19.09.2008 – Das letzte Mal
Heute sind wir das letzte Mal zu dritt hier. Maria verlässt uns am Sonntag, Tina ist aber heute schon nach Kolkata gefahren. Also waren Maria und ich alleine hier und haben gearbeitet. Ich habe Case studies geschrieben und sie hat Poster entworfen. Sie hat nämlich aus Honduras die Idee mitgebracht, den Dorfbewohnern anhand von Postern mit Bildern klarzumachen was z.B. verdrecktes Wasser anrichtet.
Zum Mittagessen waren wir beim Chef eingeladen. Maria war schon eine Stunde früher hin, weil sie ein spanisches Omelette zubereitet hat. Da sie noch etwas Zeit brauchte habe ich mir Mr. Mondals Zimmer angeguckt. Obwohl er ein vierstöckiges Haus mit viel Platz gebaut hat, wohnt er immer noch in seinem alten Zimmer in der Lehmhütte seiner Eltern, die davor steht. Er meinte, er würde dort schon sein ganzes Leben wohnen und da wohl auch sterben. Dann aßen wir zusammen, Mr. Mondal, Maria und ich. Seine Frau durfte daneben stehen, servieren und Fotos machen. Wenigstens durfte sie überhaupt dabei sein. Ich aß auf die indische Art mit der Hand, was mir anerkennende Worte einbrachte. Das Essen war sehr köstlich und es gab sogar Gänsefleisch. Auf dem Weg zurück zu VSSU haben wir dann noch eine fette Schlange am Wegesrand gesehen, die gerade dabei war einen Vogel zu fressen und zwar keinen kleinen. Mr. Mondal, der am Rand ging hat sich gehörig erschrocken und erst mal einen Satz zur Seite gemacht.
Abends haben wir Banani zum Abendessen in unseren Raum eingeladen. Irgendwie kamen wir auf das Thema Urlaub. In Indien gibt es teilweise keinen Urlaub. Hier in VSSU werden Sonn- und Feiertage als Urlaub gezählt. Wer darüber hinaus mal zwei Tage zu den Eltern fahren will oder auch einfach mal krank ist bekommt halt kein Geld. So ist das in Indien. Also seid alle den Gewerkschaften dankbar.
Später war Maria dann noch bei Mr. Mondal drin und hat das Posterprojekt mit ihm besprochen. Morgen ist ja ihr letzter Arbeitstag. Ich lege mich ins Bettchen, gucke Good Fellas und schlafe dann, damit sich meine erneute Erkältung nicht verschlimmert.
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