Donnerstag, 18. September 2008

Neil Young - Heart of gold

17.09.2008 – Musik und Don Quijote

Heute ist Feiertag in West Bengalen, aber gearbeitet wird trotzdem. Irgendein Gott der Instrumente wird verehrt. Der sieht recht komisch aus. Ein sehr weibliches Gesicht, aber einen Schnurrbart. Wie auch immer, dem Gott der Instrumente wird natürlich mit Musik gehuldigt. Überall hängen große Lautsprecher aus denen Indische Musik klingt. Mal was anderes bei der Arbeit.
Ich habe vormittags versucht Logos für VSSU zu entwerfen. In meinen Gedanken sehen die ganz gut aus, aber wenn ich versuche meine Ideen auf Papier zu bringen sieht es doch irgendwie ganz anders aus. Außerdem habe ich eine Präsentation über Deutschland gemacht, weil wir am Nachmittag zu den Kindern der Schule gehen wollten. Also schnell ein paar Bilder vom Laptop und aus dem Internet zusammengesucht und eine Präsentation daraus gemacht.
Zum Mittag dann eine Überraschung, wir waren zum Essen bei Depuschan, einer der Kerle die uns bedienen eingeladen. Leider hatte Maria das vergessen und so waren wir gerade bei unserem VSSU- Mittagessen, als uns gesagt wurde wir würden erwartet. Also sind wir zum zweiten Mittagessen losgegangen. Depuschan hat uns seine Familie vorgestellt und dann gab es Süßigkeiten. Wir schlugen uns also den Bauch damit voll, weil wir dachten das wäre unser Essen. Dann gab es aber noch mal richtig Essen. Gut, dass wir schon in VSSU gegessen hatten, denn es war nicht so der Brüller. Aber wir sind ja gute Gäste und haben (fast) aufgegessen.
Danach ab in die Schule und die Kinder mit unseren Präsentationen glücklich gemacht. Maria hat von Don Quijote erzählt und ich glaube es hat keiner etwas verstanden (ich auch nicht). Ich hab lieber die Bilder sprechen lassen und in simplem Englisch erklärt. Besonders das Foto von Grünkohl mit Bregenwurst und Speck kam gut an. Danach haben wir noch ein wenig Spiele mit den Kindern gespielt, da die Freizeit hatten, uns mit den Lehrern unterhalten und dann wieder zurück.
Abends sind wir noch auf der Suche nach Party gewesen, aber alles war schon vorbei. Dabei hatten Maria und Tina extra ihre Sari angezogen. So mussten wir recht schnell wieder zurück und ich lese die letzten Kapitel meines letzten Buches.

18.09.08 – Fahrzeuge und Industrie

So nach einem vollkommen unproduktiven Vormittag, den ich mit dem Lesen sämtlicher Nachrichten auf Tagesschau.de verbrachte ging es nach Diamond Harbour in die Zweigstelle.
Die Straße ab Kulpi ist sogar neu und selbst zwei Busse passen ohne Probleme gleichzeitig darauf. Das habe ich bis jetzt hier noch nicht gesehen.
Was ich aber sah war ein Unfall. Ein Lkw ist auf den aufgeweichten Seitenstreifen gekommen und umgekippt. Hoffentlich saßen da, wie so oft, keine Menschen oben drauf. Diamond Harbour ist Touristenort, da man schöne Aussichten auf den Hoogly hat. Es gibt sogar Bürgersteige! Mit 50.000 Einwohnern ist Diamond Harbour in der indischen Klassifizierung ein town, liegt also zwischen village und city.
Der Manager der Zweigstelle kennt 99% seiner 1.500 Kunden mit ihrer Lebensgeschichte. Bevor wir zu den Leuten hingegangen sind hatte er uns schon die halbe Story erzählt. Er konnte nämlich auch noch gutes Englisch sprechen. Nette Geschichten waren wieder dabei, unter anderem von einer Frau die mit 21 Witwe geworden ist, einen zweijährigen Sohn hatte und mit einer Tochter schwanger war. Jetzt hat sie ein Geschäft für Kosmetikartikel und der Familie geht es gut.
Wir erfuhren auch, dass die Feierlichkeiten (Puja wird das hier genannt) heute noch weitergingen. Also weiterhin Musikbeschallung von überall her. Und der Gott ist nicht nur für die Instrumente, sondern auch für Fahrzeuge und Industrie zuständig. Deswegen haben alle, vom Rikscha- bis zum Busfahrer ihre Fahrzeuge mit Blumen geschmückt. Auf dem Weg zurück konnten wir dann beobachten wie die Leute die Statuen in den heiligen Fluss tragen und versenken. Damit endet hier jede Puja.
Abends hat uns dann der Sohn vom Chef noch deren Haus gezeigt. Er ist ein sehr begabter Maler und seine Bilder wurden sogar schon in Kolkata ausgestellt. Aber er studiert BWL. Ich habe mir ein paar seiner Bücher angeguckt, genau der gleiche Stoff wie hier. Er hat uns frische Kokosnuss gebracht, was sehr lecker war. Jetzt sitzen wir bei den Frauen im Zimmer, weil es unser letzter gemeinsamer Abend ist. Tina fährt morgen nach Kolkata auf irgend so eine Veranstaltung über Wirtschaft an einem College. Ich bleibe noch hier um eine Zweigstelle zu besuchen und Maria arbeitet noch, da sie am Sonntag von Kolkata aus zum Einkaufen nach Delhi weiterfliegt und dann weiter auf die Philippinen.
Aparna ist immer noch nicht wieder da. Ihre Mutter liegt seit drei Tagen im Koma. Sehr traurig, denn auch wenn ich sie erst einen Monat kenne, so hat sie mir doch schon so viel über ihre „Mummy“ erzählt. Es ist schon traurig, aber so ist das Leben nun einmal. So jetzt aber gute Nacht. Wir haben hier noch die Megaparty mit gefiltertem Brunnenwasser und geschmolzener Schokolade.

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