Mittwoch, 3. September 2008

Josh Pyke - Middle of the Hill

Jaaaaa ich war erst auf Reisen und dann war Internet kapuut. Dafuer bekommt ihr eine schoene Gute Nacht Lektuere. Bitteschoen:

31.08.2008 – Eine kleine Reise

Also heute sollte es endlich mal was zu sehen geben. Wir wollten den Tempel von Ganga Sagar besuchen, nur 60 Kilometer entfernt von hier und eine DER Pilgerstätten der Hindus. Eigentlich wollten wir um neun am Bahnhof sein, aber da die beiden Damen nun mal Damen sind und etwas länger brauchen, waren wir dann erst um zehn vor Zehn da. Schnell die Tickets gekauft und dann hieß es warten. Nach 1 ½ Stunden kam auch schon unser Zug (sonntags fahren die hier nicht so regelmäßig) und wir stiegen ein. Uns gegenüber saßen zwei Herren, die bei einer Entwicklungsbank in Kolkata arbeiten. Mit ihnen konnten wir uns ganz gut auf Englisch unterhalten. So sprachen wir ein wenig über unsere arbeit und dann wollte mir einer der beiden erzählen er sei ein großer Bewunderer von Hitlers Aggressivität. Ich glaube er hatte keine Ahnung von dem Zeug was er da gelabert hat und wir haben das Thema auch ganz schnell wieder fallen lassen.
Nach zehn Minuten haben die beiden uns gefragt was wir den in Kolkata machen wollen. Da viel uns auf, dass das der Zug in die andere Richtung war. Gut, dass die Züge in Lakshmikantapur immer eine viertel Stunde Aufenthalt haben, so dass wir noch ganz bequem wieder aussteigen konnten. Um 12 kam dann auch schon unser Zug und wir stiegen ein. In Kakdwip ging es wieder raus und wir wandten uns an einen jungen Mann um ihn zu fragen, wo es zu den Bussen nach Harbour Point geht. Wie sich herausstellte, war der Mann Student in Kolkata und wohnte zufällig auf der Insel, die wir besuchen wollten. So hatten wir einen Führer gefunden, mit dem wir uns dann auch unterhalten haben. In Harbour Point angekommen ging es dann mit der Fähre weiter. Aber da wir hier in Indien sind, sollte die nächste Fähre erst in 1 ½ Stunden kommen. Also haben wir wieder gewartet. Als die Fähre dann ankam waren wir schon etwas überrascht. Solch ein Seelenverkäufer sollte uns heile ans andere Ufer bringen? Die Distanz ist in etwa die des Ärmelkanals und das Schiff war so rostig und alt, dass Angst haben musste gleich zu sinken. Vor allem, da es wieder hoffnungslos überfüllt war. Ich musste an der Reling stehen und habe mir erst mal einen Sonnenbrand geholt (Es waren etwa 34 Grad und praller Sonnenschein) Der Hoogly hier ist nur noch braun. Keine Ahnung wie da noch Fische drin leben, aber die Fischer waren scharenweise auf dem Wasser. Endlich angekommen riet unser neuer indischer Freund uns ein privates Auto zu nehmen, da die Busse 2 Stunden ans Südende brauchen würden, immerhin 30 Kilometer. Gesagt getan und nach einer kleinen Verhandlung über den Preis, 300 Rupien was wohl immer noch zu viel war, ging es los. In der Mitte der Insel stieg der Student aus und wir fuhren alleine weiter. Um fünf, also sieben Stunden nach unserem Aufbruch kamen wir dann auch tatsächlich an. Sieben Stunden für 60 Kilometer, eine Stunde länger hat mein Flug von Delhi nach Frankfurt gedauert…
Nun erst mal etwas kulturelles: In Ganga Sagar hat der Legende nach ein Heiliger mit Feueraugen 60.000 Kinder eines Königs verbrannt, weil die ihn beim Meditieren gestört haben. Wieso man jetzt diesen Mann verehren muss, das bleibt wohl den Hindus vorbehalten. Fakt ist, dass im Januar zu dem Fest hier etwa eine Million Hindus herpilgern und der ort auch sonst eine Zwischenstation der 6-jährigen Pilgerreise von der Ganges Quelle bis zur Mündung ist.
Also hatten wir hohe Erwartungen an den Ort, die leider bitter enttäuscht wurden. Der Tempel war mickrig und enthielt ein paar Figuren aus Stein gehauen und mit oranger Farbe bestrichen die den heiligen darstellen sollten. Wir waren die einzigen Besucher, spendeten 20 Rupien für das Heiligtum und bekamen dafür einen orangen Punkt auf die Stirn und eine Kokosnuss. Fragt mich bloß nicht wozu diese Kokosnuss ist. Insgesamt war der Ort aber beklemmend. Überall Rikschafahrer, Bettler und Leute die Muscheln unjd Souvenirs verkaufen, jedoch auf eine solch penetrante und aufdringliche Art, dass es sehr unangenehm war. Die ganze Zeit wurden gerufen „Hello Hello“.
Wir sind dann zum Strand runter und haben diesen Platz vor dem Tempel hinter uns gelassen. Der Strand wiederum war wunderschön. Feinster Sand und das Wasser hatte angenehme 28 Grad oder so. Mehr als die Füße wollte ich aber nicht reinhalten, da nur 70 Kilometer Flußaufwärts Kolkata liegt und wer weiß was die da alles reinleiten, da mag der Fluss noch so heilig sein. Lustig war auch eine Krabbenkolonie. Die sahen genauso aus wie Mr. Crabs von Spongebob und wenn man ihnen zu Nahe kommt, verstecken sie sich in ihren Höhlen im Sand. Maria ist wie eine bekloppte losgerannt und hat alle Krabben verjagt… Da es langsam dunkel wurde haben wir uns ungeplanterweise eine Unterkunft gesucht. Das nächstgelegene war ein Ashram, eine Unterkunft für Pilger, die einen gegen eine kleine Spende bei sich aufnehmen. Was soll ich sagen, wir hatten drei Holzgestelle mit einem Laken drauf und jeder ein Moskitonetz. Zum Glück war es ja nur für eine Nacht. Ich hatte natürlich so etwas nicht eingeplant und deswegen nichts mit. Tina hatte da wohl eine Vorahnung und ein Handtuch und Seife eingepackt. So konnten wir uns wenigstens waschen. War auch bitter nötig. Danach nahmen wir am Gottesdienst im hauseigenen tempel teil. Warum ist dieser tempel um längen schöner, als diese Pilgerstätte? Das alles zu beschreiben würde den Rahmen hier sprengen. Also belasse ich es dabei zu erwähnen, dass es eine sehr interessante Erfahrung war. Da um 22:15 der Strom ausgeschaltet wurde gingen wir zeitig ins Bett und ich muss sagen, ich war so kaputt, dass ich sogleich einschlief.

01.09 – Eine kleine Rückreise

Da wir ja schon zeitig im Bett waren und die netten Mönche so früh aufstehen und Lärm machen waren Tina und ich schon um halb sieben wach. Maria hat aber noch schön bis kurz vor acht weitergeschlafen. Wir hatten uns in der Zwischenzeit schon mal bereit zur Abreise gemacht. Um halb neun haben wir „ausgecheckt“ und eine Spende von 150 Rupien dagelassen. Ein Mönch fragte uns wo wir nun hingingen. Wir meinten zurück an die Arbeit, damit war er aber nicht einverstanden. Wir sollten um 10:39 in Kakdwip sein und von da aus direkt weiter nach Kolkata pilgern. Ist schon klar. Wir dankten ihm freundlich für den rat und meinten wir würden sofort nach Kolkata aufbrechen.
Aber erst mal mussten wir frühstücken. Also in einen Laden an der Straße rein und frühstück bestellt. Es gab frische, heiße Chapati, dazu eine scharfe Kartoffel-Linsensoße und Chai-Tee. War sehr lecker auch wenn mir morgens um halb neun nicht unbedingt nach deftigen heißen Speisen ist. Der Inhaber konnte auch ganz gut Englisch sprechen und hat ein wenig mit uns geplaudert. Von ihm erfuhren wir auch, dass die nächste Fähre um halb elf gehen sollte. Also hatten wir nicht mehr allzu viel zeit, wenn man bedenkt, dass die Fahrt über die Insel mit dem Bus zwei und mit dem privaten Jeep eine knappe Stunde braucht. Wir bezahlten dann, 120 Rupien, was sich wieder aber als schwierig herausstellte da wir nur noch 500 Rupien Scheine bei uns hatten. Umgerechnet 6€ und niemand kann es klein machen. Nehmt bloß immer kleines Geld mit nach Indien. Sein kleiner Sohn ist in 3 andere Geschäfte gerannt bis er endlich mit 100 Rupien scheinen ankam. In der Zwischenzeit hat uns der Ladeninhaber sämtliche Merkmale gezeigt, an denen man einen gefälschten 500-Rupien Schein erkennen kann. Es sind in Indien wohl nicht allzu wenige im Umlauf.
Als wir endlich bezahlt hatten wurde die Zeit auch langsam knapp. Er brachte uns zur stelle, wo die Wagen standen und hat noch mit dem Fahrer verhandelt. Schließlich konnten wir für 250 Rupien losfahren. Das Gefährt war schon wieder abenteuerlich. Ein überdachter Pritschenwagen, in dem ich mir bei jedem Hügel den Kopf gestoßen habe. Ich bin einfach zu groß für Indien. Die sind hier alle etwas kleiner und die meisten Männer überrage ich um einen Kopf.
Um 20 nach 10 kamen wir an der Fähre an, kauften Tickets und tuckerten los. Eine Überfahrt kostet übrigens 6,50 Rupien. Wie weit kommt man für 10 Cent über den Ärmelkanal?
Auf der anderen Seite angekommen ging es wieder mit dem Bus weiter nach kakdwip. Da der Zug dort erst um 13:41 fahren sollte sind wir voll flexibel gewesen und mit dem Bus weiter über die allerletzten Dörfer mit Schlaglöchern in der Straße, dass man sich bequem hätte reinlegen können. Das hat den Busfahrer natürlich nicht gestört und er ist volles Rohr durchgeheizt. Einmal bin ich schön aus dem Sitz geflogen und aus einem halben Meter wieder zurück in den Sitz geplumpst. Über Maria ist die Verkleidung abgefallen und es ist ein wunder, dass die Scheiben heile geblieben sind. Aber irgendwie sind wir doch in Lakshmikantapur angekommen und haben uns erst mal etwas zum Mittag gekauft, da wir nicht unbedingt das VSSU Essen in Anspruch nehmen wollten. Außerdem haben wir noch 40 Stück süßes Gebäck für die Belegschaft geholt, weil die immer so nett zu uns sind. Kostenpunkt 90 Rupien. Mit der Fahrradrikscha ging es dann zurück.
Ich hatte einen schönen Sonnenstich, es waren weder 34 Grad, der den ganzen Nachmittag angehalten hat und erst nach zwei Litern Wasser nachgelassen hat. Ergo war ich total unproduktiv und hab mich zwei Stunden ins Bett gelegt, vorher aber ausgiebig geduscht und Zähne geputzt. Die beiden Frauen haben auch erst einmal geduscht und dann geschlafen. Abends haben wir noch ein wenig mit den Case Studies angefangen und dann rumgegammelt. Da das Internet auch noch ausgefallen ist, habe ich gelesen, mit Tina auf dem Dach gesessen und schließlich einen Film angefangen. Aber den gucke ich nicht mehr zu Ende sondern gehe ins Bettchen. Morgen ist auch noch ein Tag.

02.09.2008 – Erkältung

Ich weiß nicht wie man bei täglich mindestens 30 Grad eine Erkältung bekommen kann. Auf jeden Fall habe ich totalen Schnupfen und mein Hals ist ganz trocken und kratzt. Maria kam gleich damit an, ich hätte mir die Grippe geholt. Natürlich, Grippe, was denn sonst? Ich musste Fieber messen und heraus kamen lebensbedrohlich 36,8 Grad!!! Ich war kurz davor mich ins Krankenhaus einweisen zu lassen. Doch Tina hat zum Glück etwas zum Brust einreiben mit, so dass ich hierbleiben kann. Warum weiß sie selber nicht. Ihre Mutter arbeitet in einer Apotheke und hat ihr Medikamente gegen alles eingepackt.
Ansonsten ein unspektakulärer Tag. Wir haben die Süßigkeiten verteilt, ich habe die Case Studies ausgearbeitet und ins Deutsche übersetzt, Tina bringt den Jahresbericht in vernünftiges Englisch und Maria übersetzt die Website ins Spanische. Internet ist immer noch kaputt. Keine Ahnung woran das liegt. Irgendetwas von wegen der Remotecomputer antwortet nicht. Man merkt schon wie abhängig man vom Internet ist. Doof ist nur, dass wir jetzt keine Antworten von den AIESECern aus Kolkata empfangen können, da wir ja am Wochenende dahin wollen um ein wenig Party zu machen und wir uns noch eine Übernachtungsmöglichkeit suchen müssen. Aber passt schon. Sonst fahren wir mal nach Lakshmikantapur und setzen uns in das Internetcafe dort. Da geht Internet wohl auch etwas schneller als hier.
Morgen ist schon der dritte. Die Zeit rennt aber auch und doch kommt es mir vor, als wäre ich schon doppelt so lange hier. So jetzt aber den Film zu Ende gucken. Das Parfum mit Dustin Hoffman. Bis jetzt nur zu empfehlen der Film. Morgen geht es zu einer Einweihungsfeier für die neue Polizeiwache in Dhola. Das wird so spannend, ich kann bestimmt nicht schlafen.

03.09.2008 – Here is the news

Da ich heute mal wieder einen eher unaufgeregten Tag hatte erzähle ich mal, was so in der Zeitung steht:
1. Die Zeitung ist um 33% teurer geworden, also von 1,50 auf 2 Rupien!
2. Seit Tagen auf Seite 1, die Diskussion um die neue Tata Autofabrik in West Bengalen. Um sie zu bauen hat die ach so wohltätige Kommunistische Regierung mal schnell ein paar Bauern ersatzlos enteignet. Diese wehren sich jetzt, blockieren den Highway und die Zufahrt zur Fabrik. Seit 8 Tagen stehen LKW auf dem Highway und können nicht weiter, seit 4 Tagen können die Arbeiter nicht zur Arbeit. Anführer des Widerstands ist übrigens eine muslimische Frau. Morgen soll es schon Verhandlungen zwischen Tata, den Bauern und der Regierung geben. Im Gespräch ist auch, dass Tata die Fabrik in einem anderen Bundesstaat aufbaut. Damit hätte dann keiner gewonnen.
3. Flutkatastrophe im Norden. Habe gehört, dass das sogar bis nach Deutschland durchgedrungen ist, nachdem der Wirbelsturm in den Staaten nicht so schlimm war und man schnell neue Katastrophennachrichten brauchte.
4. Es wird ausführlich über die Wahlen in den USA und insbesondere auf die Auswirkungen auf Indien berichtet. Natürlich auch über die Schwangerschaft der Tochter der Republikanischen Vizekandidatin.
5. Es gibt auch hier in der Zeitung die total lustigen Hägar der Schreckliche Witze

Ansonsten war heute ein wenig Arbeit und wir haben die Einweihung der neuen Polizeistation in Dhola verfolgt. Heißt, wir saßen in einem offenen Zelt aus Bambusstäben, haben sechs Reden auf Bengali angehört und die Polizisten in ihren Uniformen begutachtet. Dann kam einer von denen an, ein höheres Tier schätze ich, und hat mich gefragt wo ich herkomme und was ich hier mache, ob ich überhaupt eingeladen bin usw. Der erste unfreundliche Inder, dem ich begegnet bin. Da Mr. Mondal gerade telefonieren gegangen war, musste ich diesem Kerl das ganze auf Englisch erklären, was er aber nicht so ganz verstanden hat. Er hat dann nach meinem Pass gefragt, den ich natürlich nicht mit hatte und ist ein wenig sauer geworden. Zum Glück kam dann ein anderer Inder, der uns vom sehen kannte und hat dem Kerl das Ganze mal auf Bengali erklärt. Dankeschön. Danach ging es in die Bibliothek, wo wir einen Studenten trafen, der uns erzählt hat, dass er gut mit einer Japanischen Praktikantin befreundet ist, die hier vor 2 Jahren mal war. Wir haben uns ein wenig unterhalten, mussten dann aber los weil Mr. Mondal etwas unter Zeitdruck war. Schade, aber wir treffen ihn bestimmt wieder. Tja ansonsten war das Internet ja kaputt, ist es auch immer noch und wir gehen jetzt über die Telefonleitung rein. Es ist noch langsamer geworden und ständig schaltet sich die Verbindung von alleine ab. Aber was soll’s, ich habe wenigstens noch Internet. So jetzt ist es auch schon wieder halb 12. Also ab ins Bett. Das Parfum ist übrigens ein guter Film, das Buch ist aber natürlich besser. Und ich hab auch noch einen schönen Husten bekommen. Herzlichen Glückwunsch. Bis später, Peter.

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