Dienstag, 16. September 2008

Death cab for cutie - Summer skin

13.09.2008 – Kontraste

Kolkata – City of joy. So sagt man in Indien. Am heutigen Samstag fuhren wir also um 20 nach zwei los um das Kolkataer Nachtleben zu erkunden. Wir hatten eine Nummer von einem Typen von AIESEC, der uns vom Bahnhof Sealdah abholen wollte. Unser Zug fuhr aber gar nicht nach Sealdah und so stiegen wir auf irgendeinem Bahnhof in Kolkata aus und fuhren mit dem Taxi weiter. Nachdem wir das Handy an den Fahrer weitergereicht hatten wusste der auch Bescheid wo wir hinwollten. Um halb sechs erreichten wir Eden Gardens, eine große Parkanlage mitten in Kolkata, wo wir schon erwartet wurden. Uns erwartete eine Bootsfahrt auf dem Hoogly. Ich dachte zuerst mit einem Touriausflugsdampfer, aber die hatten gleich einen ganzen Kahn gemietet. Es war nämlich Begrüßung der neuen Studenten und weil die Studenten ja alle der Oberschicht angehören, hatten wir ein Boot, auf dem Deck eine Anlage und Buffet (Lecker Chinesisches Essen) und unter Deck eine weitere Anlage, Klimaanlage, Wodka und Rum frei.
Alle hatten sich schön schick gemacht, selbst ich war zum Glück schon recht gut gekleidet angekommen. Doch wer lief natürlich in ihrem Lieblings Roboter T-Shirt rum? Genau, Maria. Gut, dass es eine Toilette gab und sie andere Sachen mithatte. Wir sind dann immer zwischen den zwei großen Brücken hoch und runter gefahren und haben gefeiert.
Es ist schon bemerkenswert. Einen Monat lang arbeite ich nur auf dem Land, wo Alkohol fast verboten ist, sehe die ganzen armen Leute in ihren Lehmhütten und dusche in Teichwasser. Dann fahre ich 60 Kilometer weit und befinde mich in einer komplett anderen Welt mit der Elite dieses Landes zusammen, die übrigens auch untereinander nur Englisch sprechen.
Nachdem wir wieder angelegt hatten suchten wir zuerst einmal ein Hotel. Keine leichte Aufgabe an einem Samstagabend, aber nach einer Stunde suchen und herumtelefonieren hatten wir eines gefunden und gingen erst mal duschen. Nebenbei sahen wir im Fernsehen die letzte Bombenentschärfung in Kolkata.
Danach riefen wir einen Kerl an, den wir auf dem Boot kennen gelernt hatten und er sagte uns eine gute Kneipe. Wir kehrten dort ein, bestellten drei Bier und durften erst mal schön 10€ bezahlen. In Indien wird nämlich die Unterschicht einfach durch überzogene Preise draußen gehalten. Das Gute war, dass es Live Musik gab und auf dem Fernseher Chelsea - ManCity lief. Irgendwann gingen wir dann weiter in eine Disko, Eintritt 8€. Was die Getränke gekostet haben weiß ich nicht, denn wir haben noch nicht abgerechnet und Tina hatte die bezahlt. Da wir morgens früh raus wollten sind wir dann um drei ins Hotel gegangen, dass gleich um die Ecke lag. Auf dem Weg dahin sahen wir die Armut der Stadt. Überall auf dem Bürgersteig lagen ganze Familien mit bis zu drei Kindern. Daneben suchten die Ratten nach etwas Essbarem im Müll. Die Autos rasen hupend vorbei, es stank nach Ausscheidungen und es war drückend heiß. So ein reiches Land und doch so arm. Was mich aber überrascht ist, dass es keine räumliche Abgrenzung gibt. Die Reichen gehen feiern und die Armen schlafen genau vor der Disko und keiner stört sich dran.
Auf dem Land können sich diese Leute aus Lehm und Stroh wenigstens noch eine Hütte bauen. Aber in Kolkata ist weder Material noch Platz vorhanden. Wir sind dann in unser 40€ Hotelzimmer gegangen (eine arme Familie lebt hier 20 Tage davon), waren aber zu müde um noch darüber nachzudenken.


14.09.2008 – Éinkaufstour die 2.

Nachdem ich um 3 ins Bett gekommen war sollte man annehmen, dass ich bis mindestens 10 schlafen würde. Mein Körper dachte da wohl etwas anders und pünktlich um halb acht, meine normal Zeit zum aufstehen in den letzten 30 Tagen, wurde ich wach. Doch nur eine halbe Stunde später regte sich etwas im Bett und die beiden anderen wurden auch wach. So hatten wir wenigstens Zeit um den Tag zu nutzen. Nach dem Auschecken suchten wir zuerst einen Geldautomaten, weil Tina Geld brauchte. Danach fuhren wir mit einer Motorikscha zum Mutter Teresa Haus. Sehr interessante Sache.
Weiter ging es, es war bereits zwölf geworden, in die Touristraße Kolkatas weil Maria und ich Geld wechseln mussten. Das ist mit Maria gar nicht so einfach. Sie wollte nämlich den besten Wechselkurs finden und so rannten wir durch sämtliche Wechselstuben. Als wir dann endlich den besten gefunden hatten und unsere Dollar tauschen wollten meinte der Kerl doch tatsächlich, dass es einen schlechteren Wechselkurs gibt, wenn 10er und 20er dazwischen sind. Also sind wir wieder durch Wechselstuben gerannt. Ich hatte SO EINEN HALS!!! Irgendwann konnte ich Maria dann davon überzeugen einfach zu wechseln, da es immer später wurde, ich Hunger hatte und noch etwas sehen wollte. Doch dumm gelaufen, an der nächsten Ecke befand sich wieder ein Sari Laden, in dem die beiden stöbern mussten. Danach brauchte Maria pure Seide für ihre Mama und um sich einen Schlafsack zu nähen. Fragt nocht warum ein Schlafsack aus teurer Seide sein muss… Also hat sie ein 4,8m x 1,5m großes Stück gekauft und für ihre Mama ein 2m x 1,5m.
Dann war aber immer noch nicht genug. Tina brauchte unbedingt HD Videokassetten für ihre Kamera und ein Firewirekabel. Also durch 3 Elektroläden gerannti und nach HD Kassetten gefragt. Die hatte natürlich keiner. Ich war schon voll angepisst und wurde noch mehr durch diese ganzen Leute auf der Straße aufgeregt, die einen zulabern und irgendeinen Müll verkaufen wollen. In einem kleinen Laden versuchten wir es dann noch mal. Der nette Herr hatte auch keine da, aber er könnte sie bestellen. Auf unsere Frage hin wie lange das dauern würde meinte er 20 Minuten. Keine Ahnung wo er die Kassetten herbekommen hat. Ein Firewirekabel hatte er auch noch und alles zu einem günstigen Preis. Also war Tina auch zufrieden gestellt. Es war fünf, als wir den Laden wieder verließen. Um fünf machen alle Sehenswürdigkeiten zu und ich war wieder hocherfreut darüber. Aber wir sind dann wenigstens chinesisch essen gegangen, in ein Restaurant, dass der Lonely Planet aufs wärmste empfohlen hat. Keine Ahnung welcher Depp da eine Geschmacksverirrung hatte, auf jeden Fall war das Essen nicht gerade der Hit. Aber eine Flasche 0,65l Bier hat nur einen Euro gekostet. Hatte ich doch tatsächlich auch noch was vom Tag.
Nach dem Essen sind wir nach Sealdah gefahren um wieder nach Hause zu kommen. Der Zug fuhr sogar gleich ab, wir mussten aber wieder irgendwo umsteigen und eine halbe Stunde warten. Auf der Zugfahrt haben wir wieder neue Freunde gefunden und konnten uns ein wenig unterhalten. Pünktlich um halb 10 waren wir dann wieder in unserem Zimmer. Hat mich richtig nach vorne gebracht der Tag. Naja der Chef will mit uns nächstes Wochenende fahren und die Tempel und Heiligtümer besichtigen. Dann ist nichts mit shoppen!

15.09.2008 – Ein Monat

Genau einen Monat bin ich nun schon unterwegs. Wenn ich keinen Kalender hätte, würde ich denken ich wäre schon drei hier. Irgendwie läuft die Zeit hier anders ab. Aber ich erlebe ja auch drei Mal so viel wie in Deutschland.
Nach dem Mittag sind wir wieder nach Krishnachandrapur gefahren um Interviewpartner für Tinas Video zu suchen und die Case Studies zu erstellen. Und tatsächlich, wir trafen eine Frau, die genau die Geschichte hat die Tina sucht. Ihr Mann starb vor 3 Jahren und sie musste mit Saristickerein ihre vier Kinder ernähren. Mit einem VSSU Kredit hat sie zwei Leute angestellt, die ihr halfen. Heute beschäftigt sie vor den großen Feiertagen bis zu 200 Leute und verdient ganz gut Geld. Eine richtige Erfolgsstory. Von der armen Witwe mit vier hungernden Kindern zur Großverdienerin und Arbeitgeberin.
Auf dem Rückweg von ihr machte ich Bekanntschaft mit einem Englischstudenten. Als ich einmal etwas ausgerutscht bin, hat er freundlicherweise meine Hand gehalten, daraufhin aber nicht mehr losgelassen. Ich weiß ja, dass das in Indien ein Zeichen der Freundschaft ist, aber Händchen haltend wollte ich nicht mit ihm gehen. Ich tat dann so, als hätte ich einen Stein im Schuh, so dass er mich loslassen musste. Die Frauen waren ganz begeistert vom Vollmond und Tina hat erst mal ihre Kamera mit Stativ aufgebaut und den Mond gefilmt. Es gibt wohl keinen Vollmond in Australien. Maria hat auch Fotos von 08/15 Enten gemacht. Manchmal übertreiben sie es schon ein wenig.
Mir ist mal wieder etwas Merkwürdiges aufgefallen. In jedem zweiten Teich schwimmen alte Plastikschuhe. Ich weiß nicht, ob die Leute hier nicht checken, dass Plastik erstens nicht untergeht und zweitens nicht verrottet, aber es ist wohl immer noch besser als das Zeug zu verbrennen.
Aparna ist immer noch bei ihrer Mama. Ich weiß gar nicht, wie ich mich verhalten soll, wenn ihre Mutter stirbt und sie wiederkommt. Ist in Indien der Tod nicht ein freudiges Ereignis? Aber gratulieren wäre wohl auch etwas unangebracht. Ich sollte Bonani mal fragen. Aber die ist schon im Bett. Sehr ungewöhnlich, dabei ist es erst halb zehn.


16.09.2008 – Was soll das?

Jetzt hatte ich gerade den Text fertig geschrieben, da komme ich auf irgendeine Taste und alles ist wieder weg? Also ich schreibe noch mal:
Es regnet und stürmt schon den ganzen Tag. Eine Stunde Regen, eine Stunde trocken, zwei Stunden Regen, eine Stunde trocken. Vorteil ist, dass es nicht so warm ist, Nachteil, dass eben eine Mörderspinne über meinen Bildschirm gekrabbelt ist. Und das bei Stromausfall, so dass ich sie erst gesehen hab als sie 30 Zentimeter vor meinem Gesicht war. Kann die nicht in das Frauenzimmer krabbeln? Ich hab sie mit der Taschenlampe und meinem Schuh durchs Zimmer gejagt. Nun ist sie eine ermordete Mörderspinne.
Außerdem drückt der Wind gegen meine undichten Fenster und ständig ist der Boden nass. Aber vielleicht ist das ja gut für meine Füße.
Auf der Arbeit hatte ich mit den neuen Case Studies zu tun. Eine wirklich schöne Geschichte war dabei, die auch gut in das Video passt. Eine Frau, die Witwe geworden ist und Saris bestickt. Mit dem Kredit hat sie ihr Geschäft immer weiter ausgebaut und jetzt, nach drei Jahren beschäftigt sie vor den großen Feiertagen bis zu 200 Leute.
Aparna ist immer noch nicht da und Bonani krank. Deswegen konnte heute keiner mit uns zu einer anderen Zweigstelle fahren. Also sind wir gegen Abend noch ein wenig spazieren gegangen. Eben waren wir noch beim Chef drin und haben 3 Stunden diskutiert. Jetzt noch ein wenig im Internet surfen (Ja es geht wieder) und dann ins Bett.

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