Montag, 8. September 2008

David Bowie - Heroes

So hier erst mal Teil 1. Sonntag und heute kommen morgen rein. ich versuche noch Fotos hochzuladen. Dauert ewig...

04.09.2008 – Schule, Schule

Heute waren wir zusammen mit einem Schulinspektor, der hier zu Gast ist, eingeladen in Krishnachandrapur die Schule zu besichtigen. Losgehen sollte es um 10, also halb 11. Geplant war, dass wir nach 3 Stunden wieder in Ullon sind. Aufmerksame Leser merken hier, dass es „etwas“ länger gedauert hat. Mit dem Jeep ging es los über eine wundervolle Straße. Nach nur einer halben Stunde waren wir schon da und wurden in das Büro des Schulleiters gebeten. Natürlich waren noch 6 andere Leute da, da wir mal wieder die Hauptattraktion waren und jeder mit uns reden wollte. Nachdem wir darüber unterrichtet wurden, dass die Schule momentan 1200 Schüler hat gingen wir in einen Klassenraum in dem ca. 100 Lehrer saßen, die momentan an einer Fortbildung dort teilnehmen. Wir wurden vorgestellt, haben Tee und ein paar Blümchen bekommen und dann hat der Schulinspektor, da aus Delhi kommend und des Bengalischen nicht mächtig eine Rede auf Englisch gehalten. Er hätte auch Hindi sprechen können, da man hat ihn durch seinen Akzent und dadurch, dass das Mikro auf nachhallen gestellt war eh kaum verstehen konnte. Die Lehrer haben dann noch ein paar Fragen gestellt und dann kam das Highlight überhaupt.
Maria wurde nach vorne gebeten um ein paar Worte zu sagen. Ausgerechnet Maria mit ihrem spanischen Akzent und eher durchschnittlichen Englischkenntnissen. Dazu kam noch ihr Outfit, welches sie wohl noch schlaftrunken zusammengestellt hatte. An den Füßen trug sie diese komischen Plastiklatschen mit den vielen Löchern die es jetzt überall gibt in himmelblau. Passend dazu einen Rock mit Blüten drauf und als wirkliches Highlight ein Transformers T-Shirt mit einem Roboter draufgedruckt. Ich weiß nicht, wie man als 35-jährige Frau auf eine Weltreise ein T-Shirt mit Roboter mitnehmen kann um das dann auch noch tagsüber zu tragen. Noch schlimmer ist, dass sie noch ein zweites mithat. Sie meint es wären ihre Lieblings Shirts. Unfassbar. Ihre Rede war vollkommen wirr und ich glaube das einzige was alle verstanden haben war vielen Dank für die Einladung. Sie hat noch von ihrer Mama erzählt, die ja auch Lehrerin war und dass sie die den Abend noch anrufen und ihr alles erzählen muss. Dann wollte sie anfangen vom Schulsystem in Spanien zu erzählen, wurde aber freundlich vom Rektor abgewürgt, da ihr niemand mehr zuhörte.
Tina und mir blieb es dann erspart nach vorne zu kommen. So sahen wir noch eine Tanzaufführung von vier Mädchen und gingen dann in eine Klasse. Zustände sind das in Indien. In einem Raum sitzen 70-80 Kinder und verfolgen den Unterricht. Individuelle Förderung gibt es hier wohl nicht. Aber sehr diszipliniert sind die Kinder. Wenn man in Deutschland 70 Siebtklässler in einen Raum stecken würde und drei Ausländer reinschickt könnten selbst vier Lehrer nicht für Ruhe sorgen. Hier sagt keiner einen mucks. Wenn ein Kind etwas sagen möchte meldet es sich, darf dann aufstehen und die Frage stellen und sich wieder setzen. Ich glaube bis zu den 70ern gab es so was in Deutschland auch. Nur, dass in Indien der Stock fehlt. Der Inspektor hat dann an alle Kinder einen Bonbon verteilt und wir sind zum Mittagessen gegangen. Es war zwar ähnlich dem VSSU-Essen, jedoch ganz anders gewürzt und es hat soooo gut geschmeckt. Außerdem gab es mal wieder Hühnchen und zu trinken echte Sprite. Danach wurden gab es ein großes Gruppenfoto und wir wurden eingeladen, am Kulturprogramm teilzunehmen, was wir aber dankend ablehnen mussten. Weiter ging es nämlich in die Zweigstelle, wo zuerst ein Gespräch mit dem Manager auf dem Plan stand. Natürlich gab es Tee, der dort aber einen sehr scharfern Nachgeschmack hatte. Keine Ahnung ob die den mit 3 Chilischoten brühen. Zusammen besuchten wir eine Frauengruppe, die sich von VSSU Geld geliehen haben um Zigaretten zu drehen und auf dem Markt zu verkaufen. Die 15 Frauen sind zwischen 15 und 45 Jahre alt und erstaunlich war für mich, dass die Gruppenleiterin ein 16-jähriges Mädchen ist, welches in die 10. Klasse geht. Die Position hat ihr aber merklich Selbstbewusstsein gegeben und so sprach sie mit Mr. Mondal ganz offen über ihre Probleme mit dem Kreditprogramm und dem Rückzahlungsplan. Maria hatte sich in der Zwischenzeit schon wieder durch ihre Kamera neue Freunde gemacht und wurde von der halben Dorfbevölkerung umringt. Jeder wollte ein Foto von sich gemacht haben. Zu trinken gab es dort das Fruchtwasser von unreifen Kokosnüssen. Schmeckt nur säuerlich und etwas fad. Aber da ich ein guter Gast sein wollte, hab ich natürlich schön meine Kokosnuss ausgetrunken. Irgendwann waren dann alle so weit und wir konnten wieder nach Hause fahren. Doch es gab noch einen Zwischenstopp in der Schule, die von VSSU gebaut wurde. Dort besuchten wir wieder den Rektor und dann die 6. Klasse. Die Kinder durften uns fragen stellen und waren ganz begeistert. Ich war auch begeistert, dass, hier nur 43 Kinder, so diszipliniert sein können. Und wie gut sie alle schon Englisch können. Ein Mädchen hat mich gefragt wie denn Deutschland sei, da sie Ingenieur studieren möchte und dazu nach Deutschland gehen wolle. Also habe ich ein wenig vom Winter und Schnee erzählt. Nach sechs Fragen mussten wir aber los, obwohl ca. zehn Hände oben waren. Wir versprachen so bald als möglich wiederzukommen und zwei Mädchen schenkten uns noch eine Packung mit einem kleinen indischen Snack. Pünktlich zum Abendessen um halb 8 waren wir dann auch wieder hier. Ich muss sagen auch ich selber habe heute viel gelernt und jetzt muss ich schlafen.


05.09.2008 – Schon wieder da

Direkt nach dem Gesang am Morgen wurden wir zum Chef gerufen, der uns mitteilte, dass in der Schule heute Teachers Day sei und so fuhren wir sofort hin, nur für eine, vielleicht zwei Stunden. Es sollten fünf werden. Aber der Reihe nach.
Teachers Day wurde von irgendeinem ehemaligen indischen Präsidenten eingeführt, der selber einst Lehrer war. An dem Tag feiern die Kinder ihre Lehrer, stellen ein Programm auf die Beine und haben den restlichen Tag frei. Wir sahen uns also das Programm, bestehend aus Tanz, Gedichten, Gesang und der Verehrung des Porträts des ehemaligen Präsidenten an und bekamen wieder einmal ein paar Blümchen und uns wurden die Füße geküsst. Sehr befremdend, aber das ist hier wohl ein Zeichen des Respekts.
Alles wurde von den Schülern geleitet und die Lehrer waren nur die Zuschauer. Wieder einmal erstaunlich zu welcher Selbstständigkeit hier erzogen wird, zumal man bedenken muss, dass die Kinder erst seit einem Monat in der Schule sind und sämtlich in die sechste Klasse gehen.
Danach setzten wir uns mit den Lehrern zusammen und sprachen über alles Mögliche, Wetter und Essen, Schulsysteme und Bezahlung der Lehrer, Wohnungspreise in Kolkata und Mumbai und etliches mehr. Als wir uns um 12 aufmachen wollten zurückzukehren, wurden wir aufgehalten und zum Essen eingeladen. Also blieben wir noch. Was uns niemand gesagt hat war, dass es erst um 13:15 Essen geben sollte. So erzählten wir noch eine Weile weiter. Als dann das Mittagessen kam entschieden wir, nicht am extra für uns hingestellten Tisch, sondern mit den Kindern auf Strohmatten zu essen. Es gab ganz leckere Linsen mit Ziegenkäse drin. Mein erster Käse seit drei Wochen. Nach dem Essen versprachen wir noch mit einer Präsentation über unsere Länder wiederzukommen und machten uns dann endlich auf den Weg zurück. Den Rest des Tages verbrachte ich mit der Übersetzung des Jahresberichtes und Beratung beim Kauf einer externen Festplatte für Bonani.
Außerdem gab es eine Planänderung. Am Wochenende geht es nicht nach Kolkata sondern mit dem Chef in die Sunderabans, die Mangrovenwälder im Gangesdelta. Bin schon gespannt, wie es da sein wird.


06.09.2008 – Warten aufs Wochenende

Heute war nichts sonderlich Spannendes. Hab den ganzen Tag am Computer gesessen und Übersetzt. Eine hoch spannende Aufgabe. Außerdem haben wir zu viert darüber diskutiert, welches Bild auf das Cover sollte, sind aber zu keinem Ergebnis gekommen. Morgen geht es um sieben los, also früh aufstehen und das an einem Sonntag. Aber dafür bekommen wir hoffentlich auch etwas zu sehen.
Noch eine höchst erfreuliche Nachricht: Wir bekommen jetzt jeden Tag frisches Obst, das heißt Äpfel, Bananen, Granatäpfel, süße Limetten und Guave.
Ich glaube das ist tatsächlich mein kürzester Blog. Wahnsinn. Morgen gibt dafür umso mehr.

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