sämtliche Musikstile gegeben. Bis auf ihre indische Musik kennt sie nämlich nur Bob Dylan. Also habe ich ihr Reggae, Techno, Afrikanische Musik, Balkanpop, Schlager, Alternative und Hip Hop gezeigt. Unfasslich, dass sie davon nicht eine Musikrichtung kennt. Schlager fand sie übrigens am besten. Ich hab ihr Udo Jürgens vorgespielt. 17 Jahr, blondes Haar… Dann hat sie mich zur westlichen Kultur befragt. Wie das mit dem Alkohol ist und Sex vor der Ehe. Und ob man in Deutschland überhaupt Indien kennt. Ich glaube sie erfährt hier fast mehr über die westliche Kultur als ich über die indische. Wir haben dann noch High Fidelity, natürlich auf Englisch, angeguckt. Sie hat aber fast nichts verstanden und so mussten Tina und ich ihr immer alles erklären. Das nächste Mal gucken wir Terminator, da wird nicht viel gesprochen. Sie steht eh mehr auf Actionfilme. Besonders gerne mag sie Jackie Chan und Sylvester Stallone. Und ihr Lieblingsfilm ist Jurassic Park. Wenigstens kennt sie sich ein wenig bei westlichen Filmen aus. Ich kann ja mal versuchen einen neuen film runterzuladen. Dürfte nur etwa eine Woche dauern. Vielleicht hat Tina ja noch welche auf ihrem Laptop. Hab sie gar nicht gefragt.
Ach das beste war, dass Banani gefragt hat, ob ich das Wort Pornography kenne. Natürlich kenne ich das. Sie dachte, es wäre ein bengalisches Wort und Pornofilme eine indische Erfindung. Ich gab ihr den Ratschlag, doch mal danach zu googlen. Bin gespannt wie sie das Ergebnis aufnimmt.

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