Mittwoch, 10. September 2008

Coldplay - Reign of Love

10.09.2008 – Promialarm

Heute war Promialarm angesagt. Das komische daran: wir waren die Promis.
Wer einmal das Gefühl erleben möchte, ein gefeierter Popstar zu sein, der muss einfach nur weiß sein und nach Indien kommen.
Wie schon gesagt, wir waren heute eingeladen die Einschulung am College mitzuerleben. Um elf sind wir losgefahren, um endlich einmal pünktlich um halb zwölf am College zu sein. Zuerst ging es, verfolgt von dutzenden von Blicken, in das Büro vom Rektor wo wir noch einigen Lehrern vorgestellt wurden.
Am College werden 3500 Jugendliche im Alter von 16 bis 18 in den Klassen 10 bis 12 unterrichtet. Davon sind ca. ein Drittel Frauen. 10% der Frauen werden dann selber Lehrer, der Rest wird verheiratet und Hausfrau. Viele der Mädchen sind auch schon verheiratet. So ist das hier auf dem Land.
Um zwölf begann das Programm und wir hatten Ehrenplätze in der ersten Reihe auf der Tribüne hinter dem Rednerpult. Als wir vorgestellt wurden und einen Blumenstrauß überreicht bekamen, haben alle gejubelt. Schön, dass sich Inder so freuen, nur weil mal drei Gäste in die Schule kommen.
Dann gab es wieder Reden, teils auf Bengali, teils auf Englisch. Ich verfolgte weniger die Reden als das Geschehen vor der Tribüne. Dort waren tatsächlich uniformierte Frauen damit beschäftigt Disziplin herzustellen und haben die Schüler hin- und hergeschoben, damit alle vernünftig sehen können.
Dann trat der Rektor ans Pult und meinte, jetzt soll ich doch auch mal etwas sagen. Also ging ich ans Mikrofon und sah mich 1000 erwartungsvollen Indern gegenüber. Ich sagte nur „Namaskar“, was Guten Tag bedeutet und ein unvorstellbarer Jubel brach aus. Man hätte meinen können, dass ich gerade als Goldmedalliengewinner aus Peking zurückgekehrt sei. Ich habe dann die Rede des Rektors aufgegriffen, er hatte über lebenslanges Lernen erzählt, und meinte auch ich würde als Schüler vor ihnen stehen. Mein Fach sei die indische Kultur. Nach ein paar Sätzen über die indische Gastfreundlichkeit und einem Dank für die Einladung überließ ich unter tosendem Applaus Tina die Bühne. Danach kam Maria und jedes Mal haben alle gejubelt ohne Ende. Bei Maria mag auch der kurze Rock eine Rolle gespielt haben…
Den Reden folgte das Kulturprogramm mit Tanz, Musik und einem Gedicht. Dann war es aber zeit für uns zum Mittag zu gehen, es war inzwischen zwei geworden. Wir verließen unsere Bühne und mussten durch die Schüler zurück zum Verwaltungshaus. Auf dem Weg dahin habe ich geschätzte 100 Hände geschüttelt und ein Junge, er mag 16 gewesen sein, küsste mich auf die Wange. Etwas befremdlich aber in Indien ist das Wohl ein Ausdruck von Freundschaft. Ein anderer wollte meine Hand fast gar nicht mehr loslassen. Selbst ein Lehrer kam noch hinterhergelaufen um mir die Hand zu schütteln. Es ist schon ein lustiges Gefühl von allen nur deshalb geliebt zu werden, weil man aus einem Land, 6000 Kilometer entfernt kommt.
Zum Mittag gab es nur Süßigkeiten. Ich hatte ja wieder auf Hühnchen spekuliert, stattdessen bekam jeder einen Teller voller Süßigkeiten, wobei jeder Teller wohl drei Mal unseren Kalorienbedarf gestillt hätte. Ich habe alles einmal probiert, konnte dann aber nicht mehr in mich reinstopfen. Danach unterhielt ich mich mit einem Bengalilehrer über die Gefährdung der Bücher surch das Internet. Inder können manchmal ganz schön tief greifende Themen ansprechen, auch wenn man sich erst fünf Minuten unterhält. Er hat mir auch gleich seine Nummer und Adresse gegeben. In zehn Tagen soll ich mich melden. Bis dahin ist er noch beschäftigt an seinem neusten Buch zu schreiben. Es könnte auf jeden Fall interessant werden, einmal mit ihm zu diskutieren. Was mir aber auffällt ist, dass wir uns, auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse, nur mit der gehobenen Schicht unterhalten. Gerne würde ich auch einmal mit den einfachen Dorfbewohnern unterhalten. Aber vielleicht macht es morgen ja klick und ich kann Bengali.

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