Mittwoch, 10. September 2008

The Smiths- Sheila take a bow

So nicht gestern, sondern heute die neuesten Berichte. Den von heute muss ich noch schreiben. Was da schon wieder los war...

07.09.2008 – Sunderabans

Die Sunderabans (sprich Schunderabbans) sind wie schon erwähnt der größte Mangrovenwald der Welt und Unesco Welterbe. Auf Grund der weltweiten Klimaerwärmung wird es ihn nicht mehr allzu lange geben, es wurde also höchste Zeit, dass ich mal hinfahre.
Um halb 8 ging es los. Innerlich habe ich beim Aufstehen um halb 7 überlegt, wie viele Leute in Deutschland, da was es 3 Uhr nachts, noch auf einer Party unterwegs sind.
Schon beim aufstehen hatten wir 30 Grad und strahlend blauen Himmel. Mit dem Jeep und zwei Motorrädern ging es mit 12 Leuten bis nach Gobindapur. Dort stiegen wir auf eine extra gecharterte Luxusyacht um. Ein Holzboot mit einem Dieselmotor der dem Geräusch nach eine Mischung aus Rasenmäher und Panzer zu sein schien. Es war mittlerweile zehn und solch eine Hitze, dass jeder schwitzte. Auf dem Deck konnte man nicht mehr barfuss gehen konnte und nicht ein laues Lüftchen war zu spüren. Also gingen wir kurz hoch, schwitzten und gingen wieder unter Deck. Wir fuhren ein paar Stündchen und betrachteten die Landschaft. Leider war es auch für die Krokodile zu heiß, so dass wir keine zu sehen bekamen. Dafür besuchten wir eine Krokodilfarm, in der wir dann welche zu Gesicht bekamen. Leider auch nur die „kleinen“ in den Käfigen, denn die großen waren im Teich untergetaucht. Interessant ist, dass in der Natur nur 5 von 100 Krokodilen erwachsen werden, in der Farm dagegen 50 von 100.
Zum Mittag sind wir an Land in ein Haus von VSSU, wo es lecker Mittagessen gab. Drei verschiedene Sorten Fisch. Einer besser als der andere. Dann fuhren wir weiter Richtung Bucht von Bengalen, wo wir versuchten Fisch zu kaufen. Die Fischer waren aber alle noch nicht so weit, so dass wir wieder umkehrten. Ein Stück weit haben uns dann 3 Delfine begleitet. Als ich aber meine Kamera geholt hatte, waren sie verschwunden. Sind wohl etwas Kamerascheu die Tiere. Da es langsam auf den Abend zuging, konnten wir auch oben sitzen und die wunderschöne Landschaft und die Mangroven betrachten. Gegen sechs waren wir dann wieder am Ausgangspunkt angelangt und fuhren zurück nach Hause, jedoch nicht ohne erst mal noch Obst, Cola, Sprite und Süßigkeiten zu kaufen. Wir müssen endlich was gegen unseren Gewichtsverlust tun. Mein Gürtel ist schon am letzten Loch angelangt.


08.09.2008 – Deutsche Geschichte

Heute haben wir einen Masterplan für diese Woche aufgestellt, was wir alles machen wollen. Drei Zweigstellen besuchen, mit Mr. Mondal unsere Ideen diskutieren und am Wochenende nach Kolkata fahren. Das hat aber den ganzen Vormittag gebraucht, da wir in Indien sind und fünf Leute fünf Meinungen dazu haben, wann wir mit wem wohin fahren können. Angepeilt sind jetzt Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Mal. Nachmittags habe ich dann mit Bonani gesprochen. Sie hatte mich gefragt, ob ich schon mal gearbeitet hätte. Ich erzählte ihr dann vom Zivildienst, musste dann erklären, dass es in Deutschland die Wehrpflicht gibt. Irgendwie sind wir dann zum Thema deutsche Geschichte ab Gründung des deutschen Kaiserreiches gekommen. Also habe ich „kurz“ in einer Stunde das wichtigste zusammengefasst, wobei ich ihr erst einmal erklären musste, was der Kalte Krieg war. Scheint in Indien nicht so das große Thema gewesen zu sein. Abends wurden wir dann für Mittwoch in ein College eingeladen, da dort Einschulung ist und wir natürlich die Ehrengäste sind. Damit hat sich das Thema Zweigstelle am Mittwoch auch schon wieder erledigt. Morgen haben wir einen Termin beim Chef, in dem wir ihm alle unsere Ideen präsentieren können. Kann sich nur um Stunden handeln.


09.09.2008 – Diskussionen

Heute war er endlich gekommen, der große Tag an dem wir unsere Ideen präsentieren konnten. Ich glaube wir haben sieben Stunden im Büro des Chefs verbracht und erzählt und diskutiert. Zuerst hat Tina 1 ½ Stunden über ihre Dokumentation geredet, ddie sie jetzt über VSSU drehen soll. Ein 26 Minuten Film soll es werden. Ich bezweifle mal, dass das in den verbleibenden sechs Wochen zu schaffen ist. Sie will etwa sieben Stunden Rohmaterial filmen und dann schneiden. Vielleicht legt sie ja Nachtschichten ein. Das heißt aber auch, dass ich jetzt die Case Studies übernehmen werde, was mich aber nicht sonderlich stört.
Maria hatte dann eine tolle Idee, die sie aus Honduras mitgebracht hat, nämlich Plakate mit Fotos drauf den Leuten zu präsentieren um z.B. über die Gefahren verunreinigten Wassers oder die Vorteile einer Latrine aufzuklären. Auch Rechte der Frauen oder AIDS können Thema sein.
Danach sprachen wir erst einmal über die Möglichkeiten von VSSU an Geld zu kommen. Mr. Mondal hat von der Grameen Bank erzählt, die von der Bill Gates Stiftung 15 Milliarden Taka (Währung Bangladeschs) bekommen hat. Umgerechnet sind das immer noch 150 Millionen Euro. Kein Wunder, dass die heute so groß sind. Ich habe auch noch meine gesammelten Werke vorgestellt, unter anderem den Vorschlag hier ein paar Solarzellen aufs Dach zu bringen. Ich glaube, die würden sich schnell amortisieren, so oft wie hier der Generator mit Diesel läuft. Immerhin kostet in Indien ein Liter auch schon 60 Cent.
Am Abend wurden wir dann noch einmal zu ihm gerufen und er hat von seinen großen Träumen und Plänen erzählt. Sehr lustige Sachen. Er möchte zum Beispiel am 23.09.2012 alle Leute, die ihn jemals besucht haben nach Indien einladen und an einem Tag fünf VSSU Zweigstellen auf fünf Kontinenten eröffnen. Außerdem ist er begeistert von Disneyland und zitiert ständig Philosophen und andere Leute, wie Sokrates und Maxim Gorki. Manchmal habe ich das Gefühl, er ist etwas größenwahnsinnig, aber jeder Mensch hat so seine Träume. Seine sind eben etwas größer. Dann hat er uns noch eröffnet, dass er nicht wegen uns seine Zeit mit uns verbringt, sondern zu seiner eigenen Befriedigung und weil er unsere Ideen manchmal hilfreich findet. Ein schöneres Kompliment hätte er uns nicht machen können.
Lustig ist es auch immer, weil Maria, bedingt durch Mr. Mondals Akzent, höchstens die Hälfte versteht. Er wiederholt es dann noch einmal laut und langsam für sie. Da sie in 80% der Fälle dann immer noch nichts versteht, schreiben Tina oder ich den Satz auf und erklären ihr noch einmal, was denn nun überhaupt gemeint ist. Nach dem Gespräch mussten wir noch im Zimmer zusammensitzen und Marias restliche Fragen klären und dann ein wenig über die Persönlichkeit diskutieren. Maria findet er sei ein spiritueller Führer, ich finde er ist eine Art Diktator, der Pläne macht, die dann 50 Mitarbeiter irgendwie umzusetzen haben und Tina hat keine Meinung, weil sie in dem Augenblick mit Blog schreiben beschäftigt war. Sie hat sich gestern nämlich auch einen eingerichtet. Ich kann ja mal die Adresse hier reinstellen. Sie findet es im Übrigen gemein, dass Maria und ich ihren Blog verstehen, sie aber unsere nicht. Doof, wenn man nur eine Sprache kann.
Es gab noch eine Überraschung zum Abendbrot. Es gab Dal heute mit zusätzlichem Eiweiß. Nachdem wir aufgegessen hatten fiel mir ein kleiner Wasserfloh auf, der fröhlich darin herumplantschte. Wer weiß, vielleicht hatte er vorher noch einen Begleiter? Ich wundere mich nur, wie er das Kochen überlebt haben kann?

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